Chuck Grassley

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Chuck Grassley

Charles Ernest „Chuck“ Grassley (* 17. September 1933 in New Hartford, Butler County, Iowa) ist ein amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Er gehört seit 1981 dem Senat der Vereinigten Staaten für den Bundesstaat Iowa an. Als Vorsitzender wichtiger Ausschüsse gilt er als einer der mächtigsten Politiker im Senat. Seit 2019 ist er dessen Präsident pro tempore.

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grassley ist der Sohn von Louis Arthur Grassley und Ruth Corwin und wuchs auf der Farm seiner Eltern im zentralen Norden des Bundesstaates Iowa im Butler County auf. Er studierte am Iowa State Teachers College, an dem er 1955 den Bachelorgrad und 1956 den Masterabschluss in Politikwissenschaft erhielt. Von 1959 bis 1961 arbeitete Grassley als Metallschneider, von 1961 bis 1971 als Arbeiter am Fließband. Von 1962 bis 1971 gehörte er der Gewerkschaft International Association of Machinists an. Zudem war er Farmer und Universitätsdozent.

Der Baptist und Freimaurer ist Mitglied der konservativ-christlichen Gruppe „The Family“, die das National Prayer Breakfast organisiert. Er heiratete Barbara geb. Speicher 1954 und lebt mit ihr in seinem Geburtsort New Hartford, Iowa, wohin er fast jedes Wochenende aus Washington heimkehrt. Sie haben fünf Kinder.[1]

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1956 trat Grassley erstmals für das Repräsentantenhaus von Iowa an, unterlag aber bei dieser ersten politischen Kandidatur. Im November 1958 wurde er in dieses Unterhaus der State Legislature gewählt und gehörte diesem bis 1974 an.

Bei der Wahl 1974 gelang ihm im 3. Kongresswahlbezirk Iowas der Einzug ins Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten; 1976 und 1978 wurde er wiedergewählt und übte sein dortiges Mandat für den zentralen und östlichen Norden des Bundesstaates bis zum 3. Januar 1981 aus.

Bei der Wahl 1980 kandidierte er für den Senat der Vereinigten Staaten, siegte gegen den demokratischen Mandatsinhaber John Culver und zog am 3. Januar 1981 in den Senat ein. Diesem gehört er seitdem ununterbrochen an und gewann die folgenden Wahlen 1986, 1992, 1998, 2004 und 2010. Zuletzt kandidierte er bei der Wahl 2016 erfolgreich für ein weiteres Mandat, das bis zum 3. Januar 2023 läuft. Er erhielt bei allen Wahlen über 60 Prozent der Stimmen. Jedes Jahr hält Grassley Veranstaltungen in jedem der 99 Countys Iowas ab.[2]

Grassley wurde mit der Zeit einer der mächtigsten Senatoren seiner Partei.[3] Er war von 2003 bis 2007 Vorsitzender des Finanzausschusses des Senats und von 2007 bis 2010 dessen Ranking Member, also ranghöchster Vertreter der Minderheitspartei. Im Januar 2019 wechselt Grassley wiederum zum Vorsitz des Finanzausschusses.[4] Ab Januar 2015 war Grassley Vorsitzender des Justizausschusses, dessen Vorsitz im Januar 2019 Lindsey Graham übernahm.[5] Grassley ist seit Januar 2019 wieder Vorsitzender des Finanzausschusses.[6] Als dienstältester Senator der Mehrheitspartei ist Grassley seit dem 3. Januar 2019 – nach dem Ausscheiden von Orrin Hatch – der Präsident pro tempore des Senats und damit auf Rang drei in der Nachfolge des Präsidenten der Vereinigten Staaten.[7]

Positionen und Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grassley hat sich gegen Cross-Border-Leasing-Geschäfte ausgesprochen. Er war einer von nur zwei Republikanern, die 1991 gegen den Zweiten Golfkrieg votierten, er stimmte aber für die Autorisierung des Irakkriegs 2002.[8] Als Vorsitzender des Finanzausschusses war er an den Steuersenkungen der Regierung George W. Bush Anfang der 2000er Jahre beteiligt und identifizierte viele Fälle von Verschwendung und Betrug bei öffentlichen Ausgaben, was ihm Lob von Verbraucherschutz- und Steuerzahlerverbänden einbrachte. Im Senat war er auch federführend an Antitrust-Gesetzgebung und Reformen des Einwanderungsrechts sowie der Gesundheitsversicherung beteiligt. So setzte er 2006 eine Erweiterung von Medicare durch, die Unterstützung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten gewährleistet, und war ein wichtiger Gegenspieler der Regierung bei der 2010 durchgesetzten Gesundheitsreform Obamacare, sprach sich aber dagegen aus, das beschlossene Gesetz über Gerichtsverfahren anzugreifen.[9]

Grassley ist für ungewöhnliche Äußerungen bekannt. Seine „eindeutig unkoordinierten“ Tweets machten ihn zur Kultfigur.[10] 2009 erregte Grassley internationales Aufsehen mit seiner Forderung, der National Science Foundation öffentliche Fördermittel zu streichen, weil deren Mitarbeiter angeblich während ihrer Arbeitszeit exzessiv pornografische Angebote im Internet konsumierten.[11] Kurz darauf wurde eine Äußerung Grassleys im Zuge der AIG-Pleite sehr bekannt. Er riet den Managern, die sich nach milliardenschweren Staatzuschüssen trotz Misswirtschaft Boni auszahlten: „Folgen Sie dem japanischen Beispiel: Machen Sie eine Verbeugung – und dann treten Sie entweder zurück oder begehen Selbstmord.“[12]

Grassley verteidigte Ende 2017 die umstrittene Verdoppelung der Freibeträge bei der Erbschaftsteuer mit folgenden Worten: „Ich denke, die Erbschaftsteuer nicht zahlen zu müssen, ist eine Anerkennung für die Menschen, die investieren, im Gegensatz zu denen, die einfachen jeden verdammten Cent, den sie haben, ausgeben, sei es für Schnaps, Frauen oder Filme.“[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chuck Grassley’s Biography. In: Vote Smart; The Secret Political Reach Of ‘The Family’. In: National Public Radio, 24. November 2009; Debra Bell: 10 Things You Didn’t Know About Chuck Grassley. In: U.S. News & World Report, 9. September 2009.
  2. Debra Bell: 10 Things You Didn’t Know About Chuck Grassley. In: U.S. News & World Report, 9. September 2009; Grassley, Chuck. In: Our Campaigns.
  3. Gregory Lewis McNamee: Chuck Grassley. In: Encyclopedia Britannica, zuletzt aktualisiert am 13. September 2018.
  4. Kevin Freking: Graham poised to lead Judiciary panel after Grassley switch. In: Associated Press, 16. November 2018.
  5. Grassley takes helm of Senate Judiciary Committee. In: The Des Moines Register, 8. Januar 2015.
  6. James McWilliams: Chuck Grassley’s Crusade to Tax University Endowments. In: Pacific Standard, 3. Januar 2019.
  7. Kevin Glueck: Sen. Grassley sworn in as President Pro Tempore. In: CBS2 Iowa, 3. Januar 2018.
  8. Debra Bell: 10 Things You Didn’t Know About Chuck Grassley. In: U.S. News & World Report, 9. September 2009.
  9. Gregory Lewis McNamee: Chuck Grassley. In: Encyclopedia Britannica, zuletzt aktualisiert am 13. September 2018.
  10. Lee Banville: Covering American Politics in the 21st Century: An Encyclopedia of News Media Titans, Trends, and Controversies. ABC-Clio, Santa Barbara, CA, Denver 2017, S. 574.
  11. Pornoskandal gefährdet Wissenschaftsförderung. In: Spiegel Online, 30. Januar 2009.
  12. Thomas Vieregge: USA: Volkszorn über Spitzen-Manager. In: Die Presse, 18. März 2009.
  13. Chuck Grassley attempts to clarify ‘booze or women’ estate tax comments. In: The Guardian, 4. Dezember 2017.