Christoph Palmer

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Christoph Eberhardt Palmer (* 20. Juli 1962 in Stuttgart) ist ein deutscher Unternehmensberater, Vorsitzender der Geschäftsführung der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen e.V. und früherer deutscher Politiker (CDU).

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palmer ist mit der ehemaligen Stuttgarter Regionalrätin Christine Arlt-Palmer (CDU) verheiratet, welche 2014 nicht für eine weitere Wahlperiode kandidierte. Das Ehepaar hat drei Kinder. Bereits sein Vater, der selbständige Ingenieur Eberhardt Palmer (1931–2017)[1] war über viele Jahre als Kommunalpolitiker in Stuttgart aktiv und von 1996 bis 1999 Regionalpräsident in der Region Stuttgart. Christoph Palmer ist ein Neffe des verstorbenen Remstal-Rebellen Helmut Palmer, des Vaters des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen).

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1983 bis 1988 studierte er Politikwissenschaft, Germanistik und Geschichte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Er wurde 1992 an der Universität Hohenheim zum Doktor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften promoviert. Von 1988 bis 1992 war er Parlamentarischer Berater der CDU-Fraktion im Landtag Baden-Württembergs. 1994 bis 1996 unterrichtete er als Professor für Politik an der Fachhochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen.

Seit 1. April 2005 ist Palmer als Unternehmensberater selbständig tätig. Seit 1. November 2008 ist er zudem Vorsitzender der Geschäftsführung der im Frühjahr 2008 aus vier Verbänden neu geschaffenen Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen (Produzentenallianz), die den Großteil der deutschen Film- und Fernsehproduktionsbetriebe vertritt.

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit seiner Schulzeit war Palmer in der Jungen Union politisch tätig. 1989 und 1994 wurde er jeweils zum Stadtrat in Stuttgart gewählt. 1996 wurde er Staatssekretär im baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und galt als Hoffnungsträger der Südwest-CDU,[2] zumal er im selben Jahr auch Vorsitzender der CDU Stuttgart wurde. Er führte die Partei bis 2008, die beide Oberbürgermeister-Wahlen in diesem Zeitraum für sich entscheiden und gegen den bundesweiten Trend einen erheblichen Mitgliederzuwachs verzeichnen konnte.[3] Von 2001 bis 2008 war er Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Stuttgart II (Filderwahlkreis) im Landtag von Baden-Württemberg.

Von 1998 bis 2004 war Palmer Minister im Staatsministerium Baden-Württemberg und galt als „rechte Hand“ von Ministerpräsident Erwin Teufel. Als Staatsminister koordinierte er die Landespolitik und initiierte vor allem im Bereich der Medienpolitik Projekte, beispielsweise mit der IT- und Medienoffensive „doIT“, der Imagekampagne „Wir können Alles. Außer Hochdeutsch.“ und der Gründung der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, die er gegen Widerstände im Land durchsetzte und als deren "Spiritus Rector" er gilt.[4] Von 1996 bis 2008 war Palmer Aufsichtsratsvorsitzender der Filmakademie Baden-Württemberg. Mit der Popakademie, der Filmakademie und der Akademie für Darstellende Kunst forcierte Palmer die Entwicklung aller drei "Kreativ-Akademien" in Baden-Württemberg.[5]

Als Sonderbeauftragter des Ministerpräsidenten leitete Palmer die Verhandlungen über den Neubau der Landesmesse am Stuttgarter Flughafen.

Seit 2001 war Palmer zudem Minister für europäische Angelegenheiten (Europaminister) und wurde unter anderem Vorsitzender des Europa-Ausschusses des Bundesrates in Berlin. Unter seiner Leitung wurde die Landesvertretung Baden-Württemberg in Brüssel im Jahr 2002 erworben und nach Sanierungsarbeiten am 5. Februar 2004 durch Ministerpräsident Erwin Teufel und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi eröffnet.[6] In den Jahren 2003 und 2004 vertrat Palmer die deutschen Bundesländer bei der Regierungskonferenz zur Umsetzung und Ausformulierung der Ergebnisse des Europäischen Konvents in einen Verfassungstext. Der Europäische Verfassungsvertrag wurde aufgrund der negativen Referenden in Frankreich und den Niederlanden nicht legitimiert, fand zu einem Großteil jedoch seinen Niederschlag im EU-Grundlagenvertrag "Vertrag von Lissabon".[7]

Der studierte Geisteswissenschaftler Palmer bekannte sich als Landesminister durch eine Vielzahl von Reden und Beiträgen zur geschichtlichen Verantwortung und initiierte in diesem Zusammenhang u. a. die Stauffenberg-Erinnerungsstätte beim Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart und setzte sich für die Erinnerungsstätte Matthias Erzberger in Münsingen ein.[8][9] Kulturpolitisch koordinierte er 1998 die Überführung des als national wertvollen Kulturguts anerkannten Nachlasses von Alfred Döblin in das Deutsche Literaturarchiv in Marbach. 2003 organisierte er den Erwerb der kunsthistorisch bedeutenden "Grauen Passion" von Hans Holbein d. Ä. für die Staatsgalerie Stuttgart.[10]

Am 25. Oktober 2004 trat Palmer als Minister zurück, nachdem er in einem Streit um Rücktrittsforderungen an Erwin Teufel mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer in einer Auseinandersetzung aneinandergeraten war,[11] wobei er diesen ohrfeigte[12]. Sein Abfindungsgehalt sorgte anfänglich für Kritik[13] bis bekannt wurde, dass er dieses einem karitativen Zweck in Stuttgart spendet (Vesperkirche Stuttgart).

Nachfolger im Amt wurde Ulrich Müller, der zuvor Umweltminister in Baden-Württemberg war.

Bei der Wahl zum Landtag von Baden-Württemberg am 26. März 2006 wurde Palmer im Wahlkreis Stuttgart II mit 14,2 % Vorsprung als Abgeordneter direkt wiedergewählt. Seit dem 19. Juli 2006 war er Vorsitzender des Europa-Ausschusses des Landtags und damit erster Ansprechpartner für Europafragen.

Am 31. Mai 2008 schied Palmer aus dem Landtag aus, um sich stärker dem Beruf zu widmen. Für ihn rückte Thomas Bopp nach.

Den Vorsitz der Stuttgarter CDU gab er am 2. Oktober 2008 an Michael Föll weiter.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ehemaliger Bezirksvorsteher von Stuttgart-Mitte, Eberhardt Palmer, gestorben. In: stuttgart.de. 23. Januar 2017, abgerufen am 11. März 2017.
  2. "Focus" vom 17. März 1997 Der dritte Mann Abgerufen am 18. Juni 2014
  3. "Stuttgarter Zeitung" vom 2. Juni 2009 Kommunalwahl 2009, CDU zwischen Hoffen und Bangen (Memento vom 18. Juni 2014 im Webarchiv archive.is)
  4. "Stuttgarter Zeitung" vom 20. August 2013, S. 26: "Knowhow" gibt´s in geballter Form Abgerufen am 25. Mai 2013
  5. Die drei “Kreativ-Akademien” in Baden-Württemberg. In: Ideen möglich machen (Festschrift) - 30 Jahre Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  6. Baden-württembergisch Denken, europäisch handeln - Dokumentation zur Einweihung der neuen Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union. In: Europaschriften des Staatsministeriums Baden-Württemberg. Nr. 4, Stuttgart 2004, 3-9801995-3-3
  7. Europa in guter Verfassung: Erwin Teufel-für die deutschen Länder im Konvent In: Europaschriften des Staatsministeriums Baden-Württemberg. Nr. 6, Stuttgart 2004, 3-9801995-5-X
  8. "H-Soz-u-Kult der Humboldt-Universität zu Berlin" vom 22. Dezember 2011 Tagungsbericht "Nun danket alle Gott für diesen braven Mord" - Matthias Erzberger: in Demokrat in Zeiten des Hasses Abgerufen am 18. Juni 2014
  9. "Matthias Erzberger: ein Demokrat in Zeiten des Hasses" von 2013 Aufsatzsammlung/Personale Informationsmittel Abgerufen am 18. Juni 2014
  10. "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 19. September 2003 Herzstück gesichert: Baden-Württemberg erwirbt Holbeins "Graue Passion" Abgerufen am 18. Juni 2014
  11. "Der Spiegel" vom 30. Oktober 2004 Ausrutscher der rechten Hand Abgerufen am 18. Juni 2014,
  12. Die Nacht der Ohrfeigen. Abgerufen am 21. Juni 2017.
  13. "Die Zeit" 4/2005 vom 20. Januar 2005: Und das alles ohne Gegenleistung?