Christliche Mitte

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Verein Christliche Mitte
(CM)
Logo der Partei Christliche Mitte
Zweck: „Ermutigung zur Freude an GOTT“[1]
Vorsitz: Josef Happel
Gründungsdatum: 27. August 1988
Mitgliederzahl: ca. 5000 [2]
Sitz: Lippstädter Str. 42
59329 Wadersloh
Website: verein.christlichemitte.de/

Die Christliche Mitte (Kurzbezeichnung: CM) ist ein christlich-fundamentalistischer Verein, der nach seinem Selbstverständnis christliche Werte vertritt. Zwischen 1988 und 2016 war der Verein als Partei aktiv und trat bei einigen Wahlen an. Aufgrund der extrem schlechten Wahlergebnisse wandelte sich die CM im Februar 2016 in einen politischen Verein um der nicht mehr bei Wahlen antreten wird und seinen Arbeitsschwerpunkt auf gesellschaftspolitische Öffentlichkeitsarbeit legt.[3]

Inhaltliches Profil und Parteiprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der christlich-fundamentalistische Verein[4] fordert eine Ausrichtung aller gesellschaftlichen Bereiche „unter dem christlichen Sittengesetz nach Gottes Geboten“. Der Verein stellt sich als überkonfessionell dar, hat aber katholische Bezüge insbesondere in seinen Publikationen,[5] so unterstützt er beispielsweise die Abhaltung von Messfeiern nach dem klassischen Tridentinischen Ritus.[6]

Im Oktober 2005 verabschiedete die CM auf ihrem ordentlichen Bundesparteitag in Fulda ein überarbeitetes Grundsatzprogramm, das sich nach ihrem eigenen Verständnis auf die wesentlichen Punkte einer christlichen und sozialen Politik konzentriert. Insbesondere nehmen die Zehn Gebote eine besondere Stellung ein, die „gottgewolltes Naturrecht und christliches Sittengesetz“ seien. „Christliche Ehe“ und Familie seien „wichtigste Lebens- und Erziehungsgemeinschaft im Staat“. „Ungeordnete“ Sexualität und Homosexualität werden dagegen verurteilt und abgelehnt. Eine „Wiederherstellung der christlichen Gesinnung“ wird angestrebt.

Aus Angst vor einer „Islamisierung Europas“ werden interreligiöser Unterricht oder Islamunterricht abgelehnt. Stattdessen sollen Muslime, „die freiwillig in ihre Heimat zurückkehren wollen, unterstützt“ werden. Grundsätzlich unterstellt die CM Muslimen, ihren Glauben entweder über im Koran angeblich gebotene Verschleierung ihrer Absichten oder mittels Gewalt bzw. Terror verbreiten zu wollen.[7] Weiterhin spricht sich die CM eindeutig für die Judenmission aus.[8] Die mittlerweile verstorbene Vorsitzende Mertensacker prangerte ferner eine vermeintliche „andauernde Christenverfolgung in Israel“ an[9] und schrieb von „täglichen Angriffen von Juden auf Christen“. Frauen sollen zur „bewussten Gestaltung ihres Lebens als Frau und Mutter“ ermutigt werden. Weitere Ziele des Vereins sind unter anderem die strafrechtliche Verfolgung von Schwangerschaftsabbrüchen als „kriminelle Tat“, der „Schutz der Jugendlichen vor kommerzieller und sexueller Ausbeutung sowie sittlicher und gesundheitlicher Gefährdung“, das Verbot von Pornografie und der „Strafrechtsschutz vor der Homosexualität“. Ebenso wird ein Verbot des Sexualkundeunterrichts sowie das „Elternrecht, Kinder selbst zu unterrichten“, befürwortet und sich gegen „antidemokratische Maßnahmen“, „Esoterik“, „Verführung durch falsche Lehren, Ideologien und Manipulation“ sowie „Gotteslästerung“ ausgesprochen.[10] Auch nationalistische Tendenzen sind erkennbar, z. B. sprach die CM im Zusammenhang mit der Wehrmachtsausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht im Osten von einer „Schandausstellung“ und „Fälschungen“ und forderte zur Strafanzeige auf.[11]

Struktur und politische Betätigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adelgunde Mertensacker aus Wadersloh, die von 1986 bis 1987 ein Jahr lang Bundesvorsitzende der Zentrumspartei war, veröffentlichte zusammen mit dem katholischen Priester Winfried Pietrek aus Lippstadt, der Präses der CM-Jugendorganisation Junge Mitte war, ab den 1970er Jahren vor allem antiislamische Schriften und Flugblätter. Auch im Internet verbreiten Sympathisanten und Mitglieder des Vereins antiislamische Schriften. Die monatlich erscheinende Zeitung des Vereins, der Kurier der Christlichen Mitte, hat eigenen Angaben zufolge 19.000 Abonnenten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die CM wurde am 27. August 1988 gegründet. Sie war eine Abspaltung der Deutschen Zentrumspartei. Der Name „Christliche Mitte“ wurde gewählt, weil sich die CM als Nachfolgerin der Zentrumspartei betrachtet und diese sich nach ihrem im Grundsatzprogramm zum Ausdruck kommenden Selbstverständnis ausdrücklich als „die Partei der christlichen Mitte“ bezeichnete.

Die Gründerin der CM, Adelgunde Mertensacker, war 1987 nach starken Auseinandersetzungen als Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei abgewählt worden und gründete mit ihren Anhängern – darunter die meisten Lebensrechtler und die „katholische Fraktion“ des damaligen Zentrums – die CM. [12] Sie verstarb am 12. Oktober 2013, wenige Stunden nachdem sie auf dem Europa-Parteitag der Christlichen Mitte in Lippstadt als Partei-Vorsitzende wiedergewählt worden war. Im Anschluss wurde kein neuer Vorsitzender gewählt.

Über ihren Facebook-Account gab die Partei im Februar 2016 bekannt, dass sie nicht mehr an Wahlen teilnehmen wolle, da die begrenzten Mittel nicht zum Erhalt parlamentarischer Mandate reichen. Man wolle aber als politische Vereinigung weiter wie bisher an politischer Meinungsbildung mitwirken.[3] Nachdem zwischenzeitlich die Parteihomepage offline war, tritt sie seit August 2016 als Verein an die Öffentlichkeit.

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Wahlen konnte die CM nie Erfolge erzielen. Auch auf kommunaler Ebene verfügte sie nie über Mandate. Den geringen Zuspruch bei Wählern erklärte die CM mit dem „Sittenverfall in Europa“ und damit, dass ihr Programm „sehr anspruchsvoll“ sei. Zur Bundestagswahl 2013 wurde die Christliche Mitte zwar zugelassen, stellte aber weder eine Landesliste noch Wahlkreiskandidaten auf.[13]

Bundestagswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundestagswahlergebnisse[14]
Jahr Stimmenanzahl Stimmenanteil
1990 36.446 0,08 %
1994 19.887 0,04 %
1998 23.619 0,05 %
2002 15.440 0,03 %
2005 nur Direktkandidaten (1.011 Stimmen; 0,0 %)
2009 6.826 0,02 %
2013 nicht teilgenommen

Europawahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europawahlergebnisse[15]
Jahr Stimmenanzahl Stimmenanteil
1989 43.580 0,2 %
1994 66.766 0,2 %
1999 30.746 0,1 %
2004 46.037 0,2 %
2009 39.953 0,2 %
2014 30.124 0,1 %

Landtagswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahljahr Baden-Württemberg Hamburg Saarland
1991   0,1 %  
1992 0,0 %    
1996 0,0 %    
1999     0,1 %
2001 0,1 %    

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Internetseite der Christlichen Mitte (Hauptdomain leitet auf die Vereinsseite weiter)
  • Gott in den Bundestag? Zielsetzung und Programmatik der Parteien Christlichen Mitte (CM) und Partei Bibeltreuer Christen – Eine Dokumentation. Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e. V. (remid.de)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://verein.christlichemitte.de/index.php/2016/08/11/wofuer-steht-die-christliche-mitte-cm/
  2. Niederschrift der 1. BWA Sitzung (PDF; 423 kB)
  3. a b Facebook-Meldung des Partei-Hauptaccounts vom 20. Februar 2016
  4. Ulli Jentsch: Die „Lebensschutz“-Bewegung und die AfD. In: Alexander Häusler (Hg.): Die Alternative für Deutschland: Programmatik, Entwicklung und politische Verortung. Springer-Verlag, 2016, S. 102
  5. Benjamin Höhne, Universität Trier auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung
  6. (CM-Kurier 3/2009)
  7. Kurier der CM 5/2009; 10/2010
  8. Kurier d. CM 7/09; 1/12
  9. (CM-Kurier 9/2012)
  10. Grundsatzprogramm der CM
  11. Die Partei „Christliche Mitte“ bei www.religion-online.info
  12. REMID-Dokumentation, Punkt B (Entstehungshintergrund der CM) Gott in den Bundestag? Religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e. V. REMID-Dokumentation
  13. Pressemitteilung des Bundeswahlleiters
  14. Ergebnisse der Bundestagswahlen
  15. Ergebnisse der Europawahlen