Cläre Schimmel

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Cläre Schimmel auch Claire Schimmel, mit bürgerlichem Namen Klara Helene Emilie Schimmel (* 23. Januar 1902 in Stuttgart; † 6. März 1986 ebenda [1]) war eine deutsche Hörspielregisseurin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Claire Schimmel wurde als Tochter des Buchhalters und führenden württembergischen Sozialdemokraten Kurt Schimmel in Stuttgart geboren. An der dortigen Hochschule für Musik zur Opernsängerin und Schauspielerin ausgebildet machte sie auf diesen Gebieten bald europaweit Karriere (u. a. 1934 mit live vorgetragenen Arien aus Wagner-Opern bei Radio Luxembourg), ab 1936 auch als Rundfunksprecherin. Im Berlin der 1940er-Jahre erlebte Cläre Schimmel die Anfänge des Fernsehens und übernahm erste Regieaufgaben. Von 1945 bis 1967 war sie Leiterin der Hörspielabteilung des Süddeutschen Rundfunks (SDR), die sie zusammen mit dem Chefdramaturgen Gerhard Prager aufgebaut und geprägt hat[2] und wo sie bei annähernd 300 Hörspielen Regie führte.[3] Neben den Verantwortlichen des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) seien es Prager und Schimmel gewesen, die das frühe Hörspiel dominiert und dessen Entwicklung "zum literarischen, fast reinen Wortspiel" verstärkt hätten.[4] 1953 wurde ihre Inszenierung des Stücks Die Andere und ich von Günter Eich (SDR 1952) mit dem renommierten Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Sie wird heute neben Fritz Schröder-Jahn, Walter Ohm und Gert Westphal zu den "großen Regisseuren" der sogenannten "Blütezeit des Hörspiels" in den 1950er Jahren gezählt.[5]

Schimmel war am Wiederaufbau des Stuttgarter Rundfunks von den frühen Anfängen an beteiligt[6] und soll 1948 bei der Bestellung von Erich Roßmann, einem Parteifreund ihres Vaters und NS-Verfolgten (den sie Onkelchen genannt habe), zum Intendanten von Radio Stuttgart eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben.[7]

Cläre Schimmel blieb unverheiratet. Sie verstarb am 6. März 1986 in ihrem Haus im Stuttgarter Stadtteil Sonnenberg. Die Beisetzung fand im Familiengrab auf dem Waldfriedhof Stuttgart im Ortsteil Degerloch statt. Das Grab besteht seit 2001 nicht mehr.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marlis Gerhard: Cläre Schimmel. In: Frauen im SDR und SWF 1946 bis 1956. Eine Ausstellung zur internationalen Frauentag 1998. Waiblingen 1998, S. 41–43.
  • Jürgen Holwein: Die Dame und das Hörspiel. Cläre Schimmel gestorben. In: Stuttgarter Nachrichten vom 11. März 1986, S. 14.
  • Kerstin Rech: Nur die Sprache selbst sollte sprechen. Porträt Cläre Schimmel. In: Stuttgarter Zeitung vom 7. März 2016 (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedhofsverwaltung Stuttgart (Sämtliche Lebensdaten, vollständiger Name, Familienstand, Beisetzungsstätte)
  2. Sabine Sölbeck: Die Geschichte des modernen Hörspiels. Das Hörspiel im Wandel der Zeit. Norderstett 2011, S. 27. ISBN 9783844817454
  3. Vgl. ARD-Hörspieldatenbank und HspDat.to
  4. Medienwissenschaft. Ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen. Hrsg. von Joachim-Felix Leonhard, Hans-Werner Ludwig, Dietrich Schwarze u. Erich Straßner. Teilbd. 2. Berlin/New York 2001, S. 1494. ISBN 3110163268
  5. Handbuch Medienwissenschaft. Hrsg. von Jens Schröter. Stuttgart 2014, S. 302. ISBN 978-3-476-02412-1
  6. Cläre Schimmel scheidet aus ihrem Amt. Stuttgarter Zeitung, 3. Februar 1967.
  7. Auch nur Menschen. Onkelchen. In: DER SPIEGEL 26/1949, S. 7. (online)