Chronik des Bürgerkriegs in Syrien 2019

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Übersichtskarte des Bürgerkriegs in Syrien
  • Von Regierungstruppen gehalten
  • Von der Freien Syrischen Armee, Islamistenmilizen und türkischen Einheiten gehalten
  • Von der dschihadistischen Dschabhat Fatah asch-Scham gehalten
  • Vom „Islamischen Staat“ gehalten
  • Von den Demokratischen Kräften Syriens gehalten
  • Die Chronik des Bürgerkriegs in Syrien 2019 erfasst die Ereignisse des Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2019.

    Januar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Am 1. Januar meldeten Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) Kämpfe zwischen Rebellenfraktionen bei Aleppo. Die Gruppen Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) und Harakat Nour al-Din al-Zenki (Teil der Nationalen Befreiungsfront) hätten sich demnach in mehreren Dörfern der Region bekämpft.[1]

    Am 5. Januar wurden nach Angaben von Kämpfern der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) zwei britische Soldaten bei einem Einsatz nahe Deir ez-Zor durch eine von IS-Kämpfern gestartete Rakete schwer verwundet, ein kurdischer Kämpfer sei getötet worden.[2]

    Am 6. Januar gaben die USA bekannt, den im Dezember angekündigten Abzug ihrer Truppen von einer türkischen Sicherheitsgarantie für die kurdischen Kämpfer der Volksverteidigungseinheiten (YPG) und der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) abhängig zu machen. Zuvor hatte die Türkei für die Zeit nach diesem Abzug eine Offensive gegen die Demokratische Föderation Nordsyrien angekündigt.[3]

    Ebenfalls am 6. Januar eroberten islamistische HTS-Rebellen in den Fraktionskämpfen seit Jahreswechsel in Idlib den Ort al-Atareb (36°08′12″N 36°49′46″E) von Nureddin al-Zenki-Rebellen. Diese waren stark geschwächt, weil ihr Verbündeter, die Türkei, einen Teil der Rebellenkämpfer zuvor für eine mögliche Offensive gegen die Kurden in Nordsyrien abgezogen hatte.[4] Die Islamisten kontrollierten damit etwa zwei Drittel des nicht von der syrischen Armee in der Region kontrollierten Gebiets.[5]

    Am 8. Januar gab der russische Militärpolizeisprecher Jusup Mamatow bekannt, dass die russische Militärpolizei im Gebiet um das kurdisch kontrollierte Manbidsch westlich des Euphrat mit Patrouillen zur Unterstützung der syrischen Armeeeinheiten in der Stadt begonnen habe.[6]

    Am 10. Januar gab die dschihadistische Terrororganisation HTS bekannt, sie habe ein Abkommen mit dem Rebellenbündnis Nationale Befreiungsfront über eine Waffenruhe und die Übernahme der Kontrolle in den nicht von der syrischen Armee kontrollierten Gebieten des Gouvernements Idlib geschlossen.[7]

    Am 11. Januar griffen israelische Kampfflugzeuge Ziele in Syrien an und trafen dabei ein vermutetes Waffenlager iranischer Truppen am Flughafen Damaskus. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bestätigte den israelischen Angriff. Nach israelischen Presseangaben war das gleiche Gebäude bereits 2016 von den Israelis zerstört worden, aber von den Iranern wieder aufgebaut worden.[8]

    Am 13. Januar kündigte Donald Trump an, er werde die Türkei wirtschaftlich „zerstören“, wenn sie die Kurden attackiere.[9]

    Am 16. Januar zündete ein Selbstmordattentäter in Manbidsch nach Zeugenaussagen eine Bombe nahe einem Restaurant, in dem sich zu dem Zeitpunkt amerikanische Soldaten und einheimische Milizen trafen. Der IS bekannte sich zu dem Anschlag.[10] Zwei US-Soldaten, ein ziviler Angestellter des US-Verteidigungsministeriums und ein Söldner wurden getötet und mindestens drei weitere Personen verletzt.[11]

    Am 19. Januar kamen bei Gefechten zwischen dem Vierten Korps der syrischen Streitkräfte unter dem Kommando des von Iran beeinflussten Bruders des Präsidenten, Mahir al-Assad, und dem von Russland ausgerüsteten fünften Armeekorps unter dem Kommando von Suhail al-Hasan dutzende Soldaten ums Leben.[12]

    Am 20. Januar gaben israelische Stellen an, man habe eine Mittelstreckenrakete abgefangen, die iranische Einheiten gegen 15:00 Uhr aus einem Vorort von Damaskus in Richtung Israels gestartet hätten – offenbar um sich für einen angeblichen israelischen Angriff, der wenige Stunden zuvor erfolgt sein soll, zu rächen. Das iranische Geschoss sei über dem von Israel besetzten Berg Hermon in den Golanhöhen von einer Batterie des Iron-Dome-Luftabwehrsystems abgefangen worden. Nach israelischen Angaben hatte man Zusicherungen erhalten, dass sich in der Gegend, aus der die iranische Rakete gestartet wurde, keine iranischen Truppen aufhalten würden.[13][14]

    In der Nacht vom 20. auf den 21. Januar griffen israelische Kampfflugzeuge in drei Wellen mehrere Ziele in Syrien an,[13] Hauptziel waren erneut Einrichtungen, die von iranischen Truppen benutzt werden. Waffenlager, Ziele am Flughafen von Damaskus, eine Geheimdiensteinrichtung und ein Trainingslager seien nach israelischen Angaben angegriffen worden. Auch die syrische Luftabwehr sei demnach Ziel der Angriffe gewesen.[14] Die Iraner meldeten als Folge des Angriffs 11 Tote, 4 davon waren, nach russischen Angaben, syrische Soldaten.[15] SOHR-Aktivisten gaben die Opferzahlen einen Tag später mit 12 Iranern, 6 Syrern und drei Angehörigen anderer Nationen an.[16]

    Am 24. Januar wurden nach Schätzungen bis zu 39 Zivilisten im vom IS gehaltenen Ort al-Baghuz Fawqani bei einem Luftangriff getötet, als sie offenbar versuchten sich mit Fahrzeugen abzusetzen.[17]

    Am 27. Januar wurde die Einschätzung von US- und SDF-Militärs bekannt, nach der der IS in Kürze sein komplettes Gebiet in Syrien verloren haben werde. Das vom IS gehaltene Restgebiet bestand demnach aus nur noch 10 km² um die Dörfer Marashida (34°30′13″N 40°55′47″E) und den Nachbarort al-Baghuz Fawqani.[17]

    Februar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Am 1. Februar meldete eine Nachrichtenagentur, dass sich der deutsche Islamist Martin L., der sich 2014 dem IS angeschlossen hatte, mit zwei seiner Ehefrauen, bei al-Baghuz Fawqani den SDF ergeben hat.[18][19]

    Am 7. Februar meldeten israelische Medien die Entdeckung des Baus einer iranischen Fabrik für Lenkraketen nördlich der libanesischen Grenze bei Safita.[20]

    Nachdem in der Region mehr als 20.000 Zivilisten evakuiert worden waren, starteten die von den Volksverteidigungseinheiten (YPG) dominierten SDF mit US-Unterstützung am 9. Februar eine Offensive gegen die letzten verbliebenen IS-Stellungen mit Schwerpunkt im Ort al-Baghuz Fawqani.[21][22] Es wurde davon ausgegangen, dass sich in und um den Ort noch 600–1000 zum loyalen Kern der Terrororganisation zählende Dschihadisten aufhielten.[23] Nach kurdischen Schätzungen handelte es sich zum größten Teil um IS-Kämpfer mit ausländischen Wurzeln. Auf der irakischen Seite der Grenze gingen Koalitionstruppen mit französischer Artillerie in Stellung, um die Offensive zu unterstützen und einen möglichen Ausbruch der IS-Kämpfer in den Irak zu verhindern.[24]

    Am 11. Februar meldeten syrische Staatsmedien, dass israelische Bodentruppen den Ort Quneitra von den Golanhöhen aus mit Panzergranaten beschossen hätten. Es habe keine Verluste gegeben.[25] SOHR-Aktivisten meldeten dagegen, die Israelis hätten iranische Milizsoldaten bei Quneitra und Jubata al-Khashab mit Raketen beschossen und es habe mehrere Verletzte gegeben.[26]

    Am 16. Februar hatten SDF-Kämpfer nach eigenen Angaben das Dorf al-Baghuz Fawqani eingenommen und so das verbliebene Gebiet, das in Syrien unter Kontrolle des IS steht, auf 700 m² reduziert. 440 IS-Kämpfer waren innerhalb einer Woche nach SOHR-Schätzungen gefangen genommen worden.[27]

    Am 19. Februar unterbrachen die von den USA unterstützten SDF-Kämpfer ihre Offensive gegen die Reste des IS erneut, um Kämpfern und Zivilisten die Möglichkeit zur Aufgabe zu geben. Mit dafür bereitgestellten LKW wurden dutzende Zivilisten und einige Kämpfer nach Angaben des SDF aus dem letzten IS Gebiet abgeholt und in die SDF Gefangenenlager transportiert. Syrische Regierungstruppen beschossen derweil nach SOHR-Angaben die Rebellengebiete um Idlib mit Raketen, wobei vier Zivilisten getötet worden seien.[28]

    Am 20. Februar beschossen Regierungstruppen nach SOHR-Angaben Ziele bei den Dörfern Kafr Zita (35°22′26″N 36°36′4″E) und Hasraya nördlich von Hama, dazu mehrere Ziele um Idlib. Islamistische Kämpfer griffen Regierungstruppen bei Jabal al-Akrad (35°39′5″N 36°12′2″E) an.[29]

    Am 21. Februar wurde berichtet, US-amerikanische, britische und französische Spezialeinheiten bereiteten sich vor, nach Evakuierung von Zivilisten in der Umgebung, die Stürmung der restlichen verbliebenen IS-Stellungen durch die SDF zu unterstützen und mögliche überlebende menschliche Schutzschilde zu befreien.[30]

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. 2019 in Aleppo begins with a strife between factions caused human casualties in clashes between Tahrir al-Sham and the National Front after more than 2 months on their consensus. syriahr.com vom 1. Januar 2019.
    2. Adam Forrest: Two British soldiers seriously injured in Syria after Isis missile attack. The Independent vom 6. Januar 2018.
    3. Trump Adviser: US to Leave Syria Once IS Beaten, Kurds Safe. In: New York Times. 6. Januar 2019. Abgerufen am 7. Januar 2019.
    4. Inga Rogg: Extremisten sind im syrischen Idlib auf dem Vormarsch Neue Zürcher Zeitung vom 7. Januar 2019
    5. Syrische Provinz Idlib: Die Dschihadisten erobern, die Türkei schaut zu. Spiegel Online, 9. Januar 2019.
    6. Syrien: Russische Militärpolizei beginnt Patrouillen um syrische Stadt Manbidsch. Zeit Online, 8. Januar 2019.
    7. Extremismus: Dschihadisten von Hajat Tahrir al-Scham übernehmen offenbar Kontrolle über Idlib. Welt Online, 10. Januar 2019.
    8. "Satellite photos show Iranian missile depot allegedly leveled by Israeli strike" Times of Israel vom 13. Januar 2019
    9. Trump droht Türkei mit «wirtschaftlicher Zerstörung». Tages-Anzeiger, 14. Januar 2019.
    10. "At least four US troops killed in Syria blast claimed by Isis" Guardian vom 16. Januar 2019
    11. Karen DeYoung: "Killing of 4 Americans in Syria throws spotlight on Trump’s policy" Washington Post vom 16. Januar 2019
    12. "Nicht Verbündete - die Zusammenarbeit beschränkt sich auf Syrien", Nowaja Gaseta, 28. Januar 2019
    13. a b Juda Ari Gross: "IDF: Iranian troops fired missile at Israel as a warning against future attacks" timesofisrael.com vom 21. Januar 2019
    14. a b "Israel greift erneut iranische Ziele in Syrien an" Neue Zürcher Zeitung vom 21. Januar 2019
    15. "Iran threatens to 'eliminate Israel from the Earth' as tensions escalate over Syria airstrikes" The Independent vom 21. Januar 2019
    16. Judah Ari Gros: "Monitor: 21 died in Israeli strikes in Syria Monday, 12 of them Iranian fighters"Times of Israel vom 22. Januar 2019
    17. a b Liz Sly:"The once vast ISIS ‘caliphate’ is now reduced to a pair of villages in Syria" Washington Post vom 27. Januar 2018
    18. "Kurden nehmen deutschen Jihadisten Martin Lemke fest" Standard vom 1. Februar 2019
    19. Christian Fuchs, Yassin Musharbash und Holger Stark: "Vom Schweißer zum Schlächter" Zeit.de vom 13. Dezember 2017
    20. "Israel said to find new Iranian precision missile factory in northwest Syria" timesofisrael.com vom 7. Februar 2019
    21. US-backed Syrian forces launch attack on final Isis stronghold. The Guardian, 10. Februar 2019.
    22. In Syria, U.S.-backed forces launch battle for last Islamic State foothold. Washington Post, 10. Februar 2019.
    23. US-backed Fighters Launch Final Push to Defeat IS in Syria. VOA News, 9. Februar 2019.
    24. Maya Gebeily: "‘Heavy clashes’ as US-backed forces make final push against IS" timesofisrael.com vom 10. Februar 2019
    25. "Syria reports Israeli artillery attack on Quneitra" Times of Israel vom 11. Februar 2019
    26. "After about 3 weeks of tension at the Syrian border with the occupied Golan…Israeli rocket strikes target militiamen loyal to the regime forces in Al-Quneitra countryside leaving human losses" SOHR vom 12. Februar 2019
    27. Chris Baynes:"Isis caliphate ‘reduced to just 700sq m’ as US-backed forces close in on last enclave in Syria" The Independent vom 16. Februar 2019
    28. Gihad Darwish und Rouba El Husseini: "Dozens of civilians, fighters quit Syria jihadist holdout, say US-backed forces" timesofisrael.com vom 20. Februar 2019
    29. "The regime forces target today evening more than 11 towns in both Hama and Idlib countryside by shells leaving a woman dead and others wounded" SOHR auf syriahr.com vom 21. Februar 2019
    30. Endgame for the Isis ‘caliphate’ looms in small Syrian town. The Guardian, 21. Februar 2019. (englisch)