City Tree

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ein CityTree ist ein neuartiges Stadtmöbel für Straßen und Plätze in Städten, der als Filter für Staub und Abrieb effektiver als ein Naturbaum arbeitet. Die Entwickler, ein Start-up-Unternehmen aus Dresden mit aktuellem Sitz in Berlin, haben ihre „Stadt-Bäume“ in mehreren deutschen Städten sowie im Ausland bereits erfolgreich eingesetzt.

City Tree (links im Bild) an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vier studierten Fachleute Peter Sänger, Dénes Honus, Zhengliang Wu und Victor Splittgerber, jeder aus einem anderen Bereich (Gartenbau/Biologie, Architektur, Informatik und Maschinenbau) gründeten im März 2014 das Unternehmen Green City Solutions (GCS) mit dem Ziel, für schadstoffbelastete Städte oder Gebiete bezahlbare und sehr wirkungsvolle Lösungen zu finden und zu vermarkten.[1]

Sie entwarfen einen völlig neuartigen winkelförmigen Stadtkörper, an dessen senkrechter Fläche Moose und Deckpflanzen wachsen. Die Mooskulturen filtern die Umgebungsluft und können so verschiedene Schadstoffe reduzieren.

Standorte und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnell fand die Neuentwicklung weltweites Interesse, so dass u. a. in Oslo, Klingenthal, Dresden, Jena (am Ernst-Abbe-Platz)[2], Berlin (wo die Firma auf dem EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg ihren Hauptsitz hat), Glasgow[3], Paris[4], Amsterdam[5], Bern[6], Hamburg[7] und Hongkong bereits CityTrees aufgestellt wurden bzw. derzeit installiert sind.

Die Firma gewann mit ihren Pflanzenfiltern bis Ende 2017 folgende Auszeichnungen (Auswahl):[1][8]

Im Ruhrgebiet befassten sich die Gemeindeverwaltungen mit der Frage, auch City Trees aufzustellen. Nach einem Test wurde das aber verworfen.[25]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein CityTree ist eine neuartige Konstruktion mit einer Grundfläche von zwei mal drei Metern und einem aufragenden rund vier Meter hohen Teil mit seitlichen Lüftungsschlitzen. An dieser senkrechten, fast quadratischen, Fläche wurden speziell ausgewählte Moose und niedrige Stauden angesiedelt, die insgesamt zwölf Quadratmeter Grünfläche bilden. Die etwa einen Meter dicke geschwungene und ausgehöhlte Form enthält einen Wassertank mit Umwälzpumpe und Zuleitungen zu den Wurzeln zum Bewässern der Moose, darüber hinaus können Solarzellen die Anlage mit Energie versorgen. Der Wartungsaufwand eines CityTrees ist nach Herstellerangaben[26] sehr gering; er umfasst die Kontrolle und gegebenenfalls das Nachpflanzen der Moosfläche sowie Nachfüllen des Tanks, der pro Jahr 10.000 Liter Wasser verdunstet. Dieser Wasserverbrauch ergäbe in München nach den 2017 gültigen Tarifen (1,67 €/m³ Wasser und 1,56 €/m³ Abwasser) Wasserkosten von etwa 32 € pro Anlage und Jahr. Messungen ergaben, dass Stickoxid zu 15 Prozent, Teilchen mit Durchmessern bis zu zehn Mikrometer (PM 10) zu 43 Prozent gebunden werden. Jährlich binde eine Anlage bis zu 150 kg Kohlendioxid.[27] Neben der Funktion der Luftfilterung kühlt diese Installation auch die Umgebungsluft, was an heißen und trockenen Sommertagen einen angenehmen Nebeneffekt darstellt. Aufwand, Platzbedarf und Energieverbrauch sollen weniger als zehn Prozent des Setzens und der Pflege von Naturbäumen ausmachen.[28]

In dem Pflanzencontainer ist darüber hinaus Elektronik installiert, als „Internet of Things“ bezeichnet, die zu Informations- und/oder Marketingzwecken eingesetzt werden kann.[1] Der Sockel der Anlage ist nach beiden Seiten zugleich als Sitzbank ausgebildet, darüber hinaus existiert aber auch eine schmalere Variante ohne Sitzbänke[29].

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Amsterdam wurde nach einer einjähriger Probezeit die Option zum Kauf nicht eingelöst, da ein Viertel der Pflanzen nicht überlebt hatte und aus Modellberechnungen von TNO hervorging, dass die Reduzierung des Feinstaubs in der Luft nur etwa 1 % statt der erwarteten 10 % bis 20 % betrage und es beim Stickstoff keinen positiven Effekt gebe.[30][31]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Berliner Zeitung, 22. Dezember 2016, S. 17: Nachhaltig.
  2. In Jena steht Thüringens einziger City Tree, Thüringische Landeszeitung, 6. August 2015, abgerufen am 26. Dezember 2016.
  3. 20 Trongate Glasgow Young Scot: CityTree. 4. August 2017, abgerufen am 14. März 2018 (englisch).
  4. Transition écologique : un partenariat avec Airparif pour Icade. In: Groupe Caisse des Dépôts. 3. Juli 2017 (caissedesdepots.fr [abgerufen am 14. März 2018]).
  5. Amsterdam: Amsterdam 'plant' CityTrees. In: Amsterdam.nl. (amsterdam.nl [abgerufen am 14. März 2018]).
  6. Ein CityTree für den Bahnhof Zürich Altstetten - SBB Medien. In: SBB Medien. 22. November 2017 (sbb-medien.ch [abgerufen am 14. März 2018]).
  7. Jens Meyer-Wellmann: Kann eine Mooswand Hamburgs Luft besser machen? (abendblatt.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  8. Green City Solutions macht saubere Luft profitabel, auf www.cebit.de; abgerufen am 26. Dezember 2016.
  9. CityTree – Multifunktionale Grünfläche für die intelligente Stadt. Abgerufen am 14. März 2018.
  10. EYA – Winning Projects 2015, abgerufen am 26. Dezember 2016.
  11. Ehrung der Bundessieger im Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ – Newsroom. Abgerufen am 14. März 2018.
  12. Top innovative ideas for the city of tomorrow - Fraunhofer Institute for Industrial Engineering IAO. Abgerufen am 14. März 2018 (englisch).
  13. GREEN CITY SOLUTIONS GMBH & CO. KG / CITYTREE. (kultur-kreativpiloten.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  14. Michela Tindera: Denes Honus, 29 - pg.8. Abgerufen am 14. März 2018.
  15. Bioökonomie als Gründungstreiber: Best Bio-Based Business Award verliehen - BioEconomy. In: BioEconomy. 24. Juni 2016 (bioeconomy.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  16. Deutsches Start-up Green City Solutions gewinnt 200.000 Euro in der Postcode Lottery Green Challenge. In: Windkraft-Journal. 15. Oktober 2016 (windkraft-journal.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  17. seif Awards for Social Entrepreneurship 2016 - Winners and Pictures. In: seif. (seif.org [abgerufen am 14. März 2018]).
  18. Green City Solutions wins international Green Alley Award : ODINE. Abgerufen am 14. März 2018 (amerikanisches Englisch).
  19. Angelika Schöttler: And the Green Buddy Award goes to… -GREEN BUDDY AWARD 2016 - Angelika Schöttler. Abgerufen am 14. März 2018.
  20. Meet the winners of Creative Business Cup 2016. In: Creative Business Cup. 22. November 2016 (creativebusinesscup.com [abgerufen am 14. März 2018]).
  21. EIT Digital Challenge Winners, abgerufen am 26. Dezember 2016.
  22. Chivas The Venture: Green City Solutions gewinnt das Finale - deutsche-startups.de. In: deutsche-startups.de. 30. Januar 2017 (deutsche-startups.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  23. Global Urban Innovators - New Cities Summit 2017. In: New Cities Summit 2017. (newcitiessummit2017.org [abgerufen am 14. März 2018]).
  24. Immobilien Manager Verlag IMV GmbH & Co. KG, Rudolf Müller Mediengruppe, Köln: Premiere des Proptech Innovation Awards. Abgerufen am 14. März 2018.
  25. Erstmal keine Moos-Stele fürs Quartier Münsterstraße, auf www.ruhrnachrichten.de; abgerufen am 23. Oktober 2018.
  26. Lösungen - Green City Solutions. In: Green City Solutions. (greencitysolutions.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  27. Angabe des Herstellers in "Green City Solutions_ CityTree_ Praesentation_ Project book.pdf" gesichtet 25. Mai 2017.
  28. Homepage von GCT zur Beschreibung des City Tree
  29. Lösungen - Green City Solutions. In: Green City Solutions. (greencitysolutions.de [abgerufen am 14. März 2018]).
  30. Proef met CityTrees loopt uit op mislukking, auf www.parool.nl; abgerufen am 12. Januar 2020.
  31. TNO 2019 R10497 The impact of City Trees on air quality in the Valkenburgerstraat (Amsterdam), abgerufen am 12. Januar 2020.