Christuskirche (Köln)

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Abriss des Interimsbaus Februar 2014

Die Christuskirche ist eine evangelische, ursprünglich im Stil der Neugotik nach Plänen der Architekten August Hartel (1844–1890) und Skjøld Neckelmann (1854–1903) von Diözesanbaumeister Heinrich Wiethase (1833–1893) gebaute Kirche im Belgischen Viertel in der Kölner Neustadt. Im Februar 2014 wurde das Kirchenschiff von der evangelischen Gemeinde Köln abgerissen, um auf dem Gelände ein kleineres Kirchenschiff und eine Wohn- und Gewerbe-Immobilie zu errichten. Die Baumaßnahmen sollen 2015 abgeschlossen sein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Christuskirche von Südwesten 1895

Nach Niederlegung der mittelalterlichen Stadtmauer fasste die Gemeinde 1885 den Beschluss, eine neue Kirche mit 1200 Sitzplätzen zu bauen. Hierzu wurde 1888 ein reichsweiter Wettbewerb ausgelobt. Der erste Preis wurde dem Entwurf der Architekten Hartel und Neckelmann zuerkannt.

Die Christuskirche wurde 1891–1894 als erste Kirche in Köln gebaut, die aus eigenen Mitteln der evangelischen Kirche finanziert werden konnte. Das Grundstück hierfür bekam die evangelische Kirche mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 8. Juli 1886 auf Empfehlung des Stadtbaumeisters Josef Stübben, von der Stadt Köln geschenkt.

Ursprünglich war sie eine prächtige, saalartige Hallenkirche im Stil der Neugotik, der im Wiesbadener Programm empfohlenen Stilrichtung für repräsentative Kirchenbauten.[1] Ihr 1990/1991 renovierter 77 Meter hoher Turm verfügt in 42 Metern Höhe über eine umlaufende Galerie. Der Turmhelm über der historischen Uhr ist in 60 Metern Höhe durch eine offene Laterne durchbrochen. Albert Schweitzer gab sein einziges Orgelkonzert im Kölner Raum in der alten Christuskirche, Carl Jatho war hier von 1894 bis zu seiner Abberufung 1911 Prediger.

Auf Grund der Nähe zum Kölner Westbahnhof wurde die Kirche in der Nacht vom 20. zum 21. April 1944 im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. 1951 wurde von den Architekten Hesse und Schulze eine schlichte Saalkirche im Sinne des Rationalismus und der deutschen Reformarchitektur nach Heinrich Tessenow mit Platz für 520 Personen an den Turm angebaut und am 2. Advent 1951 eingeweiht. Seitdem steht die von den Anwohnern auch „Alte Dame“ genannte Kirche mit ihrer Mischung aus neugotischem Turm und demutsvollem, aber unvollendetem Kirchenschiff aus der Nachkriegszeit zwischen Stadtgarten und Kaiser-Wilhelm-Ring.

Christuskirche Köln 1951

Kirchturm, Orgelempore und der Gewölbekeller wurden am 21. Mai 1982 unter Denkmalschutz gestellt.[2] Der Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz ernannte die Christuskirche im Mai 2005 wegen des Kirchensaals zum Denkmal des Monats.[3][4]

Am 30. Mai 2008 beschloss das Presbyterium der Evangelischen Kirche Köln zunächst den Verkauf des Geländes an einen Investor zum Zweck eines Neubaus an der Stelle des sanierungsbedürftigen Kirchenschiffes. Nach Verhandlungen mit verschiedenen Investoren entschloss sich die Evangelische Gemeinde Köln, den Neubau für ca. 9,1 Millionen Euro selbst durchzuführen.[5][6][7][8] Dabei sollen die denkmalgeschützten Bauteile, also der historische Kirchturm, das Kellergewölbe (das sogenannte "Basement") und die Empore, erhalten bleiben.[9] Das Kirchenschiff soll verkleinert werden, da ein großer Kirchenraum, wie ihn die ursprüngliche Gemeinde mit ihrem Einzugsgebiet hatte, angesichts der aktuellen Zahlen zu den Gottesdienstbesuchen nicht mehr gerechtfertigt erscheint. Links und rechts des Turmes sollen jeweils ein fünfgeschossiger Flügel mit Mietwohnungen, Büroflächen und Gemeinderäumen entstehen, die sich in Richtung Stadtgarten öffnen werden.[10] Deren Höhe wird mit der des noch bestehenden Kirchenschiffes zu vergleichen sein.[11]

Gegen den von der evangelischen Kirche in Köln geplanten Abriss der Christuskirche und den nicht unumstrittenen Neubau gab es Widerstände in der Kölner Bürgerschaft und durch Gemeindemitglieder.[12][13][14] Am 12. Februar 2014 wurde mit den Abrissarbeiten am Kirchenschiff der Christuskirche begonnen.[15]

Basement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Keller unter der Christuskirche Köln war seit Ende der 1970er Jahre über Jahrzehnte als "Basement" eine beliebte Location für Konzerte, Proben und Feiern. Unter anderem gilt es als Geburtsstätte der Band BAP.[16] Außerdem spielten hier Gerd Köster, die Bläck Fööss, Zeltinger, Ladysmith Black Mambazo und Annie Lennox. Am 15. Januar 1980 hatten Joy Division im Basement vor 150 Zuschauern - neben einem Konzert in Berlin - ihren einzigen Auftritt in Deutschland.[17]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Kirche wurde auch die Orgel von Orgelbaumeister Sauer, die 1927 erweitert worden war, 1944 zerstört. Nach einigen Provisorien kam erst 1962 eine neue Orgel in die Kirche: eine Schleifladenorgel aus der Werkstatt von Willi Peter mit mechanischer Traktur und elektrischer Setzer-Kombination in die Christuskirche. Für Mensuren und Intonation zeichnete sich Professor Hans Klotz verantwortlich. Die Orgel mit 23 Registern, zwei Manualen und Pedal, Brustwerk mit Klappenschweller und Tremulant wurde am Erntedankfest, 30. September 1962, eingeweiht.[18]

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Glocke

Im Turm hängt ein Geläut aus drei Gussstahl-Glocken des Bochumer Vereins von 1923 in den Tönen h, d′ und e′ mit einem Gesamtgewicht von rund 4,7 Tonnen. Die Inschriften sind geprägt von der Not der Nachkriegszeit: WAHRHEIT. / STATT BRONZE STAHL GEGOSSEN WARD / DIE ZEIT IST SCHWER, DAS SCHICKSAL HART. (große Glocke), FREIHEIT. / DIE VÄTER TRUGEN SCHMACH UND TOD / DEN KINDERN LEUCHTET MORGENROT. (mittlere Glocke), FRIEDE. / GROSS IST DES FEINDES MACHT UND LIST / GELOBET SEIST DU HERR JESUS CHRIST. (kleine Glocke). Über das Schlagwerk an der großen Glocke wird zur halben und vollen Stunde der Uhrschlag abgegeben. Die mittlere Glocke läutet als Betglocke an Wochentagen am Mittag und Abend. Sonnabends auf 17 Uhr wird mit allen Glocken der Sonntag eingeläutet. Das Vollgeläut erklingt auch vor dem Gottesdienst an Sonn- und Festtagen.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Christuskirche gehörte mit vier anderen Kirchen (Antoniterkirche, Kartäuserkirche, Lutherkirche und Thomaskirche) zur Evangelischen Gemeinde Köln. Im Bezirk Christuskirche leben mit Hauptwohnsitz etwa 2400 Gemeindemitglieder. Fast zwei Drittel von ihnen, nämlich knapp 1500, sind zwischen 21 und 45 Jahre alt.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hiltrud Kier: Kleine Kunstgeschichte Kölns. Beck, München 2001, S. 198.
  2. Denkmalliste Stadt Köln
  3. Ein Ebenmaß aller Teile
  4. kirche-koeln.de
  5. Neuer Investor gesucht
  6. Neuer Investor gefunden
  7. Erneut Investor abgesprungen
  8. Kölner Stadt-Anzeiger: Gemeinde will Bauantrag stellen
  9. Seite der Christuskirche mit Bildstrecke über die Gebäudeteile, die erhalten bleiben, Stand: 27. Februar 2014
  10. Seite der Christuskirche mit Bauplänen, Modellfotos und ähnlichem, Stand: 27. Februar 2014 um 9.15 Uhr
  11. Evangelischer Kirchenverband Köln und Region: Neubau an der Christuskirche: Mit großer Mehrheit im Presbyterium wurde das Bauvorhaben beschlossen. Stand: 16. November 2008 um 22.45 Uhr.
  12. Protestantische Ethik
  13. Nur der Turm bleibt stehen
  14. Online-Petition Gegen den Abriss der Christuskirche auf openPetition
  15. Abrissarbeiten haben begonnen
  16. bap-fan.de
  17. Joy Division in Köln - Zwischenreich des Post-Punk. auf: Spiegel Online.
  18. Festschrift aus Anlaß der Orgel-Einweihung. Christuskirche Köln. Eigenverlag, Köln 1962.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günther A. Menne, Christoph Nötzel (Hrsg.): Evangelische Kirchen in Köln und Umgebung. J.P. Bachem Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-7616-1944-5.
  • Hiltrud Kier: Das evangelische Köln. Die Kirchen bis 1939. Fotografien von Celia Körber-Leupold. Bachem, Köln 2002, ISBN 3-7616-1639-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Christuskirche (Köln) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 56′ 37″ N, 6° 56′ 19″ O