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Christoph Spendel

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2010 in Frankfurt am Main

Christoph Spendel (* 19. Juli 1955 in Bytom, Polen; † 7. November 2025 in Kronberg im Taunus[1]) war ein deutscher Jazzpianist, Komponist und Produzent von Film- und Fernsehmusik sowie von elektronischer Chillout-Musik. Zudem war er als Hochschullehrer und Musikjournalist tätig.

Leben und Wirken

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Spendel erhielt seinen ersten Klavierunterricht im Alter von fünf Jahren bei seiner Mutter Maria Christa Spendel, einer Klavierpädagogin. Diesen setzte er später fort an der Folkwang-Hochschule in Essen. Nach einem Jazzkurs an der Clara-Schumann-Musikschule bei dem Flötisten Hermann Gehlen studierte Spendel an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf bei Bernhard Roderburg. Parallel dazu begann er seine professionelle Karriere als Musiker Mitte der 1970er Jahre als Mitglied der Gruppe Jazztrack (mit Wolfgang Engstfeld, Uli Beckerhoff und Sigi Busch). Er spielte später mit Michael Sagmeister im Quartett, aber auch mit Albert Mangelsdorff, Hans Koller, Gerd Dudek, Manfred Schoof, Christof Lauer, Wolfgang Dauner und Wolfgang Schlüter.

Nachdem Spendel 1992 in die USA übersiedelt war, tourte er mit der Smooth-Jazz-Gruppe Special EFX ungefähr zwei Jahre durch Nordamerika und gastierte in diversen Clubs, ferner auf zahlreichen Festivals. Weitere Tourneen – viele davon für das Goethe-Institut – führten ihn nach Kanada, Israel, Australien, Kuba, Norwegen u. a. Er trat bei den Berliner Jazztagen 1975, 1978, 1990 und beim Montreux Jazz Festival 1997 auf.

Spendel leitete mit Reuben Hoch die Fusionband West End Avenue (drei Alben, u. a. mit Jim Pepper und Lonnie Plaxico) und hat in Fusion-Produktionen mit Jeremy Steig sowie Bob Mintzer, aber auch mit Michal Urbaniak, Stu Goldberg, Miroslav Vitouš, Urszula Dudziak und Randy Brecker mitgewirkt. Für eine kurze Zeit war er Mitglied bei der ebenfalls in New York ansässigen Band The Fantasy Ban mit Chuck Loeb, Dave Valentin und Dave Samuals. Weiterhin hat er mit Norma Winstone, Didier Lockwood, Dave Liebman, Eddie Harris, Airto Moreira, Flora Purim, Dave Pike und Alphonse Mouzon zusammengearbeitet.

Christoph Spendel Group 2021

Ab 2000 lebte er in Frankfurt am Main. Dort komponierte und produzierte er in seinem eigenen Studio Fernseh- und Filmmusik. 2002 gründete er mit dem japanischen Elektronikproduzenten Naoki Kenji und dem aus Afghanistan stammenden Perkussionisten Hakim Ludin das Chillout-Projekt Planet Lounge, das drei Alben hervorbrachte. 2010 formte er das Acid-Jazz-Projekt Jazzmatics, sein an brasilianischer Musik orientiertes Projekt Brasitronics und das in New York begonnene Smooth Jazz Park. 2019 entstand seine neue Christoph Spendel Group mit zunächst Peter Klohmann an Saxophon und Flöte, Thomas Heidepriem am Bass und Martin Standke am Schlagzeug (ab 2024 Jan Beiling Saxophon, EWI, Alisa Pou Montz Bass und Stefan Schulz-Anker Drums).

Von 1999 bis 2021 lehrte Spendel als Professor für Jazz-Piano an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Am 1. November 2025 feierte er im Instituto Cervantes in Frankfurt mit seiner Christoph Spendel Group sein 50-jähriges Bühnenjubiläum.[2] Wenige Tage später, am 7. November, starb er an einem Herzinfarkt, der bei einem Konzert in Kronberg eintrat, im Alter von siebzig Jahren.[1]

Diskographische Hinweise

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Christoph Spendel, 2016
  • 1980: Christoph Spendel Group feat. Michael Sagmeister Limousine (Trion Records) Schallplatte, CD, Download
  • 1982: Dreams and Melodies (L+R Records, solo) Schallplatte, CD, Download
  • 1988: Christoph Spendel Group feat. Annie Whitehead: Ready for Take Off (L+R Records) Schallplatte, CD, Download
  • 1989: West End Avenue 1 (Nabel Records, mit Jim Pepper, Ron McClure, Reuben Hoch) Schallplatte, CD
  • 1989: Spendel – feat. Jeremy Steig, Bill Evans, Ray Gomez, Anthony Jackson (L+R Records) Schallplatte, CD, Download
  • 1997: The Art of Solo Piano(Blue Flame Records, so, solo) CD, Download
  • 2001: New Avenues – Trio mit André Nendza, Kurt Billker (Konnex Records, Blue Flame Records) CD, Download
  • 2004: HGBSthetik (HGBS Records, solo) CD, Download
  • 2021: Christoph Spendel Group feat. Peter Klohmann, Thomas Heidepriem, Martin Standke: Avenue E (Blue Flame Records)
  • 2024: Christoph Spendel Group feat. Jan Beiling, Claudio Zanghieri, Elias Bollinger: Spirits from the South (Blue Flame Records)
Commons: Christoph Spendel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b Stefan Michalzik: Zum Tod des Jazzpianisten Christoph Spendel: Keiner, der auftrumpfte. In: Frankfurter Rundschau. 12. November 2025, abgerufen am 12. November 2025.
  2. Eric Mandel: RIP: Christoph Spendel. In: Jazz thing. 14. November 2025, abgerufen am 15. November 2025.