Christoph Gedschold

Christoph Gedschold (* 1976 in Magdeburg) ist ein deutscher Dirigent. Von 2022 bis 2024 war er Musikdirektor der Oper Leipzig[1] und von 2024 bis 2026 Chefdirigent des Copenhagen Philharmonic Orchestra.[2] Er dirigiert insbesondere Werke von Richard Wagner, Richard Strauss und des slawischen Repertoires.[3]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gedschold sang als Schüler im Chor des Magdeburger Doms. Er studierte von 1994 bis 2002 Klavier und Dirigieren an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig sowie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei Christof Prick.[4] Bereits während seines Studiums korrepetierte er im Rahmen des Internationalen Opernstudios am Opernhaus Zürich.[5]
Stationen als Kapellmeister
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ab 2002 war Gedschold Kapellmeister und Korrepetitor am Luzerner Theater. Parallel arbeitete er beim Lucerne Festival unter anderem für Claudio Abbado, Mariss Jansons und Pierre Boulez.[4] 2005 assistierte er Ulf Schirmer bei den Bregenzer Festspielen.[6] Zur Spielzeit 2005/06 wechselte Gedschold als Kapellmeister ans Staatstheater Nürnberg.[6]
2009 wurde Gedschold zum Ersten Kapellmeister am Badischen Staatstheater Karlsruhe berufen.[7] In Karlsruhe dirigierte er unter anderem die deutsche Erstaufführung von Weinbergs Oper Die Passagierin sowie Premieren von Martinůs Die griechische Passion, Webers Euryanthe und Ponchiellis La Gioconda.[6] Zum Repertoire seiner Karlsruher Zeit gehörten ferner Produktionen wie Der Rosenkavalier, Die Meistersinger von Nürnberg, Lohengrin und Peter Grimes.[5]
2014 debütierte Gedschold an der Oper Leipzig mit La Bohème und wurde dort ab der Spielzeit 2015/16 als Kapellmeister engagiert.[6] Am Pult des Gewandhausorchesters dirigierte er zunächst die Hauspremieren des Leipziger Balletts Die Märchen der Gebrüder Grimm und Lobgesang.[6] In den folgenden Spielzeiten leitete er zahlreiche Premieren und Neueinstudierungen, darunter Der Freischütz, Herzog Blaubarts Burg, Rusalka, Die verkaufte Braut und Pagliacci.[5] Im Repertoire übernahm er unter anderem Vorstellungen von La Bohème, La traviata, Rigoletto, Tosca, Die Zauberflöte und West Side Story.[8]
Musikdirektor an der Oper Leipzig
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Sommer 2022 wurde Gedschold zum Musikdirektor der Oper Leipzig berufen und gehörte damit zum Leitungsteam des neuen Intendanten Tobias Wolff.[9] In enger Zusammenarbeit mit dem Gewandhausorchester leitete er Neuproduktionen von Lohengrin, Elektra, Salome, Tristan und Isolde, Der Rosenkavalier, Die Meistersinger von Nürnberg, Peter Grimes, Otello, Tosca und Lady Macbeth von Mzensk.[3][10]
Im Rahmen des Großprojekts Wagner 22 der Oper Leipzig übernahm Gedschold die musikalische Leitung von Die Feen, Das Liebesverbot und Lohengrin.[5] In seiner letzten Spielzeit als Musikdirektor 2023/24 leitete er unter anderem die Premieren von Der Rosenkavalier und Lady Macbeth von Mzensk.[1]
Copenhagen Philharmonic Orchestra
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Mai 2023 wurde Gedscholds Berufung zum Chefdirigenten des Copenhagen Philharmonic Orchestra (auch bekannt als Tivoli Symphony Orchestra) ab der Spielzeit 2024/25 bekanntgegeben. Er trat die Nachfolge von Toshiyuki Kamioka an, der das Orchester seit 2016 geleitet hatte.[11] Die auf vier Jahre angelegte Anstellung wurde von der Augustinus Foundation unterstützt.[2]
Gedschold hatte bereits im September 2022 mit dem Copenhagen Philharmonic im Wiener Musikverein gastiert und unter anderem Nielsens Helios-Ouvertüre sowie Werke von Schumann und Beethoven aufgeführt.[11] Nach weiteren Gastdirigaten im Dezember 2023 und Februar 2024 trat er das Amt im September 2024 offiziell an.[11]
Mit dem Copenhagen Philharmonic arbeitet Gedschold an einem Bruckner- und einem Mahler-Symphonienzyklus sowie an Chorwerken von Bach.[3] Im März 2025 gastierte er mit dem Orchester im Großen Saal der Elbphilharmonie Hamburg mit einem Programm aus Haydns Abschiedssymphonie, Wagners Vorspiel und Liebestod aus Tristan und Isolde und Schumanns Sinfonie Nr. 2 C-Dur.[12]
Im März 2026 wurde vom Orchester bekanntgegeben, dass man sich mit sofortiger Wirkung im gegenseitigen Einvernehmen voneinander trennt.[13] Die Bekanntgabe erfolgte ohne weitere Angabe von Gründen nur wenige Tage nach der Ankündigung der gemeinsam geplanten Saison 2026/27 und löste Spekulationen über die Gründe aus, die zu diesem Schritt führten.[14]
Gastengagements
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Opernhäuser
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gedschold ist regelmäßiger Gastdirigent an der Staatsoper Dresden, wo er unter anderem Der Freischütz, Don Giovanni, Die Zauberflöte, Elektra und Ariadne auf Naxos leitete.[3][4] An der Hamburgischen Staatsoper dirigierte er Repertoirevorstellungen von Simon Boccanegra, La Bohème, La traviata, Eugen Onegin, Katja Kabanowa, Manon Lescaut und Die tote Stadt.[5][10]
An der Oper Frankfurt debütierte er 2015 mit Weinbergs Die Passagierin, die er auch im Rahmen der Wiener Festwochen leitete, und leitete später dort auch Aufführungen von Ariadne auf Naxos.[8] An der Oper Köln dirigierte er Premieren von Rusalka, Die Zauberflöte und Turandot.[5] An der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf leitete er Der fliegende Holländer und Parsifal.[3][15] An der Opera de Oviedo in Spanien dirigierte er die Premieren von Götterdämmerung und Lohengrin.[3][5]
Weitere Gastengagements führten ihn an die Deutsche Oper Berlin sowie an die Oper Zürich, wo er Eugen Onegin leitete.[3][5]
Orchester
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben der langjährigen Zusammenarbeit mit dem Gewandhausorchester dirigierte Gedschold zahlreiche internationale Orchester. Im Mai 2015 gab er sein Nordamerika-Debüt beim Orchestre symphonique de Montréal mit Schostakowitschs 11. Symphonie.[6] Weitere internationale Gastspiele führten ihn zum Sinfonieorchester Basel und zum New Japan Philharmonic.[10]
In Deutschland arbeitete er unter anderem mit der Staatskapelle Dresden, den Hamburger Philharmonikern, dem MDR-Sinfonieorchester, der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken, dem Gürzenich-Orchester Köln, dem Orchester des Nationaltheaters Mannheim, den Stuttgarter Philharmonikern, der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz, dem Orchester der Oper Zürich und dem Münchner Rundfunkorchester.[3][8][10]
Im September 2022 debütierte er im Wiener Musikverein mit dem Copenhagen Philharmonic Orchestra.[11] Mit der Staatskapelle Dresden führte er unter anderem die Bürger-als-Edelmann-Suite von Richard Strauss auf.[3]
Repertoire
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gedscholds Repertoire-Schwerpunkt liegt im deutschen Opernrepertoire des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere bei den Werken von Richard Wagner und Richard Strauss. Im Wagner-Fach hat er unter anderem Die Feen, Das Liebesverbot, Lohengrin, Tristan und Isolde, Die Meistersinger von Nürnberg, Der fliegende Holländer, Götterdämmerung und Parsifal an verschiedenen Häusern geleitet. Im Strauss-Repertoire zählen Elektra, Salome, Der Rosenkavalier und Ariadne auf Naxos zu seinen Kernstücken.[3][5]
Im slawischen Repertoire setzte er sich insbesondere für das Werk Mieczysław Weinbergs ein und dirigierte dessen Oper Die Passagierin an vier verschiedenen Häusern (Karlsruhe, Semperoper Dresden, Oper Frankfurt, Wiener Festwochen).[8] Ferner dirigierte er Rusalka und Die verkaufte Braut von Dvořák bzw. Smetana, Katja Kabanowa und Eugen Onegin an mehreren Häusern sowie Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk und dessen 11. Symphonie.[3][5][10]
Im Konzertrepertoire umfasst seine Arbeit Werke von Bach, Brahms, Haydn, Schumann, Sibelius, Strauss, Bruckner und Mahler sowie Verdis Messa da Requiem.[2][3][12][16][17][18]
Diskografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Georg Schumann: Sinfonie h-Moll (Preissymphonie 1887). Münchner Rundfunkorchester, 2012 (Co-Musikproduktion mit BR-Klassik)[2]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website
- Christoph Gedschold bei Operabase (Engagements und Termine)
- Literatur von und über Christoph Gedschold im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Christoph Gedschold, Musikdirektor der Oper Leipzig, wechselt nach Kopenhagen. In: nmz – neue musikzeitung. 22. Mai 2023, abgerufen am 9. März 2026.
- 1 2 3 4 Orkestret – Copenhagen Phil. Abgerufen am 9. März 2026.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Christoph Gedschold. In: Deutsche Oper am Rhein. Abgerufen am 9. März 2026.
- 1 2 3 Christoph Gedschold – Personen. In: Semperoper Dresden. Abgerufen am 9. März 2026.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Christoph Gedschold. In: Deutsche Oper Berlin. Abgerufen am 9. März 2026.
- 1 2 3 4 5 6 Christoph Gedschold ist neuer Kapellmeister der Oper Leipzig. In: Leipziger Zeitung. 3. Juni 2015, abgerufen am 9. März 2026.
- ↑ Christoph Gedschold macht(e) Karriere bei Copenhagen Phil. In: klassik.com. 22. Mai 2023, abgerufen am 9. März 2026.
- 1 2 3 4 Christoph Gedschold. In: Oper Frankfurt. Abgerufen am 9. März 2026.
- ↑ Oper Leipzig mit neuer künstlerischer Leitung. In: Musik Heute. 2. März 2021, abgerufen am 9. März 2026.
- 1 2 3 4 5 Christoph Gedschold. In: Oper Leipzig. Abgerufen am 9. März 2026.
- 1 2 3 4 Denmark's Copenhagen Philharmonic Announces New Chief Conductor. In: The Violin Channel. 29. Mai 2023, abgerufen am 9. März 2026 (englisch).
- 1 2 Copenhagen Philharmonic Orchestra – Haydn / Wagner / Schumann. In: Elbphilharmonie. Abgerufen am 9. März 2026.
- ↑ norman lebrecht: Just in: Danes drop conductor after less than two years - Slippedisc. In: Slippedisc. 16. März 2026 (slippedisc.com [abgerufen am 30. März 2026]).
- ↑ Hans navn er pludselig fjernet fra hjemmesiden. Det ligner et åbent benbrud. 18. März 2026, abgerufen am 30. März 2026 (dänisch).
- ↑ Wagner: Parsifal – Deutsche Oper am Rhein. In: concerti.de. Abgerufen am 9. März 2026.
- ↑ Stjernepianisten vender tilbage – Copenhagen Phil. Abgerufen am 9. März 2026.
- ↑ Copenhagen Phil – Sibelius and Rachmaninov. In: RDAM. Abgerufen am 9. März 2026 (englisch).
- ↑ Verdis Requiem – Copenhagen Phil. In: Kammerkoret Carmina. 24. Januar 2025, abgerufen am 9. März 2026 (dänisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gedschold, Christoph |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dirigent |
| GEBURTSDATUM | 1976 |
| GEBURTSORT | Magdeburg |