Christean Wagner

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Christean Wagner (2013)

Christean Wagner (* 12. März 1943 in Königsberg, Ostpreußen) ist ein deutscher CDU-Politiker. Er war Hessischer Kultus- und Justizminister und von November 2005 bis Januar 2014 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abitur 1962 studierte Wagner bis 1966 Rechtswissenschaft in Marburg und Heidelberg. Das Studium schloss er mit beiden Staatsexamina und 1972 mit der Promotion zum Dr. jur. ab; das Thema lautete Individualisierungsprobleme der Teilleistungsklage.[1]

Politischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Position als Stadtdirektor im niedersächsischen Holzminden von 1972 bis 1975 setzte er seine politische Laufbahn in Hessen fort, unter anderem als Gemeinderatsvorsitzender seines Wohnortes Lahntal von 1977 bis 1981. Von 1975 bis 1981 war Wagner erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Marburg-Biedenkopf und danach bis 1985 Landrat. Er führte dort zu Beginn seiner Amtszeit als erster hessischer Landrat ein Umweltamt ein.

Von 1986 bis 1987 war Wagner Staatssekretär im Bundesumweltministerium und von 1987 bis 1991 Kultusminister in Hessen. 1991 wurde er Mitglied des Hessischen Landtages und übernahm nach dem Sieg der CDU bei den Landtagswahlen 1999 das Amt des Justizministers. Am 15. November 2005 wurde Wagner zum Vorsitzenden der CDU-Fraktion im hessischen Landtag gewählt. Dieses Amt hatte zuvor Franz Josef Jung inne, der am 22. November 2005 als Bundesminister der Verteidigung vereidigt wurde.

Vom 19. November 2007 bis zum 6. Mai 2013 war Wagner zudem Vorsitzender der Konferenz der Fraktionsvorsitzenden der CDU und CSU in Deutschland.

Nach der Landtagswahl 2013 schied er aus dem Parlament aus.

Außerdem ist Wagner seit 1989 Mitglied im Kreistag des Landkreises Marburg-Biedenkopf.[2][3]

Wagner ist Mit-Initiator des Berliner Kreises in der Union, einer informellen Gruppe von Landtags-, Bundestags- und Europaabgeordneten von CDU und CSU. Ziel des Berliner Kreises ist eine deutlichere Profilierung der Union und Rückbesinnung auf ihre christlich-sozialen, wirtschaftsliberalen und wertkonservativen Wurzeln. Insbesondere sollen die zahlreichen ehemaligen Wähler und Stammwähler der Union angesprochen und für die Union zurückgewonnen werden.[4][5]

Sonstiges Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagner ist Mitglied im Akademischen Turnbund.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagner ist in dritter Ehe verheiratet. Seine erste Ehe mit Roswitha Wagner wurde 1970 geschlossen und im April 1999 geschieden. Vor dem Marburger Amtsgericht und dem Bundesgerichtshof wurden mehrere Rechtsstreite zwischen Wagner und seiner früheren Familie geführt.[6]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schul- und Hochschulpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagner ist ein entschiedener Gegner der Gesamtschule.[7] Er vertritt stattdessen die unter Walter Wallmann eingeführte „Wahlfreiheit“, d. h. das Wahlrechts der Eltern zwischen Gesamtschule und gegliedertem Schulsystem.

Als Fraktionsvorsitzender sprach sich Wagner bis 2008 immer für Studiengebühren für Langzeitstudenten aus und unterstützte die Einführung von allgemeinen Studiengebühren.

Elektronische Fußfesseln für kriminelle Langzeitsarbeitslose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Zeit als Justizminister war Wagner Initiator der sogenannten elektronischen Fußfessel und des §238 Strafgesetzbuch (betreffend Stalking).[8]

An verschiedenen Äußerungen Wagners, der als Kopf des konservativen CDU-Flügels gilt, entzündete sich Kritik der Opposition: So sprach sich Wagner in einer offiziellen Presseerklärung des Hessischen Justizministeriums vom 10. März 2005 für den Einsatz elektronischer Fußfesseln zur „Motivation“ krimineller Langzeitsarbeitsloser aus.[9][10]

Strafvollzug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Justizminister kündigte Wagner an, den „härtesten Strafvollzug“ Deutschlands umzusetzen.[11]

Abschiebung von Ausländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Landtagswahlkampf 2008 sprach sich Wagner für die sofortige Abschiebung von Ausländern aus, wenn sie Einheimische mit den Worten „Scheiß-Deutscher“ beleidigen. Er wolle „nicht den Eindruck haben, als ob wir unterwandert werden nach und nach hier in unserem Vaterland“.[12]

Profilschärfung der CDU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Entlassung von Norbert Röttgen im Mai 2012 sagte Wagner in dem Magazin Focus, dass er sich eine Profilschärfung wünsche. „Wir müssen uns auf unser C [christlich] besinnen und klare wirtschaftsliberale Akzente setzen.“[13]

Biblischer Schöpfungsmythos im Biologieunterricht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wagner unterstützte zusammen mit Roland Koch das in der Öffentlichkeit stark kritisierte Vorhaben von Karin Wolff, den biblischen Schöpfungsmythos künftig im Biologieunterricht zu behandeln. Zahlreiche Medien sahen in diesem Vorschlag einen Versuch der Etablierung des Kreationismus in hessischen Schulen, nachdem Wolff zuvor erklärt hatte, dass sie keinen Widerspruch zwischen der biologischen Evolutionstheorie und der Erklärung in der Bibel sehe.[14][15][16]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 erhielt Christean Wagner das Bundesverdienstkreuz am Bande.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Demel, Michael/Heck, Stefan/Schäfer, Thomas (Hg.): Auf festem Fundament. Festschrift für Christean Wagner zum 70. Geburtstag. Duncker & Humblot, Berlin 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Christean Wagner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katalogeintrag der Universitätsbibliothek Heidelberg, abgerufen am 14. November 2011
  2. Lebenslauf Christean Wagner auf Webseite des Hessischen Landtags (Memento vom 2. November 2013 im Internet Archive), abgerufen am 29. Juli 2013
  3. Lebenslauf Christean Wagner auf Christean Wagners Webseite, abgerufen am 29. Juli 2013
  4. Parteiprofil Die konservativen Rebellen der CDU zaudern zeit.de, 20. August 2012, abgerufen am 22. August 2012
  5. Die Quadratur des Berliner Kreises, Die Welt, 3. November 2012, abgerufen am 15. Dezember 2012
  6. Wagner gegen Wagner, Der Spiegel, 26. Juni 2000, abgerufen am 4. März 2013
  7. Konservative und Reformer begraben das Kriegsbeil cicero.de, 6. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013
  8. Mirjam Utsch: Strafrechtliche Probleme des Stalking. Google Books, abgerufen am 21. Februar 2014.
  9. wikinews: „Hessischer Justizminister fordert elektronische Fußfessel für Arbeitslose“, 27. April 2005
  10. wikinews: „Aussage des hessischen Justizministers Wagner wegen der elektronischen Fußfessel wurde als Missverständnis dargestellt“, 27. April 2005
  11. Konservative und Reformer begraben das Kriegsbeil cicero.de, 6. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013
  12. Panorama-Bericht: „Wer Deutsche beschimpft, fliegt raus“. 2007 (PDF; 20 kB)
  13. http://www.abendblatt.de/politik/article2282077/Nach-dem-Rauswurf-Die-Post-Roettgen-CDU-auf-Kurssuche.html
  14. Arno Widmann: Die Bio-Bibel. 29. Juni 2007, archiviert vom Original am 6. Juli 2009, abgerufen am 29. Juni 2014.
  15. Mit der Bibel in den Biologie-Unterricht? spiegel.de, 29. Juli 2007, abgerufen am 5. Juni 2012.
  16. Kreationismus-CSU-Politiker unterstützt Wolffs Bio-Schöpfungslehre welt.de, 7. Juli 2007, abgerufen am 5. Juni 2012.
  17. Staatsanzeiger Hessen StAnz. 19/1991 S. 1210