Christoph von Tiedemann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Christoph von Tiedemann

Christoph Willers Marcus Heinrich von Tiedemann[1] (* 24. September 1836 in Schleswig; † 20. Juli 1907 in Berlin) war ein preußischer Verwaltungsjurist und Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph von Tiedemann war ein Sohn des Landmessers, Gutsbesitzers und Politikers Heinrich Tiedemann (1800–1851) und dessen Ehefrau Caroline Amalie Marie Louise Jessen (1812–1887). Er hatte zwei Schwestern.[2]

Nach dem Abitur studierte Tiedemann Rechtswissenschaft und Nationalökonomie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 1855 war er Mitgründer der Burschenschaft Teutonia zu Kiel. Ab 1857 war er Mitglied des Corps Saxonia Kiel.[3] Als Inaktiver wechselte er an die Universität Leipzig und die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin.

Nach dem Staatsexamen ging er 1862 als Anwalt für das Herzogtum Holstein und das Herzogtum Lauenburg nach Segeberg. 1865 wurde er zum Polizeimeister der Stadt Flensburg ernannt, 1872 zum Landrat des Kreises Mettmann in der Rheinprovinz. 1878 berief ihn Reichskanzler Otto von Bismarck zum ersten Chef der neu gegründeten Reichskanzlei. Bereits drei Jahre später wurde Tiedemann Regierungspräsident im westpreußischen Regierungsbezirk Bromberg.[4] Er blieb in dieser Funktion bis 1899 und befürwortete die Ansiedlung von Kolonisten in den Ostgebieten des Deutschen Reiches zur Stärkung des Deutschtums.

1883 wurde er von Wilhelm I. nobilitiert. Er saß 25 Jahre – von 1873 bis 1876 und von 1882 bis 1903 – im Preußischen Abgeordnetenhaus.[5] Als Mitglied der Deutschen Reichspartei war er von 1898 bis 1906 auch Mitglied des Deutschen Reichstags.[4][6]

1905 und 1909 wurden die beiden Bände seiner Lebenserinnerungen Aus sieben Jahrzehnten[7] veröffentlicht. Das Erscheinen des zweiten Bandes erlebte Tiedemann nicht mehr. Die Drucklegung besorgte sein Sohn Adolf von Tiedemann.[8] Tiedemanns Nachlass befindet sich im Bundesarchiv Berlin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft, Band I Politiker, Teil 6: T–Z, Heidelberg 2005, S. 38–39.
  • Dirk Hainbuch/ Florian Tennstedt (Bearb.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel, 2010, S. 163; ISBN print 978-3-86219-038-6, ISBN online 978-3-86219-039-3 (Online, PDF; 2,2 MB)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. so gemäß: Annekathrin Mordhorst, Hartwig Moltzow: Tiedemann, Heinrich. in: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck. Band 13. Wachholtz Verlag, Neumünster 2011, S. 448.
  2. Annekathrin Mordhorst, Hartwig Moltzow: Tiedemann, Heinrich. in: Biographisches Lexikon für Schleswig-Holstein und Lübeck. Band 13. Wachholtz Verlag, Neumünster 2011, S. 448.
  3. Kösener Corpslisten 1960, 77, 72
  4. a b Bundesarchiv
  5. Mann, Bernhard (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf: Droste Verlag, 1988, S. 387 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien: Bd. 3)
  6. Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: Verlag Carl Heymann, 1904, S. 63f
  7. Christoph von Tiedemann: Aus sieben Jahrzehnten. Erinnerungen. Erster Band. S. Hirzel, Leipzig 1905: Digitalisat bis zur Seite 503 aus dem Internet Archive
  8. Bismarcks „rechte Hand“, in: Schleswiger Nachrichten, Artikel vom 28. März 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]