Christoph Leitl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Christoph Leitl (2016)

Christoph Leitl (* 29. März 1949 in Linz, Oberösterreich) ist ein österreichischer Unternehmer und Politiker (ÖVP). Von 2000 bis 2018 war er Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leitl empfängt den russischen Präsidenten, Wladimir Putin und eine russische Wirtschaftsdelegation in der Wirtschaftskammer-Zentrale (2001)

Christoph Leitl studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz. 1973 wurde er zum Dr. rer. soc. oec. promoviert. Leitl ist Ehrenmitglied der K.Ö.St.V. Kürnberg zu Wien im ÖCV und der K.Ö.St.V. Mercuria Eferding im MKV.

Von 1977 bis 1990 war er Geschäftsführer der Firma Bauhütte Leitl-Werke Ges.m.b.H in Eferding,[1] die sein Vater Karl Leitl nach dem Krieg aufgebaut hatte.

In der Nacht vom 13. auf den 14. September 1979 entkam Leitl knapp einem Entführungsversuch. Die Entführer wurden zwei Jahre später festgenommen. Später stellte sich heraus, dass auch die Entführung der Leitl-Kinder geplant war. Ein Mittäter hatte dieses Vorhaben jedoch vereitelt, da er kein Kind entführen wollte. Zum Dank besuchte Leitl den Mann mehrmals im Gefängnis und verschaffte ihm anschließend eine Stelle als Elektriker im Familienbetrieb.[2] In mediale Kritik kam Leitl, da er neben seiner Funktion als Wirtschaftskammerpräsident von 2004 bis Juni 2018 auch Obmann der gesetzlich vorgeschriebenen, monopolistisch agierenden Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) war.[3][4] Dies würde laut Kritik einen Gewissenskonflikt darstellen. Im Juni 2018 folgte ihm Harald Mahrer als Obmann der SVA nach.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1990 bis 2000 war Leitl Abgeordneter zum Oberösterreichischen Landtag und Wirtschaftslandesrat von Oberösterreich; von 1995 bis 2000 Landeshauptmannstellvertreter. Von 1999 bis 2017 war er Bundesobmann bzw. Präsident des Österreichischen Wirtschaftsbundes, einer Teilorganisation der ÖVP. Am 18. Dezember 2017 folgte ihm der bisherige Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Harald Mahrer in diesem Amt nach.

2000 trat er als sein Amt als Präsident der Wirtschaftskammer Österreich an (Nachfolger von Leopold Maderthaner). In dieser Funktion wurde er zweimal, 2004 und 2009, wiedergewählt. Am 18. Mai 2018 übergab er das Amt an Harald Mahrer.[5] Von 2002 bis 2005 bekleidete er außerdem in zwei Perioden das Präsidentenamt der Europäischen Handelskammerverbands EUROCHAMBRES (seit 2006 Ehrenpräsident). Im Oktober 2017 wurde er zum zweiten Mal zum Präsidenten von Eurochambres gewählt, für eine zweijährige Funktionsperiode ab 1. Jänner 2018.[6]

Von 2004 bis Juni 2018 war er Obmann der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft.[3] Seit 2013 ist Leitl Ehrenmitglied des Europäischen Wirtschaftsbundes der Europäischen Volkspartei SME Europe,[7] nachdem er bereits von 2005 bis 2009 als Präsident der ehemaligen SME Union fungierte.[8]

Für Aufsehen sorgte Leitls Äußerung im Wahlkampf Anfang September 2013, Österreich sei „abgesandelt“ (heruntergekommen, abgewirtschaftet), sei im internationalen Vergleich lediglich noch Mittelmaß. Er bezog sich dabei auf das verschlechterte Ranking des Schweizer Wirtschaftsinstituts IMD.[9] Die Äußerung wurde innerhalb und außerhalb der ÖVP kontrovers aufgenommen. Trotz ähnlicher Aussagen (Maria Fekter bezeichnete den Standort Österreich als „ramponiert“) gab es auch viel Kritik, auch aus der eigenen Partei. Im internationalen Ranking stehe Österreich gut da, sei wettbewerbsfähig, es mangele allerdings an der Reformbereitschaft der Politik und an zukunftsfähigen Investitionen und Arbeitsmarkteffizienz. Damit sei Leitls Äußerung „zum Teil richtig.“[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Negativpreise:

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Christoph Leitl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.leitl.at
  2. Rolle rückwärts aus Lebensgefahr, Die Furche, 18. September 2007
  3. a b c orf.at: Mahrer löste Leitl auch als SVA-Obmann ab. Artikel vom 20. Juni 2018, abgerufen am 21. Juni 2018.
  4. Die Grüne Wirtschaft - Verein zur Förderung einer ökosozialen Wirtschaft: WKO – Wahnsinnig Komplizierte Organisation. Abgerufen am 21. Mai 2017.
  5. Leitl plädiert als "Alt-68er" fürs "Zusammenstreiten". Abgerufen am 3. Mai 2018.
  6. Kurier: Leitl wurde zum zweiten Mal Eurochambres-Chef. Artikel vom 27. Oktober 2017, abgerufen am 27. Oktober 2017.
  7. [1], Neuer europäischer Wirtschaftsbund wird Teil der ÖVP, MdEP Dr. Paul Rübig, 4. Juni 2013
  8. Präsidium der SME-UNION
  9. Alois Vahrner: Weder abgesandelt noch in Topform. Leitartikel in der Tiroler Tageszeitung, 5. September 2013
  10. Fakten-Check: „Österreich ist abgesandelt“ Die Presse, 4. September 2013
  11. „Höchster Malteser-Orden für Präsident Dr. Leitl“, Malteserorden, 24. April 2006
  12. LH Pröll ehrte Wirtschaftskammerpräsident Leitl mit dem „Silbernen Komturkreuz mit dem Stern“. In: ots.at. (ots.at [abgerufen am 29. März 2017]).
  13. Kurier: Umweltschützer: Leitl größter Bremser bei Klimaschutz, 1. Dezember 2015