Christoph Türcke

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Christoph Türcke (* 4. Oktober 1948 in Hameln) ist ein deutscher Philosoph. Er lehrte von 1995 bis 2014 als Professor für Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Türcke wurde 1948 in Hameln an der Weser geboren und machte dort 1966 sein Abitur. 1966–72 studierte er Evangelische Theologie und Philosophie in Göttingen, Tübingen, Zürich und Frankfurt am Main. 1973–77 folgte ein Studium der Philosophie an der Universität Frankfurt. 1977 promovierte er im Fachbereich Philosophie der Universität Frankfurt. 1977–86 arbeitete Türcke als Hochschulassistent für Evangelische Theologie und ihre Didaktik an der Hochschule Lüneburg und habilitierte sich 1985 im Fachbereich Philosophie an der Gesamthochschule Kassel. 1987 war er Gastregisseur am Jungen Theater Göttingen und 1991–93 Gastprofessor für Philosophie an der Universidade Federal do Rio Grande do Sul in Porto Alegre, Brasilien. 1993 wurde Türcke an die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig berufen, wo er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand eine Professur für Philosophie innehatte. Seit 1995 besaß er auch eine Lehrbefugnis für Philosophie an der Universität Leipzig.

Rassismusdebatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 löste ein Referat Türckes auf einer Konferenz der Zeitschrift konkret eine Debatte über den Rassismusbegriff aus. Unter Bezug auf die Rassentheorien Immanuel Kants hatte Türcke erklärt, es gebe nun einmal Menschengruppen, die hinsichtlich Temperament, Neigung, Begabung und Charakter zu differenzieren seien, und führte diese Unterschiede auf Eigenschaften der Haut und darüber erfolgende Wirkungen auf Stoffwechselprozesse zurück. Man solle zugeben, dass „die Natur ihre Huld innerhalb wie auch zwischen den Rassen nicht ... gleichmaßig verteilt“ habe.[1] Türckes Aussage wurden von den einen als rassistisch und absurd bewertet, während von anderen diese Vorwürfe als absurd bezeichnet wurden. Im Nachgang des Kongresses kam es in der Zeitschrift konkret und auch in anderen Medien zu einer monatelangen Kontroverse hierüber.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zum ideologiekritischen Potential der Theologie. Konsequenzen einer materialistischen Paulus-Interpretation, Diss. Köln 1979
  • Vermittlung als Gott. Metaphysische Grillen und theologische Mucken didaktisierter Wissenschaft, 2. Auflage, zu Klampen Verlag, Springe 1994, ISBN 978-3924245-05-4.
  • Der tolle Mensch. Nietzsche und der Wahnsinn der Vernunft, Frankfurt 1989
  • Sexus und Geist. Philosophie im Geschlechterkampf, Frankfurt 1991
  • Die neue Geschäftigkeit. Zum Ethik- und Geistesbetrieb, zu Klampen Verlag, Springe 1992, ISBN 3924245142.
  • Kassensturz. Zur Lage der Theologie, Frankfurt 1992
  • Gewalt und Tabu. Philosophische Grenzgänge, zu Klampen Verlag, Springe 1992, ISBN 3934920861.
  • mit Gerhard Bolte: Einführung in die kritische Theorie, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1994
  • Religionswende. Eine Dogmatik in Bruchstücken, zu Klampen Verlag, Springe 1995, ISBN 3924245517.
  • Rückblick aufs Kommende. Altlasten der neuen Weltordnung, Frankfurt am Main 1998.
  • Der tolle Mensch. Nietzsche und der Wahnsinn der Vernunft, zu Klampen Verlag, Springe 2000, ISBN 3924245894.
  • Erregte Gesellschaft. Philosophie der Sensation, München 2002
  • Fundamentalismus – maskierter Nihilismus, zu Klampen Verlag, Springe 2003, ISBN 978-3-934920-31-6.
  • Vom Kainszeichen zum genetischen Code: Kritische Theorie der Schrift. München: C.H. Beck, 2005. ISBN 3-406-53472-4
  • Heimat. Eine Rehabilitierung, zu Klampen Verlag, Springe 2006, ISBN 3934920861.
  • Philosophie des Traums, C.H. Beck, München 2008 ISBN 978-3-406-57637-9.
  • Jesu Traum. Psychoanalyse des Neuen Testaments, zu Klampen Verlag, Springe 2009, ISBN 9783866740617.
  • Hyperaktiv! Kritik der Aufmerksamkeitsdefizitkultur, C.H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-63044-6.
  • Heimat: Eine Rehabilitierung. Klampen, 2014 ISBN 978-3-866-74330-4
  • Mehr! Philosophie des Geldes, C.H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-67457-0.
  • Lehrerdämmerung: Was die neue Lernkultur in den Schulen anrichtet. C.H. Beck, München 2016, ISBN 3406688829.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Menschentiere, Sensationen. Ein Bilderbogen. Christoph Türcke zum sechzigsten Geburtstag. zu Klampen, Springe 2008, ISBN 3-86674-037-9.
  • Oliver Decker; Tobias Grave (Hg.): Kritische Theorie zur Zeit. Für Christoph Türcke zum sechzigsten Geburtstag. zu Klampen, Springe 2008, ISBN 3-86674-032-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Birgit Tautz: Colors 1800, 1900, 2000: Signs of Ethnic Difference. Rodopi, 2004, S. 63-64
  2. Mark Terkessidis: Die Banalität des Rassismus: Migranten zweiter Generation entwickeln eine neue Perspektive. transcript Verlag, 2015, S. 74-75
  3. zu Klampen Verlag