Christian Weber (NSDAP)

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Christian Weber, 1934

Christian Weber (* 25. August 1883 in Polsingen; † 11. Mai 1945 auf der Schwäbischen Alb) war ein NSDAP-Funktionär, SS-Brigadeführer und MdR.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach sieben Jahren Besuch der Volks- und Fortbildungsschule 1889–1897 arbeitete Weber, der aus armen Verhältnissen stammte, als Jungknecht bis Oktober 1901 auf dem Gut Polsingen. Nach Militärdienst vom 5. Oktober 1901 bis zum 28. September 1904 bei der Eskadron „Jäger zu Pferde“ im 1. Chevaulegers-Regiment in Nürnberg wurde er zunächst Hausknecht im Münchener Gasthaus „Blauer Bock“, 1906 Pferdeknecht in Neumarkt und 1913 Pferdeknecht und Bereiter bei der Pferdehandlung Göbl in München.

Beim Beginn des Ersten Weltkriegs am 6. August 1914 eingezogen diente er im gesamten Verlauf des Krieges im Bayerischen 8. Feldartillerie-Regiment an der Westfront. Am 3. Januar 1919 wurde er im Rang eines Sergeanten[1] aus dem Heer entlassen. Mit gespartem Geld konnte Weber sich ab 1919 einen eigenen Pferdeverleih aufbauen, den er jedoch bereits 1921 wieder aufgab; ab 1925 betrieb er eine eigene Tankstelle in München. 1919–1922 war er Mitglied in den Freikorps Epp und Oberland.

Bereits 1920 lernte Weber Adolf Hitler und Dietrich Eckart kennen, die ihn ermutigten, der NSDAP beizutreten, was er im August 1921 tat. Von 1921 bis 1923 agierte Weber als Sicherheitsbegleiter Hitlers, der sich von Weber duzen ließ[2][3] und ihn im Herbst 1921 zum Führer der SA-Motorstaffel und Leiter des Fuhrparks der Parteileitung ernannte. Von Mai bis November 1923 war Weber dann Leiter der Transportabteilung im Stab des Oberkommandos der SA und Mitglied im sogenannten Stoßtrupp Adolf Hitler.[4]

Nach der Neugründung der Partei im Februar 1925 stieg Weber in die Münchner Lokalpolitik ein. 1926 wurde er Mitglied des Münchner Stadtrats, dem er bis zum 1. Oktober 1935 angehörte, und 1931 (bis 1945) Mitglied des Kreistags von Oberbayern (ab 1937 Bezirksverband Oberbayern), zu dessen Präsidenten ihn Hitler im März 1933 ernannte. Dazu war er ab 1933 Präsident des Münchner Kreistages, 1933–1935 Vorsitzender der NSDAP-Stadtratsfraktion sowie ab 1934 auch Wirtschaftsdezernent[5] und ab 1937 Sonderbeauftragter für Wirtschaftsangelegenheiten der „Hauptstadt der Bewegung“ München in der nunmehr gleichgeschalteten Stadtverwaltung München. Vom 1. Oktober 1935 bis Kriegsende war er Ratsherr und Ratspräsident der Hauptstadt der Bewegung, Nebenberuflich amtierte er u. a. als Leiter des „Amts für den 8./9. November 1923“ der NSDAP, Präsident des Rennvereins München-Riem, Präsident des „Wirtschaftsbundes Deutscher Rennstallbesitzer und Vollblutzüchter“, Präsident des „Kuratoriums für das Braune Band von Deutschland“, Präsident des Internationalen Kongresses für Vollblutzucht und Galoppsport der europäischen Länder (ab 16. Juli 1936), Präsident der Gestütshöfe Isarland, Mitglied des Beirats der Deutschen Reichspost, Mitglied des Reichsjagdrats, Präsident des Deutschen Jagdmuseums, Mitglied des Reichsverkehrsrats, Mitglied des Vorstands des Deutschen Gemeindetags, Erster Vorsitzender des Vereins Ausstellungspark München und Mitglied des Aufsichtsrats der Münchner Kammerspiele.

Bereits am 4. Mai 1933 trat Weber als SS-Sturmbannführer in die Allgemeine SS ein. Er wurde am 1. März 1934 zum SS-Standartenführer befördert und am 1. April 1934 zum „SS-Rangführer“ beim SS-Oberabschnitt Süd in München ernannt. Am 4. Juli 1934 erfolgte seine Beförderung zum SS-Oberführer, und am 16. Juli 1936 die zum SS-Brigadeführer (mit Patent vom 26. Juli 1936). Am 1. November 1937 ernannte Heinrich Himmler ihn zum Kommandeur der SS-Hauptreitschule München und zum „Inspekteur der SS-Reitschulen“ im Stab des SS-Hauptamts; Weber wurde damit für die Belange der Reiter-SS zuständig, eine Aufgabe, die er sich mit der „Inspektion der SS-Reiterei“ im SS-Hauptamt teilte.

Weber betrieb in der Münchener Senefelderstraße ein Bordell, was Bernhard Stempfle eines „alten Kämpfers“ für unwürdig hielt und ihn deshalb verspottete. Im Rahmen des „Röhm-Putsches“ 1934 soll Weber daher die Ermordung von Stempfle veranlasst haben, indem er Stempfle eigenmächtig und ohne Hitlers Zutun auf die Todesliste der Münchener Exekutionskommandos gesetzt habe.[6][7]

Während der Novemberpogrome 1938 verübten SS-Männer in Zivil unter Webers Leitung einen Brandanschlag auf das im Besitz von Rudolf von Hirsch befindliche Schloss Planegg.

Weber nutzte seine Macht in der NSDAP schamlos zum eigenen Vorteil. Er zählte zu den korruptesten Nationalsozialisten.[8] Überaus geschäftstüchtig und bedenkenlos in seinen Mitteln, setzte er sich fast immer durch, auch wenn er sich in München durch sein rüpelhaftes Auftreten auch in Parteikreisen viele Feinde machte. Bereits der Parteigründer Anton Drexler beklagte sich 1923 über das Bonzentum in der Partei und meinte damit Weber. Parteischatzmeister Franz Xaver Schwarz legte sich 1939 quer, als Weber sich an der „Arisierungjüdischer Immobilien bereichern wollte.

Weber zeigte sich an dem von ihm kreierten Pferderennen um das Braune Band von Deutschland von seiner operettenhaften Seite, wenn er in den „Nächten der Amazonen“ auf den Teichen des Nymphenburger Schlossparks von kaum bekleideten Darstellerinnen „lebende Bilder“ mehr oder weniger mythologischen Inhalts gestalten ließ. Himmler sammelte Unterlagen aus den zahlreichen Parteigerichtsverfahren gegen Weber, wagte aber trotz sich bietender Möglichkeiten nicht, gegen ihn in irgendeiner Weise vorzugehen.

Verhaftung und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Weber in den Endtagen des Zweiten Weltkriegs wegen der Zerstörung seiner Diensträume im Rathaus am Marienplatz wohnte, wurde er von der „Freiheitsaktion Bayern“ festgenommen und nach Erding gebracht. Nach seiner Freilassung verlangte er das Todesurteil für den Rathausinspektor Hans Scharrer, der dem Stoßtrupp der Freiheitsaktion das Tor zum Rathaus geöffnet hatte, und ließ ihn anschließend ohne Vernehmung erschießen. Am 1. Mai 1945 wurde Weber von der United States Army in Buchhof bei Starnberg verhaftet und zunächst nach Ulm gebracht. Als er von dort für weitere Verhöre nach Heilbronn überstellt werden sollte, kippte auf der Fahrt der Anhänger des Armee-Lastwagens, auf dessen offener Ladefläche die Gefangenen transportiert wurden, um und Weber wurde tödlich verletzt.[9] Er wurde in Heilbronn in einem Massengrab beerdigt.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ZBLG 57 (1994) S. 437.
  2. Andreas Dornheim: Röhms Mann fürs Ausland, 1998, S. 65 f.
  3. Eugene K. Bird: Stehen Sie auf, Nummer 7. Rudolf Heß im Spandauer Kriegsverbrecher-Gefängnis. In: Der Spiegel. Nr. 17/1974, 22. April 1974 (online [abgerufen am 25. Dezember 2013]).
  4. Dass er 1923 in einer führenden Rolle am Hitler-Putsch teilgenommen haben soll, beruht allerdings auf einer Verwechslung mit Friedrich Weber.
  5. a b Dös Viech g'fallt mir. In: Der Spiegel. Nr. 8/1951, 21. Februar 1951, S. 23 ff. (online [abgerufen am 5. November 2013]).
  6. Bruno Brehm: Das zwölfjährige Reich, 1963, S. 71.
  7. Wilhelm Hoegner: Der Politische Radikalismus in Deutschland, 1919-1933, 1966, S. 236. „Sich mit Weber angelegt“.
  8. Frank Bajohr: Parvenüs und Profiteure. Korruption in der NS-Zeit, Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-10-004812-1, S. 59.
  9. Martin: Der Fall Christian Weber. In: ZBLG. Nr. 57, S. [1].