Chryse (Troas)

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Koordinaten: 39° 32′ 11″ N, 26° 7′ 3″ O

Reliefkarte: Türkei
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Chryse
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Türkei

Chryse (auch Chrysa, griechisch Χρύση, Χρύσα „die goldene“) ist eine antike mysische Stadt in der Troas. Sie liegt beim Ort Gülpınar im Landkreis Ayvacık in der türkischen Provinz Çanakkale. Über Gründung und Geschichte der Stadt gibt es keine Erkenntnisse, sie ist vor allem bekannt als Standort eines Tempels des Apollon Smintheus.

Antike Erwähnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in Homers Ilias wird der Ort erwähnt als Standort eines Heiligtums des Apollon Smintheus. Chryseis, die Tochter des dortigen Priesters Chryses wurde im Verlauf des trojanischen Kriegs von Agamemnon als Kriegsbeute entführt, worauf der Vater ihn um Rückgabe der Tochter anflehte. Als Agamemnon sich weigerte, strafte Apollo das griechische Heer mit Pest und Tod.[1] Auch bei Strabon findet der Ort Erwähnung,[2] unter anderem im Zusammenhang mit der Fahrt der Teukrer von Kreta aus in die Troas. Dazu erzählt Strabo die Legende, nach der diesen prophezeit worden war, sie sollten sich dort niederlassen, wo die Erdgeborenen sie anfallen würden. Als sie bei Hamaxitos, etwa zehn Kilometer von Chryse, an Land gingen, wurden ihnen über Nacht von Feldmäusen alle ledernen Teile ihrer Ausrüstung zerstört. Dies nahmen sie als Zeichen, hier zu siedeln. In dieser Erzählung wurde auch die Erklärung für die Maus am Fuße der Apollostatue gesehen. Dazu gibt es allerdings auch andere Meinungen, die die Maus des Skopas eher einer Laune des Bildhauers zuschreiben und eben darin den Anlass für die Mäuseverehrung in der Troas sehen.

Tempel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tempel des Apollo Smintheus

Der Tempel war ein Pseudodipteros mit 8 × 14 Säulen ionischer Ordnung, der Stylobat auf der elf-stufigen Plattform misst etwa 22 × 40 m. Erbauer des Tempels war Hermogenes von Alabanda oder einer seiner Schüler, das Gebäude war der Standort der Kultstatue des Apollon des Bildhauers Skopas, die zu den Füßen des Gottes eine Maus zeigte. Das Bauwerk stammt aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. Nach ersten Ausgrabungen 1866 geriet der Tempel wieder in Vergessenheit, wurde schließlich ab 1980 von Coşkun Özgünel von der Universität Ankara freigelegt und teilweise restauriert. Im lokalen Museum können unter anderem Friesteile mit Darstellungen aus dem trojanischen Krieg besichtigt werden. Andere Funde sind im Archäologischen Museum Çanakkale ausgestellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homer: Ilias. In: Projekt Gutenberg-DE.
  2. Strabon, Geographie 13, 1, 48, Strabons Geographika, dt. Übersetzung bei GoogleBooks

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Virgil Grohmann: Apollo Smintheus und die Bedeutung der Mäuse in der Mythologie der Indogermanen. Calve, Prag 1862 (bei Google Books).
  • Cosķun Özgünel: Smintheion. Troas'da kutsal bir alan, Gülpınar'daki Apollon Smintheus tapınağı. T. C. Kültür Bakanlığı, Anıtlar ve Müzeler Genel Müdürlüğü, Ankara 2001. ISBN 975-17-2789-8.
  • Coşkun Özgünel, Smintheion. In Search of Apollo Smintheus, Istanbul 2015, ISBN 978-605-4701-80-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]