Christoph von Dohnányi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Christoph von Dohnányi (deutsch: [doˈnaːni], ungarisch: [ˈdoxnaːnji]) (* 8. September 1929 in Berlin) ist ein deutscher Dirigent und Intendant.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dohnányi wurde als Sohn des Juristen und späteren Widerstandskämpfers Hans von Dohnanyi und von Christine Bonhoeffer, der Schwester von Dietrich Bonhoeffer, in Berlin geboren. Er besuchte die Thomasschule zu Leipzig, wo er Mitglied des Thomanerchores war, das Benediktinergymnasium Ettal und das Victoria-Gymnasium Potsdam.[1] Er studierte zunächst wie sein Bruder Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wechselte dann zu Komposition, Klavier und Dirigieren an die Hochschule für Musik und Theater München, wo er sein Studium mit der Auszeichnung des Richard Strauss Preises abschloss. Danach setzte er seine Ausbildung bei seinem Großvater Ernst von Dohnányi, Pianist, Komponist und Dirigent, an der Florida State University fort und nahm an einem Dirigierkurs in Tanglewood, wo er Leonard Bernstein kennenlernte, teil.

Er schlug Angebote von Bernstein in New York und László Halász in Hollywood aus. Stattdessen kehrte er nach Deutschland zurück und wurde 1953 Assistent von Georg Solti an der Oper Frankfurt. Mit 27 Jahren wurde er am Theater Lübeck zum jüngsten Generalmusikdirektor in Deutschland ernannt. Von 1963 bis 1966 war er GMD des Staatstheaters Kassel. Von 1964 bis 1969 leitete er das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester. Seit 1968 war er Generalmusikdirektor und seit 1972 zusätzlich Direktor der Oper Frankfurt und des Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchesters. Von 1977 bis 1984 folgte eine Tätigkeit als Intendant und Chefdirigent der Hamburgischen Staatsoper und Generalmusikdirektor des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Von 1982 bis 1984 war von Dohnányi Music Director Designate des Cleveland Orchestra und wurde dessen sechster Music Director, eine Position die er von 1984 bis 2002 bekleidete. Im September 2002 ernannte ihn das Cleveland Orchestra zu seinem ersten Music Director Laureate. Von 1997 bis 2008 war er Principal Conductor and Artistic Adviser des Philharmonia Orchestra in London, dessen erster Gastdirigent er seit 1994 war. 2008 wurde er Honorary Conductor for Life des Philharmonia Orchestra. Von 1998 bis 2000 war er Chefdirigent und künstlerischer Berater des Orchestre de Paris. Von September 2004 bis zum Ende der Spielzeit 2010 war er Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters. Seit 2002 gastiert von Dohnányi regelmäßig bei dem New York Philharmonic Orchestra, Boston Symphony Orchestra, dem Cleveland Orchestra[2], dem Philadelphia Orchestra, Chicago Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Kansas City Symphony, National Symphony Orchestra in Washington D.C.. Regelmäßig ist er in Tanglewood, dem Sommerfestival des Boston Symphony Orchestra zu Gast, wo er auch mit dem Tanglewood Music Center Orchestra, dem Orchester der Studenten, arbeitet. Zudem dirigierte er die Orchester der Julliard School in New York, New England Conservatory in Boston, Curtis Institute in Philadelphia, Cleveland Institute of Music und Civic Orchestra of Chicago.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dohnányi, der in Frankfurt mit Gerard Mortier, Peter Mario Katona und Klaus Schultz künstlerische Mitstreiter für seine Idee, die Oper und das Musiktheater zu entstauben, fand, liegt auch die Neue Musik am Herzen, so brachte er neben zahlreichen Orchesterwerken u.a. von György Ligeti, Harrison Birtwistle, John Adams, auch Hans Werner Henzes Der junge Lord (1965) und Die Bassariden (1966) sowie Friedrich Cerhas Baal (1981) zur Uraufführung.

Auch als Mentor hat sich von Dohnányi hervorgetan. Alan Gilbert, heutiger Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker, war Dohnányis Assistent beim Cleveland Orchestra von 1995 bis 1997. Jens Georg Bachmann, Music Director des Crested Butte Music Festivals in Colorado, USA, war in gleicher Position beim NDR Sinfonieorchester von 2007 bis 2009.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Dohnányi

Christoph von Dohnányi war mit der Schauspielerin Renate Zillessen und dann mit der Sängerin Anja Silja verheiratet und ist in dritter Ehe mit Barbara Koller verheiratet. Er hat fünf Kinder. Sein Sohn aus erster Ehe Justus von Dohnányi (* 1960) ist Schauspieler. Sein Bruder ist der Politiker Klaus von Dohnanyi.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dohnányi ist Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres, Träger des Bartók-Preises (Ungarn), der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main, des Hamburger Kunst- und Wissenschaftspreises und des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland und des Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich[3] (1992). Außerdem hält er Ehrendoktorwürden der Kent State University, der Case Western Reserve University, Oberlin College, der Eastman School of Music und des Cleveland Institute of Music. 2013 wurde er mit der Ehrendoktorwürde der Royal Academy of Music der London University ausgezeichnet.

  • 1951: Richard-Strauss-Preis der Stadt München
  • 1978: Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg
  • 1992: „Dirigent des Jahres“ durch Musical America
  • 2002: Music Director Laureate des Cleveland Orchestra
  • 2008: Honorary Conductor for Life des Philharmonia Orchestra

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jochen Thies: Die Dohnanyis. Eine Familienbiografie.
  2. Biography
  3. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)