Christiane Felscherinow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Vera Christiane Felscherinow (* 20. Mai 1962 in Hamburg) wurde Ende der 1970er Jahre durch das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo als drogensüchtige Jugendliche Christiane F. bekannt. Durch die große Verbreitung des Buchs und die erfolgreiche Verfilmung wurde sie zur Symbolfigur einer von Drogen geprägten Jugendkultur der 1970er und 1980er Jahre. In den frühen 1980er Jahren lebte sie in einer Künstler-WG auf der Hamburger Reeperbahn und war als Musikerin und Schauspielerin aktiv, blieb aber kommerziell erfolglos. 2013 veröffentlichte sie ihre Autobiografie Christiane F. – Mein zweites Leben.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christiane Felscherinow wuchs in einer Familie auf, die durch die Alkoholkrankheit ihres Vaters geprägt war. Als sie sechs Jahre alt war, zog die Familie nach West-Berlin in ein Hochhaus der Neuköllner Gropiusstadt. Auch nach der Scheidung der Eltern besserte sich ihre soziale Situation nur bedingt. Im Alter von zwölf Jahren begann sie Drogen zu konsumieren. Mit 14 Jahren war sie heroinabhängig und prostituierte sich auf dem Kinderstrich an der Kurfürstenstraße und am Bahnhof Zoo. Ihre Mutter bemerkte nach zwei Jahren das Doppelleben ihrer Tochter.

1978 sagte Felscherinow in einem Prozess als Zeugin aus. Die beiden Stern-Reporter Kai Hermann und Horst Rieck wurden auf sie aufmerksam und baten sie um ein Gespräch über die Drogenszene. Nach zweimonatiger Recherche entstand daraus das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste in den Jahren von 1979 bis 1981), ein autobiographisches Werk, durch das die Öffentlichkeit erstmals etwas über den Alltag der Drogenszene und den Teufelskreis aus persönlichen Nöten und Drogensucht erfuhr. Das Buch wurde 1981 von dem Regisseur Uli Edel unter dem Titel Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo mit Natja Brunckhorst in der Hauptrolle verfilmt.

Zwischen 1981 und 1983 versuchte Felscherinow mit Unterstützung ihres damaligen Lebensgefährten Alexander Hacke, eine Karriere als Sängerin und Filmschauspielerin zu starten, teilweise unter dem Namen „Christiane F.“, teilweise unter dem Künstlernamen „Christiana“. Mit Hacke trat sie als Musikduo unter dem Namen Sentimentale Jugend auf, unter anderem beim Festival Genialer Dilletanten im September 1981 in Berlin. 1982 nahm sie als Solosängerin einige Schallplatten im Stil der Neuen Deutschen Welle auf. Hauptrollen spielte sie in den Filmen Neonstadt (1981, unter anderem neben Charles Brauer, Barbara Freier, Lisa Kreuzer, Michaela May, Billie Zöckler) und Decoder (1983). Im Herbst 1983 nahm sie an einer Promotiontour für den Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo durch die USA teil. Dabei offenbarte sie erstmals ihren vollständigen Namen. In der Radioshow des bekannten Moderators Rodney Bingenheimer hatte sie eine Musikkassette mit dem Lied 99 Luftballons von Nena dabei. Als er das deutschsprachige Lied spielte, löste es eine hohe Nachfrage zahlreicher Hörer aus, woraufhin weitere Radiostationen anfingen, es ebenfalls zu spielen. So kam es in die amerikanischen Charts, bevor Nenas Plattenfirma Columbia Records überhaupt reagieren konnte.[1]

Von 1987 bis 1993 lebte Felscherinow in Griechenland. Später wohnte sie mit ihrem Sohn (* 1996) in Teltow und in Berlin. Ihrem Sohn legte Christiane Felscherinow ihr Sachbuch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo das erste Mal zum Lesen vor, als dieser zwölf Jahre alt war, allerdings dauerte es zwei weitere Jahre, bis der Sohn aus eigenem Interesse zu dem Buch griff.[2] Von Zeit zu Zeit trat Felscherinow mit Presseinterviews an die Öffentlichkeit.[3]

Nach einem Aufenthalt in Amsterdam kehrte sie nach Berlin zurück. Mehreren Medienberichten zufolge wurde sie zwischenzeitlich rückfällig.[4] 2008 nahm das Jugendamt ihren Sohn in Obhut und sie verlor das Sorgerecht, das sie 2010 zurückbekam.[5] Sie hat ihren Sohn allerdings nicht wieder zu sich geholt.[6]

Am 10. Oktober 2013 erschien ihre Autobiografie Christiane F. – Mein zweites Leben, broschüriert. Eine „Fan-Ausgabe“ des Buchs, die 10 Tage früher und nur online bei Deutscher Levante Verlag GmbH, Berlin erworben werden konnte, beinhaltet zusätzliche Zeichnungen, Bilder, über QR-Codes zugängliche Videobotschaften. Aus einem Teil des Erlöses soll die Christiane-F-Stiftung,[7] gegründet von der Autorin und dem Verlag, gefördert werden, die Kinder von substanzabhängigen Eltern unterstützen und in der Sache sensibilisieren soll.[8] In Bezug auf ihre finanzielle Situation erklärte Christiane Felscherinow im November 2013 in der n24-Fernsehsendung Deutschland akut: „Ich bin auf jeden Fall reich in dem Sinne, dass ich mir nicht überlegen muss, wenn ich an der Fleischtheke stehe, ob ich mir heute vielleicht kein Filet leisten kann. Das gibt’s nun nicht. Ich kann ja doch wenigstens noch einkaufen gehen, ohne zu gucken, heute hab ich nur zehn Euro. Die meisten meiner Freundinnen müssen alle so rechnen, ich bin eigentlich die Einzige, die ein bisschen noch über Geld verfügt. Ich habe mein ganzes Geld nur für mein persönliches Leben ausgegeben. Ich besitze kein Haus, ich habe kein Auto. Die Versicherung, der ganze Sprit, das verfress’ ich im Monat beziehungsweise fahr’ ich mal tanzen.“[9]

Im Januar 2014 gab Felscherinow in ihrem Blog ihren vorläufigen Rückzug aus der Öffentlichkeit bekannt.[10] Hauptgrund sei ihr schlechter Gesundheitszustand[11] und eine Online-Petition, mit der die Entlassung des Fernsehmoderators Markus Lanz gefordert wurde, nachdem er die Politikerin Sahra Wagenknecht in einer Talkshow immer wieder unterbrochen hatte: „Ich habe große Angst davor, dass anonyme Kritiker über mich urteilen und mir im Internet einen Prozess machen.“[12]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wunderbar / Der Tod holt mich ein (Single, mit Alexander Hacke von Einstürzende Neubauten, 1982, Posh Boy Records/USA) Song bei youtube
  • Gesundheit (EP, 1982, Posh Boy Records/USA)
  • CHRISTIANA – Final Church (Maxi-Single, 1982, Supermax Schallplatten/West Germany)
  • Wunderbar – Health Dub (Maxi-Single, 2003, Playhouse Records/Germany)

Filmografie und Mediendokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neonstadt (1981/82), Regie: Wolfgang Büld
  • Decoder (1983/84), Regie: Muscha
  • Christiane F. (Dokumentarfilm Radio Bremen 1983)
  • Christiane F. (Dokumentarfilm Spiegel TV 1996)
  • Die Große Untergangsshow – Festival Genialer Dilletanten – Berlin Tempodrom, 4. September 1981. Vinyl on Demand Friedrichshafen 2005 (Medienkombination, bestehend aus DVD, CD, 2 LP)
  • Berlin Super 80. Music & Film Underground West Berlin 1978–1984, feat. music by Malaria, Christiane F., Die Tödliche Doris, Einstürzende Neubauten and others. Concept & Realisation Toni Schifer, Rolf S. Wolkenstein. Monitorpop Entertainment, Berlin 2005. (Medienkombination, bestehend aus DVD, Audio-CD und Buch.)
  • Zurück im Drogenmilieu: die Geschichte der Christiane F. (Spiegel TV Magazin, 2008)
  • 2015: B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979–1989. Dokumentation mit Mark Reeder, Regie von Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck, Heiko Lange und Alexander von Sturmfeder, 92 min

Buchverfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 99 Luftballons und das Chaos der Gefühle. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1984, S. 218–226 (online).
  2. N24-Sendung Deutschland akut. Fernsehsendung, 27. November 2013; Moderator Claus Strunz, über das Thema „Nach Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, weitere Gesprächsteilnehmer: Sozialpädagoge Christian Hennis und Journalistin Sonja Vukovic. Diskussionsrunde aus Anlass der Veröffentlichung der Autobiografie "Mein zweites Leben" (Deutscher Levante Verlag) von Christiane Felscherinow. Produziert von Schmidt Media OHG, Nierstein.
  3. Neuere Interviews:
  4. Drogenprobleme: Christiane F. zurück im Drogensumpf. In: Spiegel Online. 9. August 2008, abgerufen am 23. April 2020.
  5. Birgit Bürkner: Christiane F. – neuer Drogenabsturz. In: Hamburger Abendblatt. 11. August 2008, abgerufen am 28. September 2018.
    Drogensucht: Christiane F. kann sich nicht mehr um Sohn kümmern. In: Spiegel Online. 11. August 2008, abgerufen am 28. September 2018.
  6. Katja Mitic-Pigorsch: Warum Christiane F. der Sucht nicht entkam. In: Welt Online. 26. September 2013, abgerufen am 15. Januar 2014.
  7. Stiftung: Christiane F.: Mein zweites Leben. In: christiane-f.com. Archiviert vom Original am 3. Februar 2014; abgerufen am 23. April 2020.
  8. Buch: Christiane F.: Mein zweites Leben. In: christiane-f.com. Archiviert vom Original am 3. Februar 2014; abgerufen am 23. April 2020.
  9. N24-Sendung Deutschland akut. Fernsehsendung, 27. November 2013; Moderator Claus Strunz, über das Thema „Nach Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, weitere Gesprächsteilnehmer: Sozialpädagoge Christian Hennis und Journalistin Sonja Vukovic. Diskussionsrunde aus Anlass der Veröffentlichung der Autobiografie "Mein zweites Leben" (Deutscher Levante Verlag) von Christiane Felscherinow. Produziert von Schmidt Media OHG, Nierstein.
  10. Rückzug aus der Öffentlichkeit: Christiane F. fürchtet den Lanz-Effekt. In: Spiegel Online. 30. Januar 2014, abgerufen am 23. April 2020.
  11. Nada Weigelt: 40 Jahre nach „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: Was wurde aus Christiane F.? In: t-online.de. 27. September 2018, abgerufen am 28. September 2018.
  12. Christiane Felscherinow: Ich verabschiede mich! In: christiane-f.com. Archiviert vom Original am 1. Februar 2014; abgerufen am 28. September 2018.