Christian Hillgruber

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Christian Hillgruber (* 9. Dezember 1963 in Darmstadt[1]) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler und Rechtsphilosoph.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Hillgruber, Sohn des Kölner Historikers Andreas Hillgruber, studierte Rechtswissenschaft an der Universität Köln, legte 1988 die Erste Juristische Staatsprüfung ab und wurde 1991 in Köln mit der Dissertation zum Thema „Der Schutz des Menschen vor sich selbst“ promoviert. Nach dem Rechtsreferendariat in Nordrhein-Westfalen legte er 1992 die Zweite Juristische Staatsprüfung ab und war wissenschaftlicher Assistent an der Universität Köln sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht.

Hillgruber habilitierte sich 1997 an der Universität Köln mit einer Arbeit zum Thema „Die Aufnahme neuer Staaten in die Völkerrechtsgemeinschaft“. Im selben Jahr übernahm Hillgruber eine C3-Professur an der Universität Heidelberg. 1998 wurde er Ordinarius an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 2002 wechselte Hillgruber an die Universität Bonn, wo er in der Nachfolge Josef Isensees einen Lehrstuhl für Öffentliches Recht innehat.

Seine Hauptarbeitsfelder liegen in den Bereichen Staatsrecht, Völkerrecht sowie Rechts- und Staatsphilosophie.

Funktionen und Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bonn (2008–2011)
  • Stellvertretendes Mitglied des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen (seit 2009)
  • Vorsitzender der Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens der Universität Bonn
  • Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats zur Begleitung der Arbeit der Außenstelle Ludwigsburg des Bundesarchivs
  • Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin
  • Stellvertretender Vorsitzender der DHV-Verbandsgruppe Bonn
  • Vorsitzender der Juristen-Vereinigung Lebensrecht e.V.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 forderte Hillgruber „Schutz für eine neue Minderheit“, da nach seiner Ansicht die „Lobby der Homosexuellen“ diejenigen diskriminiere, die „die Homosexualität für moralisch fragwürdig und homosexuelle Praxis für anstößig halten“.[2] Das Studierendenparlament der Universität Bonn forderte ihn daraufhin auf „seine persönlichen Aversionen gegen Homosexuelle und trans*-Menschen nicht weiterhin in der Öffentlichkeit auszubreiten, weil dies seiner Funktion (...) nicht angemessen“ sei.[3]

2015 bezeichnete Hillgruber ebenfalls in der FAZ die „Handhabung des ‚Blasphemie‘-Paragraphen 166 des Strafgesetzbuches durch die Justiz [als] völlig unbefriedigend“ und die „grenzenlose Diffamierung“ der Religion in Deutschland als ein „Integrationshindernis ersten Ranges“.[4]

Im selben Jahr argumentierte Hillgruber, wiederum in der FAZ, dass Beihilfe zur Selbsttötung verfassungswidrig sei und deshalb verboten werden sollte.[5]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Schutz des Menschen vor sich selbst (= Studien zum öffentlichen Recht und zur Verwaltungslehre. Bd. 48). Vahlen, München 1992, ISBN 3-8006-1636-X (Dissertation, Universität Köln, 1991).
  • mit Matthias Jestaedt: Die europäische Menschenrechtskonvention und der Schutz nationaler Minderheiten. Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn 1993, ISBN 3-88557-098-X.
  • Die Aufnahme neuer Staaten in die Völkerrechtsgemeinschaft: Das völkerrechtliche Institut der Anerkennung von Neustaaten in der Praxis des 19. und 20. Jahrhunderts (= Kölner Schriften zu Recht und Staat. Bd. 6). Lang, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-631-33016-2 (Habilitationsschrift, Universität Köln, 1997).
  • mit Christoph Goos: Verfassungsprozessrecht (= Schwerpunkte. Bd. 22). Müller, Heidelberg 2004; 3. Auflage 2011, ISBN 978-3-8114-9747-4.
  • mit Bernhard Kempen: Völkerrecht (= Schriftenreihe der Juristischen Schulung. Bd. 182). Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54904-5.
  • Staat und Religion. Überlegungen zur Säkularität, zur Neutralität und zum religiös-weltanschaulichen Fundament des modernen Staates (= Schönburger Gespräche zu Recht und Staat. Bd. 10). Schöningh, Paderborn/Wien/Zürich/München 2007, ISBN 978-3-506-76474-4.
  • Manfred Spieker, Klaus Ferdinand Gärditz: Die Würde des Embryos. Ethische und rechtliche Probleme der Präimplantationsdiagnostik und der embryonalen Stammzellforschung, Ferdinand Schöningh 2012, ISBN 978-3-506-77649-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. 20. Ausgabe (2005). Bd. 1, S. 1370.
  2. Christian Hillgruber: Wo bleibt die Freiheit der anderen?, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Februar 2014, Nr. 44, S. 7
  3. Beschluss: Missbilligung eines Gastbeitrages von Professor Dr. Hillgruber in der FAZ, Studierendenparlament der Studierendenschaft der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Beschluss vom 26. Februar 2014, veröffentlicht am 6. März 2014.
  4. „Ein Integrationshindernis ersten Ranges“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Januar 2015.
  5. Jedes Leben schützen, FAZ vom 25. Juni 2015, Seite 6.