Chrysanthia viridissima

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Chrysanthia viridissima
Chrysanthia viridissima

Chrysanthia viridissima

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Scheinbockkäfer (Oedemeridae)
Gattung: Chrysanthia
Art: Chrysanthia viridissima
Wissenschaftlicher Name
Chrysanthia viridissima
(Linnaeus, 1758)
Bilder von Chrysanthia viridissima
Chrysanthia viridissima coxa.JPG Chrysanthia viridissima head.JPG Chrysanthia viridissima Behaarung.jpg
Bild 3: Behaarung
Bild 1: Vorder- und Mittel- hüften berühren sich Bild 2: Kopf, Einlenkung der Fühler, eiförmige Augen Chrysanthia viridissima side.JPG
Bild 4: Seitenansicht
Chrysanthia viridissima bl1.JPG Chrysanthia viridissima underside.JPG
Bild 5: Aufsicht Bild 6: Unterseite

Chrysanthia viridissima ist ein Käfer aus der Familie der Scheinbockkäfer (Oedemeridae).[1] Der metallisch grün, blau oder kupfrig gefärbte Käfer ist ziemlich häufig. Er wird sieben bis zehn Millimeter lang. Die Art wird in Nordrhein-Westfalen als ausgestorben oder verschollen geführt.[2] Auf der „Roten Liste der Totholzkäfer Baden-Württembergs“ wird sie als „nicht gefährdet“ eingestuft.[3]

Die Art wurde erstmals 1758 in der berühmten 10. Auflage von Linnés Systema naturae in der Gattung Cantharis unter der Nummer 28 als Cantharis viridissima aufgeführt und mit den Worten Cantharis thorace teretiusculo, corpore viridi (lat. eine Cantharis mit zylindrischer Brust und grünem Körper) beschrieben.[4] Er grenzt damit die Art nur durch die Färbung gegen die vorgehende und folgende Art ab, was den Artnamen viridissima (lat. sehr grün) erklärt. Die Gattung Chrysanthia wurde erst 1844 definiert, der Name ist von altgr. χρυσός chrysós, Gold und άνθος ánthos, Blüte abgeleitet.[5] Die Gattung wird durch acht Arten repräsentiert,[6] die alle auch in Europa vorkommen.[7]

Beschreibung des Käfers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei allen Scheinbockkäfern sind die Vorderhüfthöhlen hinten offen. Die Vorderhüften sind zapfenförmig und berühren sich. An der Basis sind sie nur durch einen kleinen dreieckigen Fortsatz der Vorderbrust getrennt. Das Gleiche gilt für Mittelhüften und Mittelbrust (Bild 1). Die Hinterhüften sind getrennt (Bild 6). Die Vorderschienen besitzen zwei Enddornen. Die Hintertarsen sind viergliedrig, alle anderen fünfgliedrig (Tarsenformel 5-5-4). Bei allen Tarsen ist das Glied vor dem Klauenglied nach beiden Seiten lappenartig verbreitert. Nur das erste Glied der Hintertarsen ist unten filzig behaart.

Der Halsschild ist länglich herzförmig, seitlich gerundet und ungerandet. Er ist deutlich schmäler als die Flügeldecken.

Der Kopf ist nach vorn gestreckt und hinter den Schläfen nicht plötzlich eingeschnürt. Die Augen sitzen seitlich am Kopf. Sie sind hoch gewölbt und von der Seite gesehen eiförmig. Die Stirn ist zwischen den Augen viel breiter als zwischen den Einlenkungen der Fühler. Die Fühler sind elfgliedrig und fadenförmig und entspringen weit vor den Augen (Bild 2). Das zweite Fühlerglied ist relativ lang, etwa halb so lang wie das dritte. Der Kiefertaster ist viergliedrig. Das erste Glied ist sehr klein, das Endglied der Kiefertaster ist beilförmig (in Bild 5 und 6 zu erkennen, sonst perspektivisch verkürzt).

Die Flügeldecken sind seitlich heruntergebogen und nach hinten nur leicht verengt. Die abgerundeten Schultern überragen die Basis des Halsschildes deutlich. Jede Flügeldecke besitzt vier schwach erhabene Adern. Drei sind in der Aufsicht erkennbar. Die vierte (seitliche) entspringt der Schulterbeule und verläuft parallel zum Seitenrand der Flügeldecken breit getrennt von diesem. In Bild 4 ist der durch die Belichtung goldgrün erscheinende Streifen am Flügelende durch die dritte Flügelader und den Rand der Flügeldecken begrenzt. Die Flügeldecken klaffen hinten leicht auseinander und die Naht ist höchstens nahe der Spitze gerandet.

Chrysanthia viridissima unterscheidet sich von der ähnlichen Art Chrysanthia geniculata (früher Ch. nigricornis) durch die Behaarung, die Ausbildung des Halsschildes und der Rippen auf den Flügeldecken und die Färbung. Die Behaarung der Flügeldecken ist bei Ch. viridissima kürzer als bei Ch. geniculata und nach hinten gerichtet, bei Ch. geniculata schräg nach außen. Zwischen der anliegenden Behaarung stehen bei Ch. geniculata lange schwarze abstehende Borstenhaare, bei Ch. viridissima nicht (Bild 3). Der Halsschild ist bei Ch. viridissima länger als bei Ch. geniculata und sein Vorderrand leicht ausgerandet, bei Ch. viridissima dagegen gerade abgestutzt. Bei Ch. viridissima besitzt das Halsschild eine Mittellängslinie, bei Ch. geniculata dagegen nicht. Die Flügeldecken sind bei Ch. viridissima lebhaft punktiert, so dass auch die Längsrippen uneben sind, während bei Ch. geniculata die Flügeldecken erloschen strukturiert sind und die Rippen glatt hervorstehen. Die Beine und Fühler sind bei Ch. viridissima dunkel, während bei Ch. geniculata die Basis der Fühler, der Schenkel und Schienen gelb sind. Bei beiden sind die Vorderschienen unten gelb.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Käfer kommen in Europa, östlich bis nach Sibirien vor. Im südlichen Mitteleuropa sind sie ziemlich häufig. Man findet sie von Juni bis Juli auf Blüten an Waldrändern. In einer bayerischen Arbeit wird Totholz (Hartholz) in offenen Waldstrukturen als Lebensraum für die Larve angegeben,[8] in einer spanischen Veröffentlichung feuchte Kiefernwälder zentraleuropäischer Art.[9]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Imagines kommen hauptsächlich auf sonnigen Wiesen vor, auch an Waldrändern und auf Kahlschlägen. Man trifft die Tiere auf Blüten an, wo sie Pollen fressen. Die Larven leben im Holz und sind xylophag. Sie werden nach Schmidl und Bussler 2004 als Altholzbesiedler eingestuft.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jiři Zahradník, Irmgard Jung, Dieter Jung et al.: Käfer Mittel- und Nordwesteuropas, Parey Berlin 1985, ISBN 3-490-27118-1
  • Edmund Reitter: Fauna Germanica – Die Käfer des Deutschen Reiches. Band 3 S. 407, K. G. Lutz, Stuttgart 1911
  • Edmund Reitter: Fauna Germanica – Die Käfer des Deutschen Reiches. 5 Bände, Stuttgart K. G. Lutz 1908–1916, Digitale Bibliothek Band 134, Directmedia Publishing GmbH, Berlin 2006, ISBN 3-89853-534-7
  • Heinz Freude, Karl Wilhelm Harde, Gustav Adolf Lohse (Hrsg.): Die Käfer Mitteleuropas. Band 8. Teredilia Heteromera Lamellicornia. Elsevier, Spektrum, Akademischer Verlag, München 1969, ISBN 3-8274-0682-X.
  • Klaus Koch: Die Käfer Mitteleuropas Ökologie. 1. Auflage. Band 2. Goecke & Evers, Krefeld 1989, ISBN 3-87263-040-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chrysanthia viridissima bei Fauna Europaea. Abgerufen am 17. Februar 2013
  2. Rote Listen bei Science4you
  3. Rote Liste der Totholzkäfer Baden-Württembergs, Nr. 70-.006-.001-.@1@2Vorlage:Toter Link/www.xfaweb.baden-wuerttemberg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Caroli Linnei, … systema naturae... 1758 Erstbeschreibung Seite 403
  5. Sigmund Schenkling: Erklärung der wissenschaftlichen Käfernamen (Gattung)
  6. Chrysanthia bei BioLib
  7. Chrysanthia bei Fauna Europaea. Abgerufen am 17. Februar 2013
  8. Vorkommen von Ch. viridissima in Hartholz
  9. pdf Vorkommen von Ch. viridissima in Kiefernwäldern
  10. Einstufung als Altholzbesiedler, Nr. 1019 (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Chrysanthia viridissima – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien