Christopher Nolan

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Dieser Artikel behandelt den Regisseur Christopher Nolan. Zum gleichnamigen irischen Schriftsteller siehe Christopher Nolan (Autor).
Christopher Nolan (2013)

Christopher Jonathan James Nolan (* 30. Juli 1970 in London) ist ein britisch-US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen Memento, The Dark Knight, Inception sowie Interstellar.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christopher Nolan wurde am 30. Juli 1970 in London geboren. Sein Vater James Nolan ist Brite und arbeitete als Werbetexter. Seine US-amerikanische Mutter Christina war Stewardess. Christopher hat zwei Brüder namens Matthew und Jonathan. Im Alter von sieben Jahren begann Nolan Filme zu drehen. Mit der Super-8-Kamera seines Vaters filmte er seine Actionfiguren. Durch die Nationalitäten seiner Eltern wuchs Nolan sowohl in London wie auch in Chicago auf. Er studierte schließlich englische Literatur am University College London, wo er auch seine Frau Emma Thomas kennenlernte.[1]

Im Rahmen seines Studiums engagierte sich Christopher Nolan im dortigen Filmklub und drehte seine ersten Kurzfilme. Tarantella wurde 1989 auch im US-Fernsehen ausgestrahlt. Larceny wurde 1996 auf dem Cambridge Festival gezeigt, ein Jahr später folgte Doodlebug.[2]

Nolan ist seit 1997 mit Emma Thomas verheiratet und hat vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter.[3] Heute lebt das Paar in Los Angeles. Gemeinsam gründeten sie 2001 die in London ansässige Filmproduktionsgesellschaft Syncopy Films.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christopher Nolan (2005)

Anfänge und Durchbruch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nolan brachte 1998 seinen ersten abendfüllenden Spielfilm auf die Leinwand. Bei dem Low-Budget-Film Following führte er nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch und produzierte ihn. Durch die Besetzung mit Familienmitgliedern und Freunden sowie Drehorten im Elternhaus bei einer Drehdauer von einem Jahr konnte Nolan den Film mit einem Budget von 6000 £ realisieren.[4] Following brachte ihm erste Anerkennung und ermöglichte es Nolan, sein nächstes Projekt in die Kinos zu bringen: Memento. Er schrieb gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan das Drehbuch. Untypisch für Memento war, dass er überwiegend rückwärts abläuft. Nolan wollte damit das Gefühl des Protagonisten verdeutlichen, der die Fähigkeit verloren hat, neue Erinnerungen zu bilden. Für diesen Film bekamen Nolan und sein Bruder Nominierungen für den Oscar und den Golden Globe, jeweils für das beste Drehbuch. Memento gilt als Nolans Durchbruch in Hollywood.

Etablierung in Hollywood[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei seinem nächsten Film im Jahre 2002, die Neuverfilmung Insomnia – Schlaflos, war Nolan lediglich Regisseur, er arbeitete mit den Schauspielern Al Pacino, Robin Williams und Hilary Swank zusammen. Der große Erfolg blieb zwar aus, jedoch etablierte sich Nolan mit dem Krimi zunehmend in Hollywood. Das ebnete ihm den Weg für das erste Großprojekt mit dem Titel Batman Begins, welches 2005 in die Kinos kam. Mit Christian Bale erzählte Christopher Nolan die Geschichte von Batman neu, welche zuletzt 1997 im Kino zu sehen war. Für das Drehbuch von Batman Begins arbeitete Nolan erstmals mit David S. Goyer zusammen. Bereits ein Jahr später folgte 2006 das im 19. Jahrhundert angesiedelte Magierdrama Prestige – Die Meister der Magie.

Aufstieg zum Blockbuster-Regisseur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz außerordentlich guter Kritiken für Batman Begins und Prestige – Die Meister der Magie war Nolans Name noch nicht in der breiten Masse angekommen. Das änderte sich, als er 2008 die Batman-Fortsetzung The Dark Knight in die Kinos brachte. Die Kritiken zu diesem Thriller waren durchweg sehr gut, vor allem wurde die Leistung des verstorbenen Joker-Darstellers Heath Ledger gewürdigt, dessen Besetzung Nolan während des Castings unbedingt gefordert hatte.[5] Mit einem Einspielergebnis von über einer Milliarde US-Dollar war The Dark Knight seinerzeit der fünfterfolgreichste Film der Welt und Nolans erster Blockbuster.

Nach dem tragischen Tod von Heath Ledger wollte Nolan zunächst keinen weiteren Batman-Film drehen und widmete sich stattdessen dem Traumdiebstahl-Thriller Inception, welchen er 2010 in die Kinos brachte. Die Idee zu diesem Film hatte Nolan bereits seit zehn Jahren in seinem Kopf gehabt.[6] Inception brachte ihm Oscarnominierungen für den besten Film und das beste Drehbuch ein. Zudem wurde er für den besten Film, die beste Regie und das beste Drehbuch für den Golden Globe nominiert. Des Weiteren wurde sein Drehbuch mit dem Writers Guild of America Award ausgezeichnet.

Christopher Nolan konnte gemeinsam mit seinem Bruder und mit David S. Goyer letztendlich ein, aus seiner Sicht, passendes Drehbuch für einen abschließenden Batman-Film entwickeln. So erschien 2012 der letzte Teil der neuen Batman-Trilogie mit dem Titel The Dark Knight Rises. Dieser Film stellte Nolans bislang finanziell erfolgreichsten Film dar.[7] Nominierungen für renommierte Preise blieben jedoch aus. Anschließend erzählte Nolan, dass er mit Abschluss der Batman-Trilogie vorerst genug von der Inszenierung von Superheldenverfilmungen habe.[8] Trotzdem unterstützte er die Produktion von Zack Snyders Superman-Neuverfilmung Man of Steel, der im Juni 2013 in den Kinos anlief. Sein neues Regieprojekt wurde jedoch Interstellar, ein Science-Fiction Film nach dem Drehbuch von Bruder Jonathan, den ursprünglich Steven Spielberg verfilmen sollte. Nolan brachte seine eigenen Ideen in das Drehbuch und veröffentlichte das dreistündige Weltraumepos 2014.[9] Bereits ein Jahr später inszenierte Christopher Nolan einen Dokumentar-Kurzfilm über die Quay-Brüder. Zudem agierte er bei Batman v Superman: Dawn of Justice als ausführender Produzent. Diese Aufgabe übernahm er bereits 2014 bei Transcendence, dem Regiedebüt seines Kameramanns Wally Pfister.

Im Juli 2017 wird Nolans neuer, im Zweiten Weltkrieg angesiedelter, Film mit dem Titel Dunkirk in die Kinos kommen. Besetzt sei er unter anderem mit Kenneth Branagh und Tom Hardy.[10]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurzfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1989: Tarantella
  • 1995: Larceny
  • 1997: Doodlebug
  • 2015: Quay (Dokumentar-Kurzfilm)

Spielfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie

Produzent

Drehbuch

Arbeitsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autorenfilmer und Techniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christopher Nolan sieht seine Aufgaben als Filmemacher nicht als seinen Beruf, sondern als Teil seines Lebens an.[11] Abgesehen von Insomnia – Schlaflos schrieb Nolan zu all seinen Regiearbeiten das Drehbuch. Darüber hinaus war er, außer an Memento, Insomnia – Schlaflos und Batman Begins in jedem Film als Produzent beteiligt. Zudem arbeitet er bei der Gestaltung des Szenenbilds aktiv mit.[11] Die volle Kontrolle über seine Filme macht Christopher Nolan zu einem der wenigen Autorenfilmer in Hollywood. Diese Position erlaubt es ihm, wichtige Aspekte seiner Filmproduktion zu bestimmen.

Der gebürtige Brite ist ein Verfechter der analogen Kamera und verzichtet auf die digitale Aufnahmetechnik.[12] Ferner verzichtet er bei seinen Filmen auf den Einsatz von 3D-Kameras oder 3D-Konvertierungen. Laut eigenen Aussagen kenne Nolan niemanden, der das 3D-Format wirklich mag und er habe kein Interesse daran, 3D zu verwenden, nur damit Leute an den Kinokassen mehr Geld bezahlen müssen. Er möchte keinen Film in 3D drehen, wenn es nicht die Story unterstützt.[13] Zudem kritisierte Nolan die geringe Auflösung von 3D-Kameras.[11] Stattdessen bevorzugt er den gezielten Einsatz von IMAX-Kameras.

Christopher Nolan verzichtet, wenn möglich, auf computergenerierte visuelle Effekte. Er bevorzugt die Arbeit mit echten Sets und Kulissen. So ließ Nolan beispielsweise für Inception einen 30 Meter langen Korridor nachbauen, welcher mit zwei Motoren rotiert werden konnte. Dadurch war es dem Filmemacher möglich, Veränderungen der Schwerkraft im Film darzustellen.[14]

Erzählerischer Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nolans Filmen kämpfen die Hauptfiguren zumeist gegen den Wahnsinn und der Zerrissenheit, der sich in ihrem Inneren abspielt.[15] Häufig wird sein Schaffen mit Stanley Kubrick verglichen, wobei ihm selbst diese Vergleiche verlegen machen und er erwidert, dass es nur einen Stanley Kubrick gäbe.[16] Die Filme von Christopher Nolan werden als intellektuell und dabei unterhaltsam wahrgenommen. Geprägt werden sie oft von sogenannten plot twists, unerwartete Wendungen in der Erzählung, sowie einer verschachtelten Handlung, die nicht linear erzählt wird.[4] So beschreibt es Nolan als sein Ziel, das Publikum intellektuell zu stimulieren und die Geschichten wie ein Spieler aufzuziehen, welcher noch eine Karte in der Hand hat.[17]. Gleichzeitig wird immer wieder angemerkt, dass die Filme des Regisseurs das Publikum spalten.[18]

Wiederkehrende Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christopher Nolan arbeitet bevorzugt mit einem wiederkehrenden Stab. Seine Frau Emma Thomas hat bis auf Memento und Insomnia – Schlaflos alle Filme Nolans mitproduziert. Wally Pfister war Kameramann für alle Filme von Memento bis Inception, wurde jedoch für Interstellar durch Hoyte van Hoytema ersetzt, da Pfister mit seinem Regisseur-Debüt an Transcendence beschäftigt war. Als Drehbuchautor arbeitet Christopher Nolan häufig mit seinem Bruder Jonathan zusammen. Ferner arbeitete er zusammen mit David S. Goyer an der Geschichte seiner Batman-Trilogie.

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die wiederholte Zusammenarbeit von Darstellern und Crew-Mitgliedern.

Following
(1998)
Memento
(2000)
Insomnia – Schlaflos
(2002)
Batman-Trilogie
(2005–2012)
Prestige – Die Meister der Magie
(2006)
Inception
(2010)
Interstellar
(2014)
Michael Caine Alfred Pennyworth John Cutter Prof. Stephen Miles Prof. Brand
Christian Bale Batman Alfred Borden/Bernard Fallon
Cillian Murphy Scarecrow Robert M. Fischer
Tom Hardy Bane Eames
Larry Holden Jimmy Grantz Farrell Carl Finch
Jeremy Theobald Bill
auch Co-Produzent
Techniker
Joseph Gordon-Levitt John Blake Arthur
Ken Watanabe Ra’s al Ghuls Doppelgänger Mr. Saito
Mark Boone Junior Burt Arnold John Flass
Marion Cotillard Talia al Ghul Mal Cobb
Anne Hathaway Selina Kyle Amelia Brand
Thomas Lennon Arzt Arzt
David Gyasi Gefangener Romilly
Nicky Katt Fred Duggar S.W.A.T-Team Mitglied
John Nolan Der Polizist Douglas Fredericks
Kamera Christopher Nolan Wally Pfister Hoyte van Hoytema
Musik David Julyan Hans Zimmer/James Newton Howard David Julyan Hans Zimmer
Schnitt Gareth Heal
Christopher Nolan
Dody Dorn Lee Smith

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für sein Schaffen als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent erhielt Christopher Nolan bisher zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen. Für die renominierten Filmpreise, den Oscar, Golden Globe sowie den British Academy Film Award war er bislang mehrfach nominiert, konnte sie jedoch noch nicht gewinnen. Mehrfache Auszeichnungen gab es hingegen für den Saturn Award, den er alleine vier mal für das beste Drehbuch erhielt und damit Rekordpreisträger ist. Insgesamt sind über 120 Auszeichnungen und 150 Nominierungen auf Nolan zurückzuführen.[19] Die folgende Auflistung stellt eine Auswahl dar.

Oscarverleihung
Golden Globe Award
British Academy Film Award
Directors Guild of America Award
  • 2002: Nominierung in der Kategorie Beste Spielfilmregie für Memento
  • 2009: Nominierung in der Kategorie Beste Spielfilmregie für The Dark Knight
  • 2011: Nominierung in der Kategorie Beste Spielfilmregie für Inception
Writers Guild of America Award
  • 2009: Nominierung in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch für The Dark Knight (gemeinsam mit Jonathan Nolan und David S. Goyer)
  • 2011: Auszeichnung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch für Inception
Saturn Award
Filme in den Top 250 der IMDb[20]
Platz Film
4 The Dark Knight
14 Inception
32 Interstellar
47 Memento
49 Prestige – Die Meister der Magie
62 The Dark Knight Rises
109 Batman Begins
Nebula Award
  • 2011: Auszeichnung in der Kategorie bestes Drehbuch für Inception


Bis auf Following und Insomnia sind alle Spielfilme, bei denen Nolan Regie führte, in den Top 250 der Internet Movie Database gelistet. Damit beinhaltet die Liste sieben Filme von ihm; neben ihm gelang das auch noch den Regisseuren Steven Spielberg, Martin Scorsese, Alfred Hitchcock und Stanley Kubrick (geordnet nach Platzierung des besten Films). Von Nolans Filmen in den Top 250 sind sechs in den Top 100; gleiches gilt für Kubrick. Ansonsten ist es keinem Regisseur vergönnt, auch nur mehr als vier Filme in den Top 100 unterzubringen. Der laut Top 250 beste Film der Jahre 2005, 2008, 2010 und 2014 ist jeweils von Nolan.

Auch bei Rotten Tomatoes erzielten alle Filme gute bis sehr gute Bewertungen, so erreichte Memento ein Fresh-Rating von 92 %,[21] The Dark Knight 94 %[22] und Inception 86 %[23] (Stand: Januar 2013).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Christopher Nolan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Telegraph.co.uk - Christopher Nolan: The Enigma behind Interstellar, abgerufen am 27. April 2016
  2. Filmstarts.de Christopher Nolan - Biografie, abgerufen am 27. April 2016
  3. Breznican, Anthony (15. Juli 2010). „With 'Inception', Chris Nolan’s head games continue“. USA Today, abgerufen am 15. Juli 2010
  4. a b Uni Giessen: Einer der letzten Autorenfilmer Hollywoods!, abgerufen am 3. Mai 2016
  5. Spiegel.de: Jede neue Generation will zerstören, abgerufen am 3. Mai 2016
  6. n-tv.de: Die Kraft des Kopfkinos, abgerufen am 6. Mai 2016
  7. BoxOfficeMojo.com - Christopher Nolan, abgerufen am 27. April 2016
  8. Comingsoon.net - Chris Nolan say no to Justice League, abgerufen am 27. April 2016
  9. huffingtonpost.com: 'Dark Knight Rises' Director Lines Up Next Project, abgerufen am 26. März 2013
  10. Variety.com: Christopher Nolan to Direct Action Thriller ‘Dunkirk’ for Warner Bros., abgerufen am 1. Mai 2016
  11. a b c Spiegel.de: Inception Regisseur Nolan: Regieführen ist die Kunst der Mittelmäßigen, abgerufen am 30. April 2016
  12. Gamona.de Christopher Nolan: Wenn Kinos nur noch digital vorführen, ist es das Ende für den Film, abgerufen am 30. April 2016
  13. Filmstarts.de: Christopher Nolan spricht sich vehement gegen 3D aus, abgerufen am 30. April 2016
  14. Independent.co.uk: Christopher Nolan using real WWIIBattleships for Dunkirk, abgerufen am 27. Mai 2016
  15. Sueddeutsche.de: Was ein Genie so redet, abgerufen am 28. April 2016
  16. EW.com: To 'Room 237' and Beyond: Exploring Stanley Kubrick's 'Shining' influence with Christopher Nolan, Edgar Wright, more, abgerufen am 3. Mai 2016
  17. Tip-Berlin: Ein Interview mit Christopher Nolan, abgerufen am 3. Mai 2016
  18. Corona Magzine bei Google Books: Interstellar - Ein Film über die Ewigkeit für die Ewigkeit, abgerufen am 3. Mai 2016
  19. IMDB.com - Christopher Nolan - Awards, abgerufen am 28. April 2016
  20. Die Top 250 der IMDb (Stand: 24. Juli 2016)
  21. rottentomatoes.com - Memento, abgerufen am 30. Juli 2010
  22. rottentomatoes.com - The Dark Knight, abgerufen am 30. Juli 2010
  23. rottentomatoes.com - Inception, abgerufen am 30. Juli 2010