Christine Ferber

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Christine Ferber, 2017

Christine Ferber (* 11. Mai 1960 [1] in Niedermorschwihr, Elsass) ist eine mehrfach ausgezeichnete Konditorin (Pâtissière), Chocolatière und eine Gelierköchin (Confiseuse) von Konfitüren, die zu den besten der Welt gezählt werden.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferber betreibt im Dorf Niedermorschwihr am Fuße der Vogesen westlich von Colmar eine Konditorei in einem kleinen Einzelhandelsgeschäft, wo sie als Konditorin und Chocolatière in der vierten Generation tätig ist. Neben der Konfitüreherstellung leitet sie die elterliche Bäckerei und Konditorei mit rund 30 Mitarbeitern.[3] Niedermorschwihr wurde 1985 als typisch elsässisches Dorf von einer japanischen Fernsehserie (engl.: The Blue Skies of Alsace) als Kulisse verwendet.[4]

Drei Jahre lernte sie bis 1979 an der Pâtisserie-Schule von Brüssel, seitdem ist sie eine Pâtissier- und Chocolatier-Meisterin.[5] Weitere drei Jahre lernte sie bei den ersten Adressen in Belgien und Frankreich, darunter ein Jahr lang bei dem Meisterkonditor Lucien Pelletier in Paris.[6] Mit 24 Jahren übernahm sie das Geschäft ihrer Eltern und entwickelte dann die Abteilung für Feinbäckerei und Schokolade.[7] Ihr Vater Maurice Ferber (1936–2011[8]) wurde nach seinem Rückzug vom Berufsleben von 1989 bis 2001 Bürgermeister der Gemeinde,[9] deren Rathaus vis-à-vis vom Maison Ferber liegt.

Konfitüren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1980er Jahre stellte sie ihre ersten Konfitüren her, doch ihre Mutter riet ihr von einem weiteren Engagement ab, da die Hausfrauen im Dorf ihre Konfitüren selbst herstellen würden. Sie blieb dabei und erlangte schließlich internationale Bekanntheit bis hin nach Japan. Ferber kocht ihre kompositorisch sehr ausgefallenen und wohlschmeckenden Gourmet-Konfitüren selbst ein, von denen sie bereits 400 Sorten[10] in den Kupferkesseln ihrer Konditorei komponiert hat. Jede einzelne Charge wird nur in kleinen Kupferkesseln zubereitet, von denen jeder 1000 Euro wert ist.[11] Diese Kupferkessel wurden nach den Vorgaben eines Wissenschaftlers angefertigt zum Zwecke einer besseren Gelierung. Die einheimischen Wildfrüchte werden von Freunden und Bekannten gesammelt. Früchte, die nicht im Elsass wachsen wie Aprikosen, Feigen und exotische Früchte, lässt sich Ferber vom Pariser Großmarkt Rungis liefern. Die stets selbst probierten Früchte kocht sie ohne Konservierungsmittel und nicht mehr als vier kg von einer Sorte ein. Auf 1 kg Frucht kommen nur 800 g Zucker und ein wenig Zitronensaft anstelle von Gelierzucker, weil letzterer „durch seine pure Zitronensäure der Konfitüre eine eindimensionale Note verleiht“.[12] Zum Durchziehen werden die Früchte mit dem normalen Zucker und Zitronensaft über Nacht in den Kühlschrank gestellt.[13] Hat eine Fruchtsorte zu wenig Pektin als Geliermittel, nimmt sie einige halbreife grüne Äpfel, die sie in einer Zuckerlösung auskocht.[12] Alle Früchte werden gleichzeitig und nur so lange wie nötig erhitzt, d. h. etwa 5 Min. auf höchster Flamme beim ersten Mal unter ständigem Rühren.[11]

Die sorgfältige Zubereitung und Qualität ihrer Konfitüren brachten der kreativen Elsässerin daher weltweit Ehrenbezeichnungen ein wie „Marmeladenkönigin des Elsass“, „la fée des confitures“ oder „Christine, the Queen of jams“[14]. Komplexe Aromen (aigres-doux / sauer-süß) entwickeln ihre Kreationen wie etwa weiße Kirsche mit Pfefferminze, Hagebutte mit Orange, Wildapfelgelee mit Zimtrinde, Heidelbeere mit Lakritz.[15] Jährlich verkauft sie etwa 180.000 Gläser mit Konfitüren.[16] Der Familienbetrieb erwirtschaftet im Jahr einen Umsatz von 2 Millionen Euro, davon nimmt die Herstellung von Konfitüren 35 % ein, die Feinbäckerei hat einen Anteil von 35 % und das Traiteur-Geschäft 25 %.[10]

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 2000er-Jahren folgten mehrere Bücher wie Mes confitures und Mes Tartes. Der Drei-Sterne-Koch Alain Ducasse schrieb zu ersterem ein Vorwort und bekannte, nie wieder eine andere Konfitüre als jene von Madame Ferber gegessen zu haben.

Im September 2005 erschien in Zusammenarbeit mit dem Stardekorateur Philippe Model und dem Fotografen Bernhard Winkelmann ein außergewöhnlich aufwendig gestaltetes Rezeptbuch für Kinder, „Alice im Schlaraffenland“, das auch in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Ferber liefert ihre Konfitüren dem Pariser Pâtissier, Elsässer und Freund Pierre Hermé,[17] an die Feinkosthändlerkette Fauchon, den Galeries Lafayette und dem Pariser Grand Hôtel George V. Während ihr Bruder Bruno im Lieferservice arbeitet, führt ihre Schwester Elisabeth den Laden.[18]

Zu Japan unterhält Christine Ferber eine intensive Beziehung, so besucht sie regelmäßig die internationale Chocolatiers-Messe Salon du Chocolat in Tokio, Shinjuku,[19] beschäftigte im Jahr 2011 drei japanische Lehrlinge[12] und beteiligte sie sich am 17. Juli 2011 am internationalen Solidaritätstag für Japan (Fukushima).[20] Im japanischen Fernsehen hatte sie mehrere Auftritte.[21]

In mehreren Ländern hat Christine Ferber Kurse zum Herstellen von Konfitüre und zur Feinbäckerei angeboten, so etwa in Frankreich, Italien, Japan und den USA.[22]

Am Palmsonntag, dem 14. April 2019, beging das Maison Ferber sein 60-jähriges Betriebsjubiläum.[23] Das ganze Dorf Niedermorschwihr feierte den Jahrestag mit Ausstellungen, Degustationen und anderem. Der gesamte Erlös für diese Veranstaltungen wurde an den Colmarer Verein für Lebensmittelhilfe Manne gespendet.[24]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1979: Beste der jungen Pâtissiers von Frankreich – Nationaler Pâtissier-Verband [18]
  • 1988: Marianne du meilleur Kougelhopf – Saveurs de France[18]
  • 1998: Chef pâtissier de l'année (Konditormeisterin des Jahres) – Restaurantführer «Guide Champérard»[18]
  • 2004: Prix de l’innovation[18]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Marmeladen-Bibel. 270 Rezepte von Christine Ferber. Christian, München 2010, 312 S., ISBN 978-3-88472-976-2.
  • Le Larousse des confitures: gelées, compotes, chutneys avec les conseils techniques et 40 recettes inédites de Christine Ferber. Larousse, Paris 2009, ISBN 978-2-03-584975-5, mit 340 Rezepten.
  • Alice im Schlaraffenland. Fotos von Bernhard Winkelmann, gestaltet von Philippe Model. Gerstenberg, Hildesheim 2005, 176 Seiten, 80 farbige Abb., gebunden, ISBN 3-8067-2942-5.[25]
  • Mes Tartes. The Sweet and Savory Tarts of Christine Ferber. Michigan State University Press 2003, ISBN 0-87013-688-7, (englisch).
  • Mes Confitures. The Jams and Jellies of Christine Ferber. Mit einem Vorwort von Alain Ducasse, Michigan State University Press 2002, ISBN 0-87013-629-1, (englisch).

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Gourmet-Konfitüren von Christine Ferber. Fernseh-Reportage, Deutschland, 2012, 4:38 Min., Buch: Ulrike Dörr, Kamera: Moritz Sucker, Produktion: Deutsche Welle, Redaktion: Euromaxx, Erstsendung: 15. Juli 2012 bei DW, Inhaltsangabe mit online-Video von DW.
  • Myriam bei Christine Ferber, Patissière. Backsendung, Schweiz, 2012, 23 Min., Moderation: Myriam Zumbühl, Kamera: David Merkofer, Produktion: Flying Producer, SRF, Reihe: Myriam und die Meisterbäcker, Erstsendung: 20. Dezember 2012 bei SRF 1, Inhaltsangabe und online-Videos von SRF.
  • Marmeladen selber machen. Kochsendung, Deutschland, 2015, 8:53 Min., Moderation: Jens Hübschen, Produktion: SWR, Reihe: Kaffee oder Tee, Erstsendung: 20. August 2015 bei SWR Fernsehen.
  • Crêpe Suzette. Kochsendung, Deutschland, 2016, 9:34 Min., Moderation: Jens Hübschen, Produktion: SWR, Reihe: Kaffee oder Tee, Erstsendung: 23. Juni 2016 bei SWR Fernsehen.
  • Rumtopf-Variante mit Grießpudding. Kochsendung, Deutschland, 2017, 8:55 Min., Moderation: Jens Hübschen, Produktion: SWR, Reihe: Kaffee oder Tee, Erstsendung: 8. Juni 2017 bei SWR Fernsehen.
  • La recette du kougelhopf par Christine Ferber: une leçon de vie. Dokumentarfilm, Frankreich, 2019, 6:17 Min., Regie: Marie-Lise Perrin, Produktion: Dernières Nouvelles d’Alsace (DNA), Reihe: Journal l'Alsace, Internetpublikation: 13. April 2019, Inhaltsangabe und online-Video.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Presse-Artikel

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christine Ferber. In: bfmbusiness.bfmtv.com, aufgerufen am 18. September 2015.
  2. Franziska Klotz: Früchte des Ruhms. In: Welt am Sonntag, 10. November 2002.
  3. Michelle Freudenreich: Christine Ferber, chef d’entreprise. L’appel du Japon. In: Dernières Nouvelles d’Alsace, 13. April 2019: «La 4e génération de boulangers-pâtissiers-traiteurs emploie une trentaine de personnes.»
  4. Karl Schoenberger: 'Japaning' of Europe at Full Tilt: Companies rush for a foothold before the 1992 integration of the European Community. Alsace is a case in point. In: Los Angeles Times, 2. August 1990.
  5. Thomas Platt: 150 Sorten konservierter Sommer. In: Tagesspiegel, 14. Mai 1999.
  6. Lindsay Koriath: Chicago Welcomes the Queen of Jam. In: The French Pastry School, 1. August 2008 (engl.).
  7. Christine Ferber, Pâtissière - chocolatière - confiseuse: „Il faut travailler les fruits en douceur avec l'envie de les sublimer.“ (Memento vom 29. Januar 2012 im Internet Archive).
      [Christine Ferber, Konditorin - Schokoladenmacherin - Konfitürenköchin: „Man muss die Frucht sanft bearbeiten, mit dem Wunsch, sie zu verfeinern.“] In: Journal des Femmes, September 2004, Interview, (französisch).
  8. Todesanzeige: Obsèques de Monsieur Maurice Ferber. In: avis-de-deces.net, 1. April 2011.
  9. Traueranzeige: Monsieur Maurice Ferber. In: libramemoria.com, 2. April 2011.
  10. a b Alexandre Amrhein: Les bonnes recettes de Christine Ferber pour réussir. In: L’Express, 29. Juli 2009.
  11. a b Martina Kast: „Marmeladenkönigin“ im Elsass. (Memento vom 17. Januar 2008 im Internet Archive). In: WDR, Servicezeit: Kostprobe, 5. September 2005.
  12. a b c Clark Parkin: Die Backstube der Lady Marmelade. In: WamS, 27. November 2011.
  13. Christina Metallinos: Rhabarber trifft Himbeere. In: Süddeutsche.de, 6. Juni 2014.
  14. Emmanuel Tresmontant: Queen Christine's jams. (Memento vom 5. Oktober 2002 im Internet Archive). In: ViaMichelin, September 2001, (englisch).
  15. Jürgen Dollase: Fruchtbare Arbeit. (Memento vom 14. August 2002 im Internet Archive). In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12. Mai 2002, S. 60.
  16. Christine Ferber sur France 5 – La confiture dans tous ses états. In: France 5, 21. September 2015, mit Video, Christine Ferber erscheint (u. a. mit Pierre Hermé) ab 41:41 Min.
  17. Aktuelles Angebot: Confitures. In: pierreherme.com, (englisch), aufgerufen am 26. Februar 2019 und
       frühere Angebote: Confitures. Préparées artisanalement par Christine Ferber. (Memento vom 30. August 2013 im Internet Archive). In: pierreherme.com.
  18. a b c d e Les confitures de la reine Christine. (Memento vom 5. April 2015 im Internet Archive). In: Pic-Inter, n° 291, Mars - Avril 2005.
  19. Christine Ferber. In: salon-du-chocolat.jp, 2014, (japanisch).
  20. Japan Solidarity – to Christine Ferber in Niedermorschwihr. (Memento vom 29. November 2014 im Internet Archive). In: European Centre for Japanese Studies in Alsace (CEEJA), (englisch), aufgerufen am 17. November 2014; vgl. Japansolidarität auf Facebook. (Memento vom 17. November 2014 im Webarchiv archive.is).
  21. Christine Ferber. In: salon-du-chocolat.jp, 2019, (japanisch).
  22. Jams, Jellies, Marmalades and Sweet and Sour Chutneys by Christine Ferber. (Memento vom 20. Dezember 2011 im Internet Archive). In: The French Pastry School in Chicago, 2008.
  23. La Maison Ferber fête ses 60 ans. In: Dernières Nouvelles d’Alsace, 13. April 2019, nur Artikelanfang.
  24. La Manne: 60 ans de la Maison Ferber. In: Facebook, 6. April 2019, (frz.).
  25. Interview zum Buch Alice im Schlaraffenland: „Wie schmeckt Humpty Dumpty?“ In: Die Welt, 11.September 2005, (Hommage an Lewis Carroll und dessen Alice im Wunderland).