Christliche Partei Österreichs

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Christliche Partei Österreichs
Logo der Christlichen Partei Österreichs
Parteivorsitzender Rudolf Gehring
Rudolf Gehring CPÖ cropped.jpg
Stellvertretender Vorsitzender Martin Wabl
Gründung 15. Oktober 2005
Website www.christlicheparteioesterreichs.at

Die Christliche Partei Österreichs (CPÖ) ist eine österreichische Kleinstpartei, die sich als auf christlichen Werten aufbauend versteht.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 15. Oktober 2005 gründete Alfons Adam eine Partei, die sich „Die Christen“ nannte. Am 29. November 2008 wurde Rudolf Gehring zum Bundesobmann gewählt. Alfons Adam verließ darauf mit einigen Mitgliedern die Partei und gründete seinerseits am 13. Jänner 2010 wieder eine eigene Partei, die er „Christen-Allianz“ nannte. Unter Rudolf Gehring gab es dann eine grundsätzliche Diskussion um den Parteinamen. Mit dem Argument, dass „die Christen“ eine Bezeichnung für eine Religion und nicht für eine politische Partei ist, fand sich eine Mehrheit, die dafür stimmte, die Partei in „Christliche Partei Österreichs“ umzubenennen. Beim Bundesparteitag am 12. November 2011 wurde Rudolf Gehring neuerlich zum Obmann gewählt.

Viele Mitglieder und Kandidaten sind schon länger gegen Schwangerschaftsabbrüche aktiv. Der Leiter von Human Life International Österreich, Dietmar Fischer, war Kandidat der Partei.[1]

Programm[Bearbeiten]

Die CPÖ tritt für eine Neugestaltung der Gesellschaft und für ein christliches Österreich ein. Sie will eine „Rückkehr der religiösen Werte in den politischen Raum, aber keine Staatskirche“. Sie definiert drei Schwerpunktthemen: Ehe und Familie, Erziehung und Bildung, Lebensschutz und Kultur.

Ehe und Familie[Bearbeiten]

Die Partei definiert Ehe als lebenslange, heterosexuelle Verbindung. Das gesamte Steuer-, Sozial- und Arbeitsrecht soll auf ihr Familienmodell ausgerichtet werden; die ihrer Ansicht nach „natürliche und gottgewollte Rollenverteilung von Mann und Frau“ soll geschützt werden. Sie treten massiv gegen Gender Mainstreaming auf, weil darin die naturgegebenen Geschlechteridentitäten geleugnet werden mit dem Ziel, sexueller Beliebigkeit eine pseudowissenschaftliche Basis zu geben. Intakte Familien könne es ihrer Ansicht nach nur geben, wenn das tägliche Leben nicht von Unzucht und sexueller Ausschweifung bestimmt ist. Sie vertreten die Meinung, dass Gender Mainstreaming die „Abschaffung von Mann und Frau als biologisches Geschlecht“ anstrebe. Als Teil des Gender-Mainstraming, welches sie als „Staatsreligion“ bezeichnen, sehen sie auch das Frauenministerium in der derzeitigen Form an und würden es aus diesem Grund abschaffen. Als Alternative könnte sich Adam ein „echtes Familienministerium“ vorstellen. (Zum Zeitpunkt der Aussage 2008 liegen die Frauenagenden beim Bundeskanzleramt, unterstehen jedoch der Bundesministerin für Frauen und Medien.)[2]

Adam rechnet es den Moslems hoch an, „dass sie sich in unserer versauten Gesellschaft nicht integrieren wollen.“ Wenn das Christentum geschlossener auftreten und außerdem mehr Kinder zeugen würde, wären auch Fremde „kein Problem“.[2]

Homosexualität wird als eine heilbare Sexualneurose angesehen.[3] Es wird kritisiert, dass dies ein Tabuthema sei, über welches nicht gesprochen werden dürfe. Die Homolobby habe durch Proteste gegen einen Kongress in Graz „beinharten Terror“ betrieben, wodurch eine geplante Ansprache von Ärzten und Psychologen, die an der Heilung von Homosexuellen arbeiten würden, nicht habe stattfinden können. Nach Aussage des Veranstalters dagegen hätte er ein Seminar zur Heilung von Homosexualität nie zugelassen und der Workshop habe sich nicht auf Homosexualität bezogen, sondern auf ichdystone Sexualorientierung.[4][5] Aus der oben erwähnten Gegnerschaft zum Gender Mainstreaming wenden sie sich dagegen, dass Homosexualität staatlich gefördert werde, etwa durch registrierte Partnerschaften. Jene trügen auch nichts zum Gemeinwohl der Gemeinschaft bei, dies geschehe allein durch die Zeugung von Kindern. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften seien ein Beitrag zur Zerstörung der Familie und seien deshalb die größte Gefahr, die dem Land drohe. Spitzenkandidat Adam hat nach eigenen Bekundungen kein Problem, solche Ansichten trotz Kritik öffentlich zu äußern, denn „wenn man uns Katholiken oder Christen verbieten will, unseren Standpunkt zu äußern, dann ist das wie Christenverfolgung.“[2]

Es wird im Parteimagazin argumentiert, homosexuelle Partnerschaften würden sich durch höhere Scheidungsraten, geringe Treue und häufige Partnerwechsel auszeichnen.[6] Für letzteren Punkt wird auf die Aussagen einer HIV-Präventionsstudie von Maria Xiridou et al.[7] verwiesen; diese gilt jedoch aufgrund des expliziten Ausschlusses monogamer Probanden als ungeeignet zur allgemeinen Beurteilung homosexueller Beziehungen.[8][9][10]

Erziehung und Bildung[Bearbeiten]

Der Staat soll, wie Artikel 2 des Ersten Zusatzprotokolls zur Europäischen Menschenrechtskonvention vom 20. März 1952 vorschreibt, dafür sorgen, dass Erziehung und Unterricht von Kindern entsprechend der Religion und Weltanschauung der Eltern abläuft. Ziel soll „die Werte des Wahren, Guten und Schönen“ sein; ein zu früher oder wertfreier Sexualkundeunterricht wird daher als Untergrabung der Autorität der Eltern und als aggressionsfördernd abgelehnt. Er sei laut Adam in der Schule völlig verfehlt und eine „Anleitung zur Unzucht und zu sexuellen Ausschweifungen“, in deren Folge Bindungsunfähigkeit, Drogenabhängigkeit und ausschweifende Kriminalität entstehe.[2] Auch sollen Modelle gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in Schulen nicht als normal dargestellt werden dürfen.

Lebensschutz[Bearbeiten]

Der Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod soll absolut sein und über allen anderen Rechtsgütern stehen. Insbesondere Schwangerschaftsabbrüche sollen verboten sein, künstliche Befruchtung wird abgelehnt.

Kultur- und Europapolitik[Bearbeiten]

Rudolf Gehring (r.) mit Hannelore Schuster und Heinz-Christian Strache (FPÖ) während einer Demonstration gegen den Ausbau eines islamischen Kulturzentrums in Wien (2009)

Die Partei definiert die europäische Kultur als eine christliche, die es zu erhalten gelte. Gegen die Herabsetzung christlicher Glaubensinhalte und Organisationen soll ein umfassender Rechtsschutz eingeführt werden. Die Kultur soll zur Wertschätzung eines sittlich hoch stehenden Lebenswandels führen; öffentliche Mittel sollen weder für Veranstaltungen, die einen unzüchtigen Lebenswandel propagieren, noch für gotteslästerliche Kunst aufgewendet werden.

Die Europäische Union lehnt sie in der gegenwärtigen Form ab, ebenso wie den Vertrag von Lissabon. Wenn die EU sich zu einem Bundesstaat entwickeln sollte, so wäre das ein „totalitärer Staat“. Die Partei wünscht sich ein christliches Europa der Vaterländer.

In der Wirtschaftspolitik tritt die Partei für eine soziale Marktwirtschaft ein, bei der Produktionsmittel in Privatbesitz stehen, der Staat so wenig wie möglich eingreift, die Steuerbelastung und öffentliche Schulden reduziert werden und Arbeitsplätze Vorrang vor Gewinnmaximierung haben.

Die CPÖ tritt für ein neutrales Österreich mit einem starken Bundesheer ein, das ausschließlich der Landesverteidigung dient.[11]

Kritik[Bearbeiten]

Die CPÖ wird von Homosexuellenverbänden wegen ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Gleichstellung von Homosexuellen in Belangen des täglichen Lebens (z.B. eingetragene Partnerschaften) kritisiert.[12]

Die Partei erfuhr aber auch von christlicher Seite Kritik. Ein Hauptpunkt der Kritik von liberaler bis zu konservativer Seite bezog sich auf den ursprünglichen Parteinamen "Die Christen". Es wurde etwa geäußert, dass er alle Christen vereinnahme und die Christen als solche keine politische Partei seien. Unter Bundesobmann Gehring wurde 2009 schließlich eine Umfrage durchgeführt, bei der sich 88 % der Parteimitglieder für die Umbenennung der Partei in Christliche Partei Österreichs (CPÖ) aussprachen. Die Umbenennung wurde schließlich bei einem außerordentlichen Parteitag am 9. Juni 2009 vollzogen.[13] Inhaltlich distanzieren sich beispielsweise die Katholische Frauenbewegung[14] oder die Diözese Feldkirch[15] – niemand habe das Monopol auf die christlichen Werte in der Politik, so der Pastoralamtsleiter der Diözese.

Wahlen[Bearbeiten]

Die erste Wahl, zu der die Partei antrat, war die Landtagswahl in Niederösterreich 2008. Im Vordergrund der Wahlkampagne stand die Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen. Weiters trat die Christenpartei für ein so genanntes Müttergehalt, eine familiengerechtere Wohnbauförderung und für ein Familienwahlrecht ein.[16] Sie erhielten 0,8 % der Stimmen und somit kein Mandat, landeten aber vor dem BZÖ.[17] Die Partei trat auch bei der Landtagswahl in Tirol 2008 landesweit an[18] und erreichte dort mit 1,4 % der Stimmen kein Mandat.[19] Bei den Nationalratswahlen vom 28. September 2008 trat die Partei bundesweit an und erreichte 0,63 %. Für die Landtagswahlen in Kärnten und Salzburg im März 2009 konnten Die Christen nicht die erforderliche Zahl an Unterstützungserklärungen aufbringen.[20]

Am 27. September 2009 trat die Partei mit Landesobfrau Martha Zethofer an der Spitze zur Landtagswahl in Oberösterreich an.[21] Sie erreichte 0,43 % der Stimmen. Daniel Dragomir trat am selben Tag zur Gemeinderatswahl in Atzbach an und erreichte 2,16 %. Als Reaktion auf den politischen Kurs der ÖVP konzentrierte sich Dragomir auf zwei Schwerpunktthemen. Einerseits will er sich besonders gegen ein angebliches Überhandnehmen von Moslems einsetzen, da er das islamische System mit Diktatur und Armut verbindet. Und „es darf keine Schwulen geben in der Gemeinde, das werde ich mit ganzer Kraft bekämpfen.“[22]

Der aktuelle Vorsitzende, Rudolf Gehring, war einer von drei Kandidaten für die österreichische Bundespräsidentenwahl am 25. April 2010. Er bekam 5,4 % der Stimmen.

Bei der Landtagswahl in Niederösterreich 2013 trat die CPÖ erneut an, verlor aber über 90 % ihrer Stimmen und erreichte nur mehr 0,09 %.

Bei der Nationalratswahl 2013 konnten sie in den Bundesländern Burgenland, Oberösterreich, Steiermark, Vorarlberg antreten und dadurch bundesweit 6.647 Stimmen bzw. 0,14 Prozent erreichen. In den Bundesländern Salzburg und Niederösterreich wurden durch die Landeswahlbehörden nicht alle Unterstützungserklärungen anerkannt, da sie teils nur als Kopie vorgelegt wurden. Für Gehring ist das eine „fadenscheinige Begründung“, denn es stehe nicht im Gesetz, dass nur Originale gelten. Die Partei konnte dadurch in diesen Bundesländern nicht antreten, wodurch sie sich als „sehr benachteiligt“ fühlt. Daher will sie die Wahl beim Verfassungsgerichtshof anfechten und eine Wiederholung erreichen.[23]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. NÖ-Wahl: Die Christen Partei, Website von HLI Österreich, abgerufen am 17. April 2008.
  2. a b c d APA: „Christen“ würden Frauenministerium abschaffen, diestandard.at, 8. September 2008
  3. Jürgen Hirschmann, Sandra Maier: Fm5-Interview mit Parteiobmann Alfons Adam, fm5.at, November 2007
  4. Raphael M. Bonelli, Walter Pieringer, Hans-Peter Kapfhammer: RPP 2007 Stellungnahme zum Workshop 4.6 mit dem Titel „Therapeutisches Arbeiten bei ichdystoner Sexualorientierung“ (PDF; 30 kB), rpp2007.org, 21. August 2007
  5. Veranstalter: Stellungnahme zur Kritik an der Beitragsgestaltung des RPP 2007 (PDF; 23 kB), rpp2007.org, 10. September 2007
  6. DIE HOMO-EHE IN DER PRAXIS in: Die Christen - Infomagazin über Die Christen, Ausgabe 6, 02/2008, S. 6., PDF-S. 4
  7. Maria Xiridou; Ronalda Geskus; Johna de Wit; Roela Coutinho; Mirjam Kretzschmar: The contribution of steady and casual partnerships to the incidence of HIV infection among homosexual men in Amsterdam, AIDS Volume 17(7), 2. Mai 2003
  8. Anneke Krol, Datamanager Amsterdam Cohort Studies: Overview of the Amsterdam Cohort Studies 2006 (PDF; 100 kB), amsterdamcohortstudies.org, 7. Februar 2007, S.2.
  9. Jim Burroway: Straight From The Source: What the “Dutch Study” Really Says About Gay Couples, Box Turtle Bulletin, 9. Januar 2006.
  10. So z.B. Valeria Hinck, Spitzerstudie, Amsterdam-Studie, etc. - was steht dort wirklich (nicht)?, zwischenraum.net, 2004
  11. Parteiprogramm (pdf), abgerufen am 17. April 2008.
  12. HOSI Linz Presseaussendung vom 26. Juni 2008, abgerufen am 22. September 2008
  13. christlicheparteiösterreichs.at Die Christen: Infomagazin über „Die Christen“, Ausgabe 7
  14. Katholische Frauen distanzieren sich von Partei „die Christen“, abgerufen am 22. September 2008.
  15. Diözese distanziert sich von „Die Christen“, abgerufen am 22. September 2008.
  16. Kurier: Christen-Partei startet Wahlkampf (Version vom 13. Februar 2008 im Internet Archive)
  17. Ergebnisse der Landtagswahlen in Niederösterreich 1945–2008, abgerufen am 17. April 2008.
  18. Sieben Listen buhlen um die Gunst der Tiroler, Die Presse, 8. Mai 2008.
  19. Endgültiges Ergebnis der Landtagswahl 2008, Amt der Tiroler Landesregierung, 16. Juni 2008.
  20. APA: KPÖ und Die Christen buhlen um Stimmen, rundschau.co.at, 13. August 2009
  21. Kein Wahlantritt für Rechtsextreme, Wiener Zeitung, 14. August 2009 (Zugriff am 25. November 2013)
  22. Gerhard Hüttner: „Christen“ treten im Wahlkampf gegen Schwule und Moslems auf, Oberösterreichische Nachrichten, 13. August 2009
  23. Christenpartei will Wahlwiederholung. In: orf.at. 17. Oktober 2013, abgerufen am 17. Oktober 2013.

Weblinks[Bearbeiten]