Zum Inhalt springen

Chronik des Kriegs in Nahost seit 2023

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Chronik des Kriegs in Nahost seit 2023 dokumentiert die Entwicklungen im seit Oktober 2023 laufenden Gazakrieg ebenso wie die Entwicklung des bewaffneten Konflikts zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah seit August 2024, inklusive der israelischen Bodenoffensive im Südlibanon ab Oktober 2024 und dem Krieg zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025. Der zeitliche Ablauf des israelisch-palästinensischen Konflikts wird in der Chronologie des israelisch-palästinensischen Konflikts dokumentiert.

Die für die zivilen Angelegenheiten in den palästinensischen Gebieten zuständige Behörde des israelischen Verteidigungsministeriums Coordinator of Government Activities in the Territories erklärte, es werde in den kommenden Tagen den Grenzübergang in Rafah nach Ägypten wieder öffnen.[1]

Die Übergabe der letzten beiden noch im Gazastreifen befindlichen Geiseln verzögerte sich erneut. Israel erklärte, am Vortag von der Hamas überstellte sterbliche Überreste ließen sich keiner der beiden letzten noch ausstehenden toten Geiseln – es handelt sich um einen israelischen Polizisten und einen thailändischen Landarbeiter – zuordnen. Die Übergabe aller lebenden und toten Geiseln war als Vorbedingung für die nächste Phase des Trump-Friedensplans vereinbart worden. Israel hatte der Hamas schon mehrmals vorgeworfen, den Prozess zu verzögern; die Hamas erklärte, in den Trümmern des Gazastreifens liegende Leichen seien schwer zu erreichen.[2]

Die israelische Internetzeitung The Times of Israel meldete, bei Kämpfen mit den in Rafah abgeschnittenen Hamas-Terroristen seien fünf Soldaten verletzt worden. Bei einem israelischen Vergeltungsschlag in Chan Yunis wurden laut Zivilschutzbehörde von Gaza mindestens sechs Menschen getötet, darunter zwei Kinder.[3][4]

Während eines Truppenbesuchs im nördlichen Gazastreifen sagte Israels Generalstabschef Eyal Zamir, die sogenannte „Gelbe Linie“ sei eine neue Grenze, eine vordere Verteidigungslinie für die israelischen Grenzgemeinden und zugleich eine Angriffslinie. Israel werde nicht zulassen, dass sich die Hamas im Gazastreifen wieder etabliere. Die Gelbe Linie war als Rückzugslinie für die israelische Armee in der ersten Phase von Trumps Friedensplan definiert worden; darauf sollte ein weiterer Rückzug der israelischen Armee folgen. Die „Gelbe Linie“ trennt den Gazastreifen, der über zwei Millionen Einwohner hat und flächenmäßig etwas kleiner als die Stadt Köln ist, in zwei Teile, von denen der etwas größere von der israelischen Armee besetzt ist. Auch in Südsyrien weitete die israelische Armee ihre Truppenpräsenz aus und verlegte Soldaten in die von den Vereinten Nationen kontrollierte Pufferzone, die zwischen den von Israel annektierten Golanhöhen und syrisch kontrolliertem Gebiet eingerichtet worden war.[5][6]

Amnesty International veröffentlichte einen umfassenden Bericht zum Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023. In diesem wird umfassend dargestellt, dass die Hamas – und weitere bewaffnete palästinensische Gruppen – bei ihrem Angriff auf den Süden Israels zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hatten. Laut Amnesty gehörte die Mehrheit der Täter zu den Al-Qassam-Brigaden der Hamas. Ferner seien Kämpfer der Al-Quds-Brigaden (Palästinensischer Islamischer Dschihad), der Al-Aqsa-Brigaden (des früheren militärischen Flügels der Fatah) und der Nationalen-Widerstands-Brigade (Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas) sowie mehrere hundert offenbar unkoordiniert agierende Palästinenser in Zivilkleidung beteiligt gewesen. Zudem werde nicht ausgeschlossen, dass weitere Gruppierungen involviert waren. In ihrem Bericht Targeting Civilians – Murder, Hostage-taking and other Violations by Palestinian Armed Groups in Israel and Gaza dokumentierte Amnesty International zudem Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegenüber den Geiseln, die in Gaza festgehalten wurden. Amnesty forderte Israel, die Hamas und die palästinensischen Behörden auf, mit der internationalen Gerichtsbarkeit und sämtlichen Menschenrechtsmechanismen der Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten und ihnen den Zugang zu Stätten von mutmaßlichen Verbrechen und zu möglichen Beweisen ermöglichen.[7] Der Bericht kam zu dem Schluss, dass die palästinensischen bewaffneten Gruppen im Rahmen eines systematischen Angriffs gegen die Zivilbevölkerung unmenschliche Handlungen begingen – darunter Mord, „Ausrottung“, Inhaftierung, Verschleppung und Folter sowie Vergewaltigung oder andere Formen sexueller Gewalt vergleichbarer Schwere. Er kam außerdem zu dem Ergebnis, dass die Kämpfer auch die ausdrückliche Anweisung erhalten hatten, Angriffe auf Zivilisten durchzuführen, und widerlegte somit Aussagen von Hamas-Führern, die behauptet hatten, dass ihre Kämpfer lediglich militärische Ziele treffen sollten. Auch Hamas-seitige Behauptungen, viele israelische Zivilisten seien durch israelisches Feuer getötet wurden, wurden in dem Bericht widerlegt; solche Fälle habe es gegeben, sie machten aber nur eine kleine Minderheit aus. Die überwiegende Mehrheit der Opfer sei vorsätzlich von der Hamas und anderen bewaffneten Kämpfern getötet worden.[7][8]

In Gaza-Stadt wurden der Hamas-Kommandeur Raed Saad und laut palästinensischen Medien drei weitere Menschen bei einem Drohnenangriff auf ein Auto getötet. Saad soll die Operations- und Produktionsabteilungen der Hamas geleitet haben und Chefplaner des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 gewesen sein. Er hatte davor mehrere Attentatsversuche Israels überlebt. Laut UNO-Angaben werden weiter Hilfsgüter nicht in ausreichendem Maß geliefert. Laut UNRWA steht Ausrüstung für Notunterkünfte für bis zu 1,3 Millionen Menschen bereit, dürfe aber wegen politischen Entscheidungen nicht nach Gaza geliefert werden.[9]

Starke Regenfälle führten laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) zu Überflutungen und verschärfter Flüchtlingsnot im Gazastreifen. Der von der Hamas kontrollierte Zivilschutz teilte mit, mindestens elf Menschen seien bei Gebäudeeinstürzen ums Leben gekommen, ein Baby sei an Unterkühlung gestorben. Aus UN-Kreisen hieß es, die Habseligkeiten und Unterkünfte von etwa 55.000 Familien seien beschädigt oder zerstört wurden. Weiterhin kämen nicht genug Hilfslieferungen im Gazastreifen an. Amnesty International machte Israels Blockade von Hilfslieferungen für die Katastrophe verantwortlich, die vollkommen vorhersehbar gewesen sei.[10][11]

14 westliche Staaten – Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Island, Irland, Italien, Japan, Kanada, Malta, die Niederlande, Norwegen, Spanien und das Vereinigte Königreich – verurteilten die Genehmigung von 19 neuen israelischen Siedlungen im Westjordanland. Der Schritt verstoße gegen das Völkerrecht und könne die Instabilität der Region weiter erhöhen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, in der Israel aufgefordert wurde, die Entscheidung rückgängig zu machen.[12][13][14]

Israel fordert von internationalen Hilfsorganisationen in Gaza, darunter z. B. Ärzte ohne Grenzen, eine Registrierung ab 1. Januar 2026. Laut israelischen Stellen dient die Registrierungspflicht dazu, „die Beteiligung terroristischer Elemente zu verhindern und die Integrität der humanitären Arbeit zu schützen.“ Dabei müssen sämtliche auch vertrauliche Informationen über ihre palästinensischen Mitarbeiter offengelegt werden. Von Israel nicht akzeptierte Mitarbeiter müssen entlassen werden. 37 internationale Hilfsorganisationen lehnen diese Registrierung als gesetzeswidrig ab. Laut israelischem Außenministerium müssen diese ihre Arbeit bis März endgültig einstellen. Zehn Außenministerien aus Europa sowie Kanada und Japan protestierten dagegen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, bezeichnete das Vorgehen Israels als „empörend“ und äußerte zudem: „Dies ist der jüngste Fall einer Reihe von unrechtmäßigen Beschränkungen des humanitären Zugangs“.[15]

Die israelische Luftwaffe führte Luftangriffe im Süden und Osten des Libanon aus und griff die Dörfer Kfar Hatta, Ain al-Tineh, al-Manara und Annan an. Laut der libanesischen Nachrichtenagentur NNA soll in al-Manara das Haus des 2024 von Israel getöteten Hamas-Funktionärs Scharhabil Sajed angegriffen worden sein. In Gaza tötete die israelische Luftwaffe mindestens zwei Palästinenser, darunter ein ‌Mädchen.[16]

37 Hilfsorganisationen, darunter Ärzte ohne Grenzen, kritisierten, dass Israel ihnen die Lizenz für ihre Arbeit im Gazastreifen entzogen habe. Dies könne schwerwiegende Folgen für die rund zwei Millionen Menschen in dem Gebiet haben.[17]

Im Gazastreifen tötete die israelische Luftwaffe mehrere Menschen, angeblich waren dies Terroristen die eine Sprengladung dabei hatten. Im Libanon flog man Angriffe auf Waffenlager und Raketenwerfer der Hisbollah. Nach Angaben der libanesischen Regierung sind seit Inkrafttreten der Waffenruhe im November 2025 im Land mehr als 300 Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden. Laut der Vereinten Nationen waren mehr als 100 davon Zivilisten.[18]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Israel to reopen Rafah crossing to let Gaza residents leave for Egypt. 3. Dezember 2025 (lemonde.fr [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
  2. Israel: Übergebene sterbliche Überreste stammen nicht von Geiseln. In: tagesschau.de. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
  3. Emanuel Fabian, Lazar Berman: 5 soldiers hurt, one seriously, in attack on troops in Rafah; IDF strikes in Khan Younis. In: The Times of Israel. 3. Dezember 2025, ISSN 0040-7909 (timesofisrael.com [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
  4. Agence France-Presse: Gaza: Israeli strike kills five, including two children, says civil defence agency. In: The Guardian. 3. Dezember 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
  5. Israel definiert neue, schärfer gezogene Grenze für den Gazastreifen. In: Der Spiegel. 8. Dezember 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 12. Dezember 2025]).
  6. Emanuel Fabian: Touring the Strip, IDF chief Zamir says Gaza ceasefire line ‘a new border’. In: The Times of Israel. 7. Dezember 2025, ISSN 0040-7909 (timesofisrael.com [abgerufen am 12. Dezember 2025]).
  7. a b Amnesty International: Israel: Angriffe der Hamas am 7. Oktober 2023 waren Verbrechen gegen die Menschlichkeit. 11. Dezember 2025 (amnesty.de [abgerufen am 12. Dezember 2025]).
  8. Isabel Kershner: Amnesty International Accuses Hamas of War Crimes in 2023 Attack on Israel. In: The New York Times. 11. Dezember 2025 (nytimes.com [abgerufen am 12. Dezember 2025]).
  9. Israel tötet Hamas-Kommandeur im Gazastreifen. In: theeuropean.de. 13. Dezember 2025, abgerufen am 14. Dezember 2025.
  10. Heavy rains compound dire conditions of displaced Gazans, UN warns. In: BBC. 17. Dezember 2025, abgerufen am 19. Dezember 2025 (britisches Englisch).
  11. Gaza flood deaths ‘utterly preventable’, Amnesty says – DW – 12/18/2025. In: Deutsche Welle. Abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
  12. deutschlandfunk.de: Naher Osten – Viele europäische Staaten und Kanada verurteilen Genehmigung von neuen israelischen Siedlungen im Westjordanland. 24. Dezember 2025, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  13. Auswärtiges Amt: Statement on Israeli settlement expansion in the West Bank. Abgerufen am 28. Dezember 2025 (englisch).
  14. Nadeem Badshah: UK, Canada and Germany condemn Israel for 19 new West Bank settlements. In: The Guardian. 24. Dezember 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 28. Dezember 2025]).
  15. Nach Vorwürfen: UN-Menschenrechtskommissar nennt Israels Vorgehen „empörend“. In: tagesspiegel.de. 31. Dezember 2025 (tagesspiegel.de [abgerufen am 1. Januar 2026]).
  16. „Terrorziele“ in vier Dörfern: Israel greift wieder Ziele im Libanon und im Gazastreifen an. In: tagesspiegel.de. 5. Januar 2026, abgerufen am 6. Januar 2026.
  17. Bettina Meier: Hilfsorganisationen in Gaza warnen vor Folgen des Lizenzentzugs. In: tagesschau.de. Abgerufen am 12. Januar 2026.
  18. Trotz Waffenruhe: Israel tötet mehrere Palästinenser im Gazastreifen und beschießt Libanon. In: tagesspiegel.de. 15. Februar 2026, abgerufen am 15. Februar 2026.