Christa Ludwig

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Christa Ludwig (* 16. März 1928 in Berlin) ist eine deutsche Opern- und Konzertsängerin (Mezzosopran).

Leben[Bearbeiten]

Christa Ludwig wurde in eine musikalische Familie hineingeboren. Ihr Vater Anton Ludwig (1888–1957) war Sänger und Opernintendant (unter anderem in Aachen, Hanau, Gießen), ihre Mutter Eugenie Besalla-Ludwig (1899–1993) war Altistin und Gesangspädagogin. Die Mutter war die einzige Gesangslehrerin ihrer Tochter; bis weit hinein in den Verlauf der Karriere ihrer Tochter beobachtete und förderte sie deren stimmliche Entwicklung.

Im Alter von 17 Jahren hatte Christa Ludwig ihren ersten öffentlichen Auftritt in Gießen. Ein Jahr später wechselte sie an die Oper Frankfurt und debütierte als Prinz Orlowsky (Die Fledermaus). Bis 1952 blieb sie in Frankfurt am Main. Es folgten Engagements an die Landestheater Darmstadt (1952 bis 1954) und Hannover (1954 bis 1955). Während der Jahre in Frankfurt und Darmstadt wirkte Christa Ludwig regelmäßig bei den Donaueschinger Musiktagen für zeitgenössische Tonkunst mit und sang Werke von Luigi Dallapiccola, Pierre Boulez und Luigi Nono.

Christa Ludwig mit ihrer Kollegin Maria Callas und dem italienischen Dirigenten Tullio Serafin

1955 verpflichtete Karl Böhm sie an die Wiener Staatsoper. Sie wurde dort eine der wichtigsten Sängerinnen und 1962 zur Kammersängerin ernannt. Fast 40 Jahre war sie Mitglied des Ensembles. In dieser Zeit sang sie in 769 Aufführungen 42 verschiedene Partien. Ebenfalls 1955 debütierte sie bei den Salzburger Festspielen und sang dort bis 1993 (Liederabend am 9. August). Ab den 1960er Jahren sang sie bei den Bayreuther Festspielen (Brangäne und Kundry) sowie an der Mailänder Scala (mit Maria Callas) und am Royal Opera House in Covent Garden, London.

Auch im außereuropäischen Ausland hatte Christa Ludwig Erfolg. Nach ihren Auftritten an der Lyric Opera in Chicago wurde sie von Rudolf Bing an die Metropolitan Opera New York geholt, wo sie 1959 als Cherubino (Le Nozze di Figaro) debütierte. Bis 1993 sang sie dort wichtige Rollen wie Leonore (Fidelio), Dido (Les Troyens), Ortrud, Kundry, Marschallin, Waltraute, Fricka. Zu ihrem weiteren Repertoire zählten auch folgende Partien: Eboli (Don Carlos), Amneris (Aida), Lady (Macbeth), Carmen, Brangäne (Tristan und Isolde), Venus (Tannhäuser), Octavian (Der Rosenkavalier), Komponist (Ariadne auf Naxos), Färberin (Die Frau ohne Schatten), Klytämnestra (Elektra), Marie (Wozzeck) und Judith (Herzog Blaubarts Burg).

Neben ihrer Operntätigkeit gab Christa Ludwig Liederabende in aller Welt und wirkte als Solistin bei Chor- und Orchesterkonzerten mit. Ihre bevorzugten Liederkomponisten waren Schubert, Schumann, Brahms, Wolf, Mahler, Pfitzner und Strauss. Klavierpartner bei ihren Liederabenden und Plattenaufnahmen waren unter anderen Sebastian Peschko, Erik Werba, Gerald Moore, Geoffrey Parsons, Irwin Gage und Charles Spencer. Bei einzelnen Projekten arbeitete sie auch mit folgenden Musikern in deren Eigenschaft als Klavierpartner zusammen: Daniel Barenboim, Tzimon Barto, Leonard Bernstein und James Levine.

Mit der Fricka (Die Walküre) hatte Christa Ludwig 1993 ihren letzten Auftritt an der Metropolitan Opera in New York. 1993 und 1994 gab sie weltweit ihre Abschiedstournee mit einem Liedprogramm. Am 14. Dezember 1994 verabschiedete sie sich nach einer fast fünfzigjährigen Bühnenkarriere in der Wiener Staatsoper als Klytämnestra von ihrem Bühnenpublikum.

Die wichtigsten Dirigenten, die ihre Karriere begleiteten, waren Karl Böhm, Herbert von Karajan und Leonard Bernstein.

In ihrer Karriere traf Christa Ludwig mit den wichtigsten Sängerpersönlichkeiten der Opernwelt zusammen, u. a. mit Elisabeth Schwarzkopf, Maria Callas, Anna Moffo, Franco Corelli, Ileana Cotrubas, Edita Gruberova, Placido Domingo, Dietrich Fischer-Dieskau, Luciano Pavarotti etc.

Von 1957 bis 1970 war sie mit dem Sänger Walter Berry (1929–2000) verheiratet, mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hat. 1972 heiratete sie den französischen Schauspieler und Regisseur Paul-Émile Deiber (1925–2011). Sie lebt in der Nähe von Wien.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Diskographie[Bearbeiten]

Oper
  • Béla Bartók: Herzog Blaubarts Burg (Judith, unter István Kertész, Decca 1965)
  • Ludwig van Beethoven: Fidelio (Leonore, unter Otto Klemperer, EMI 1962; DG 1962)
  • Vincenzo Bellini: Norma (Adalgisa, unter Tullio Serafin, EMI 1960)
  • Leonard Bernstein: Candide (Old Lady, unter Leonard Bernstein, DG 1989, auch als DVD)
  • Georges Bizet: Carmen (Carmen, unter Horst Stein, EMI 1961; unter Lorin Maazel, Orfeo 1966)
  • Claude Debussy: Pelléas et Mélisande (Genevieve, unter Claudio Abbado, DG 1991)
  • Umberto Giordano: Andrea Chénier (Madelon, unter Riccardo Chailly, Decca)
  • Christoph Willibald Gluck: Ifigenie in Aulis (Klytämnestra, unter Karl Böhm, Orfeo 1962)
  • Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel (Knusperhexe, unter Kurt Eichhorn, RCA 1971; unter Sir Colin Davis Philips 1991)
  • Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel (Gertrud, unter Sir John Pritchard, Sony 1977)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Cosi fan tutte (Dorabella, unter Karl Böhm, Decca 1955 und EMI 1962)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni (Donna Elvira, unter Otto Klemperer, EMI 1967)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Le Nozze di Figaro (Cherubino, unter Karl Böhm, Philips 1956; Orfeo 1957)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte (Zweite Dame, unter Otto Klemperer, EMI 1964)
  • Jacques Offenbach: Les Contes d'Hoffmann (Stimme der Mutter, unter Seiji Ozawa, DG 1986)
  • Carl Orff: De temporum fine comoedia (Stimme, unter Herbert von Karajan, DG 1973)
  • Hans Pfitzner: Palestrina (Silla, unter Robert Heger, RCA 1964)
  • Ildebrando Pizzetti: Mord in der Kathedrale (2. Chorführerin, unter Herbert von Karajan, DG 1960)
  • Giacomo Puccini: Madama Butterfly (Suzuki, unter Herbert von Karajan, Decca 1974)
  • Giacomo Puccini: Suor Angelica (Zia Principessa, unter Richard Bonynge, Decca 1979)
  • Camille Saint-Saëns: Samson et Dalila (Dalila, unter Giuseppe Patané, RCA 1973)
  • Johann Strauß: Die Fledermaus (Prinz Orlofsky, unter Otto Ackermann, EMI 1959)
  • Richard Strauss: Capriccio (Clairon, unter Wolfgang Sawallisch, EMI 1957)
  • Richard Strauss: Elektra (Klytämnestra, unter Seiji Ozawa, Philips 1988)
  • Richard Strauss: Die Frau ohne Schatten (Färberin, unter Herbert von Karajan, DG 1964; Opera 1974)
  • Richard Strauss: Der Rosenkavalier (Octavian, unter Herbert von Karajan, EMI 1956)
  • Richard Strauss: Der Rosenkavalier (Feldmarschallin, unter Karl Böhm, DG 1969; unter Leonard Bernstein, Sony 1971)
  • Giuseppe Verdi: Un ballo in maschera (Ulrica, unter Sir Georg Solti, Decca 1983)
  • Giuseppe Verdi: Falstaff (Mrs. Quickly, unter Herbert von Karajan, DG 1980, auch als DVD)
  • Giuseppe Verdi: Macbeth (Lady Macbeth, unter Karl Böhm, Foyer 1970)
  • Richard Wagner: Götterdämmerung (Waltraute, unter Sir Georg Solti, Decca 1964; unter Herbert von Karajan, DG 1970; unter James Levine, DG 1989, auch als DVD)
  • Richard Wagner: Lohengrin (Ortrud, unter Rudolf Kempe, EMI 1964)
  • Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg (Magdalene, unter Eugen Jochum, DG 1976)
  • Richard Wagner: Parsifal (Kundry, unter Sir Georg Solti, Decca 1971)
  • Richard Wagner: Das Rheingold (Fricka, unter James Levine, DG 1988, auch als DVD)
  • Richard Wagner: Die Walküre (Fricka, unter James Levine, DG 1988, auch als DVD)
  • Richard Wagner: Tannhäuser (Venus, unter Herbert von Karajan, DG 1963; unter Sir Georg Solti, Decca 1971)
  • Richard Wagner: Tristan und Isolde (Brangäne, unter Karl Böhm, DG 1966; unter Herbert von Karajan, DG 1972)
  • Richard Wagner: Die Walküre (Fricka, unter Sir Georg Solti, Decca 1965; unter James Levine, DG 1987, auch als DVD)
  • Highlights 1955–1974. Auszüge aus Aufführungen der Salzburger Festspiele, mit Werken von R. Strauss, Mozart, Gluck, Beethoven. (Orfeo)
  • Live Recordings 1955–1994. Auszüge aus Aufführungen der Wiener Staatsoper, mit Werken von Mozart, Beethoven, Rossini, Bizet, Wagner, Verdi, Tschaikowsky, Pfitzner, R. Strauss, Berg, Debussy, von Einem. (Orfeo)
  • Meine Dirigenten. Auszüge aus Aufnahmen mit Karl Böhm, Herbert von Karajan, Leonard Bernstein (DG 2007)
Konzert, Oratorium
  • Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion. BWV 245 (unter Karl Forster, EMI 1962)
  • Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion. BWV 244 (unter Otto Klemperer, EMI 1960; unter Herbert von Karajan, DG 1972)
  • Johann Sebastian Bach: Messe h-moll. BWV 232 (unter Herbert von Karajan, DG 1973)
  • Johann Sebastian Bach: Weihnachtsoratorium. BWV 248 (unter Karl Richter, DG 1965)
  • Ludwig van Beethoven: Missa solemnis D-dur op. 123 (unter Herbert von Karajan, EMI 1958; unter Karl Böhm, DG 1974)
  • Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-moll op. 125 (unter Otto Klemperer, EMI 1957; 1968, Concerto)
  • Leonard Bernstein: Symphony No. 1. „Jeremiah“ (unter Leonard Bernstein, DG 1977)
  • Johannes Brahms: Alt-Rhapsodie op. 53 (unter Otto Klemperer, EMI 1962; unter Karl Böhm, DG 1976)
  • Anton Bruckner: Messe Nr. 3 f-moll (EMI)
  • Joseph Haydn: Die Schöpfung (unter Herbert von Karajan, DG 1966)
  • Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 2 c-moll (unter Zubin Mehta, Decca 1975; unter Leonard Bernstein, DG 1987, auch als DVD)
  • Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 3 d-moll (unter Vaclav Neumann, Supraphon 1981; unter Leonard Bernstein, DG 1987, auch als DVD)
  • Gustav Mahler: Das Lied von der Erde (unter Otto Klemperer, EMI 1964; unter Leonard Bernstein, Sony 1972; unter Herbert von Karajan, DG 1973, auch auf DVD)
  • Gustav Mahler: Des Knaben Wunderhorn (unter Leonard Bernstein, Sony 1968)
  • Gustav Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen (unter Sir Adrian Boult, EMI 1958; unter Herbert von Karajan, DG 1974)
  • Gustav Mahler: Fünf Lieder nach Friedrich Rückert (unter Herbert von Karajan, DG 1974; unter Riccardo Muti, Sony)
  • Gustav Mahler: Kindertotenlieder (unter André Vandernoot, EMI 1958)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Messe c-moll. KV 427 (1956, Preiser)
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem d-moll. KV 626 (unter Carlo Maria Giulini, EMI 1979)
  • Giuseppe Verdi: Messa da Requiem (unter Herbert von Karajan, EMI 1958; unter Carlo Maria Giulini, EMI 1963; unter Herbert von Karajan, DG 1972)
Lied
  • Ausgewählte Lieder. Brahms, R. Strauss, Mahler, Wolf, Schubert (mit Gerald Moore, EMI 1957)
  • Ausgewählte Lieder. Mahler, Schumann, Brahms (mit Gerald Moore, EMI 1959)
  • Ausgewählte Lieder. Brahms, Mahler, R. Strauss, Pfitzner, Berg (mit Erik Werba, Orfeo 1963/1968)
  • Gustav Mahler: Lieder. Auswahl (mit Leonard Bernstein, Sony 1968)
  • Franz Schubert: Lieder. Auswahl (mit Geoffrey Parsons, EMI 1961)
  • Franz Schubert: Lieder. Auswahl (mit Irwin Gage, DG 1973/1974)
  • Franz Schubert: Die Winterreise (mit James Levine, DG 1986)
  • Robert Schumann: Liederkreis op. 39 (mit Erik Werba, DG 1968)
  • Richard Wagner: Wesendonck-Lieder (unter Otto Klemperer, EMI 1962)
  • Hugo Wolf: Lieder der Mignon (mit Erik Werba; DG 1968)
  • Hugo Wolf: Italienisches Liederbuch (mit Daniel Barenboim; DG 1975)
  • Les Introuvables de Christa Ludwig (EMI 1957–1969)
  • Farewell to Salzburg. Schumann, Mahler, Brahms, Strauss (mit Charles Spencer, RCA 1993)
  • Tribute to Vienna. Beethoven, Schubert, Mahler, Wolf, Bernstein, R. Strauss, Brahms (mit Charles Spencer, RCA 1994, auch als DVD)

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Lorenz: Christa Ludwig, Walter Berry. Bergland, Wien 1968.
  • Christa Ludwig oder Wer singt am schönsten im ganzen Land. In: Joachim Kaiser: Erlebte Musik von Bach bis Strawinsky. Hoffmann und Campe, Hamburg 1977, ISBN 3-455-08942-9, S. 642 f.
  • Wer schweigt, singt besser. In: Berliner Lektionen 1994. Bertelsmann, Gütersloh 1995, ISBN 3-570-12193-3, S. 31–58.
  • Christa Ludwig unter Mitarbeit von Peter Csobádi: „… und ich wäre so gern Primadonna gewesen“ – Erinnerungen. Henschel-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-89487-337-X.
  • Sinnenzauber. In: Jürgen Kesting: Die großen Sänger des 20. Jahrhunderts. Cormoran, München 1998, ISBN 3-517-07987-1, S. 526–530.
  • Platten hören mit Christa Ludwig. In: Fono-Forum. Nr. 8/1998, S. 34–37.
  • Christa Ludwig: Opfern für den Schönklang. In: Dieter David Scholz: Mythos Primadonna. Parthas, Berlin 1999, ISBN 3-932529-60-X, S. 139–157.
  • Uwe Harten: Ludwig, Christa. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3045-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inschrift Deutschordenshof, Durchgang: Christa Ludwig 1969 (abgerufen am 10. Juni 2014)
  2. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)