Christian Kreiß

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Christian Kreiß, 2017

Christian Kreiß (* 4. September 1962 in München) ist ein deutscher Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Aalen. Seine Schwerpunkte sind Finanzierung und Wirtschaftspolitik. Bei der Bundestagswahl 2017 und der Bundestagswahl 2021 kandidierte er jeweils erfolglos für zwei Kleinstparteien.

Ausbildung und Berufstätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Kreiß machte das Abitur am Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting und studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität München. Er wurde Assistent bei Knut Borchardt und hat 1992 zum Thema Kartellpreispolitik 1924–1932 in Wirtschaftsgeschichte promoviert.

Er arbeitete ab 1993 bei der Commerzbank als Bankangestellter, ab 1995 im Investmentbanking bei der Bayerischen Landesbank München, ab 1998 in der Dresdner Bank Gruppe.

Seit 2002 ist Kreiß Professor für Finanzierung, Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Hochschule Aalen.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mephisto-Prinzip, 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angewendet auf das Wirtschaftsleben bedeutet das Mephisto-Prinzip, dass möglichst falsche und schädliche Grundannahmen oder Axiome eingeführt werden müssen, die aber auf den ersten Blick plausibel, gut und vernünftig erscheinen. Diese 7 Axiome sind: 1. Unersättlichkeit 2. Zinseszins ist gut, richtig und wichtig 3. Eigentum in beliebiger Höhe ist gut, richtig und wichtig 4. Unternehmen sollen ihre Gewinne maximieren 5. Konsumenten maximieren rational ihren Eigennutzen 6. Konkurrenz und Wettbewerb sind gut 7. Die unsichtbare Hand des Marktes überführt das eigennützige Verhalten der Marktteilnehmer in das Wohl der Allgemeinheit.

Nach ihrer Erläuterung folgen 7 Kapitel zu den schädlichen Wirkungen dieser Axiome. Im Anschluss entwirft der Autor ein Gegenmodell menschengerechter Wirtschaft und beschreibt Wege zu seiner Realisierung. Hinter der ökonomischen Fehlentwicklung sieht der Autor den „Kampf um die Ausschaltung des Christentums“: Die heutigen Wirtschaftswissenschaften sind seiner Einschätzung nach auf vielen Gebieten ein Frontalangriff auf das Christentum. Der Schlüsselsatz aus Christoph Lütges „Wirtschaftsethik“ dient ihm als Nachweis des Ungeistes der Wirtschaftswissenschaft: „Man kann das Eigeninteresse – innerhalb der geeigneten Rahmenordnung – gewissermaßen als eine „moderne Form der Nächstenliebe“ begreifen […]. Es gilt also nicht mehr der traditionelle Gegensatz zwischen gutem, altruistischen Verhalten und schlechtem Egoismus.“ Laut Kreiß würden die zwei zentralen Grundpfeiler des Christentums Altruismus und Nächstenliebe dadurch aufgehoben.[1]

Geplante Obsoleszenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2014 veröffentlichte die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ein Gutachten zum Thema Geplante Obsoleszenz, das Kreiß zusammen mit Stefan Schridde verfasst hatte.[2] Zum selben Thema veröffentlichte Kreiß ein Buch. Darin belegt er seine These der systematischen geplanten Obsoleszenz an vielen Einzelbeispielen, teilweise mit dem Material des Gutachtens für die Grünen.

Kreiß untersucht Erscheinungsformen, Ausmaß, Auswirkungen und Ursachen. Gewollte Produktdefekte wie bei Glühbirnen (siehe auch Phoebuskartell) sind nur eine Maßnahme. Es gibt auch den funktionellen und psychologischen Verschleiß, wenn Produkte als veraltet und unmodern empfunden werden. Den volkswirtschaftlichen Schaden beziffert der Autor auf 100 Milliarden Euro pro Jahr. Als Gegenmaßnahme schlägt Kreiß vor, Werbung einzuschränken, die Lebensdauer zu kennzeichnen und Medien unabhängig von Werbeeinnahmen zu machen. „Der Autor zeichnet das Idealbild einer entschleunigten Welt, in der Produkte nicht weggeworfen, sondern repariert werden“, so der Rezensent von spektrum.de. „Einer Gesellschaft, die – zu diesen pathetischen Abschlussworten versteigt er sich unnötigerweise – auf dem Weg zu mehr Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sei.“[3]

Drittmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Buch „Gekaufte Wissenschaft“ stellt Kreiß dar, dass Hochschulen bei der immer größeren Anteil gewinnenden Drittmittelforschung in Abhängigkeit von Wirtschaftsakteuren geraten seien. Diese steuerten die Wissenschaft zu ihren Zwecken: „Gutachten, die Gesundheitsrisiken verschweigen, Professoren, die bei kritischen Veröffentlichungen um ihre Stelle bangen, Hochschulen, die den Geldgebern vertraglich Einflussnahme zusichern.“ Die Einflussnahmen, die er mit vielen Beispielen belegt, sieht er als systemimmanentes Problem, nicht als zufällige Einzelerscheinungen. Hinter ihnen sieht er falsche Annahmen, einmal über die angeblich nachweisbar segensreiche Wirkung des Sponsorings, außerdem den Glauben, man könne die „Schere im Kopf“, also die Selbstzensur, vertraglich ausschließen. Diese Auffassung von Kreiß wird als „Generalverdacht“ kritisiert, außerdem wurde auch sein eigenes Buch von der Stiftung Hübner und Kennedy gGmbH gesponsert.

Auch über die Vergabe von Regierungsgeldern, so Kreiß, entscheiden letztlich Wirtschaftsvertreter, etwa über die Gremien „Innovationsdialog“ oder „Forschungsunion“.[4]

Kritik äußerte Kreiß insbesondere auch an Facebook und der Ernennung Christoph Lütges an der TU München zum Leiter des neu gegründeten Ethik-Instituts:[5] „Der ganze Bewerbungsprozess ist an der TU weggefallen, die 6,5 Millionen Euro sind direkt einer bereits existierenden Person zugesprochen worden. (...) So eine Auswahl per Handschlag widerspricht dem Gesetz.“[6]

Positionen zur Corona-Krise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende März 2020 kritisierte Kreiß die damaligen Lockdown-Maßnahmen in vielen Staaten Europas gegen die COVID-19-Pandemie als „Ermächtigungsgesetze“ und machte sie für eine von ihm erwartete kommende Wirtschaftsdepression verantwortlich. Es handele sich um eine „medial erzeugte Corona-Massenhysterie“. Er rechne mit starken nationalen Konflikten, einem Zerbrechen des Euro, Chaos und Streit in Europa. Profitieren werde davon eine Macht- und Finanzelite.[7]

Kreiß trat bei mehreren „Querdenken“-Kundgebungen als Redner auf, unter anderem in München.[8] Am 13. Juni 2020 in Ulm sprach er von „abstoßenden, unmenschlichen und total umstrittenen Gesichtsmasken“ und bezichtigte Bundeskanzlerin Angela Merkel der Lüge, weil sie Corona eine Bedrohung für jeden genannt habe.[9] Bei einer Querdenkerkundgebung in Traunstein im November 2020 vertrat Kreiß laut einem Medienbericht Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie, etwa dass Schweden trotz des dortigen Verzichts auf einen strengen Lockdown damals im Vergleich mit Deutschland prozentual weniger Coronatote zu beklagen gehabt habe.[10]

Kreiß kritisierte das Treffen des Stuttgarter Initiators von „Querdenken“ Michael Ballweg mit dem Reichsbürger Peter Fitzek (15. November 2020) als „Idiotie“ und erklärte, er sei „auf Querdenken hereingefallen“. Die Bewegung sei für ihn „jetzt tot“.[11] Er sagte eine Querdenkerkundgebung in Aalen ab, bei der er als Redner vorgesehen war.[12] Er trat jedoch weiter in Internetmedien wie KenFM und Rubikon auf.[9]

Bei der Bundestagswahl 2017 war Kreiß im Bundestagswahlkreis Fürstenfeldbruck erfolglos für eine Wählergruppe „Vereinigte Direktkandidaten“ angetreten. Bei der Bundestagswahl 2021 trat er im selben Wahlkreis erneut an, diesmal als Kandidat für die 2020 gegründete Basisdemokratische Partei Deutschland.[13] In einem Interview betonte er, dass er die Existenz des Virus und die Wirksamkeit von Impfstoffen dagegen nicht bestreite. Er lehnte aber Gesichtsmasken und Einschränkungen der Bürgerrechte ab und verlangte, nur Risikogruppen zu impfen. Er selbst hielt sich für immun und wollte als Ungeimpfter das Ansteckungsrisiko tragen. Er distanzierte sich von Kontakten anderer Querdenker zu „Reichsbürgern“ und von antisemitischen Aussagen des Basis-Kandidaten Sucharit Bhakdi. Er forderte höhere Steuern für Reiche und eine Bannmeile für Industrielobbyisten um den Bundestag.[8] Mit 2,7 % der Erststimmen seines Wahlkreises erhielt er kein Mandat.[14]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Preispolitik deutscher Kartelle an der Nahtstelle zwischen eisenschaffender und eisenverarbeitender Industrie 1924 bis 1932. Diss. oec. publ. Univ. München, 1992.
  • Profitwahn: Warum sich eine menschengerechtere Wirtschaft lohnt. Tectum Verlag, Marburg 2013
  • Geplanter Verschleiß: Wie die Industrie uns zu immer mehr und immer schnellerem Konsum antreibt – und wie wir uns dagegen wehren können. Europa-Verlag, Berlin 2014
  • Gekaufte Forschung: Wissenschaft im Dienst der Konzerne. Europa-Verlag, Berlin, 2015
  • Werbung – nein danke. Warum wir ohne Werbung viel besser leben könnten. Europa Verlag, München, 2016
  • Blenden Wuchern Lamentieren – Wie die Betriebswirtschaftslehre zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt, (zusammen mit Heinz Siebenbrock). München : Europa Verlag, 2019
  • Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft. Hamburg : tredition Verlag, 2019
  • Gekaufte Wissenschaft – Wie uns manipulierte Hochschulforschung schadet und was wir dagegen tun können. Hamburg : tredition Verlag, 2020

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Christian Kreiß – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Kreiß: Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft. tredition, Hamburg 2019, S. 197 f.
  2. Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion (Hrsg.): Geplante Obsoleszenz: Gekauft, gebraucht, kaputt – vom viel zu kurzen leben vieler Produkte. August 2014
  3. Tim Haarmann: Gewollter Murks. Spektrum.de, 5. August 2014
  4. Jens Wernicke: Missbrauchte Wissenschaft. Heise / Telepolis, 13. Juni 2015
  5. Valentin Dornis: Künstliche Intelligenz: Facebook finanziert Forschung. SZ, 20. Januar 2019
  6. Sabine Buchwald: Uni-Finanzierung: „Wenn die Industrie in die Hochschule einzieht, ist das für den Menschen oft nicht gut“. SZ, 28. November 2019
  7. Christian Kreiß: Die Corona-Angst und die kommende Wirtschaftsdepression. Heise / Telepolis, 31. März 2020
  8. a b Peter Bierl: Die Basis: Der Maskengegner. SZ, 2. September 2021
  9. a b Wie die Waldorfbewegung mit Corona-Verharmlosern kämpft. BR, 30. April 2021
  10. Ralf Enzensberger: Querdenker-Halbwahrheiten im Faktencheck: Redner Dr. Christian Kreiß bezieht sich in seiner Corona-Maßnahmen-Kritik auf Schweden und globale Armut. Passauer Neue Presse (PNP), 20. November 2020
  11. Josef-Otto Freudenreich: Buch „Querdenken“: Aufruhr in Stuttgart. Kontextwochenzeitung, 17. November 2021
  12. „Querdenker“ sagen Veranstaltung in Aalen ab – Neuanmeldung mit ausgetauschter Rednerliste. Schwaebische.de, 24. November 2020 (kostenpflichtig)
  13. Andreas Ostermeier: Gröbenzell: Kreiß kandidiert für Bundestag. SZ, 6. Mai 2021
  14. Bundeswahlleiter.de: Bundestagswahl 2021: Ergebnisse - Wahlkreis 215: Fürstenfeldbruck.