Christine Ferber

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Christine Ferber (* 11. Mai 1960 [1] in Niedermorschwihr, Elsass) ist eine mehrfach ausgezeichnete Konditorin (Pâtissière), Chocolatière und eine Gelierköchin (Confiseuse) von Konfitüren, die zu den besten der Welt gezählt werden.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferber betreibt im Dorf Niedermorschwihr am Fuße der Vogesen westlich von Colmar eine Konditorei in einem kleinen Einzelhandelsgeschäft, wo sie als Konditorin und Chocolatière in der vierten Generation tätig ist. Neben der Konfitüreherstellung leitet sie die elterliche Bäckerei und Konditorei mit rund 20 Mitarbeitern. Niedermorschwihr wurde 1985 als typisch elsässisches Dorf von einer japanischen Fernsehserie (engl.: The Blue Skies of Alsace) als Kulisse verwendet.[3]

Drei Jahre lernte sie bis 1979 an der Pâtisserie-Schule von Brüssel, danach konnte sie sich Pâtissier- und Chocolatier-Meisterin nennen.[4] Weitere drei Jahre lernte sie bei den ersten Adressen in Belgien und Frankreich, darunter ein Jahr lang bei dem Meisterkonditor Lucien Pelletier in Paris.[5] Mit 24 Jahren übernahm sie das Geschäft ihrer Eltern und entwickelte dann die Abteilung für Feinbäckerei und Schokolade.[6]

Konfitüren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1980er Jahre stellte sie ihre ersten Konfitüren her, doch ihre Mutter riet ihr von einem weiteren Engagement ab, da die Hausfrauen im Dorf ihre Konfitüren selbst herstellen würden. Sie blieb dabei und erlangte schließlich internationale Bekanntheit bis hin nach Japan. Ferber kocht ihre kompositorisch sehr ausgefallenen und wohlschmeckenden Gourmet-Konfitüren selbst ein, von denen sie bereits nahezu 300 Sorten in den Kupferkesseln ihrer Konditorei komponiert hat. Jede einzelne Charge wird nur in kleinen Kupferkesseln zubereitet, von denen jeder 1000 Euro wert ist.[7] Diese Kupferkessel wurden nach den Vorgaben eines Wissenschaftlers angefertigt zum Zwecke einer besseren Gelierung. Die einheimischen Wildfrüchte werden von Freunden und Bekannten gesammelt. Früchte, die nicht im Elsass wachsen wie Aprikosen, Feigen und exotische Früchte, lässt sich Ferber vom Pariser Großmarkt Rungis liefern. Die stets selbst probierten Früchte kocht sie ohne Konservierungsmittel und nicht mehr als vier kg von einer Sorte ein. Auf 1 kg Frucht kommen nur 800 g Zucker und ein wenig Zitronensaft anstelle von Gelierzucker, weil letzterer „durch seine pure Zitronensäure der Konfitüre eine eindimensionale Note verleiht“.[8] Hat eine Fruchtsorte zu wenig Pektin als Geliermittel, nimmt sie einige halbreife grüne Äpfel, die sie in einer Zuckerlösung auskocht.[8] Alle Früchte werden gleichzeitig und nur so lange wie nötig erhitzt, d. h. etwa 5 Min. auf höchster Flamme beim ersten Mal unter ständigem Rühren.[7]

Die sorgfältige Zubereitung und Qualität ihrer Konfitüren brachten der kreativen Elsässerin daher weltweit Ehrenbezeichnungen ein wie „Marmeladenkönigin des Elsass“, „la fée des confitures“ oder „Christine, the Queen of jams“[9]. Komplexe Aromen (aigres-doux / sauer-süß) entwickeln ihre Kreationen wie etwa weiße Kirsche mit Pfefferminze, Hagebutte mit Orange, Wildapfelgelee mit Zimtrinde, Heidelbeere mit Lakritz.[10]

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 2000er-Jahren folgten mehrere Bücher wie Mes confitures und Mes Tartes. Der Drei-Sterne-Koch Alain Ducasse schrieb zu ersterem ein Vorwort und bekannte, nie wieder eine andere Konfitüre als jene von Madame Ferber gegessen zu haben.

Im September 2005 erschien in Zusammenarbeit mit dem Stardekorateur Philippe Model und dem Fotografen Bernhard Winkelmann ein außergewöhnlich aufwendig gestaltetes Rezeptbuch für Kinder, „Alice im Schlaraffenland“, das auch in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Ferber liefert ihre Konfitüren dem Pariser Pâtissier, Elsässer und Freund Pierre Hermé,[11] an die Feinkosthändlerkette Fauchon, den Galeries Lafayette und dem Pariser Grand Hôtel George V. Während ihr Bruder Bruno im Lieferservice arbeitet, führt ihre Schwester Elisabeth den Laden.[12]

Zu Japan unterhält Christine Ferber eine intensive Beziehung, so besucht sie regelmäßig die internationale Chocolatiers-Messe Salon du Chocolat in Tokio, Shinjuku,[13] beschäftigte im Jahr 2011 drei japanische Lehrlinge[8] und beteiligte sie sich am 17. Juli 2011 am internationalen Solidaritätstag für Japan (Fukushima).[14]

In mehreren Ländern hat Christine Ferber Kurse zum Herstellen von Konfitüre und zur Feinbäckerei angeboten, so etwa in Frankreich, Italien, Japan und den USA.[15]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1979: Beste der jungen Pâtissiers von Frankreich – Nationaler Pâtissier-Verband [12]
  • 1988: Marianne du meilleur Kougelhopf – Saveurs de France [12]
  • 1998: Chef pâtissier de l'année (Konditormeisterin des Jahres) – Restaurantführer «Guide Champérard» [12]
  • 2004: Prix de l’innovation [12]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Marmeladen-Bibel. 270 Rezepte von Christine Ferber. Christian, München 2010, 312 S., ISBN 978-3-88472-976-2.
  • Alice im Schlaraffenland. Fotos von Bernhard Winkelmann, gestaltet von Philippe Model. Gerstenberg, Hildesheim 2005, 176 Seiten, 80 farbige Abb., gebunden, ISBN 3-8067-2942-5.[16]
  • Mes Confitures. The Jams and Jellies of Christine Ferber. Mit einem Vorwort von Alain Ducasse, Michigan State University Press 2002, ISBN 0-87013-629-1, (englisch).
  • Mes Tartes. The Sweet and Savory Tarts of Christine Ferber. Michigan State University Press 2003, ISBN 0-87013-688-7, (englisch).

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die gute Fee der Konfitüre. Dokumentarfilm, Deutschland, Frankreich, Österreich, 2007, 26 Min., Regie: Nathalie Steinbart, Volker Heise, Produktion: arte, zero one film, ORF, Reihe: Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Frankreich. (Folge 5 von 21), deutsche Erstausstrahlung: 16. November 2009, Filminformationen von arte mit Rezept für Gugelhupf nach Elsässer Art.
  • Die Gourmet-Konfitüren von Christine Ferber. Fernseh-Reportage, Deutschland, 2012, 4:38 Min., Buch: Ulrike Dörr, Kamera: Moritz Sucker, Produktion: Deutsche Welle, Redaktion: Euromaxx, Erstsendung: 15. Juli 2012 bei DW, Inhaltsangabe mit online-Video von DW.
  • Myriam bei Christine Ferber, Patissière. Kochsendung, Schweiz, 2012, 23 Min., Moderation: Myriam Zumbühl, Kamera: David Merkofer, Produktion: Flying Producer, SRF, Reihe: Myriam und die Meisterbäcker, Erstsendung: 20. Dezember 2012 bei SRF 1, Inhaltsangabe und online-Videos von SRF.
  • Fruchtige Marmeladen. Kochsendung, Deutschland, 2014, 11:15 Min., Moderation: Jens Hübschen, Produktion: SWR, Reihe: Kaffee oder Tee, Erstsendung: 15. Juli 2014 bei SWR.
  • Marmeladen selber machen. Kochsendung, Deutschland, 2015, 8:53 Min., Moderation: Jens Hübschen, Produktion: SWR, Reihe: Kaffee oder Tee, Erstsendung: 20. August 2015 bei SWR.
  • Crêpe Suzette. Kochsendung, Deutschland, 2016, 9:34 Min., Moderation: Jens Hübschen, Produktion: SWR, Reihe: Kaffee oder Tee, Erstsendung: 23. Juni 2016 bei SWR, online-Video verfügbar bis 23. Juni 2017.
  • Rumtopf-Variante mit Grießpudding. Kochsendung, Deutschland, 2017, 8:55 Min., Moderation: Jens Hübschen, Produktion: SWR, Reihe: Kaffee oder Tee, Erstsendung: 8. Juni 2017 bei SWR, online-Video verfügbar bis 8. Juni 2018.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christine Ferber. In: bfmbusiness.bfmtv.com, aufgerufen am 18. September 2015.
  2. Franziska Klotz: Früchte des Ruhms. In: Welt am Sonntag, 10. November 2002.
  3. Karl Schoenberger: 'Japaning' of Europe at Full Tilt: Companies rush for a foothold before the 1992 integration of the European Community. Alsace is a case in point. In: Los Angeles Times, 2. August 1990.
  4. Thomas Platt: 150 Sorten konservierter Sommer. In: Tagesspiegel, 14. Mai 1999.
  5. Lindsay Koriath: Chicago Welcomes the Queen of Jam. In: The French Pastry School, 1. August 2008 (engl.).
  6. Christine Ferber, Pâtissière - chocolatière - confiseuse: „Il faut travailler les fruits en douceur avec l'envie de les sublimer.“ (Memento vom 29. Januar 2012 im Internet Archive). In: Journal des Femmes, September 2004, Interview, (französisch).
  7. a b Martina Kast: „Marmeladenkönigin“ im Elsass. (Memento vom 17. Januar 2008 im Internet Archive). In: WDR, Servicezeit: Kostprobe, 5. September 2005, .
  8. a b c Clark Parkin: Die Backstube der Lady Marmelade. In: WamS, 27. November 2011.
  9. Emmanuel Tresmontant: Queen Christine's jams. (Memento vom 5. Oktober 2002 im Internet Archive). In: ViaMichelin, September 2001 (englisch).
  10. Jürgen Dollase: Fruchtbare Arbeit. (Memento vom 14. August 2002 im Internet Archive). In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12. Mai 2002, S. 60.
  11. Confitures. Préparées artisanalement par Christine Ferber (Memento des Originals vom 30. August 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pierreherme.com in: pierreherme.com
  12. a b c d e Les confitures de la reine Christine. (Memento vom 5. April 2015 im Internet Archive). In: Pic-Inter, n° 291, Mars - Avril 2005.
  13. Christine Ferber. In: salon-du-chocolat.jp, 2014 (japanisch).
  14. Japan Solidarity – to Christine Ferber in Niedermorschwihr. (Memento vom 29. November 2014 im Internet Archive). In: European Centre for Japanese Studies in Alsace (CEEJA), (englisch), aufgerufen am 17. November 2014; vgl. Japansolidarität auf Facebook. (Memento vom 17. November 2014 im Webarchiv archive.is).
  15. Jams, Jellies, Marmalades and Sweet and Sour Chutneys by Christine Ferber. (Memento vom 20. Dezember 2011 im Internet Archive). In: The French Pastry School in Chicago, 2008.
  16. Interview zum Buch Alice im Schlaraffenland: „Wie schmeckt Humpty Dumpty?“ In: Die Welt, 11. September 2005, (Hommage an Lewis Carroll und dessen Alice im Wunderland).