Christian Drosten

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Christian Heinrich Maria Drosten (* 1972 in Lingen (Ems)) ist ein deutscher Virologe.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abitur am Bischöflichen Gymnasium Marianum in Meppen studierte Drosten ab 1992 zunächst Chemietechnik und Biologie in Dortmund und Münster, und wechselte 1994 an die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, um dort Humanmedizin zu studieren. Im Mai 2000 legte Drosten das Medizinische Staatsexamen ab. Er promovierte am Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie des DRK Hessen; seine Dissertation über die Etablierung eines Hochdurchsatz-Systems zum Testen von Blutspendern wurde mit summa cum laude bewertet. Ab Juni 2000 arbeitete Drosten als Arzt im Praktikum unter der Leitung des Mediziners Herbert Schmitz in der Abteilung für Virologie des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg, wo er die Laborgruppe Molekulare Diagnostik leitete und ein Forschungsprogramm zur molekularen Diagnostik tropischer Viruskrankheiten etablierte. Seit 2007 leitete Drosten das Institut für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. Im Jahr 2017 folgte er einem Ruf an die Charité in Berlin, wo er das Institut für Virologie leitet[1].

Drosten gehört zu den Mitentdeckern des SARS-Virus (SARS-CoV). Mit Stephan Günther gelang ihm 2003 wenige Tage nach der Identifizierung noch vor dem Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta die Entwicklung eines diagnostischen Tests auf das neu identifizierte Virus. Beide erhielten dafür den Preis der Werner-Otto-Stiftung[2] und wurden 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Seine Erkenntnisse zu SARS stellte Drosten der Wissenschaftsgemeinde über das Internet sofort zur Verfügung, noch bevor sein Beitrag im Mai 2003 im New England Journal of Medicine erschien[3]. Dies wurde u. a. von der Zeitschrift Nature gewürdigt.[4]

Die von Christian Drosten geleitete Forschungsgruppe erforschte unter anderem auch das Middle East respiratory syndrome-coronavirus (MERS-CoV). Sie entwickelte einen Test gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 aus China, das seit Ende 2019 grassierte. Sie stellten den Test Mitte Januar 2020 weltweit zur Verfügung.[5] Außerdem publizierten sie das sequenzierte Genom aus in Deutschland gewonnenen Proben (erste Fälle waren in Bayern aufgetreten). Neuauftretende Viren (Emerging Viruses) im Allgemeinen ein Schwerpunkt der Arbeit.

2004 erhielt er den GlaxoSmithKline Förderpreis für Klinische Infektiologie, den Abbott Diagnostics Award der European Society for Clinical Virology, den BioMerieux Diagnostics Award der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie und den Postdoktorandenpreis der Robert-Koch-Stiftung. Ebenfalls 2004 hielt er die Beijerink Vorlesung der Königlich Niederländischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft.

Drosten setzt sich für die transparente Verbreitung von wissenschaftlichen Daten ein und publiziert darum in Fachzeitschriften wie Eurosurveillance, wo alle Artikel online frei verfügbar sind.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://virologie-ccm.charite.de/metas/person/person/address_detail/drosten/
  2. Bernhard Nocht Institut, Pressemitteilung vom 4. Dezember 2003: Virologen des Tropeninstituts erhalten Preis der Werner Otto Stiftung.
  3. Christian Drosten et al.: Identification of a Novel Coronavirus in Patients with Severe Acute Respiratory Syndrome. In: New England Journal of Medicine. Band 348, 2003, S. 1967–1976, doi:10.1056/NEJMoa030747
  4. Alison Abbott: SARS testing: First past the post. In: Nature. Band 423, 2003, S. 114, doi:10.1038/423114a
  5. Was uns morgen erwartet, Interview von Christian Drosten mit Sonja Kastilan, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 2. Februar 2020, Nr. 5, S. 53
  6. Harro Albrecht: Christian Drosten: Der Informant. In: www.zeit.de. 5. Februar 2020, abgerufen am 7. Februar 2020.