Cividale del Friuli

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Cividale del Friuli
Wappen
Cividale del Friuli (Italien)
Cividale del Friuli
Staat Italien
Region Friaul-Julisch Venetien
Provinz Udine (UD)
Koordinaten 46° 6′ N, 13° 26′ OKoordinaten: 46° 6′ 0″ N, 13° 26′ 0″ O
Höhe 135 m s.l.m.
Fläche 50 km²
Einwohner 11.292 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 226 Einw./km²
Postleitzahl 33043
Vorwahl 0432
ISTAT-Nummer 030026
Volksbezeichnung Cividalesi
Schutzpatron San Donato
Website Cividale del Friuli
Cividale Panorama.jpg

Cividale del Friuli (furlanisch Cividât, slowenisch Čedad, deutsch Östrich) ist eine traditionsreiche Stadt im nordost-italienischen Friaul (Region Friaul-Julisch Venetien) mit 11.292 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015).

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In römischer Zeit war der Name der Stadt Forum Iulii. Als das Langobardenreich im Jahre 776 endgültig durch die Franken besiegt wurden, erhielt die Stadt den Namen Civitas Austriae, was Stadt des Ostens bedeutet, da sie im östlichen Teil des Frankenreiches lag. Daraus entwickelte sich der italienische Name Cividale und der deutsche Name Östrich.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statue des Stadtgründers Julius Caesar vor dem Rathaus
Innenansicht des Domes
Innenansicht des Doms gegen das Eingangsportal

Cividale del Friuli liegt 17 km östlich von Udine unweit der Grenze zu Slowenien beiderseits des Flusses Natisone. Zu erreichen ist Cividale über die Staatsstraße SS 54 von Udine nach Kobarid (Slowenien) oder über die Bahnlinie Udine–Cividale.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist eine ursprünglich keltische Siedlung, die von Julius Caesar zur Stadt erhoben wurde (lat. Forum Iulii, Marktplatz des Julius). Im Zuge der Völkerwanderung hielt sich in der Stadt eine Bevölkerung, die kulturell und durch ihre dem Ladinischen verwandte Furlanische Sprache mit den Alpenromanen verbunden war. Kirchlich unterstand Cividale dem Patriarchat von Aquileja. Während der Wirren der Völkerwanderungszeit hatte seine Bevölkerung besonders zu leiden, da die Stadt unmittelbar westlich der Sperrwerke der Claustra Alpium Iuliarum im Birnbaumer Wald lag, ein Gebirgspass in den Julischen Alpen der häufig von Barbarenvölkern als Einfallstor nach Italien benutzt wurde.

Die Stadt gehörte nach dem Untergang Westroms zunächst zum Reich Odoakers, dann zum Ostgotenreich Theoderichs und zu Byzanz, ehe es 568 von den Langobarden erobert wurde, die dort zeitweise ein eigenes Herzogtum errichteten. Um das Jahr 610 wurde Cividale, das damals zum langobardischen Herzogtum von Friaul gehörte, von den Awaren geplündert. Nachdem Herzog Gisulf II. in der Schlacht gefallen war, suchte seine Frau Romilda mit ihren Söhnen in seinen Mauern Zuflucht. Den Awaren gelang es jedoch bald in die Stadt einzudringen. Den Berichten des Paulus Diaconus zufolge, soll sie selbst die Tore der Stadt geöffnet haben, da sie von der Schönheit des Barbarenherrschers geblendet war. Die männlichen Stadtbewohner wurden angeblich alle getötet, die Frauen und Kinder in die Sklaverei verschleppt. Nur den Kindern Gisulfs gelang die Flucht.[2]

Unter den Karolingern wurde es Teil der Mark Friaul, dann der Markgrafschaft Verona, gelangte dann unter die Landesherrschaft des Patriarchen von Aquileia, ehe es 1421 an Venedig fiel. Es folgte die Herrschaft der Habsburger (kurz von einem französischen Intermezzo unterbrochen) und 1866 die Eingliederung in das Königreich Italien. Cividale del Friuli blieb beim Erdbeben im Friaul 1976 nahezu unversehrt, obwohl es genau auf jener Linie der am meisten heimgesuchten Orte lag, die sich an den Südhängen und im Vorland der Julisch-Karnischen Alpen hinzog.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Altstadt ist vor allem die Piazza del Duomo sehenswert. Hier steht der Palazzo Pretorio oder auch Palazzo dei Provveditori Veneti, dessen Entwurf Andrea Palladio zugeschrieben wird und der zwischen 1565 und 1586 errichtet wurde. Seit 1990 ist hier das Archäologische Nationalmuseum, Museo Archeologico Nazionale, von Cividale untergebracht. Neben der reichhaltigen Sammlung langobardischer Fundstücke sind auch Teile der zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehörenden Reichenauer Handschriften aufbewahrt.

Der dreischiffige Dom Santa Maria Assunta (Mariä Himmelfahrt) aus dem 14. Jahrhundert wurde nach einem Einsturz im Jahr 1502 vom Architekten Pietro Lombardo wieder aufgebaut. 1909 erhob Papst Pius X. den Dom zur Basilica minor. Der Hochaltar wird von einem Altaraufsatz des Patriarchen Pilgrim II. (1195−1204) geschmückt. Die lateinische Inschrift wurde mit Hilfe einzelner Buchstabenpunzen hergestellt[4] − über 200 Jahre vor Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg.[5][6] Der heutige Hauptaltar, ein Tischaltar ohne Aufsatz, steht auf einer Altarinsel vor dem Aufgang zum Chorraum im Langhaus. An der Nordwand des linken Seitenschiffes hängt ein lebensgroßes Holzkruzifix aus dem 13. Jahrhundert.

An den Dom angeschlossen ist das Museo Cristiano, in dem sich u.a. ein Langobarden-Thron und das Callixtus-Taufbecken besichtigen lassen. Fast noch aufschlussreicher sind Fresken und in Sgraffitotechnik ausgeführte Darstellungen des langobardischen Lebens.

In der Nähe befindet sich auch der 1565 errichtete Stadtpalast.

Innenansicht des Tempietto longobardo

Der Oratorio di Santa Maria in Valle aus dem 8. Jahrhundert steht am Steilufer des Natisone im alten langobardischen Viertel und war möglicherweise eine langobardische Pfalzkapelle. Er wird deshalb auch Tempietto longobardo genannt. Er steht im Gebäudekomplex des Klosters Santa Maria in Valle und weist einen quadratischen Innenraum mit Kreuzgewölbe und ein tonnengewölbtes dreischiffiges Presbyterium mit mittelalterlichen, byzantinisch beeinflussten Stuckverzierungen und Fresken auf. Das Gewölbefreko des Chores zeigt Cristus in der Mandorla umgeben von Heiligen links und einer Darstellung der Anbetung der Könige rechts.

Die Kirche San Giovanni in Valle geht auf die Palastkirche des Königshofes der frühen Langobardenzeit zurück.

Die Kirche der Heiligen Petrus und Blasius (Chiesa dei Santi Pietro e Biagio) fällt durch ihre mit Fresken gestaltete Westfassade auf. Sie stammen von 1506–1508 und wurden 2013 restauriert. In der linken Seitenkapelle zeigt ein Fresko den hl. Blasius auf dem Thron.

Die Chiesa di San Francesco, ist nicht mehr geweiht und wird für Ausstellungen genutzt.

Teufelsbrücke mit Dom im Hintergrund

Über den Fluss Natisone führt die Teufelsbrücke, das Wahrzeichen der Stadt. Ihren Namen hat die Brücke von der Entstehungssage. Danach baute der Teufel die Brücke über den reißenden Fluss. Als Lohn sollte er die Seele des Ersten, der sie benutzt erhalten. Nach der Fertigstellung jagten die Bürger jedoch einen Hund über die Brücke.

Am Flussufer ist in den Stein ein Gewölbe eingehauen, das als keltisches Hypogäum, römischer Kerker oder auch langobardisches Gefängnis bekannt ist.

Oberhalb der Stadt im Osten, direkt an der slowenischen Grenze, befindet sich die Kirche Madonna del Monte.

Die Stadt ist auch durch den in der Umgebung, dem Collio, angebauten Wein bekannt.

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Denkmal für Adelaide Ristori auf dem Foro Giulio Cesare

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roberta Costantini, Fulvio Dell’Agnese, Micol Duca, Antonella Favaro, Monica Nicoli, Alessio Pasian: Friuli-Venezia Giulia. I luoghi dell’arte, S. 178–183; Bruno Fachin Editore, Triest
  • Silvia Lusuardi Siena: Cividale Longobarda. Materiali per una rilettura archeologica, Milano 2005; I.S.U. Università Cattolica – Largo Gemelli, 1 – Milano
  • Andrea Beltrane, Erika Cappellaro, Claudio Cescutti, Daria Labano, Thai Sac Ma, Michele Stocco: Duomo di Cividale del Friuli, Soroptimist International d’Italia. Club di Cividale del Friuli; Copyright 1998 Parrocchia S. Maria Assunta-Cividale

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cividale del Friuli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Walter Pohl: Die Awaren, Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567–822 n. Chr. 2 Aufl. München 2002, ISBN 3-406-48969-9. (S. 239).
  3. Die Provinz Friaul nach den Erdbeben, Die Zeit, Jahrgang 1976, Ausgabe 22.
  4. Herbert E. Brekle: Die typographische Herstellungstechnik der Inschriften auf dem silbernen Altaraufsatz im Dom von Cividale, Regensburg 2011
  5. Angelo Lipinsky (1986): „La pala argentea del Patriarca Pellegrino nella Collegiata di Cividale e le sue iscrizioni con caratteri mobili“, in: Ateneo Veneto, Bd. 24, S. 75–80 (78–80)
  6. Koch, Walter (1994): „Literaturbericht zur mittelalterlichen und neuzeitlichen Epigraphik (1985−1991)“, Monumenta Germaniae Historica: Hilfsmittel, Bd. 14, München, ISBN 978-3-88612-114-4, S. 213