Christina Obergföll

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Christina Obergföll Leichtathletik

20150726 1723 DM Leichtathletik Frauen Speerwurf 1480.jpg
Obergföll 2015

Nation DeutschlandDeutschland Deutschland
Geburtstag 22. August 1981 (35 Jahre)
Geburtsort Lahr/SchwarzwaldDeutschland
Größe 175 cm
Gewicht 71 kg
Karriere
Disziplin Speerwurf
Bestleistung 70,20 m Sport records icon NR.svg
Verein LG Offenburg
Trainer Werner Daniels, Boris Obergföll
Status zurückgetreten
Karriereende 3. September 2016
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 0 × Gold 2 × Silber 0 × Bronze
Weltmeisterschaften 1 × Gold 2 × Silber 0 × Bronze
Europameisterschaften 0 × Gold 2 × Silber 0 × Bronze
Deutsche Meisterschaften 4 × Gold 5 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Spiele
0Silber0 Peking 2008 66,13 m
0Silber0 London 2012 65,16 m
 Weltmeisterschaften
0Silber0 Helsinki 2005 70,03 m
0Silber0 Osaka 2007 66,46 m
0Gold0 Moskau 2013 69,05 m
Logo der EAA Europameisterschaften
0Silber0 Barcelona 2010 65,58 m
0Silber0 Helsinki 2012 65,12 m
Deutsche Meisterschaften
0Silber0 Braunschweig 2004 61,56 m
0Silber0 Bochum-Wattenscheid 2005 57,00 m
0Silber0 Ulm 2006 64,07 m
0Gold0 Erfurt 2007 66,59 m
0Gold0 Nürnberg 2008 62,18 m
0Gold0 Kassel 2011 68,86 m
0Gold0 Bochum-Wattenscheid 2012 65,86 m
0Silber0 Ulm 2013 61,73 m
0Silber0 Nürnberg 2015 64,11 m
letzte Änderung: 8. September 2016

Christina Obergföll (* 22. August 1981 in Lahr/Schwarzwald) ist eine ehemalige deutsche Speerwerferin. Ihr größter Erfolg war der Gewinn der Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau.

Sportlicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christina Obergföll, die in Mahlberg aufwuchs, erzielte ihre ersten Erfolge beim TuS Mahlberg.[1]

Als Gewinnerin von bislang zwei Weltmeisterschafts- und zwei Europameisterschafts-Silbermedaillen, je einer Silber- und einer Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen, ist sie deutsche Rekordhalterin und ehemalige Inhaberin des Europarekordes (70,20 m). Zusammen mit Barbora Špotáková, Osleidys Menéndez und Maria Abakumowa gehört sie zu den Speerwerferinnen, die mehrmals über 70 Meter warfen.

Unter dem Trainer Werner Daniels startet Christina Obergföll für die LG Offenburg (Baden) und hat bei einer Größe von 1,75 m ein derzeitiges Wettkampfgewicht von 71 kg. Sie studiert Sport und Englisch an der Universität Freiburg und ist seit September 2013 mit dem Speerwerfer Boris Obergföll geborener Henry verheiratet.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits als Juniorin feierte sie erste Erfolge. Zwischen 2000 und 2002 wurde sie dreimal in Folge Deutsche Juniorenmeisterin. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2000 in Santiago de Chile erreichte sie Rang acht. 2004 nahm sie an den Olympischen Spielen in Athen teil, konnte sich jedoch als Fünfzehnte der Qualifikation nicht für das Finale qualifizieren.

Der erste große Erfolg ihrer Karriere gelang Obergföll bei den Weltmeisterschaften 2005 in Helsinki, wo sie überraschend die Silbermedaille gewann. Bei ihrem zweiten Versuch warf sie den Speer auf 70,03 m und stellte mit dieser Leistung einen Europarekord auf. Sie war damit zu diesem Zeitpunkt die einzige Frau neben der Kubanerin Osleidys Menéndez, die den Speer auf eine Weite von über 70 Meter geworfen hatte.

2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 bei den Weltmeisterschaften in Ōsaka

Bis vor der Saison 2007 galt Obergföll als formunbeständig und ihr komplizierter Wurfstil als gesundheitlich problematisch. Während sie in vielen Wettkämpfen nur geringe Weiten erzielte, konnte ein gelungener Wurf so weit fliegen, dass er jenseits der Möglichkeiten anderer Werferinnen lag. Konkurrentinnen wie Steffi Nerius fürchteten daher die nicht ausrechenbare Form im Wettkampf. Beim Saisonstart 2007 in Halle zeigte sie jedoch, dass sie an ihrer Technik enorm gearbeitet hat. Mit der zu diesem Zeitpunkt zweitbesten Leistung ihrer Laufbahn gewann Obergföll mit 68,08 m den Wettbewerb deutlich vor Nerius, die als Zweite 64,74 m erzielt. Damit übertraf Obergföll bereits im ersten Wettkampf des Jahres 2007 die von ihr selbst erzielte Jahresweltbestleistung aus 2006 von 66,91 m. Auch bei den weiteren Wettkämpfen 2007 in Kassel und Cottbus siegte Obergföll vor Nerius, und am 23. Juni verbesserte sie beim Leichtathletik-Europacup in München ihren eigenen Europarekord auf 70,20 m. Erstmals in ihrer Karriere gewann Obergföll bei den Deutschen Meisterschaften 2007 in Erfurt den Titel mit einer Weite von 66,59 m. Bei den Weltmeisterschaften 2007 in Ōsaka gewann sie genau wie zwei Jahre zuvor Silber.

2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Olympiajahr 2008 verteidigte sie ihren Titel am 5. Juli 2008 bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg. Mit 62,18 m siegte sie im letzten Versuch vor der bis zu diesem Zeitpunkt führenden Nerius, die mit 61,91 m den zweiten Platz belegte. Ihre Bestleistung im Jahr 2008 liegt bei 69,81 m. Diese Weite erzielte sie am 31. August 2008 beim DKB-Cup-Finale in Elstal.[2] Bis dahin hatte sie eine Saisonbestleistung von 67,72 m vom Grand-Prix-Meeting in Ostrava. Hier hatte sie das einzige Mal gegen die amtierende Weltmeisterin Barbora Špotáková aus Tschechien gewonnen, die bei diesem Wettkampf mit 66,91 m Zweite wurde.

Bei den Olympischen Spielen 2008 erzielte sie mit 66,13 m die drittbeste Weite. Vor ihr lagen Barbora Špotáková, die mit 71,42 m die Goldmedaille gewann und damit einen neuen Europarekord aufstellte, und Marija Abakumowa aus Russland, die ebenfalls Obergfölls ehemaligen Europarekord übertraf. Nach der nachträglichen Disqualifikation von Abakumowa wegen Dopings durch das IOC am 13. September 2016 wurde Obergföll die Silbermedaille zugesprochen. Die Viertplatzierte von 2008, die Britin Goldie Sayers, gilt seitdem als Gewinnerin der Bronzemedaille.

2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Weltmeisterschaftsjahr 2009 erwischte Christina Obergföll bei ihrem ersten Wettkampf in Halle einen sehr guten Start. Sie siegte mit 68,40 m, das bedeutete Weltjahresbestleistung. Noch nie in ihrer Karriere war sie so gut in eine Saison gestartet. Bis zu ihrem dritten Wettkampf, am 5. Juni in Baunatal, hatte diese Weltjahresbestleistung immer noch Bestand. Auch den Wettkampf in Baunatal gewann sie mit 67,48 m. Bei den Heim-Weltmeisterschaften in Berlin erreichte sie mit 64,34 m den fünften Platz und blieb hinter ihren Erwartungen zurück.

2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 beim ISTAF Berlin

Obergföll gewann bei den Europameisterschaften in Barcelona hinter ihrer Vereinskameradin Linda Stahl die Silbermedaille.[3] Außerdem warf sie in Elstal mit 68,63 m den drittweitesten Wurf des Jahres und den viertweitesten Wurf ihrer Karriere.

2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Saison 2011 verlief für Obergföll anfänglich ziemlich gut, sie gewann vier Diamond-League-Meetings und sicherte sich mit ihrem vierten Sieg in London den vorzeitigen Gesamtsieg. Außerdem warf sie in fünf Wettkämpfen über 65 Meter. Der weiteste Wurf gelang ihr bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel mit 68,86 m, dies war ihr viertbester jemals geworfener Wurf und brachte ihr ihren dritten nationalen Titel und einen Meisterschaftsrekord. Ihr großer Traum einer Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften in Daegu (Korea) erfüllte sich jedoch nicht. Dort konnte sie mit 65,24 m nur den vierten Platz erreichen.

2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obergföll arbeitete nun mit dem Sportpsychologen Hans Eberspächer zusammen.[4] Bei den Europameisterschaften wurde sie mit 65,12 m Vize-Europameisterin,[5] nachdem sie kurz zuvor in Wattenscheid mit 65,86 m bereits zum vierten Mal Deutsche Meisterin geworden war und Anfang des Monats beim Werfer-Meeting in St. Wendel schon 67,04 m erreicht hatte.[6] Bei den Olympischen Spielen in London errang sie mit 65,16 m international bereits zum fünften Mal eine Silbermedaille hinter der aktuellen Weltrekordlerin, ehemaligen Weltmeisterin 2007 und nun zweimaligen Olympiasiegerin Barbora Špotáková.

2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Mai nahm Obergföll an allen Diamond-League-Meetings teil, bei denen Speerwurf ausgetragen wurde. Mit Siegen in Eugene, New York und Rom setzte sie sich schnell an die Spitze des Diamond Race Rankings. Auch beim nächsten Meeting in Paris am 6. Juli gewann sie. Bei den deutschen Meisterschaften einen Tag später musste sie sich Linda Stahl geschlagen geben. Mit enttäuschenden 61,74 m blieb sie hinter den sonstigen Saisonleistungen zurück. Mit ihrem fünften Diamond-League-Sieg in Folge bei den Anniversary Games in London, stand sie am 17. Juli vorzeitig als Siegerin der Gesamtwertung fest.

Den größten Erfolg ihrer Karriere erreichte Obergföll bei den Weltmeisterschaften in Moskau, als sie mit einer erreichten Weite von 69,05 m die Goldmedaille gewann.

2014/2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund ihrer Schwangerschaft und der Geburt ihres Sohnes legte sie eine Wettkampfpause ein. Im Mai 2015 gab sie ihr sportliches Comeback.[7] Bei den Weltmeisterschaften in Peking wurde sie beim Sieg von Katharina Molitor mit 64,61 m Vierte.

2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Doping-Skandalen, die von russischen Athleten verursacht wurden, plädierte Obergföll im Mai 2016 für eine Sperre Russlands bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.[8] Obwohl sie für die Europameisterschaften als DM-Vierte nicht berücksichtigt worden war, wurde Obergföll für die Olympischen Spiele als eine von drei deutschen Starterinnen nominiert, wobei sie den Vorzug vor Katharina Molitor bekam, die anschließend mit einer einstweiligen Verfügung scheiterte.[9][10] Bei den Spielen belegte sie als beste Deutsche mit 62,92 m den achten Platz. Mit einem Sieg beim ISTAF Berlin beendete sie am 3. September 2016 ihre Karriere.[11]

Fernsehauftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christina Obergföll unterstützt den Förderverein für krebskranke Kinder e. V. Freiburg im Breisgau, wo sie auch Kuratoriumsmitglied ist. Zudem setzt sie sich aktiv im Bereich Kinderarmut in Deutschland als auch in der Welt ein (u. a. für die Welthungerhilfe und UNICEF).

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrer Heimatgemeinde Mahlberg wurde 2013 eine Straße nach ihr benannt.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Christina Obergföll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christina Obergföll – Portrait & Erfolge.
  2. Speerwerferinnen übertreffen sich in Elstal
  3. Speerwurf-Doppelsieg durch Stahl und Obergföll, abgerufen am 14. September 2013.
  4. Speerwerferin Christina Obergföll arbeitet mit Mentaltrainer Badische Zeitung, 15. März 2012, abgerufen am 26. September 2015.
  5. Ergebnisse EM 2012
  6. Storl unterliegt knapp – Obergföll überzeugt. In: Focus. 10. Juni 2012, abgerufen am 10. August 2012.
  7. Speerwurf-Star: Obergföll beendet Wettkampfpause. In: Spiegel Online. 12. Mai 2015, abgerufen am 12. Mai 2015.
  8. http://www.sueddeutsche.de/news/sport/doping-speerwerferin-obergfoellrusslands-athleten-sperren-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-160525-99-65195 Speerwerferin Obergföll: Russlands Athleten sperren, Süddeutsche Zeitung online vom 25. Mai 2016; abgerufen am 9. Juli 2016.
  9. Olympia-Nominierung: Molitor droht mit Klage gegen DOSB Spiegel Online, 13. Juli 2016, abgerufen am 13. Juli 2016.
  10. http://www.spiegel.de/sport/sonst/olympia-2016-speerwerferin-katharina-molitor-darf-nicht-nach-rio-a-1103575.html
  11. Tränen zum Abschied und ein ausgefallenes Bruderduell Spiegel Online, 3. September 2016.
  12. Silbernes Lorbeerblatt 2012
  13. Mahlberg benennt eine Straße nach Christina Obergföll Badische Zeitung, 8. September 2013, abgerufen am 26. September 2015.