Chris Dercon

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Chris Dercon im Ràdio Web MACBA, dem Online-Sender des Museu d’Art Contemporani de Barcelona

Chris Dercon (* 30. Juli 1958 in Lier) ist ein belgischer Kurator und Theaterwissenschaftler.[1] Er war zuletzt Direktor der Tate Gallery of Modern Art in London[2] und ist designierter Intendant der Volksbühne Berlin.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dercon studierte von 1976 bis 1982 in Amsterdam und Leiden Kunstgeschichte, Theaterwissenschaften und Filmtheorie. Im Anschluss arbeitete er als freier Mitarbeiter für Kunst und Kultur beim belgischen Rundfunk und Fernsehen sowie von 1983 bis 1988 am Sint-Lukas Hoger Instituut voor Beeldende Kunsten (Brüssel) als Dozent der Fachbereiche Video und Kino. 1988 wechselte Dercon als Programmdirektor ans MoMA PS1 nach New York. 1990 wurde er Direktor des Witte de With, Zentrum für zeitgenössische Kunst, in Rotterdam. 1994 wurde er für die künstlerische Leitung der documenta X nominiert. 1996 realisierte er die Ausstellung Face à l'histoire für das Centre Georges Pompidou in Paris. Von 1996 bis April 2003 war Chris Dercon Direktor am Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam, von Mai 2003 bis März 2011 Direktor des Hauses der Kunst in München.

Chris Dercon verankerte neben der zeitgenössischen Kunst auch Architektur, Design, Mode, Film und Fotografie im Programm des Hauses der Kunst. Außerdem initiierte er einen „kritischen Rückbau“ des Hauses: Bauliche Änderungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg als architektonische Entnazifizierung galten, wurden rückgängig gemacht, um den Blick auf den Ursprung des Hauses freizulegen und eine Auseinandersetzung mit seiner Geschichte zu ermöglichen. Unter Dercons Leitung lud das Haus der Kunst zahlreiche zeitgenössische Künstler und Kulturschaffende ein, die monumentalen Räume kritisch umzudeuten: Patti Smith, Yoko Ono, Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Robert Storr, Christoph Schlingensief und Ai Weiwei.

In seiner Zeit an der Tate Modern (2011 bis 2016) gelang es ihm, das Publikumsinteresse erheblich zu steigern. Dadurch konnte ein Erweiterungsbau der Architekten Herzog & de Meuron gerechtfertigt werden, der 2016 von Dercons Nachfolgerin im Amt, Frances Morris, eröffnet wurde.[3]

Berlins Regierender Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller teilte Ende April 2015 mit, dass Chris Dercon ab 2017 die Nachfolge von Frank Castorf als Intendant der Volksbühne Berlin antreten werde.[4] Viele Mitarbeiter der Volksbühne und der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, lehnen Dercon und seine Pläne für die Entwicklung des Hauses jedoch ab.[5][6]

Liste der von Chris Dercon kuratierten Ausstellungen im Haus der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carlo Mollino – Maniera Moderna (16. September 2011–8. Januar 2012). Katalog.
  • Theatergarten Bestiarium (28. März 2011–31. Juli 2011)
  • Future Beauty. 30 Jahre japanische Mode (4. März 2011–19. Juni 2011)
  • Zukunft der Tradition – Tradition der Zukunft. 100 Jahre nach der Ausstellung "Meisterwerke muhammedanischer Kunst" in München (17. September 2010–9. Januar 2011)
  • Thomas Mayfried. Ephemera. Grafik Design etc. (21. Mai 2010–22. August 2010)
  • Ai Weiwei. So sorry (12. Oktober 2009–17. Januar 2010)
  • Maison Martin Margiela. '20' die Ausstellung (20. März 2009–1. Juni 2009)
  • Apichatpong Weerasethakul. Primitive (20. Februar 2009–1. Juni 2009)
  • Made in Munich. Editionen von 1968 bis 2008 (21. November 2008–22. Februar 2009)
  • Garin Nugroho. Opera Jawa (19. September 2008–11. Januar 2009)
  • Spuren des Geistigen. Traces du Sacré (19. September 2008–11. Januar 2009)
  • Rupprecht Geiger. Farbe tanken für neue Energie (25. Januar 2008–8. M0ai 2008)
  • Anish Kapoor. Svayambh (18. Oktober 2007–21. Januar 2008)
  • Gilbert & George. Die große Ausstellung (11. Juni 2007–9. September 2007)
  • Yayoi Kusama. Dots obsession – love transformed into dots (9. Februar 2007–6. Mai 2007)
  • Amrita Sher-Gil. Eine indische Künstlerfamilie im 20. Jahrhundert (3. Oktober 2006–7. Januar 2007)
  • Herzog & de Meuron. No. 250 - eine Ausstellung (12. Mai 2006–30. Juli 2006)
  • Konstantin Grcic. Industrial Design. On / off (16. März 2006–30. Juli 2006)
  • Occupying Space. Sammlung Generali Foundation (9. März 2005–16. Mai 2005)
  • Florian Süssmayr. Bilder für deutsche Museen (17. Februar 2005–1. Mai 2005)
  • Das Bild Europas. Amo / Rem Koolhaas und foreign policy center (11. Oktober 2004–9. Januar 2005)
  • Utopia Station. Auf dem Weg nach Porto Alegre (7. Oktober 2004–16. Januar 2005)
  • Simply Droog. 10 + 1 Jahre Avantgarde Design aus Holland (18. März 2004–31. Mai 2004)
  • Strange messenger: the work of Patti Smith. Eine Ausstellung des Andy Warhol Museum. One of the four carnegie museums of Pittsburgh (19. Dezember 2003–29. Februar 2004)
  • Partners (7. November 2003–15. Februar 2004) (von Thomas Weski, damals Hauptkurator im Haus der Kunst, nach München gebracht)[7]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • als Mitherausgeber: Carlo Mollino. Maniera moderna, König, Köln 2011, ISBN 978-3-86335-020-8.
  • Auferstehung und Wiedergeburt. Das Münchner Filmmuseum wird 50 Jahre alt und ist doch quicklebendig - wie dieser Gratulant, Fan und langjährige Nachbar im Haus der Kunst bezeugen kann. In: Süddeutsche Zeitung, 28. November 2013, S. 14.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chris Dercon"Ich bin kein Museumsmann - ich komme vom Theater", Deutschlandradio Kultur vom 25. April 2015
  2. Okwui Enwezor wird neuer Chef im Haus der Kunst Süddeutsche Zeitung, Ausgabe vom 19. Januar 2011
  3. a b Neue Zürcher Zeitung: Verführer und Veränderer, 27. April 2015
  4. Chris Dercon: "Kollaboriere oder scheitere", Beitrag vom 24. April 2015 im Deutschlandradio Kultur, abgerufen 24. April 2015
  5. Volksbühne Berlin - Künstler protestieren gegen Intendantenwechsel. Deutschlandradio Kultur, 20. Juni 2016
  6. Peymann: Müller soll Dercon verhindern. rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg, 21. Juni 2016
  7. hausderkunst.de, 2003-11