Christival

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Christival e. V.
Logo Christval.svg
Zweck: missionarischer Jugendarbeit einen Zusammenhalt und ein gemeinsames Profil geben
Vorsitz: Karsten Hüttmann
Gründungsdatum: 1976
Sitz: Kassel
Website: www.christival.de

Christival ist ein mehrtägiger Jugend-Kongress, der seit 1976 in Deutschland stattfindet. Träger ist der gemeinnützige Verein Christival e.V.[1]

Der erste Jugendkongress, Christival ’76, der Kongress für Mitarbeiter in Essen, war ein Ergebnis der Jesus-Bewegung der 1970er Jahre. Ziel war es, der missionarischen Jugendarbeit Zusammenhalt und ein gemeinsames Profil zu geben: missionarische Jugendarbeit mit biblischer Orientierung. Die Arbeitsgemeinschaft Jugendevangelisation (AGJE) und ein Arbeitskreis für evangelistische Aktionen übernahmen die Vorbereitung. Das Programm wurde von einem großen Exekutiv-Komitee mit über hundert Teilnehmern erarbeitet.

Ab 1996 in Dresden wurde der Kongress für Mitarbeiter zu einem Kongress für junge Christen umgebildet, der seither neben der Schulung von Mitarbeitern auch ein missionarisches Ziel hat.

Veranstalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Träger und Organisator des Christival ist der gemeinnützige Verein Christival e. V., der zur evangelikal ausgerichteten Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) gehört. Ihm gehören 122 Mitglieder aus den evangelischen Landeskirchen, aus Freikirchen sowie aus verschiedenen christlichen Hilfswerken und Verbänden an. Der Vorstand setzt sich zusammen aus dem ersten Vorsitzenden Karsten Hüttmann[2], dem stellvertretenden Vorsitzenden Johannes Müller und Maren Möller als Geschäftsführerin.[3] 1996 übernahm Roland Werner die Leitung des christlichen Jugendkongresses Christival, dessen Vorsitz er bis 2011 innehatte.[11] Er wechselte zum CVJM Gesamtverband.[2]

Organisiert wird das Christival von vollzeitlich und zum großen Teil ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Geschäftsstelle. Hinzu kommen einige hundert ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in 26 Arbeitskreisen unterschiedliche Bereiche des Christivals planen.

Finanziert wird das Christival von den Mitgliedern des Christival e. V., von Zuschüssen des Staates und von kirchlichen Organisationen sowie weiteren Spendern. Christival e. V. hat das Spendensiegel der Deutschen Evangelischen Allianz. Zu den Firmensponsoren des Christival 2008 gehörten u.a. die Friedhelm Loh Group, Heinrich Deichmann-Schuhe und Nissan Deutschland.[4]

Bisherige Kongresse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der bisherigen Kongresse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der mecklenburgischen Kleinstadt Güstrow fand 1999 ein regionaler Jugendkongress mit dem Namen Nordlicht-Christival und 900 Teilnehmern statt.[6][7]

Christival 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo und Claim des Christival 2008

Schirmherrin des Christival 2008 war Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die auch den Vorsitz des Kuratoriums innehatte. Sie wollte dadurch die christliche Kinder- und Jugendarbeit anerkennen und erwartete vom Christival 2008 ähnliche Impulse für nachhaltige christliche Kinder- und Jugendarbeit wie von früheren Christivals. Zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung, die Schirmherrschaft zu übernehmen, waren ihr die Inhalte der einzelnen Seminare noch nicht im Detail bekannt. Später intervenierte sie in einzelnen Fällen diesbezüglich.[8] Das Familienministerium unterstützte das Christival mit 250.000 Euro; das waren 8 % der Gesamtkosten.[9]

Christival 2008

Weitere Unterstützer waren die Bremische Evangelische Kirche, deren Schriftführer Renke Brahms im Kuratorium saß, Alt-Bürgermeister Henning Scherf[10], Bischof Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald) sowie der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich.[11]

Ziele und Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Christival 2008 stand unter dem Motto Jesus bewegt. Es war wie seine Vorgängerveranstaltungen ein Jugendkongress mit einer pädagogischen und missionarischen Schwerpunktsetzung. Seine theologische Standortbestimmung war klar evangelikal geprägt, da sie sich zur Grundlage der Evangelischen Allianz, der Lausanner Verpflichtung und der theologischen Erläuterung der biblischen Grundlage der Arbeitsgemeinschaft Jugendevangelisation bekannte.

Gemäß der Bundesregierung war das „Christival 2008“ ein Impulsgeber für die christliche Kinder- und Jugendarbeit, von dem Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit von Jugendarbeit in Verbänden und Gemeinden erwartet wurden. Die Bundesregierung führte als Ziele auf:

  • Perspektiven eröffnen für kreative Jugendarbeit mit Deutschen und ausländischen Jugendlichen
  • Förderung des ökumenischen Zusammenlebens
  • Stärkung von Jugendlichen gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit
  • politische Bildung fördern
  • Förderung und Befähigung für ein ehrenamtliches Engagement in Kirche und Gesellschaft
  • Kooperationsfähigkeit und Innovation stärken
  • Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung.[12]

Über 280 Einzelveranstaltungen waren für das Christival 2008 geplant, darunter als Schwerpunkt die drei zentralen Gottesdienste, die für alle Christival-Besucher zum Programm gehörten. An drei Tagen wurden morgendliche Bibelarbeiten durchgeführt, für die Abendstunden Festivals im Schwimmbad, in den Straßenbahnen, in der Stadt und in den Messehallen. Nachts sollten sich die Teilnehmer in Bremer Kneipen begeben, wo, wie auch in Kirchen und anderen Veranstaltungsorten, Auftritte von Musikern, Kabarettisten, Sportlern und anderen veranstaltet wurden.[13] Das „YoungLeaders“-Programm richtete sich an ehren- und hauptamtliche Jugendleiter aus Migrantengemeinden und dem Ausland.[13][14]

Deutsche und internationale Bands und andere Künstler wurden für die Darbietung von Musik und Kleinkunst verpflichtet. Dies sollte, genau wie zahlreiche Stände, Aktionsfahrzeuge und Sportangebote, die Veranstaltung auch für Nichtteilnehmer attraktiv gestalten.[15][13]

Erst während des Christivals sollten 50.000 Einladungen an Bremer Haushalte verteilt werden. Zum einen sollte das Magazin „Moin Bremen“ die Bremer Bürger über das Christival informieren und sie zum großen Abschlussgottesdienst auf der Bürgerweide einladen. Zum anderen wurde zu bestimmten Gottesdiensten in Gemeinden der Evangelischen Allianz in Bremen eingeladen, die für die sechs darauf folgenden Wochen das Thema des Versprechens in (Joh 3,16 EU) anhand eines Buchs von Max Lucado bearbeiten würden.[15][16]

Für die musikalische Gestaltung der Zentralveranstaltungen war hauptsächlich die JesusHouseBand verantwortlich. Daneben waren zahlreiche weitere Bands und Musiker beteiligt: u. a. Allee der Kosmonauten, Ararat, Arne Kopfermann, Claas P. Jambor, Crushead, Danny Fresh, Gaetan Roy, iThemba, Jens Sembdner, Judy Bailey, Matt Redman, Sarah Brendel, Sarah Kaiser, Superzwei, Van Dooren Sisters.

2016 in der Messe Karlsruhe

Störungen und Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorfeld wurde darum gestritten, ob das Christival fundamentalistisch sei und Seminare zur Frage der Veränderbarkeit von Homosexualität und zur Abtreibung besonders von Volker Beck kritisiert. Während des Christivals durchbrachen trotz Polizeischutzes linksradikale Autonome kurzzeitig gewaltsam die Absperrungen der Veranstaltung. Die Veranstalter reagierten darauf mit einem Aufruf, gewaltfrei und in der Liebe Jesu zu reagieren.

Unterstützer des Festes wehrten sich gegen den Fundamentalismus-Vorwurf, darunter die EKD, deren höchster Repräsentant, Bischof Wolfgang Huber, am Christival teilnahm und dort am Freitag das Abendmahl spendete[17][18], sowie mehrere leitende Geistliche von evangelischen Landeskirchen.[19][20]

Der Spiegel sah das fünfte Christival in Deutschland als Beleg dafür, dass eine „konservative Welle“ der weltweiten evangelikalen Bewegung und ihr Streben nach Einfluss in Politik und Gesellschaft Deutschland erreicht habe.[21] Die linke taz begleitete die Veranstaltung kritisch.[22]

Die Bundesregierung bezeichnete sowohl Christival e. V. als auch die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend als „absolut seriöse Veranstalter“ und sah es nicht als „ihre Aufgabe an, dort jedes Detail zu analysieren“.[23] Die Veranstalter des Christival konnten nach der Absage des Seminars zur Veränderbarkeit von Homosexualität im Januar 2008, die weiter „emotional hochgeschaukelte öffentliche Diskussion“ über das einzelne Seminar nicht nachvollziehen.[24]

Eines der umstrittenen Seminare hatte den Titel „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung.“ Angeboten wurde es von zwei Referenten des Deutschen Institutes für Jugend und Gesellschaft.[24] Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, forderte die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen auf, die Durchführung dieses Seminares zu verhindern oder ihre Schirmherrschaft zurückzugeben, da es sich um „gefährliche Psychokurse und minderheitenfeindliche Angebote“ handele.[24][25] Von der Leyen ließ daraufhin prüfen, wie es zu einem derartigen Angebot kommen konnte und stellte in einem Schreiben an Beck fest, dass das Seminar im Januar 2008 aus dem Programm genommen wurde.[26]

Weitere Kritik betraf ein Seminar mit dem Titel „Sex ist Gottes Idee - Abtreibung auch?“. Die Kritik richtete sich gegen den Seminaranbieter, den Heidelberger Verein Die Birke. Nach eigener Darstellung hat „Die Birke“ den Schutz von Embryonen und Föten zum Ziel. Sie bietet "Individualberatung" über Alternativen an, die Schwangere dazu bewegen sollen, Kinder auszutragen statt abzutreiben. Beratungsscheine, wie sie staatlich anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen ausstellen können, bezeichnete der Geschäftsführer Kristijan Aufiero, als „Tötungslizenzen.“[27] Daraufhin wurde die Birke vom evangelischen Pressedienst als radikale Lebensschützer bezeichnet.[28] Kristijan Aufiero vertrat den Standpunkt, eine Vergewaltigung würde von einer Frau besser verkraftet als die Abtreibung eines Kindes, das während der Vergewaltigung gezeugt wurde. Annegret Siebe, Geschäftsführerin von Pro Familia Bremen, warf daraufhin dem Seminaranbieter vor, dass dort „keimendes Leben“ mehr gelte als das Leben einer Frau und diese Haltung gegen ein von ihr behauptetes „Menschenrecht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung“ verstoßen würde.[29] Das Seminar fand wie geplant statt.

Christival 2016 (Konzertbühne im Stadtzentrum)

Christival 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Christival 2016 fand vom 4. bis 8. Mai in Karlsruhe unter dem Motto "Jesus versöhnt" statt. Neuer Vorsitzender als Nachfolger von Roland Werner ist jetzt Karsten Hüttmann vom CVJM-Gesamtverband aus Kassel. Hüttmann sieht das Christival als Verbindung von Diakonie und Evangelisation sowie verschiedenen geistlichen Strömungen.[2][5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christival: Schlachte, Schnoor und Stadtmusikanten
  2. a b c Nächster Jugendkongress Christival im Jahr 2016. Veranstaltungsort steht noch nicht fest – Karsten Hüttmann neuer Vorsitzende. In: ead.de. idea, 21. Januar 2011, archiviert vom Original am 14. April 2011, abgerufen am 14. April 2011.
  3. Christival:Vorstand
  4. Christival 2008: Dank
  5. a b Christival beendet: Botschafter der Liebe Gottes sein, idea.de, Meldung vom 8. Mai 2016.
  6. Erstes "Nordlicht-Christival": Güstrows Stadtpräsident lobt christliche Jugendarbeit, in: idea Spektrum Nr. 44|1999, S. 13
  7. Mehr als 800 Jugendliche beim Christival in Güstrow, in: Ostsee-Zeitung vom 27. September 1999
  8. Antwort der deutschen Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen zum Thema Christival (PDF; 111 kB)
  9. Frankfurter Rundschau:Geldsegen für Bibeltreue
  10. Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste, Bericht 2005
  11. Rückendeckung für Christival
  12. BT-Drs. 16/8022 Bundestag: Stellungnahme der Bundesregierung zu Antihomosexuelle Seminare und pseudowissenschaftliche Therapieangebote religiöser Fundamentalisten (PDF; 111 kB)
  13. a b c Christival-Anmeldemagazin, Oktober 2007
  14. YMCA UK: Christian Youth Congress CHRISTIVAL 2008
  15. a b Mitarbeiterhandbuch Christival-Mitarbeiterkongress, 25.-27. Januar 2008
  16. Christival-Anmeldemagazin, Oktober 2007, sowie das Heft „Da nicht für“
  17. j.s.: Medienmagazin pro: Nachrichten. In: pro-medienmagazin.de. Christlicher Medienverbund KEP, 3. Mai 2008, archiviert vom Original am 18. Mai 2011, abgerufen am 18. Mai 2011.
  18. Christival ist mehr als zwei Seminare. Arbeitsgemeinschaft Rundfunk Evangelischer Freikirchen (AREF), 3. Mai 2008, abgerufen am 8. mai 2008.
  19. Leitende Geistliche laden zum „Christival“ nach Bremen ein. Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, 7. März 2008, abgerufen am 8. März 2008: „Der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich (München), Schriftführer Pastor Renke Brahms (Bremen) sowie der Geistliche Vizepräsident Arend de Vries (Hannover) weisen Verdächtigungen zurück“
  20. epd: „Christival“ gegen Kritik verteidigt. Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), 19. März 2008, archiviert vom Original am 18. Mai 2011, abgerufen am 20. März 2008.
  21. Peter Wensierski: Aufschwung Jesu. Christen: Die Evangelikalen suchen Einfluss auf die Politik. In: Der Spiegel 18/2008, 38 ff.
  22. Dubiose Evangelisierung. In: die tageszeitung (taz). 2. Februar 2008, abgerufen am 3. Februar 2008.
  23. Protokoll des Bundestags 16/150 (PDF; 980 kB) S. 15808.
  24. a b c Pressemitteilung „Umstrittenes Seminar abgesagt“. In: christival.de. 9. Januar 2008, archiviert vom Original am 5. April 2008, abgerufen am 18. Mai 2011.
  25. tagesspiegel.de: Christen wollen Schwule nicht mehr „heilen“, 10. Januar 2008
  26. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll, 16/147 S. 15535.
  27. Was Abtreibungsfanatiker wütend macht. idea, 29. April 2008, abgerufen am 30. April 2008.
  28. Heftiger Streit bestimmt Vorabend des „Christival“. Evangelischer Pressdienst (epd), 30. April 2008, abgerufen am 30. April 2008.
  29. Abtreibung schlimmer als Vergewaltigung. In: die tageszeitung (taz). 30. Januar 2008, abgerufen am 30. April 2008.