Christel Guillaume

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Christel Guillaume (* 6. Oktober 1927 unehelich als Christel Ingeborg Margarete Meerrettig in Allenstein;[1]20. März 2004 in Berlin) war eine Agentin des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR.

Ihre 1905 geborene Mutter Erna war Landarbeiterin und heiratete Anfang der 1930er Jahre den Niederländer Tobias Boom, der Christel adoptierte. Nach neunjähriger Schulzeit hatte Christel Boom eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin begonnen, konnte diese aber infolge des Kriegsendes nicht beenden. Sie nahm Privatstunden im Schreibmaschinenschreiben und in Stenografie und arbeitete ab September 1950 in Ost-Berlin als Sekretärin für das "Groß-Berliner Komitee der Kämpfer für den Frieden." Sie ließ sich von der Stasi anwerben und heiratete am 12. Mai 1951 in Leisnig Günter Guillaume, der ebenfalls Stasiagent war. Aus der Ehe ging der Sohn Pierre Guillaume (* 1957), später Pierre Boom, hervor. 1956 siedelten die Eheleute im Auftrag der Stasi in die Bundesrepublik Deutschland um, wo sie sich als „Flüchtlinge“ ausgaben. Günter und Christel Guillaume ließen sich in Frankfurt am Main nieder und traten im September 1957 der SPD bei. [2] Christel Guillaume wurde Sekretärin im Parteibüro der SPD Hessen-Süd. Bei der Bundestagswahl 1969 kandidierte sie erfolglos auf der hessischen SPD-Landesliste. 1974 wurden sie und ihr Mann enttarnt und am 24. April verhaftet. Sie wurde wegen Landesverrats und Spionage zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

1981 kehrte das Ehepaar Guillaume im Rahmen eines Agentenaustauschs zurück in die DDR, wo es offiziell als „Kundschafter des Friedens“ gefeiert wurde. Christel Guillaume erhielt den Karl-Marx-Orden und wurde Oberstleutnant der Stasi. Seitdem lebte sie zurückgezogen in Hohen Neuendorf bei Berlin in einem extra für sie erbauten und gesicherten Haus. Am 16. Dezember 1981 ließ sich Christel Guillaume von ihrem Mann scheiden. Sie starb am 20. März 2004 in Berlin an einem Herzleiden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Kollatz: Kreuzwege – Wegkreuzungen: Jugenderinnerungen eines alten Mannes. Fischer, Aachen 2007.
  • Eckard Michels: Guillaume, der Spion: Eine deutsch-deutsche Karriere. Ch. Links Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86153-708-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eckard Michels: Guillaume, der Spion, Links-Verlag, Berlin 2013, Seite 27
  2. Eckard Michels: Guillaume, der Spion. Links-Verlag, 2013, S. 73