Christoph Reuter (Journalist)

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Christoph Reuter bei der Vorstellung seines Buchs Die schwarze Macht, 2015

Christoph Reuter (* 14. Januar 1968 in Sande) ist ein deutscher Journalist, Kriegsberichterstatter und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er machte das Abitur und schloss sein Studium der Islamwissenschaft, Politikwissenschaft und Germanistik mit dem Magister (der Universität Hamburg) ab. Anschließend absolvierte er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Von 1995 bis 1996 berichtete er in Bonn für den Stern über die SPD.[1] Ab 2003 war er Auslandskorrespondent in Bagdad und in Kabul.[2] Er berichtete für GEO, Stern, Greenpeace Magazin und Die Zeit aus der islamischen Welt zwischen Marokko und Kirgisistan, mit den Schwerpunkten Naher Osten und Afghanistan. Dafür erhielt er 1997 den Axel-Springer-Preis. 2002 kam sein Buch über Selbstmordattentäter Mein Leben ist eine Waffe heraus. Es erschien 2004 auf Englisch (Princeton University Press) und wurde von der Washington Post als grundlegendes Werk zu diesem Thema bewertet. Es wurde in weitere sieben Sprachen übersetzt, darunter Italienisch, Schwedisch und Polnisch. Im Jahr 2004 veröffentlichte Christoph Reuter gemeinsam mit Susanne Fischer das Buch Café Bagdad. Der ungeheure Alltag im neuen Irak. Im Irak führten ihn seine Reisen von den Bergtälern Kurdistans über die heiligen Städte Kerbela und Nadschaf bis in die Palmenwälder und Sümpfe im Süden. Reuter spricht fließend Arabisch. Nebenbei war er als Dozent für „Investigative Research am Institute for War and Peace Reporting tätig und hat zudem in Afghanistan, im Irak und im Libanon Journalisten ausgebildet.[2]

Am 25. Juli 2007 hatten einige Nachrichtenagenturen irrtümlich gemeldet, Christoph Reuter sei in Afghanistan entführt worden. Tatsächlich handelte es sich hierbei um den dänischen Journalisten afghanischer Abstammung Nagieb Kahja. Dieser wurde nach wenigen Stunden freigelassen.

Von Dezember 2009 bis März 2010 recherchierte er gemeinsam mit dem Fotojournalisten Marcel Mettelsiefen in Kunduz. Als Resultat erschien die Veröffentlichung Kunduz, 4. September 2009. Eine Spurensuche[3], es folgte von April bis Juni 2010 gemeinsam mit Mettelsiefen die Ausstellung im Kunstraum Potsdam mit Fotos von Opfern des von der Bundeswehr 2009 veranlassten Luftangriffs bei Kundus.

2011 wechselte er vom Stern zum Spiegel[4], wo er bis heute (2021) als Reporter im Ressort Ausland arbeitet.[5]

Nach der Einnahme Afghanistan durch die Taliban im Sommer 2021 reiste Reuter nach Kabul und berichtete über die Lage der Einwohner nach der Machtübernahme der Taliban, nach deren Proklamation des Islamischen Emirat Afghanistan.[6]

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 berichtet er für den Spiegel über die Kriegsereignisse in Kiew und beschrieb, wie im Grenzort Schehyni flüchtende Menschen aus Afrika tagelang in einer Extra-Schlange warten mussten, um aus dem Land zu gelangen.[7] Ende März 2022 berichtete er aus der zerstörten ostukrainischen Kleinstadt Trostjanez, nachdem die russischen Besatzer von dort abgezogen waren.[8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 wurde er vom Medium Magazin für seine Berichte aus dem syrischen Bürgerkrieg als „Reporter des Jahres“ ausgezeichnet[9]. Bei einem illegalen Grenzübertritt aus Syrien in die Türkei wurde er 2015 festgenommen und anschließend aus der Türkei ausgewiesen.[10] Im Jahr 2015 erhielt Reuter den Prix Bayeux-Calvados des Correspondants de Guerre. Ausgezeichnet wurde seine Veröffentlichung Der Stratege des Terrors[11] über den 2014 erschossenen IS-Drahtzieher Haji Bakr.[12] Im April 2015 erschien sein Buch Die schwarze Macht: Der »Islamische Staat« und die Strategen des Terrors, für das er im November mit dem NDR Kultur Sachbuchpreis ausgezeichnet wurde.[13] Ebenfalls 2015 erhielt er den „Preis der Bundespressekonferenz“.[14] Im Juni 2022 wurde Reuter für seine Berichterstattung mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Christoph Reuter (journalist) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tilo Jung: #578 - Kriegsreporter Christoph Reuter über Ukraine, Syrien & Afghanistan. Abgerufen am 17. Juni 2022.
  2. a b Biografie – Christoph Reuter. Körber-Stiftung, 14. März 2016, abgerufen am 29. Juli 2021.
  3. Kunduz, 4. September 2009 : eine Spurensuche / Fotogr. Marcel Mettelsiefen. Text Christoph Reuter, Verlag Rogner & Bernhard, Berlin, 2010, ISBN 978-3-8077-1063-1
  4. Meldung. In: deutschlandradiokultur.de. Deutschlandradio. Abgerufen am 15. Februar 2015.
  5. Impressum. In: spiegel.de. DER SPIEGEL GmbH & Co. KG, 2021, abgerufen am 29. Juli 2021.
  6. Christoph Reuter - DER SPIEGEL. In: DER SPIEGEL. Abgerufen am 9. September 2021.
  7. Krieg in der Ukraine: Was unsere Reporter und Reporterinnen vor Ort berichten. In: Der Spiegel. 1. März 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. März 2022]).
  8. »Die Russen wussten offenbar gar nicht, warum sie hier sind« spiegel.de, 29. März 2022.
  9. Meldung. In: mediummagazin.de. Medium Magazin. Abgerufen am 15. Februar 2015.
  10. Frank Nordhausen: Deutsche Journalisten festgenommen, in: Frankfurter Rundschau, 9. Mai 2015, S. 38
  11. Der Stratege des Terrors, in: Der Spiegel, Ausgabe 17, 2015
  12. Rückspiegel: Ausgezeichnet, in: Der Spiegel, Ausgabe 43, 2015, S. 146
  13. Christoph Reuter gewinnt Sachbuchpreis 2015. In: NDR Kultur. Norddeutscher Rundfunk, November 2015, abgerufen am 30. Juli 2021.
  14. Christoph Reuter erhält den Preis der Bundespressekonferenz 2015. (PGF 27 KB) bundespresseball.de, 2015, abgerufen am 20. Mai 2021.
  15. SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter mit Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet. In: Der Spiegel. 30. Juni 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 30. Juni 2022]).