Christian Worch

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Christian Worch (2003)

Christian Worch (* 14. März 1956) gilt als einer der führenden Kader der deutschen Neonaziszene[1] und ist Vorsitzender der rechtsextremen Kleinpartei Die Rechte.[2]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Jugend verlebte Worch in Hamburg-Hamm. Seit seinem einundzwanzigsten Lebensjahr ist der gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte[3] politisch im rechtsextremen Spektrum aktiv. 1977 wurde er insbesondere mit einer provokanten Aktion der in Hamburg von Michael Kühnen geführten „Hansabande“ unter dem Motto „Ich Esel glaube, dass in Deutschland Juden vergast worden sind“ als Holocaustleugner bekannt.[4] Aus der Organisation ging im selben Jahr die Aktionsfront Nationaler Sozialisten (ANS) hervor. Ebenfalls 1977 wurden Kühnen und Worch einer Veranstaltung wegen, die sie zur Ehrung der Kriegsverbrecher, die im Verlauf der Nürnberger Prozesse zum Tode verurteilt worden waren, durchgeführt hatten, zu einer Arbeitsauflage verurteilt. Zu dieser Zeit pflegten sie auch Kontakte zur später verbotenen Wiking-Jugend.

Nachdem Kühnen 1979 verhaftet worden war, übernahm Worch die Leitung der ANS und wurde kurz darauf nach einer Propagandaaktion und einem Überfall ebenfalls vor Gericht gestellt. 1980 wurde er der Volksverhetzung und Verbreitung nationalsozialistischer Propaganda für schuldig befunden und zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren Haft verurteilt.[5]

Nachdem die Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten ANS/NA 1983 verboten worden war, trat Worch der (später ebenfalls verbotenen) Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) bei und wurde deren stellvertretender Vorsitzender. Seit 1984 engagierte er sich außerdem in der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e.V.“, die 2011 verboten wurde, und nahm an Führungstreffen der NSDAP-Aufbauorganisation teil. 1989 gründete Worch dann zusammen mit Thomas Wulff die Partei Nationale Liste (NL)[5] und war ab 1993 auch in deren Vorstand aktiv. Innerhalb der NL gab er bis September 1991 die Zeitschrift Index heraus, mit der er sich insbesondere im Bereich der sogenannten Anti-Antifa-Arbeit betätigte. Nach dem Tod Kühnens 1991 übernahm er zusammen mit Arnulf Priem und Gottfried Küssel die Leitung der Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front (GdNF).

Worchs aktivistische Betätigung war Gegenstand zahlreicher Strafverfahren, in denen er in der Regel von seinem Gesinnungsgenossen Jürgen Rieger anwaltlich vertreten wurde. Ende 1994 wurde Worch zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er die ANS/NA nach dem Verbot dieser Organisation illegal weitergeführt hatte.[6] Ende Februar 1996 trat Worch diese Strafe an, wurde jedoch 1997 vorzeitig aus der Haft entlassen.

Otto Riehs und Axel Reitz mit Christian Worch als Spitze einer Kundgebung im Oktober 2004 in Köln

Nach dem Verbot der NL im Februar 1995 stand Worch in den 1990er Jahren zeitweise der NPD nahe und war einer der entscheidenden Verbindungsmänner der Freien Kameradschaften, einer neonazistischen Organisationsform, die Thorsten Heise, Thomas Wulff und er zuvor maßgeblich entwickelt hatten,[7] zu Aktionen der NPD.

Seit die NPD-Spitze im August 2000 verkündet hatte, vorerst den „Kampf auf der Straße“ auszusetzen, um mit Blick auf den Verbotsantrag dem Staat weniger Angriffsflächen zu liefern, distanzierte sich Worch zunehmend von der Partei. Auch der NPD-seitig propagierten sogenannten Volksfront von rechts stand er kritisch gegenüber, was u. a. zu Auseinandersetzungen mit seinem langjährigen Weggefährten Wulff führte und für Worch, dem zuvor schon angeboten worden war, den Landesvorsitz der Hamburger NPD zu übernehmen, auch ein zeitweiliges „Auftritts- und Redeverbot“ auf Veranstaltungen der Partei zur Folge hatte.[8]

Worch betätigte sich bis zuletzt als Gegner der 2011 letztlich vollzogenen Fusion von NPD und DVU.[5] Im Juni 2012 wurde er Gründungsvorsitzender der Partei „Die Rechte“, deren Programmatik von der DVU übernommen sei, um in Konkurrenz zur NPD rechtsextremes Wählerpotential zu mobilisieren.[9]

Einfluss und Umfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt wurde Worch als maßgeblicher Organisator von GdNF-Aufmärschen sowie der Rudolf-Heß-Gedenkmärsche. Er fungiert als Organisator, Anmelder und Redner bei einer Vielzahl von Neonazi-Demonstrationen. Aus seinem früheren Hamburger Umfeld[6] ist Worch mittlerweile nach Parchim in Mecklenburg-Vorpommern umgezogen.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Christian Worch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Patrick Gensing: NPD verliert wichtigsten Finanzier. tagesschau.de, 29. Oktober 2009, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  2. Worch: Seit Jahrzehnten in der Szene aktiv. ndr.de, 5. Oktober 2012, archiviert vom Original am 12. April 2013, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  3. Patricia Schlesinger: Gewalt, Chaos, Umsturz – Die Strategie der Hintermänner des Nazi-Terrors. daserste.ndr.de, 24. August 2000, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  4. Kaum Erfolgschancen für neue Neonazi-Partei, Artikel vom 14. August 2012 von Felix M. Steiner auf Zeit Online
  5. a b c Andreas Speit: Auf den Trümmern der DVU. taz.de, 17. Juni 2012, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  6. a b Wolf Annaun: Die Braune-Armee-Fraktion. In: DIE ZEIT, 03/1995. zeit.de, 13. Januar 1995, abgerufen am 31. Oktober 2016.
  7. Michael Klarmann: Kameradschaften als Strategieelement. bpb.de, 23. April 2007, abgerufen am 31. Oktober 2016.
  8. Andreas Speit: Brauner Block leidet. taz.de, 8. Januar 2005, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  9. Philipp Wittrock, Florian Diekmann, Christina Hebel: Neue Rechtspartei will NPD ersetzen. spiegel.de, 27. Juli 2012, abgerufen am 30. Oktober 2016.
    Marc Brandstetter: Ein Jahr Die Rechte: Der private Feldzug des Christian W. endstation-rechts.de, 27. Mai 2013, abgerufen am 30. Oktober 2016.
  10. Florian Diekmann, Christina Hebel: „Die Rechte“-Gründer Christian Worch: Streithansel der Neonazi-Szene. spiegel.de, 27. Juli 2012, abgerufen am 30. Oktober 2016.
    Thilo Schmidt: Ein Mäntelchen auf Zeit. deutschlandradiokultur.de, 24. April 2013, abgerufen am 31. Oktober 2016.