Christlichdemokratische Volkspartei

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Christlichdemokratische Volkspartei

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Gründungsdatum: 22. April 1912 (als Schweizerische Konservative Volkspartei)
Ideologie: Christdemokratie
Präsidium: Gerhard Pfister

Gerhard Pfister

Vizepräsidium: Yannick Buttet,
Ida Glanzmann
Generalsekretär: Béatrice Wertli
Mitglieder im Bundesrat: Doris Leuthard
Mitglieder: 100'000[1]
(Stand: 2014)
Frauenanteil: im Nationalrat: 33,3 %
im Ständerat: 7,7 %
(Stand: NR-Wahlen 2015)
Wähleranteil: 11,6 %[2]
(Stand: NR-Wahlen 2015)
Nationalrat:
27/200
Ständerat:
13/46
Fraktion (BV): CVP/EVP-Fraktion
Fraktionspräsident: Filippo Lombardi
Kantonale Parlamente:
450/2609
Kantonale Regierungen:
40/154

(Stand: März 2015)
Gruppierungen: CVP Frauen
Junge CVP
Christlichsoziale Partei
Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft
Forum politique suisse
Forum de l’entreprise
Europapartei: Europäische Volkspartei (assoziiert)
Website: www.cvp.ch

Die Christlichdemokratische Volkspartei der Schweiz (CVP Schweiz), französisch Parti démocrate-chrétien (PDC), italienisch Partito popolare democratico svizzero (PPD), rätoromanisch Partida cristiandemocratica Svizra PCD?/i, ist eine in der politischen Mitte positionierte Regierungspartei in der Schweiz. Ihre Wurzeln hat sie in einer konservativ-katholischen Volksbewegung. Sie wurde 1912 als Schweizerische Konservative Volkspartei (KVP) gegründet, die Katholisch-Konservativen waren damit erstmals in einer formellen gesamtschweizerischen Organisation verbunden, die 1919 einen zweiten Sitz im Bundesrat erhielt.

Inhaltliches Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Position der CVP im politischen Spektrum der Schweiz (2007)

Die CVP bezeichnet sich in ihrem Parteiprogramm als liberal-sozial, wobei sie im Sinne der sogenannten sozialen Marktwirtschaft liberale Grundsätze mit der Gewährleistung von sozialen Grundrechten verbinden will. Die CVP sieht sich als Vertreterin für Familien und KMU. Ausserdem will sie den Mittelstand stärken.

Die Expansion der Partei in die reformierten Kantone, in denen die CVP eine aus ihrer Sicht soziale und liberale Politik betreibt, steht der traditionellen Rolle der CVP als staatstragender Partei in den katholischen Stammlanden (Zentralschweiz, Wallis, Tessin) gegenüber; dort besteht die Wählerbasis noch immer aus eher konservativen Bürgern. Ein weiterer Grund ist die Dominanz der Partei in den Stammlanden – im Kanton Luzern stellte sie bis ins Jahr 2005 drei von fünf Mitgliedern der Regierung, im Wallis ist es immer noch so –, die zu einem Konsenskurs zwingt.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Christlichdemokratische Volkspartei hat die Rechtsform eines eingetragenen Politischen Verein. Sie ist in 26 Kantonalparteien gegliedert und hat insgesamt 100.000 Mitglieder.

Politische Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Delegiertenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höchstes Organ auf Bundesebene ist die Delegiertenversammlung. Der Parteitag besteht aus den Delegierten der Kantonalparteien und tritt mindestens zweimal jährlich zusammen. Seine Aufgaben sind insbesondere die Beschlussfassung über die Grundlinien der Parteipolitik, das Parteiprogramm und die Satzung sowie die Wahl und Kontrolle der Funktionsträger auf Bundesebene.

Parteivorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das leitende sowie vollziehende Organ der Bundespartei ist der Parteivorstand. Diesem gehören 68 Mitglieder an und setzt sich zusammen aus den Mitgliedern des Parteipräsidiums, fünf Mitgliedern der Fraktion, zwei Personen pro anerkannte Vereinigung sowie je einer Frau und einem Mann pro Kantonalpartei.

Präsidium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erledigung der laufenden Geschäfte und Fragen wirtschaftlicher Betätigung der Partei ist Aufgabe des Präsidiums der Partei, dem neben dem Parteipräsidenten und seinen Stellvertretern, dem Präsidenten der CVP-EVP-Fraktion sieben von der Delegiertenversammlung gewählte Mitglieder angehören.

Parteipräsident Gerhard Pfister
Vize-Präsident/in Ida Glanzmann-Hunkeler, Yannick Buttet
Präsident der CVP-EVP-Fraktion Filippo Lombardi
Weitere Mitglieder des Präsidiums Pirmin Bischof, Martin Candinas, Marianne Binder-Keller, Stefan Müller-Altermatt, Elisabeth Schneider-Schneiter, Tino Schneider, Anne Seydoux-Christe[3]

Generalsekretariat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die parteiinterne Verwaltung und Organisation obliegt dem Generalsekretariat, das seinen Sitz am Klaraweg in Bern hat. Das Generalsekretariat leiten die Generalsekretärin Béatrice Wertli, der Geschäftsführer Daniel Piazza und der Kommunikations-Chef Thomas Jauch.

Presseorgane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ende der parteigebundenen Medienerzeugnissen in der Schweiz gab die CVP ab den 1970er Jahren, ein eigenes Heft heraus. In den 1980er Jahren vertrieb die Partei das CVP Magazin, auf welches das CVP-Blatt Gazette folgte. Dieses wurde durch das Presseorgan Die Politik, nach eigener Darstellung das „Meinungsmagazin des politischen Zentrums“ und der politischen Meinungsbildung, abgelöst. Es erscheinen monatlich Themahefte. Weitere Beiträge zu aktuellen Aspekten des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Geschehens runden die Zeitschrift ab. Die Politik erscheint seit 2005 auf deutsch und französisch (La Politique) mit einer beglaubigten Auflage von rund 11'000 Exemplaren.

Vereinigungen der CVP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die CVP hat folgende Vereinigungen:

Kantonalsektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kantonalsektion Präsident Schweizer Parlamentswahlen
Resultate Nationalratswahlen 2015
Mandate im Nationalrat Schweizer Parlamentswahlen
Resultate Ständeratswahlen 2011
Mandate im Ständerat
Kanton Aargau CVP Kanton Aargau Marianne Binder-Keller 8,6 % Ruth Humbel Näf 000000000000012.500000000012,5 % -
Kanton Appenzell Ausserrhoden CVP Kanton Appenzell Ausserrhoden Max Nadig 0- - 0- -
Kanton Appenzell Innerrhoden CVP Kanton Appenzell Innerrhoden Ruedi Angehrn 76,3 % Daniel Fässler 0-[Anmerkung 1] Ivo Bischofberger
Kanton Basel-Landschaft CVP Kanton Basel-Landschaft Marc Scherrer 9,1 % Elisabeth Schneider-Schneiter 000000000000011.400000000011,4 % -
Kanton Basel-Stadt CVP Kanton Basel-Stadt Andrea Strahm 6,4 % 0- -
Kanton Bern CVP Kanton Bern Alexandra Perina-Werz 1,8 % - 000000000000002.70000000002,7 % -
Kanton Freiburg CVP Kanton Freiburg André Schoenenweid 22,7 % Dominique de Buman, Christine Bulliard-Marbach 000000000000053.000000000053,0 % Urs Schwaller
Kanton Genf CVP Kanton Genf Sébastien Desfayes 12,1 % Guillaume Barazzone 000000000000042.100000000042,1 % -
Kanton Glarus CVP Kanton Glarus Peter Landolt-Fischli 0- - 0- -
Kanton Graubünden CVP Kanton Graubünden Stefan Engler 16,8 % Martin Candinas 000000000000077.700000000077,7 % Stefan Engler
Kanton Jura CVP Kanton Jura Martial Courtet 27,6 % Jean-Paul Gschwind 000000000000033.900000000033,9 % Anne Seydoux-Christe
Kanton Luzern CVP Kanton Luzern Pirmin Jung 23,9 % Andrea Gmür, Ida Glanzmann-Hunkeler, Leo Müller 000000000000047.400000000047,4 % Konrad Graber
Kanton Neuenburg CVP Kanton Neuenburg Vincent Pahud 3,6 % - 000000000000002.80000000002,8 % -
Kanton Nidwalden CVP Kanton Nidwalden Therese Rotzer 0- - 0-[Anmerkung 2] Paul Niederberger
Kanton Obwalden CVP Kanton Obwalden Christoph Amstad-Bucher,
Bruno von Rotz
65,5 % Karl Vogler (CSP) 0- -
Kanton Schaffhausen CVP Kanton Schaffhausen Marco Rutz 0- - 0- -
Kanton Schwyz CVP Kanton Schwyz Andreas Meyerhans 19,5 % Alois Gmür 000000000000038.300000000038,3 % -
Kanton Solothurn CVP Kanton Solothurn Sandra Kolly-Altermatt 14,8 % Stefan Müller-Altermatt 000000000000051.200000000051,2 % Pirmin Bischof
Kanton St. Gallen CVP Kanton St. Gallen Patrick Dürr 16,6 % Thomas Ammann, Jakob Büchler, Markus Ritter 000000000000030.500000000030,5 % -
Kanton Tessin CVP Kanton Tessin Giovanni Jelmini 20,1 % Fabio Regazzi, Marco Romano 000000000000046.900000000046,9 % Filippo Lombardi
Kanton Thurgau CVP Kanton Thurgau Gallus Müller 13,1 % Christian Lohr 000000000000057.000000000057,0 % Brigitte Häberli-Koller
Kanton Uri CVP Kanton Uri Frieda Steffen 26,8 % - 0-[Anmerkung 3] Isidor Baumann
Kanton Waadt CVP Kanton Waadt Claude Béglé,
Axel Marion
4,1 % Claude Béglé 000000000000008.50000000008,5 % -
Kanton Wallis CVP Kanton Wallis[Anmerkung 4] Anton Andenmatten (Oberwallis), Serge Metrailler (Unterwallis) 39,8 % Roberto Schmidt, Yannick Buttet, Viola Amherd, Géraldine Marchand-Balet 000000000000039.200000000039,2 % Jean-René Fournier, René Imoberdorf
Kanton Zug CVP Kanton Zug Martin Pfister 26,4 % Gerhard Pfister 000000000000054.600000000054,6 % Peter Bieri
Kanton Zürich CVP Kanton Zürich Nicole Baradun-Gross 4,2 % Barbara Schmid-Federer, Kathy Riklin 000000000000005.10000000005,1 % -
Anmerkungen
  1. Weil an der Landsgemeinde mit offenem Handmehr abgestimmt wird, können keine genauen Stimmenverhältnisse angegeben werden.
  2. Stille Wahl
  3. Majorz
  4. Die Kantonalpartei gliedert sich in vier Untersektionen: CVP Oberwallis, CVP Mittelwallis, CVP Unterwallis sowie CSP Oberwallis

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholiken im Kulturkampf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef Leu
Josef Zemp

Im Gasthaus Rössli in Ruswil unterzeichneten Vertreter einer konservativen Volksbewegung 1840 unter Bauernführer Josef Leu von Ebersol die Ruswiler Erklärung, die sich gegen den liberalen Zeitgeist wandte. Wenig später wurde im selben Wirtshaus der «Ruswiler Verein» gegründet, aus dem später die Katholisch-Konservative Partei wurde, die im gesamten 19. Jahrhundert im Kulturkampf eine kirchenfreundliche und in der nationalstaatlichen Frage eine föderalistische Haltung einnahm und sich damit in deutlichem Gegensatz zur liberalen Mehrheit im 1848 gegründeten Bundesstaat befand.[4]

In Gegensatz zur Lage im Gesamtstaat dominierten die Katholisch-Konservativen die Politik in den ländlich-katholischen Kantonen der Innerschweiz, im Wallis und im Kanton Freiburg, während sie sich im Tessin einen langwierigen Machtkampf mit den Liberalen lieferten. Wie die Liberalen besassen die Katholisch-Konservativen weder ein formelles Organisationsstatut noch ein Programm. 1882 erfolgte die offizielle Gründung der Fraktion. Die Gründungsversuche einer nationalen Partei (1874 «Association conservatrice suisse» durch Abbé Joseph Schorderet und Theodor Scherer-Boccard, 1881 «Konservative Union» durch Josef Zemp und Julius Schnyder von Wartensee, 1894 «Katholische Volkspartei» durch Anton Augustin und Ernst Feigenwinter) scheiterten jedoch jahrzehntelang an der föderalistischen Struktur der Schweiz und den Differenzen im katholisch-konservativen Lager.[5]

Der Prozess der Einbindung der Katholisch-Konservativen in den liberalen Bundesstaat begann Ende des 19. Jahrhunderts. Nach mehreren Abstimmungssiegen der Katholisch-Konservativen, die sie in unterschiedlichen Allianzen errungen hatten, erkannten die Liberalen und Radikalen, dass sich ihre Isolierungspolitik nicht mehr aufrechterhalten liess. Ausserdem bevorzugten sie mit dem Erstarken der Sozialdemokratie einen Schulterschluss der bürgerlichen Kräfte. Am 17. Dezember 1891 wurde schliesslich mit Josef Zemp zum ersten Mal ein Katholisch-Konservativer in den Bundesrat gewählt. Eine weitere wichtige Entwicklung der Jahrhundertwende war, dass neben dem traditionellen ländlich-katholischen Flügel ein christlichsozialer Arbeitnehmerflügel entstand, der besonders viel Unterstützung bei Katholiken fand, die in protestantische Kantone ausgewandert waren, in denen sich die Partei somit erstmals etablieren konnte.[5]

Katholisch-Konservative in der Zwischenkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1912 wurde die «Schweizerische Konservative Volkspartei» (KVP) im Hôtel Union in Luzern gegründet, die Katholisch-Konservativen waren damit erstmals in einer formellen gesamtschweizerischen Organisation verbunden, die 1919 mit Jean-Marie Musy einen zweiten Sitz im Bundesrat erhielt. Mit der Gründung des Christlichsozialen Arbeiterbundes 1919 gewann die christlichsoziale Arbeiter- und Angestelltenbewegung in der bisher bäuerlich-gewerblich und kleinstädtisch geprägten Partei an Bedeutung. In der Zwischenkriegszeit fanden innerhalb der Konservativen Volkspartei zeitweise Modelle einer «autoritären Demokratie» bis hin zu Ständestaatsgedanken eine gewisse Unterstützung. Der Höhepunkt dieser Tendenz war die sogenannte Revisionsinitiative, welche von Teilen der Katholisch-Konservativen gemeinsam mit den rechtsextremen Fronten lanciert wurde. Nach der deutlichen Ablehnung dieses Begehrens in der Volksabstimmung 1935 ebbte die korporatistische Bewegung wieder ab.[6]

Mitte der 1930er Jahre trat der Klassenkampf zwischen den Bürgerlichen und den Sozialdemokraten unter dem Druck des Faschismus in den Hintergrund und führte zu einer politischen Normalität zwischen den regierenden bürgerlichen Parteien – FDP, CVP und BGB – und den Sozialdemokraten. Im Jahr 1943 verloren die Freisinnigen die Regierungsmehrheit im Bundesrat. Im gleichen Jahr erhielt die CVP erstmals zu ihren zwei Bundesräten den Posten des Bundeskanzlers.[7]

Blüte in den Fünfzigerjahren und Erneuerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getragen vom politischen Klima der Nachkriegszeit, erlebten die Konservativen in den 1950er Jahren einen Höhepunkt: Sie stellten die grösste Parlamentsdelegation ihrer Geschichte, und von 1954 bis 1958 belegte die Partei einen dritten Sitz im Bundesrat, den sie jedoch im Zuge der Einbindung der Sozialdemokratie 1959 ins Schweizerische Regierungssystem wieder abgab und sich nach der Zauberformel richtete. Mit 23,4 Prozent erreichte die Partei bei den Schweizer Parlamentswahlen 1963 das beste Resultat.[8]

CVP-Signet nach 1970

Im Jahr 1957 wurde die Konservative Volkspartei in «Konservativ-Christlichsoziale Volkspartei» (KCV) umbenannt, da die Landespartei je nach Kanton konservative oder christlichsoziale Kantonalparteien umfasste. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 wurde innerhalb der Partei die Forderung nach Anpassung an die gewandelte Gesellschaft laut und die KCV vollzog eine programmatische Öffnung, die zu den Parteireformen von 1970/1971 führte. Die neue Mittepartei koalierte in der Sozialpolitik häufig mit den Sozialdemokraten, in der Wirtschafts- und Finanzpolitik mit den Freisinnigen, während sie in der Kultur- und Kirchenpolitik christlich-konservative Positionen vertrat.[9] Weiter wurde während der Reformen ein neuer Name für die Partei gesucht: Einige schlugen «Christlichdemokratische Union» vor, während andere Kräfte aus dem «katholischen Ghetto» ausbrechen wollten und den Namen «Schweizerische Volkspartei» vorschlugen. (Die heutige Schweizerische Volkspartei wurde erst ein Jahr später gegründet). 1970 entschied man sich schliesslich für den heutigen Namen «Christlichdemokratische Volkspartei». In den folgenden Jahrzehnten konnte die CVP ihren Stimmenanteil halten, jedoch bereitete ihr die Auflösung des katholischen Milieus, einst einigende Klammer der Partei, zunehmend Probleme.[10]

Rückgang des Wähleranteils und Verlust eines Bundesratssitzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die CVP in ihren Stammlanden, den früheren Sonderbundskantonen Luzern, Freiburg, Wallis, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden und Zug, eine dominante Stellung einnahm, kam es ab den 1980er Jahren zu Erosionserscheinungen, bedingt durch die Säkularisierung, die soziale Mobilität, die Wohlstandsgesellschaft sowie die Auflösung des katholischen Milieus. Die Abnahme der Stammwählerschaft führte ab 1980 zu einer stetigen Abnahme der erzielten Resultate bei den eidgenössischen Wahlen. Besonders in den 1990er und frühen 2000er Jahren wurden viele konservative Wähler aus den ländlichen Stammlanden zur national-konservativen SVP abgeworben.[9]

Bei der Bundesratswahl vom 10. Dezember 2003 wurde zudem mit der ultimativen Forderung der Schweizerischen Volkspartei auf einen zweiten Sitz für ihren Kandidaten Christoph Blocher die bisher geltende Zauberformel für die Zusammensetzung des Bundesrats gesprengt. In einer Kampfwahl wurde mit der Abwahl der amtierenden Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold erstmals seit langem wieder ein Bundesratsmitglied von der Vereinten Bundesversammlung nicht mehr bestätigt. An ihrer Stelle wurde Christoph Blocher gewählt. Damit verblieb Joseph Deiss als einziger CVP-Vertreter im Bundesrat.[11]

Leuthard-Effekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stimmenanteile der CVP 2011

Unter der Führung der Präsidentin Doris Leuthard gelangen der CVP im Jahr 2005 einige Wahlerfolge. Schweizer Medien sprachen vom Leuthard-Effekt. Ausserdem profitierte die CVP von der Schwächung der FDP. Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2007 konnte die CVP ihren Stimmenanteil von 14,4 Prozent auf 14,6 Prozent leicht verbessern und erreichte 31 Sitze im Nationalrat.[12] Die CVP hat sich mit der glp und der EVP für die 48. Legislaturperiode des Nationalrates geeinigt, in einer gemeinsamen Fraktion zusammenzuarbeiten. Als Grundlage hierfür wurde eine Stärkung der politischen Mitte, verbunden mit einem Führungsanspruch in dieser, angeführt. In der Folge arbeitete die CVP auch in verschiedenen Kantonen und Gemeinden mit EVP und glp, aber auch mit der 2008 als SVP-Abspaltung gegründeten BDP zusammen.

Bei den Gesamterneuerungswahlen von 2011 gewann die Partei im Nationalrat 28 Sitze, im Ständerat 13 Sitze.[13] Bei den Nationalrat-Wahlen 2015 erhielt die CVP 11,6 % der Stimmen und 27 Sitze; sie verlor somit einen Sitz.[2] Zusammen mit der EVP bildet die CVP auf nationaler Ebene eine gemeinsame Fraktion, die Fraktion CVP/EVP der Bundesversammlung.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteipräsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Politiker waren beziehungsweise sind Parteipräsidenten der Konservativen Volkspartei, der Konservativ-Christlichsozialen Volkspartei beziehungsweise der Christlichdemokratischen Volkspartei.

Fraktionspräsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgenden Personen waren beziehungsweise sind als Fraktionspräsident Mitglied der CVP.

Generalsekretäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgenden Personen waren beziehungsweise sind als Generalsekretär Mitglied der CVP.

Bundesräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgenden Politiker waren beziehungsweise sind als Bundesrat Mitglied der CVP.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Urs Altermatt: Der Weg der Schweizer Katholiken ins Ghetto. Die Entstehungsgeschichte der nationalen Volksorganisationen im Schweizer Katholizismus 1848–1919. 2. Auflage. Benziger, Zürich 1991, ISBN 3-545-25031-8.
  • Urs Altermatt: CVP. Von der katholischen Milieupartei zur Partei der bürgerlichen Mitte. In: Die Parteien in Bewegung. Nachbarschaft und Konflikte. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-846-1, S. 21–48.
  • Ludwig Zurbriggen: CVP und die soziale Mitte. Soziales Kapital, Koalitionen und symbolische Praxis der CVP. Rüegger, Zürich 2004, ISBN 3-7253-0762-8.
  • 100 Jahre CVP. Festschrift zum Jubiläum. Sonderausgabe Die Politik, online, Oktober 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Bund kurz erklärt 2014. Schweizerische Bundeskanzlei, 28. Februar 2014, abgerufen am 22. April 2014 (PDF; 14821 kB).
  2. a b Nationalratswahlen: Übersicht Schweiz 2015. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 19. Oktober 2015.
  3. Parteipräsidium. CVP Schweiz, abgerufen am 6. Mai 2016.
  4. Mike Bacher: Der lange Weg zur Parteigründung. In: Die Politik (Hrsg.): Die Politik. Bern Oktober 2012, S. 4/5.
  5. a b Mike Bacher: Der lange Weg zur Parteigründung. In: Die Politik (Hrsg.): Die Politik. Bern Oktober 2012, S. 6.
  6. Rudolf Hofer: 1912. In: Die Politik (Hrsg.): Die Politik. Bern Oktober 2012, S. 7.
  7. Urs Altermatt: Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) im Historischen Lexikon der Schweiz, Kapitel Die CVP als Regierungspartei, abgerufen am 26. August 2013
  8. Urs Altermatt: Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) im Historischen Lexikon der Schweiz, abgerufen am 26. August 2013
  9. a b Urs Altermatt: Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) im Historischen Lexikon der Schweiz, Kapitel Verankerung und Entwicklung, abgerufen am 26. August 2013
  10. Alois Hartmann: Erneuerungsprozess. In: Die Politik (Hrsg.): Die Politik. Bern Oktober 2012, S. 13.
  11. Christlich-demokratische Volkspartei (CVP). In: Année politique Suisse. Institut für Politikwissenschaft – Universität Bern, S. 24, abgerufen am 26. August 2013 (PDF; 174 kB).
  12. Nationalratswahlen: Übersicht Schweiz 2007. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 21. August 2013.
  13. Nationalratswahlen: Übersicht Schweiz 2011. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 21. August 2013.