Cicerone

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Cicerone (IPA: [t͡ʃit͡ʃeˈʁoːnə][1]Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i oder IPA: [t͡ʃɪt͡ʃeˈʁoːnə][2]) ist eine Bezeichnung für einen Fremdenführer, der Touristen und Besucher zu Museen, Sehenswürdigkeiten usw. führt und archäologische, historische und künstlerische Hintergründe erläutert. Vermutlich soll der Begriff an Marcus Tullius Cicero erinnern, der wegen seiner Eloquenz und seiner Lehrmethoden berühmt ist.

Ferner wird Cicerone seit der Mitte des 19. Jahrhunderts als Buchtitel für Führer durch berühmte Kunststätten gebraucht, wie von:

  • Jacob Burckhardt: Der Cicerone. Eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens. I. Architectur, II. Sculptur, III. Malerei. (3 Bände), Schweizerbart, Basel 1855;
  • von Georg Hirth und Richard Muther in der Reihe Der Cicerone in den Kunstsammlungen Europas, so 1888: Der Cicerone in der Münchner Alten Pinakothek und 1898: Der Cicerone in der Königlichen Gemäldegalerie in Berlin, beide bei Hirth, München und Leipzig;
  • von Gustav Ebe: Der deutsche Cicerone. Führer durch die Kunstschätze der Länder deutscher Zunge in 4 Bänden, Spamer, Leipzig 1897, 1898, 1901,
  • und für die in den 1970–80er Jahren in Zürich und München erschienene umfangreiche Reihe der Artemis-Cicerone Kunst- und Reiseführer des Verlags Artemis.

Zudem diente der Begriff als Titel der Kunstzeitschrift Der Cicerone. Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers, hrsg. von Georg Biermann bei Klinkhardt & Biermann in Leipzig 1909–1930.[3]

Trotz der italienischen Herkunft des Begriffs fand (einer Angabe der Encyclopaedia Britannica folgend) The New English Dictionary Beispiele seiner Verwendung im Englischen vor seiner Verwendung im Italienischen: nämlich im Dialogue on Medals von Joseph Addison, der 1726 postum veröffentlicht wurde.[4] Allerdings lässt sich – gegen diese öfter zitierte Datierung – die im Lateinischen grammatikalisch falsche,[5] italianisierte Pluralform „Ciceroni“ schon in der vierbändigen postumen Werkausgabe Joseph Addisons von 1721 nachweisen.[6] Anfangs wurde das Wort für Antiquitätensammler verwendet, die Fremden die Antiquitäten und Kuriositäten ihres Landes erklärten (New English Dictionary mit einem Zitat aus dem Jahr 1762).[4]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Inhalt des Artikels verwendet Material der gemeinfreien Encyclopaedia Britannica von 1911.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Cicerone – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. angepasst von: Cicerone, der. In: duden.de. Abgerufen am 30. August 2021.,
  2. angepasst von: Eva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders: Deutsches Aussprachewörterbuch. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin, New York 2009, ISBN 978-3-11-018202-6, S. 414.
  3. Der Cicerone. Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers, ISSN 2510-6104, urn:nbn:de:bsz:16-diglit-203592. –
    Maria Effinger: Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers – digital. In: ub.uni-heidelberg.de. Universitätsbibliothek Heidelberg, 20. Februar 2019, abgerufen am 29. Mai 2019.
  4. a b Zit. n. Cicerone. In: Encyclopaedia Britannica. Band 6. 1911, S. 360 (Scan bei Wikisource).
  5. Richtig wäre lateinisch Cicerones; so etwa bei John Chetwode Eustace: A Classsical Tour through Italy. An[no]. MDCCCII. 6. Auflage. Band 1. J. Mawman, London 1821, Preliminary Discourse, S. 66 (englisch, Scan – Internet Archive [abgerufen am 9. Februar 2021]): “[…] as the common guides are lazy and interested, Cicerones are often ignorant […]” –
    Die Wortverwendung bei Eustace wird danach zitiert in einem Lexikoneintrag von Charles Richardson: Cicerone. In: Charles Richardson (Hrsg.): A New English Dictionary of the English Language. Band 1: A–K. William Pickering, London 1836, S. 315, Sp. a (englisch, Latein, Scan in der Google-Buchsuche [abgerufen am 29. Mai 2019]).
  6. Joseph Addison: Dialogues upon the usefulness of ancient medals. Especially in relation to the Latin and Greek poets. In: Jacob Tonson (Hrsg.): The Works of the Right Honourable Joseph Addison, Esq. In Four Volumes. Band 1. London 1721, OCLC 228675360, Dialogue I., S. 429–559, hier S. 443 (englisch, Latein, Scan in der Google-Buchsuche [abgerufen am 29. Mai 2019]). –
    Mehrere Nachdrucke des Textes, so die oben erwähnte nachfolgende Ausgabe: Joseph Addison: Dialogues upon the usefulness of ancient medals. Especially in relation to the Latin and Greek poets. [o. N.], [o. O.] 1726, Dialogue I., S. 22 (englisch, Latein, Scan in der Google-Buchsuche [abgerufen am 29. Mai 2019]).
  7. Cicerone. In: Encyclopaedia Britannica. 1911, S. 360 (Scan bei Wikisource).