Claas Relotius

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Claas Relotius (2018)

Claas-Hendrik Relotius[1] (* 15. November 1985 in Hamburg[2]) ist ein deutscher Journalist und Hochstapler[3][4][5][6]. Er war für renommierte Printmedien im deutschsprachigen Raum tätig, vorwiegend beim Spiegel, und wurde für seine Reportagen vielfach ausgezeichnet. Im Dezember 2018 wurde bekannt, dass ein beträchtlicher Teil seiner Texte in Teilen oder ganz erfunden ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Relotius wuchs in Tötensen bei seinem Vater, einem Ingenieur für Wasserwirtschaft, und seiner Mutter, einer Lehrerin, auf. Er hat einen älteren Bruder.[7]

Relotius studierte Politik- und Kulturwissenschaft in Bremen und Valencia. Von August bis September 2008 arbeitete er als Praktikant bei der taz in Hamburg.[8] Von 2009 bis 2011 absolvierte er ein Masterstudium an der Hamburg Media School.

Er schrieb freiberuflich unter anderem für Cicero, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Financial Times Deutschland, die taz, Die Welt, das SZ-Magazin, Zeit Online sowie für die Schweizer Publikationen Weltwoche, NZZ am Sonntag und Reportagen.[9] Seit 2017 war er fest angestellter Redakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel,[10] für das er zuvor sieben Jahre lang in größerem Umfang freiberuflich geschrieben hatte, unter anderem für die Rubrik Eine Meldung und ihre Geschichte.[11] Eine Festanstellung beim Spiegel wurde Relotius bereits vor 2017 durch Matthias Geyer und Ullrich Fichtner angeboten. Nach deren Aussagen schlug er die Stelle damals mit dem Hinweis aus, er müsse sich um seine schwer erkrankte Schwester kümmern, die er jedoch frei erfunden hatte und die nie existierte.[12][13] Später gestand Relotius selbst ein, diese Lüge über die Existenz einer vermeintlich kranken Schwester getätigt zu haben.[14]

Affäre um erfundene Fakten in journalistischen Artikeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Relotius genoss beim Spiegel unter Vorgesetzten und Kollegen hohes Ansehen und galt als penibel recherchierender Journalist.[15][16][17] Nach Recherchen der Zeit gab es jedoch bereits 2017 erste Zweifel an der journalistischen Korrektheit eines seiner Texte.[18] Kollegen von Spiegel TV waren bei Nachrecherchen zum Artikel Löwenjungen auf Widersprüche gestoßen (zwei angebliche Brüder waren keine; falsche Orts- und Namensangaben), was aber nicht zu Konsequenzen führte. Im April 2017 wiesen zwei Bewohner von Fergus Falls im US-Bundesstaat Minnesota den Spiegel per Twitter auf die Unstimmigkeiten im Artikel In einer kleinen Stadt hin, erhielten aber keine Antwort. Sie recherchierten zahlreiche Details, veröffentlichten ihre Ergebnisse aber erst, als der Fall Relotius schon publik geworden war.[19]

Im Spätherbst 2018 wurden die Fälschungen aufgedeckt, als Spiegel-Reporter Juan Moreno, der gemeinsam mit Relotius an der Reportage Jaegers Grenze gearbeitet hatte, im November Unstimmigkeiten im Text bemerkte, Angaben überprüfte und seinen Verdacht der Ressortleitung mitteilte. Die Verantwortlichen des Gesellschaftsressorts reagierten skeptisch auf die Vorwürfe und teils unkritisch auf Relotius Rechtfertigungen.[20] Die Leitung erklärte Moreno gegenüber unter anderem, dass entweder Relotius oder er selbst würde gehen müssen.[21][3] Erst investigative Recherchen von Moreno und anderen Betroffenen überzeugten den Spiegel, eine Überprüfung der Reportagen und anschließend eine Konfrontation von Relotius mit den Beweisen zu veranlassen.[22] Daraufhin gab Relotius Manipulationen zu und reichte am 17. Dezember 2018 seine Kündigung ein.[23][24] Moreno beschrieb seine Sicht des Falles in dem Buch Tausend Zeilen Lüge, das im September 2019 erschien.[25]

Am 19. Dezember 2018 ging der Spiegel mit dem Fall an die Öffentlichkeit. Claas Relotius habe „in großem Umfang eigene Geschichten erfunden“, die das Nachrichtenmagazin abgedruckt hatte. Nach eigenen Angaben reichten Relotius’ Arbeiten von korrekt recherchierten Texten über die Erfindung von Figuren, Szenen, Zitaten und anschaulichen Details bis hin zu komplett erfundenen Geschichten. Er wurde mit dem Satz zitiert: „Ich bin krank, und ich muss mir jetzt helfen lassen.“[23]

Laut dem Magazin Journalist haben neben dem Spiegel dreizehn weitere Redaktionen oder Redaktionsverbünde Texte von Relotius veröffentlicht. Acht davon hätten Belege für Fehler in den bei ihnen veröffentlichten Texten gefunden (Stand: März 2019).[26]

Im Oktober 2019 wurde Juan Moreno von Relotius’ Anwalt Christian Schertz abgemahnt. Relotius beanstandet über 20 Stellen in Morenos Buch, darunter angebliche Falschbehauptungen, Relotius habe auch nach Bekanntwerden des Skandals weiter gelogen. Moreno widerspricht den Vorwürfen. Sein Verlag geht gegen die Abmahnung vor.[27]

Artikelübersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medium Anzahl verfasster Artikel Zeitraum der verfassten Artikel von Fälschungen betroffen Anmerkungen
Cicero / Cicero.de 18 (davon 9 im Print) 2012 bis 2016 mindestens 1 Cicero geht davon aus, dass die Artikel teilweise Fälschungen enthalten, und hat die Texte deshalb offline gestellt[28]
Datum 3 2013 bis 2015 offen Die Texte waren zuvor schon andernorts erschienen[29]
dpa 3[30] 2010[30] noch offen[31] Die dpa hat angekündigt, die Texte zu überprüfen[31]
Financial Times Deutschland 10 2010 bis 2012[32] 10 Alle Beiträge weisen Mängel auf, die gegen die gute journalistische Praxis verstoßen[33]
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 3 2011, 2013 2. Teile eines angeblich von Relotius gehaltenen Interviews hat er anscheinend aus einem Buch kopiert. In einem weiteren Interview sind laut dem Interviewten Teile seiner Antworten ausgedacht.[21][34] Die Interviews wurden geprüft und die Gespräche von den Interviewten bestätigt, allerdings nicht im Wortlaut
NZZ Folio 2 2014 mindestens 1 Der Beitrag über eine finnische Friseurin soll mehrere grobe Unstimmigkeiten enthalten
NZZ am Sonntag 6 2012 bis 2016 mindestens 2 Beiträge über die Gefängnisinsel Bastoy und Blutrache in Albanien[35]
Profil 5 2012 und 2013 noch offen Bei den Texten handelt es sich um Interviews[36]
Reportagen 5 2013 bis 2016 mindestens 4[37] Ungenauigkeiten, fehlerhafte Beschreibungen, faktische Fehler und Imaginationen[38]
Der Spiegel 60 2011 bis 2018 mindestens 14[23] U. a. Beiträge über die politische Stimmung in Fergus Falls
SZ-Magazin 2 2015 beide[39] Interview mit Martin Greenfield, Interview mit zwei Woodstock-Zeitzeugen[40]
Tagesspiegel 2 2015 mindestens 1[41] Reportage enthält erfundene Gesprächsszenen, im Interview sind einige Passagen verdichtet
TagesWoche 1 2012 1[42] Reportage aus Sarajevo über die psychischen Folgen des Krieges
taz 11 2008 und 2011 keine bekannt[43] Es wurden zwar Fehler in den Artikeln gefunden und manche Quellenangaben sind zu hinterfragen, was insgesamt aber als Anfängerfehler ausgelegt werden kann
Die Welt / Die Welt am Sonntag 6 2010 bis 2014 mindestens 1[30] Ein im besagten Artikel beschriebenes Bestattungsinstitut existiert nicht.
Die Weltwoche 28 2012 bis 2016 mindestens 5[44] Eine Reportage aus Bealsville, Ohio erscheint zweifelhaft
ZEIT Online / ZEIT WISSEN 6 2010 bis 2012 mindestens 2[45] Teile des Interviews mit Austin Lynch wurden erfunden

Der Spiegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Spiegel ließ die rund 60 Texte „erneut verifizieren“, die Relotius für das Magazin geschrieben hatte. Bis Januar 2019 wurde rund die Hälfte überprüft. Die meisten davon waren gefälscht, enthielten Übertreibungen, Falschdarstellungen und Hinzuerfundenes oder gaben Gespräche mit Menschen vor, denen Relotius nie begegnet war.[46][47] Relotius ließ über seinen Anwalt erklären, er habe „über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfälscht und hinzuerfunden“. Zu einem im Januar 2019 übermittelten Fragenkatalog ließ er mitteilen, er sehe sich zur Beantwortung nicht in der Lage.[47]

Die bisherigen Ergebnisse der Prüfung:

  • Der Artikel Jäger (erschienen in Ausgabe 27/2018) über den Fall eines US-Amerikaners, der innerhalb von drei Jahren den Angriff einer Klapperschlange, eines Bären und eines Hais überlebt hat, ist in Teilen stark übertrieben und deckt sich nicht mit den Aussagen anderer Medienberichte dazu.
  • Der Artikel Karteileiche (erschienen in Ausgabe 16/2018) über einen Rumänen, der nach dem Wegzug ins Ausland fälschlich für tot erklärt wurde und dann vergeblich versuchte, diesen Vorgang rückgängig zu machen, enthält zahlreiche Fehler und mutmaßliche Erfindungen. Der Name des Protagonisten sowie seiner Familienangehörigen ist falsch. Die Gründe der Trennung von seiner Frau sowie die Darstellung der Niederlage vor Gericht sind ebenso nicht korrekt.
  • Der Artikel Letzte Ruhe (erschienen in Ausgabe 01/2018) über einen US-Amerikaner, der seinen verschollenen Sohn und dessen Bekannte in der kalifornischen Wüste sucht und nach drei Monaten tot findet, ist in erheblichen Teilen erfunden. Zahlreiche von Relotius behauptete Details, die aus einem angeblichen Gespräch mit dem Mann stammen sollen, wurden von diesem auf Nachfrage als falsch zurückgewiesen
  • Der Artikel Blindgänger (erschienen in Ausgabe 46/2015) über eine englische Frau, die einige Zeit eine Granate für eine Vase hielt und als solche nutzte, ist im Wesentlichen korrekt. Relotius hatte mit der Frau Kontakt. Faktenfehler wie die Behauptung, die Granate sei scharf gewesen, wurden von Relotius jedoch ungeprüft übernommen.
  • Der Artikel Verlust (erschienen in Ausgabe 41/2015) über einen nach Deutschland geflohenen Syrer, der einen 500-Euro-Schein sowie ein Sparbuch fand und dies bei der Polizei abgab, ist nach Angaben des Spiegels „in der Sache richtig, in Details aber möglicherweise geglättet, verkürzt und vielleicht auch aus dramaturgischen Gründen geschönt“.[48]
  • Die Titelgeschichte Nass (erschienen in Ausgabe 49/2018) zum Weltklimagipfel in Katowice wurde in Teilen von Relotius verfasst. Er berichtet hierfür angeblich aus Kiribati. Jedoch weisen die Flugunterlagen aus, dass er zwar nach Los Angeles geflogen war, aber nicht die Weiterreise nach Kiribati antrat. Der Text zu Kiribati enthält in Teilen auch ohne Ortsbesuch recherchierbare Fakten. Erfunden ist die Aufgabe dreier Orte auf der Insel wegen Überflutung. Bislang ist nur einer der Orte geräumt worden. Auch die Darstellung eines Mannes, der versuchte, als Klimaflüchtling anerkannt zu werden, ist in einigen Punkten falsch oder zumindest zweifelhaft.
  • Die Reportage Jaegers Grenze (erschienen in Ausgabe 48/2018) über eine Bürgermiliz an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, die letzten Endes zur Aufdeckung von Relotius’ Fälschungen führte, ist in weiten Teilen erfunden oder gefälscht. Personen sind erfunden, anderen Alters oder heißen anders. Die Bürgerwehr bestreitet die Behauptung, dass sie auch schießen würde.
  • Das Interview Kehrt nicht auch das Böse, wenn man es lässt, eines Tages zurück? (erschienen in Ausgabe 39/2018) mit Traute Lafrenz, der letzten Überlebenden der Widerstandsgruppe Weiße Rose, enthielt Erfindungen oder Verfälschungen, wie im Dezember 2018 nachgewiesen wurde. Lafrenz hatte das Interview nicht autorisiert, was in den Vereinigten Staaten, wo sie lebt, auch nicht üblich ist,[49] was aber zu den Prinzipien des Spiegels gehört.[50] Lafrenz gab später an, nicht wie ihr in dem Interview von Relotius in den Mund gelegt wurde aktuelle Bilder von Deutschen bei den Ausschreitungen in Chemnitz gesehen zu haben, dies sei eine Erfindung.[51]
  • Zur Titelgeschichte Deutsch auf Bewährung (erschienen in Ausgabe 31/2018) lieferte Relotius drei Interviews. Alle drei wurden autorisiert und enthielten keine Verfälschungen.
  • Im Artikel Sorry (erschienen in Ausgabe 28/2018) hat Relotius Material lediglich von Kollegen zusammengefasst und wird daher als Mitautor genannt. Es konnten keine Verfälschungen festgestellt werden.
  • In der Reportage Ein Kinderspiel (erschienen in Ausgabe 26/2018) erzählt Relotius die Geschichte eines 13-jährigen Syrers im dortigen Bürgerkrieg. Relotius erzählt, über das Handy mit dem Jungen Kontakt gehabt zu haben. Zwar existiert der Junge, doch sind zahlreiche Details über die Form des Kontakts und die Biographie des Jungen falsch.
  • Der Artikel Todesengel (erschienen in Ausgabe 50/2017) über eine US-Amerikanerin, die einen Bekannten über Textnachrichten in den Suizid getrieben haben soll, enthält Fälschungen. Während der Fall an sich real ist und umfänglich in anderen Medien beschrieben wurde, hat Relotius kein Interview mit den Eltern der Frau geführt, und auch eine Darstellung über einen Aufenthalt der Frau in einer psychiatrischen Klinik enthält Fehler.
  • Der Text Der Mann von Zimmer 402 (erschienen in Ausgabe 49/2017) über den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund wurde von Relotius und sechs anderen Redakteuren geschrieben. Fälschungen wurden nicht gefunden.
  • Der Artikel Touchdown (erschienen in Ausgabe 44/2017) über Colin Kaepernick ist überwiegend gefälscht. Er hat dessen Eltern nie interviewt.[23] Auch sonst finden sich einige Fehler.[52]
  • Die Geschichte Home-Run (erschienen in Ausgabe 34/2017) über einen Baseball-Fan, der die Asche seines verstorbenen Freundes in Stadiontoiletten heruntergespült hatte, ist im Kern korrekt, wurde von Relotius aber um unzutreffende Details erweitert. Dazu gehören ein erfundener Spitzname und falsche Angaben zu den Angehörigen des Verstorbenen. Auch der Protagonist und dessen Wirken wird in einigen Punkten falsch dargestellt, wie dieser auf Nachfrage darlegte.
  • Im Artikel In einer kleinen Stadt (erschienen in Ausgabe 13/2017 Ende März 2017) behauptet Relotius unter anderem, neben dem Ortsschild der amerikanischen Kleinstadt Fergus Falls stünde ein Schild mit der Aufschrift „Mexicans Keep Out“ – „Mexikaner, bleibt weg“, und Schulkinder würden Donald Trump als Vorbild malen.[23] Einwohner widerlegten diese und eine Reihe weiterer nicht zutreffender Darstellungen.[53] Der Artikel wurde von Spiegel Online am 23. Dezember 2018 als erster der erfundenen Texte gelöscht, zugleich erschien der Beitrag In einer fantastischen Stadt von Christoph Scheuermann, der feststellte: „Man trifft Menschen, die Relotius’ Figuren ähneln, aber sich immer weiter von ihnen entfernen, je länger man mit ihnen spricht.“[54][55]
  • Zum Titelthema Wütender weißer Mann (erschienen in Ausgabe 46/2016) über Reaktionen zu Donald Trumps Wahlsieg lieferte Relotius einen Artikel über Gespräche in einer Kneipe in Dortmund. Die überprüfbaren Fakten aus dem Artikel sind korrekt, aber ob die Gespräche tatsächlich stattgefunden haben, ist nicht nachvollziehbar.
  • Der Artikel Königskinder (erschienen in Ausgabe 28/2016, 9. Juli 2016) über ein syrisches Geschwisterpaar im Alter von 12 und 13 Jahren enthält Fälschungen. Die Existenz eines der beiden Kinder kann nicht nachgewiesen werden. Das andere Kind wird mit falschen biographischen Details beschrieben. Relotius sammelte Spenden für die Kinder ein (siehe Abschnitt zu dem Umgang mit Spenden).
  • Die Reportage Nummer 440 (erschienen in Ausgabe 15/2016) über einen jemenitischen Gefangenen in Guantanamo, der jahrelang ohne Anklage festgehalten wurde, sich aber aus Angst vor der Fremde gegen die Einlassung in ein osteuropäisches Land entschied, ist in weiten Teilen erfunden, wie Relotius im Dezember 2018 einräumte.
  • Für das Titelthema Die verstörte Nation (erschienen in Ausgabe 51/2015) über die Reaktionen der Deutschen auf die Ankunft der Flüchtlinge verfassten verschiedene Spiegel-Autoren 19 kurze Stücke, von denen Relotius drei schrieb. Weil die Namen geändert wurden, lässt sich bei zwei von diesen Stücken nicht überprüfen, ob es Fälschungen gibt. Bei dem dritten, das aus Sumte berichtet, stimmen zwar einige Fakten, aber der Protagonist weist bestimmte Behauptungen im Text als falsch zurück.
  • Der Artikel Weltklasse mit Herz (erschienen in Ausgabe 40/2015) enthält einige von Relotius gelieferte Passagen. Bis auf eine konnten alle verifiziert werden. Verfälschungen waren nicht nachzuweisen.
  • Der Artikel Homestory: Jedi-Radler (erschienen in Ausgabe 19/2015) erzählt über die Erlebnisse des Autors beim Fahrradkauf und den Recherchen in der Fahrradenthusiastenszene. Es sind kleine Faktenfehler enthalten, die aber eher auf den in diesem Bereich noch lernenden Autor zurückzuführen sind.
  • Der Artikel Wenn Mörder zu Pflegern werden (erschienen auf Spiegel Online am 19. April 2014) ist eine verkürzte Fassung eines beim Schweizer Magazin Reportagen erschienenen Textes. Der Bericht über Häftlinge in einem US-amerikanischen Gefängnis, die andere Häftlinge pflegen, ist im Wesentlichen korrekt. Relotius war dort und interviewte wohl auch Häftlinge. Faktenfehler wurden nicht nachgewiesen. Bestimmte Angaben waren nicht zu überprüfen, da die Personendaten der Häftlinge nicht zugänglich sind.
  • Spiegel Online bot Relotius ein Interview mit der Schauspielerin Julie Delpy zu ihrem Film Before Midnight unter dem Titel Die Männer sind schuld an, das am 4. Juni 2013 erschien. Es gibt einige Widersprüche zu anderen Interviews mit Delpy aus dieser Zeit, aber keine auffälligen Unplausibilitäten.
  • Das am 29. November 2011 auf Spiegel Online veröffentlichte Interview mit dem US-amerikanischen Wirtschaftsforscher Daniel Hamermesh unter dem Titel Schönheit zahlt sich buchstäblich aus wurde von diesem verifiziert.
  • Auf Spiegel Online erschien am 14. November 2011 der Bericht Wer bloggt, dem droht der Tod über den mexikanischen Drogenkrieg. Die Aussagen erscheinen plausibel, aber nur wenige Quellen lassen sich überprüfen.
  • Zu dem Artikel Endreinigung (erschienen in Ausgabe 18/2018) über einen Kanadier, der sich 17 Jahre nach seinem Aufenthalt bei einem Hotel entschuldigt hat, weil er dort eine Sauerei hinterlassen hatte, gab Relotius im Dezember 2018 an, dass er nicht mit dem Protagonisten gesprochen hatte. Dieser bestätigte auf Nachfrage, dass er keine Anfrage vom Spiegel erhalten habe. Er habe alle Anfragen bis auf eine von CBC News abgelehnt. Da außer einem Facebook-Eintrag des Protagonisten und dem Radiointerview mit CBC keine Quellen vorlagen, lässt sich nachvollziehen, dass einige Passagen erfunden sind.
  • Im Artikel Löwenjungen (erschienen im Spiegel vom 18. Februar 2017) erfand er anscheinend Gespräche eines Arztes und eines Jungen in einem kurdischen Hochsicherheitsgefängnis.[56][23]
  • Die Reportage Die letzte Zeugin (erschienen am 3. März 2018) über eine Frau, die durch die USA reist und als Zeugin von Hinrichtungen auftritt, ist komplett fiktiv.[56][23][57]

NZZ Folio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das NZZ Folio, in dem Relotius zwei Interviews in der Reihe Beim Coiffeur veröffentlicht hatte, beendete die Zusammenarbeit nach eigenen Angaben bereits 2014, nachdem eine Leserin auf Unstimmigkeiten im zweiten Text von Relotius hingewiesen hatte.[58] Das erste Interview war der Zeitung von Relotius angeboten worden und ist mit einem kolumbianischen Frisör. Nachdem es gedruckt worden war, sagte Relotius, er könne in Finnland, wo er hinreise, ein weiteres Interview für die Coiffeur-Reihe machen.[59]

Weltwoche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweizer Weltwoche erschienen eine Reportage, zwei Nachrufe und 25 Interviews von Relotius.[60] Die Reportage handelte von einem demokratisch geprägten Dorf im US-Bundesstaat Ohio, das sich von Obama abwendet. Es wird bezweifelt, dass Relotius jemals Beallsville besucht hatte und dass die Hauptfiguren überhaupt existieren. Weltwoche-Herausgeber Roger Köppel versprach eine Prüfung der Vorfälle, erklärte aber, dass die von Relotius geführten Interviews „zu 100 Prozent“ autorisiert gewesen seien. Der Schriftsteller Leon de Winter erinnerte sich an einen „gut vorbereiteten Interviewer“, Relotius habe „erstklassige Arbeit“ geleistet. Auch der Schriftsteller T.C. Boyle erinnerte sich an lange Gespräche in seinem Haus in Santa Barbara. Der Regisseur Quentin Tarantino und der syrische Dichter Adonis bestätigten Interviews ebenfalls im Wortlaut.[61][62][63]

SZ-Magazin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Süddeutsche Zeitung Magazin veröffentlichte im Jahr 2015 zwei Interviews von Relotius, zu denen nach Bekanntwerden des Skandals festgestellt wurde, sie „weisen Fehler auf und verstoßen gegen journalistische Standards“. Sie wurden von der Magazin-Website entfernt.[39]

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Redaktion der FAS hat drei von ihr publizierte Relotius-Texte überprüft: Ein Bericht von 2011 über Blogger, die von mexikanischen Drogenkartellen bedroht werden, konnte nicht mehr in Zitaten verifiziert werden; Betreiber des Blogs Borderland Beat gehen aber davon aus, dass Relotius ein Interview mit einem der Blogger geführt habe. Ein Interview von 2013 mit dem ehemaligen nordkoreanischen Lagerhäftling und Menschenrechtsaktivisten Shin Dong-Hyuk konnte nicht überprüft werden, da dieser auf Nachfrage der FAS nicht reagierte. Laut FAS sei es aber fraglich, ob Relotius ihn getroffen hat, denn wesentliche Teile des Gesprächs stehen wörtlich oder sinngemäß in einem Buch, das schon 2012 in den USA erschienen war und die Lebensgeschichte des Nordkoreaners erzählt. Der von ihm im selben Jahr angeblich interviewte ehemalige Gefängniswärter von Nelson Mandela, Christo Brand, gab auf Nachfrage an, er könne sich nicht an das Gespräch erinnern, er habe sehr viele Journalisten zu dieser Zeit getroffen. Auch ein Foto von Relotius erkannte er nicht wieder. Die Redaktion übersetzte das Interview ins Englische und bat Brand, es zu überprüfen. Dieser schrieb der FAS: „einige Teile des Interviews sind nicht meine Worte“. Zum Beispiel würde er niemals sagen, dass auf Mandelas Hemd eine Gefangenennummer gewesen sei, denn das habe er nie gesehen. „Ich hätte auch nicht gesagt, dass Mandela mich auf Afrikaans begrüßte. Der erste Gefangene, der mit mir Afrikaans sprach, als ich in Sektion B begann, war Andrew Mlangeni.“ Laut FAS hat sich Relotius möglicherweise bei anderen Interviews bedient, sollte er mit Brand gesprochen haben, wären zumindest Teile des Gesprächs gefälscht. Einen solchen Fall gab es beim Spiegel.[34]

Arbeit für die Heinz-Kühn-Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Relotius war Anfang 2013 als Stipendiat der Heinz-Kühn-Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen in Kuba. In seinem von der Stiftung veröffentlichten Abschlussbericht wurden Fehler und Widersprüche gefunden.[64] So kommt dort der angeblich erste Steuerberater des kommunistischen Kuba mit wechselnden Namen vor. Ein Bericht darüber, den er im September 2013[65] in der Zeitschrift Cicero veröffentlichte, war auch seinem späteren Spiegel-Kollegen Juan Moreno aufgefallen, der beim Spiegel schließlich das Fehlverhalten von Relotius aufgedeckt hat. Moreno war die Reportage von Relotius aus Kuba von Anfang an verdächtig – angeblich standen dort die Schuhputzer Schlange, um die Dienste dieses Steuerberaters in Anspruch zu nehmen. Später widersetzte er sich zur Verwunderung seiner Vorgesetzten beim Spiegel einer Zusammenarbeit mit Relotius.[66]

Reaktionen auf die Manipulationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spiegel-Titelseite der Nr. 52/2018 mit dem Leitspruch des Gründers Rudolf Augstein[67]

Der Spiegel bat öffentlich für die Fälschungen um Entschuldigung. Der designierte Chefredakteur Ullrich Fichtner kündigte an, die Affäre durch eine auch mit externen Mitgliedern besetzte Kommission aufklären zu lassen.[23] Brigitte Fehrle, Clemens Höges (stellvertretender Chefredakteur im Spiegel-Verlag[68]) und Stefan Weigel (stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post[68]) sollten untersuchen, weshalb die Prüfsysteme des Nachrichtenmagazins nicht gegriffen haben, und ihre Ergebnisse öffentlich dokumentieren.[69]

In einem offenen Brief in Spiegel Online vom 22. Dezember 2018 schrieb der designierte Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann von erheblichem hauseigenen Versagen, das Konsequenzen haben werde. Zu Relotius’ Artikeln sagte er: „De facto müssen wir heute davon ausgehen, dass sämtliche Relotius-Geschichten Fälschungen sind, so wie die in den anderen Medien, für die er geschrieben hat. […] Die Geschichten sind als journalistisches Produkt wertlos.“ Der Vorgang sei „so irre, so dreist und so absurd, dass einem die Verfehlungen im Nachhinein geradezu ins Gesicht springen“.

Ende Dezember 2018 zog die Chefredaktion des Spiegel erste personelle Konsequenzen. Steffen Klusmann schrieb: Ullrich Fichtner (Chefredakteur) und Matthias Geyer (Blattmacher, Ressort Gesellschaft) werden „ihre neuen Verträge erst mal aussetzen und ruhen lassen“, bis eine hausinterne Kommission die Relotius-Affäre „abschließend untersucht hat“.[70] Fichtner habe Relotius für den Spiegel entdeckt und Geyer habe ihn fest angestellt und als Leiter des Ressorts Gesellschaft geführt.

Journalist und Buchautor Gabor Steingart äußerte sich dazu: „Bei allen großen Enthüllungsgeschichten der vergangenen Jahrzehnte hat sich der Spiegel nie damit zufrieden gegeben, den Einzeltäter zu entlarven. Immer wurde nach dem System gefragt. Nach den Paten im Hintergrund. Nach den löchrigen Kontrollinstanzen. Nach einer Kultur des Betrügens.“[71][72]

Georg Altrogge kritisierte, zwar handle es sich beim Fall Relotius um einen „redaktionellen Betriebsunfall (…) der andere hochangesehene Medien genauso hätte treffen können“, doch bliebe die Frage, ob nicht speziell der Spiegel „einen Nährboden für einen Fake-Reporter geliefert“ habe. Das Magazin sei dafür bekannt, Lesern zu suggerieren, seine Reporter seien unmittelbare Zeugen des Geschehens oder könnten sich auf Informationen aus erster Hand berufen; dafür sei „das Magazin häufig in die Kritik geraten, vor allem aufgrund des tendenziösen Charakters solcher oft nicht einmal gegendarstellungsfähiger Passagen.“[73]

Stefan Niggemeier, selbst ehemaliger Spiegel-Autor, attestierte dem Magazin im Zusammenhang mit dem Fall Relotius eine „gefährliche Kultur des Geschichten-Erzählens“.[74] Die als akribisch geltende Dokumentationsabteilung habe sich von Relotius’ „wirklich in großer Perfektion geschriebenen Texten berauschen lassen“. Dadurch sei ein Mythos zusammengebrochen. Niggemeier wies auch darauf hin, dass es sogar in journalistischen Lehrbüchern als legitim angesehen werde, in Reportagen das Reden und Handeln mehrerer Personen „in einer einzigen Figur zu verdichten.“[75]

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen stellte fest, der Fall Relotius erzwinge eine Debatte über die Ethik des Erzählens im Journalismus. Stilmittel wie in der Literatur seien zwar erlaubt, aber die Inhalte müssten stimmen.[76]

Alexander Wendt schrieb, Relotius habe das Genre des schöpferischen Journalismus geprägt. In der Art und Weise, wie jetzt viele über ihn als Person herfielen, zeige sich eine tiefe Ungerechtigkeit. „Hier soll ein 33jähriger in der Weihnachtszeit eine Last auf seine Schultern laden, die sich in Wirklichkeit etwas breiter verteilt, jedenfalls weit über den Sitz eines Presseorgans an der Erregungsspitze 1 in 20457 Hamburg hinaus.“[77]

Im Cicero bezeichnete Gerhard Strate die Art und Weise, wie der Spiegel seinen ehemaligen Reporter öffentlich abstoße, als „Hexenjagd“ und „verlogen“. Nicht nur Relotius habe sich dafür entschieden, die gute alte Trennung zwischen Kommentar und Bericht aufzuheben. Der sprachgewaltige Überflieger verfüge über ein hohes Gespür für Sprachbilder und ihre unterschwellige Wirkung. „Lieferte er nicht genau den Stoff, der haltungsbesoffene Redakteure zum Schwärmen brachte?“[78]

Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo warf dem designierten Spiegel-Chefredakteur Fichtner dessen persönliche Abrechnung im Spiegel vor: „Was bleibt, ist der Eindruck: In dem Text wird ein Mensch gehängt, noch dazu ein sehr junger.“[79] Weiter kritisierte er auch die Form des Artikels: „Ich finde diese Mischung aus Kulturreportage und Essay von Ullrich Fichtner für diese Art der Aufklärung nicht überzeugend. Weil das schön Geschriebene, das spannend Geschriebene auch Teil dessen ist, was Ihnen jetzt im Fall Relotius vorgeworfen wird.“[80] Jakob Augstein, Erbe des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein, begrüßte zwar in einem Interview in der Bild-Zeitung grundsätzlich die kritische Aufarbeitung vom Spiegel, kritisierte jedoch: „Aber Selbstkritik darf nicht zu Selbstbeschädigung werden. Man muss nicht einem direkten Konkurrenten des ‚Spiegels‘ wie dem ‚Zeit‘-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Gelegenheit geben, im ‚Spiegel‘ den ‚Spiegel‘ anzugreifen.“[81]

Claudius Seidl nannte Fichtners Artikel „die Klage des Doktors Frankenstein über sein Monster“.[82] Der Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung Eric Gujer vermisste bei der Aufklärung seitens des Spiegels „entsprechende Konsequenzen“ und beschied Fichtners im Dezember 2018 publizierter Stellungnahme einen „peinlichen Büßerstolz“.[83]

Im Freitag kritisierte Elsa Koester: „Relotius wird zum Helden einer Tragödie, spannend aufgeschrieben wie ein Hollywood-Thriller. Nur macht es sich der Spiegel so ein bisschen zu einfach […] Es gibt nicht das große Spektakel, die große Enthüllung, den großen Hochstapler. Die Geschichte steckt voller Widersprüche.“[84]

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sah Co-Herausgeber Jürgen Kaube in Fichtners Artikel ein Beispiel für jenen Stil, der Relotius’ Betrug erst ermöglicht habe. Dem Spiegel fehle aber jedes Problembewusstsein: „Man schreibt […] nicht über Argumente, Ideen und Interessen, sondern über Menschen, die sie angeblich haben, und darüber, wie sie so sind, diese Menschen, wie sie aussehen und wie sie wohnen, wo man sie getroffen hat […] Solange man aber so schreibt, weil man so denkt, wird der Fall Relotius nur zu Appellen an das Gewissen und zu Verurteilungen der Gewissenlosen führen. An der Sache selbst, dem Storytelling-Kitsch, wird sich nichts ändern.“[85]

Jörg Thadeusz, ehemaliger Moderator bei Verleihungen von Journalistenpreisen[86] und Juror beim Deutschen Reporterpreis[87] kommentierte, bei der Auswahl für Journalistenpreise „stünde ein gewisses Weltbild fest“. Einen Preis erhalte, wer dieses Bild „mit einer süffigen Geschichte möglichst prachtvoll bestätigt“. Er fragte, auf welches Wohlwollen sich ein Fälscher wohl verlasse, wenn er Geschichten über eine amerikanische Kleinstadt erfinde, in der „die Dumpfen unter sich“ seien.[88]

Im Tagesspiegel konstatierte Deike Diening, Relotius gelte seit seiner Enttarnung als brillant und habe seinen Status als Held keineswegs verloren. „Im Gegenteil. Relotius ist in zahlreichen Preisverleihungen mit Lob überschüttet worden. Und wie verhext wird es ausgerechnet nach der Aberkennung oder Rückgabe dieser Preise noch besser: Relotius ist jetzt auch ein Genie.“[89] Auf Stimmen dieser Art spielte Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, an, als er im Februar 2019 in der Neuen Zürcher Zeitung ausführte, viele Journalisten schrieben „für die Kollegen“ und nicht für die Leser. Die Medien als Ganzes könnten „einpacken“, so Döpfner, wenn Journalisten von Aktivisten nicht mehr zu unterscheiden seien. Die offensiv angegangene Aufdeckung der Relotius-Affäre durch den Spiegel habe unter Zugzwang stattgefunden: „Wenn sich ‚Der Spiegel‘ nicht selbst offenbart hätte, hätte es ein paar Tage später jemand anderes gemacht.“[90]

Für den Zeit-Journalisten, Literaturwissenschaftler und Philosophen Thomas Assheuer treffen sich in Relotius’ Werken sowohl die konservative als auch die postmoderne Theorieschule: „Die konservative Schule behauptet, man könne den Selbstlauf der modernen Gesellschaft nur ertragen, indem man ihre Modernisierungsschäden durch tröstende Erzählungen kompensiere. Die postmoderne Denkschule behauptet, die Realität existiere gar nicht, sie sei ein Konstrukt – und Konstrukte solle man besser nicht anrühren, denn am Ende mache man sie noch kaputt.“ Assheuer bezeichnete Relotius weiter als „Genie der Einfühlung“, er habe Redaktion und Leser glücklich gemacht. „Der Superstar war kein Berichterstatter; er war ein Dichtergott, der seine Figuren durch die eigene Schöpfung spazieren führte […] Und weil er sich mit seiner Schöpfung auskannte, konnte der Weltbaumeister sie wunderschön erzählen.“[91]

In der Welt schrieb Christian Meier, Relotius vermöge mit Sprache umzugehen wie kaum jemand sonst in seiner Generation. Seine Reportagen „waren fast immer spektakulär, extrem gut komponiert und geschrieben.“ Er habe sein Talent missbraucht. Es gäbe in der Geschichte nur Verlierer.[92] Dagmar Rosenfeld mutmaßt, dass Relotius so lange damit durchkam, weil die Geschichten in das Weltbild der Redaktion passten. „Relotius hat aufgeschrieben, was sein soll. (…) So gesehen hatten die Texte von Relotius etwas Tröstliches. Nur ist es nicht Aufgabe des Journalismus, zu trösten.“[93]

Ernst Elitz erklärte, dass schon Kisch, nach dem der renommierte Egon-Erwin-Kisch-Preis benannt sei, geschrieben habe wie Relotius, „und Relotius hat wie Egon Erwin Kisch geschrieben. Dass solche mangelnden Kenntnisse der Mediengeschichte und Literaturwissenschaft sich nicht in die Köpfe des Gruner-und-Jahr-Verlags verlagert hatten, ist schon erstaunlich.“[94]

Jan Böhmermann schrieb in der Zeit, Relotius habe verstanden, dass das Erzählen von Quatsch und Geschichten als Mittel zur Wahrheit prima funktioniere. „Dem Journalisten geht es um die möglichst vollständige Erfassung und Beschreibung der Welt. Das findet der Künstler natürlich lächerlich vom Journalisten, denn er hält es für zielführender, seine eigene Welt zu erfassen und zu beschreiben. Nur durch die Einbeziehung von Fiktion und die Bereitschaft zum Unsinn und zur Spielerei kann die Wirklichkeit wahrhaftig erzählt werden. Wer etwas anderes behauptet, sollte sich bitte zweihundert Jahre in die Vergangenheit zurückbeamen.“[95]

Michael Angele schrieb: „Wenn ich die Reaktionen auf den Fall Relotius Revue passieren lasse, dann scheint mir, als würde man alles Schwierige, Anspruchsvolle, Holprige am liebsten an die Literatur delegieren. Und nur noch reine ‚news‘ verkaufen wollen. Eine Reportage ohne literarische Mittel kann ich mir allerdings nur als Statistik vorstellen, und selbst die würde im Kontext einer Zeitung zur Literatur.“ Angesprochen sei also das Formbewusstsein. „Wer eine Zeitung liest, liest Formen, Gattungen, Genres. Er liest nicht einfach die nackte Wahrheit.“

Susanne Wille erinnerte der Fall Relotius an den New Yorker Schriftsteller Paul Auster, ein journalistisches Vorbild und einen Meister der Fiktion, der sagte: „Stories only happen to those who are able to tell them.“ (‚Geschichten passieren nur jenen, die sie auch erzählen können.‘) „Abstrakte Daten, nüchterne Fakten allein packen zu wenig. Geschichten sind seit Menschengedenken das Gewebe, das eine Gesellschaft zusammenhält.“

In seinem Essay Am Anfang war die Story argumentierte der Soziologe Stefan Schulz, Relotius könne wunderschön schreiben. „Er hat Geschichten erschaffen, die unseren Wünschen entsprachen, und damit ist er der Wirklichkeit manchmal nähergekommen, als ihm das mit einem – nämlich einseitigen – Tatsachenbericht gelungen wäre (…) Auszeichnungen für seine Arbeit zeigen, dass er seine Leser zwar nicht gut informiert, aber tief berührt hat. Er hat sich als Autor aus dem Bild genommen und seine Leser glauben lassen, dass sie unmittelbar erfahren, was er angeblich erlebte. Das ist Kunst.“[96]

Die Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher warnte vor der „naiven Auffassung, Realität sei medial abbildbar und Medieninhalte ein reines Abbild der Realität.“ Die Reportage sei traditionell eine Gattung, die Fakten mit narrativen Elementen aufbereite, Relotius habe auf diese Darstellungsform zurückgegriffen. „Ich ordne Relotius der Traditionslinie des New Journalism zu. Ihr Begründer Tom Wolfe betonte die Möglichkeit, Wirklichkeit als Erzählung zu vermitteln.“[97] Mehrere Medien zogen denselben Vergleich.[98][99] In der ZEIT wies der Autor Konstantin Richter auf Reporter wie Gay Talese oder Hunter S. Thompson hin, die ihre Subjektivität als poetische Wahrheit feierten. Sie verfassten „detailverliebte Rekonstruktionen von Szenen, die sie nicht selbst erlebt hatten. Sie gaben die Träume und intimsten Erinnerungen ihrer Protagonisten wieder. Sie machten aus drei Personen eine einzige, weil sie meinten, dass die Verknappung am Ende ausdrucksstärker sei als die schnöde Wirklichkeit (…) Relotius hatte in seinen großen Geschichten immer Protagonisten, die wirkten wie Romanfiguren, da waren tolle Szenen und ein ganz eigener Ton. Es war kein Zufall, dass die Protagonisten immer Musik hörten, der Sound war wichtiger als die Wahrhaftigkeit.“[100]

In der Debatte um Fake und Fiktion verglichen zahlreiche Medien den Fall Relotius mit dem Fall des Schriftstellers Robert Menasse, der in mehreren politischen Essays Walter Hallstein eine Rede auf dem Gelände des Vernichtungslagers Auschwitz angedichtet hatte, um für die Idee einer „Europäischen Republik“ einzutreten.[101][102] Im Focus bezeichnete Ulrich Reitz beide Fälle als „politisch motiviert“. Er verglich Relotius und Menasse mit Jurek BeckersJakob der Lügner“, der seine KZ-Mithäftlinge mit der Lüge so lange wie möglich am Leben erhielt, die Befreiung vom Nationalsozialismus stünde unmittelbar bevor. „Gelogen wird eben nicht nur aus Angst, Boshaftigkeit, Spottlust, Vorteilsstreben oder moralischer Verwahrlosung, sondern nicht selten aus Freundschaft, Anstand oder Liebe.“ Darin liege das Giftige am Fall Relotius: „Am Verdacht, es könne ein ehrenwertes und also von Schuld entlastendes Motiv geben für Irreführung.“[103] In seinem Text „Dürfen Dichter lügen?“ griff auch der Philosoph Konrad Paul Ließmann diesen Vergleich auf und unterstellte sowohl Relotius als auch Menasse „Thesen und Texte aus einem Geist der redlichen Überzeugung“.[104] Im rechtskonservativen Magazin Tichys Einblick übernahm Klaus-Rüdiger Mai diese Sichtweise. Er warf Relotius und Menasse jedoch gleichzeitig die „versuchte Abschaffung der Wirklichkeit“ vor.[105]

In einem Interview gab der Autor Michael Hopp, der lange für das Magazin Tempo und als Spiegel-Reporter tätig war, bekannt, selbst ebenfalls mit Erfindungen gearbeitet zu haben: „Ich habe auch immer viel gedichtet, Gottseidank.“ Er nahm Bezug auf Relotius und den New Journalism und wies darauf hin, dass für journalistische und erzählerische Texte jeweils das Wort Geschichte bemüht werde. „Bei Helge Timmerberg wäre niemand auf die Idee gekommen, seine Reisegeschichten aus dem Orient zu hinterfragen – weil sie als Geschichten funktionieren.“[106]

Weil US-amerikanische Bürger von Fälschungen betroffen waren, forderte Richard Grenell, US-Botschafter in Deutschland, vom Spiegel eine unabhängige Untersuchung. Er kritisierte zudem anti-US-amerikanische Berichterstattung.[107] Dirk Kurbjuweit entschuldigte sich bei den US-amerikanischen Bürgern, die durch die Reportagen beleidigt und verunglimpft worden seien; den Vorwurf des Antiamerikanismus wies er zurück.[108][109] In den Vereinigten Staaten griffen Medien den Fall Relotius auf. Er wurde zum Anlass für Medienkritik und Analysen der transatlantischen Beziehungen genommen.[110] Nach Meinung des US-amerikanischen Journalisten James Kirchick verbreite Der Spiegel „seit langem schon einen kruden und sensationslüsternen Antiamerikanismus“.[111]

Nach Ansicht einiger Medien erinnert der Fall an den des Reporters Tom Kummer, der in den 1990er-Jahren Interviews mit Prominenten und Reportagen[112] in verschiedenen deutschsprachigen Magazinen (darunter Süddeutsche Zeitung Magazin, Tages-Anzeiger-Magazin) erfunden und dadurch einen Skandal im Jahr 2000 ausgelöst hatte.[113][114][115] Kummer selbst kritisierte in einem Interview mit der Universität Zürich das Vorgehen des Spiegels.[116]

Auch der Fall der Reporterin Janet Cooke der Washington Post wird als historisches Beispiel genannt. Cooke verfasste 1980 eine Reportage über einen drogensüchtigen achtjährigen Afroamerikaner in New York. Die mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Reportage stellte sich später als gefälscht heraus.[117]

Textanalysen und Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Bekanntwerden der Affäre beschäftigten sich Journalisten, Sprachforscher, Soziologen, Philosophen und Schriftsteller mit den Inhalten von Relotius’ Reportagen. Einige Autoren schrieben, Relotius sei offenbar eher wie ein Schriftsteller als wie ein Journalist an Themen herangegangen.[118] Andere wiesen darauf hin, dass seine Texte so spannend waren, dass sie Erfindungen nicht nötig hatten.[119] Bei mehreren Preisverleihungen wurden Relotius’ Reportagen als dramaturgisch und sprachlich meisterhafte Erzählungen und sogar als „Literatur“ und „Poesie“ gerühmt, aber gleichzeitig nicht als solche erkannt.[120][121]

In der FAZ wies die Schriftstellerin Angelika Overath darauf hin, man sehe Relotius’ Texten an, dass sie keine Reportagen seien. „Wer ihn genauer liest, findet einen Märchenton, den Zungenschlag eines Predigers.“[122] Auch der Dichter Franz Josef Czernin fand starke Fiktionshinweise. „Möglich, dass Relotius uns unbewusst und zwischen den Zeilen mitteilt, dass sein Text viel Erfundenes enthält […] So ähnlich vielleicht wie in Dostojewskis Schuld und Sühne Raskolnikow dem ihn verhörenden Staatsanwalt unter einer Art Wahrheitszwang immerzu Indizien für seine Schuld liefert. Wie ein Trauma die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Erfindung und zwischen dem, was Autoren beabsichtigen, und dem, was ihnen unterläuft, verwischen kann, so kann dies auch die Literatur.“[123]

Laut Robert Misik habe Relotius auf so haarsträubende und auch unnötige Weise Geschichten erfunden, dass man an seinem Verstand zweifeln müsse.[124] Auch Matthias Döpfner sagte, Relotius habe geschrieben, als hätte er „den Verstand verloren“.[125] Für den Schriftsteller Robert Domes ist Relotius ein Beispiel dafür, wie nahe „Genie und Wahnsinn“ nebeneinanderliegen.[126]

Wie Rhetorikforscher der Universität Tübingen in ihrer Analyse Sagen, was ist und was sein soll herausarbeiteten, gebrauchte Relotius immer wieder das Schema der Tragödie: Der Held wird „unschuldig schuldig“ und leidet fortan an den Konsequenzen seines tragischen Fehlers.[127]

Nach Ansicht von Paul-Josef Raue habe Relotius einen Spürsinn für die großen Geschichten unserer Zeit, er schreibe exzellent und habe Verstand wie Gemüt beim Leser aktiviert und strapaziert. „Warum fälscht einer wie Relotius, einer, der so gut schreiben kann wie wenige andere?“[128]

Fast alle Relotius-Geschichten handeln von Verlust, oft vom Verlust der Kindheit. In seinen Texten gab er vor allem den Abgehängten und Vergessenen eine Stimme.[129]

Rechtskonservative Medien bezeichneten ihn, auch aufgrund gespendeter Preisgelder, als „Haltungsjournalisten“.[130][131]

Gerhard Strate stellte Relotius in eine Reihe mit Anja Reschke und Georg Restle, die zuvor das Neutralitätsbestreben des Journalismus (von Restle als "Neutralitätswahn" bezeichnet) kritisiert hatten. „Ganz klar: In der Person von Claas Relotius findet der Haltungsjournalismus als Konzept einen seiner würdigsten Vertreter.“[132]

Bericht der Aufklärungskommission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Mai 2019 veröffentlichte der Spiegel den 17-seitigen Abschlussbericht der im Dezember 2018 einberufenen Aufklärungskommission um Brigitte Fehrle, Clemens Höges und Stefan Weigel.[133][134] Die Kommission berichtete von etlichen Hinweisen (von außen und aus dem Kollegenkreis) darauf, dass manche Spiegel-Kollegen in ihren Texten nicht immer journalistisch korrekt arbeiteten.

Es handele sich dabei um Verfälschungen, wo Tatsachen nicht korrekt oder nicht vollständig dargestellt worden seien, „entweder aus dramaturgischen Gründen, weil sich eine Geschichte geschmeidiger erzählen lässt, wenn man beim Beschreiben nicht ausschließlich an Fakten gebunden ist, oder aus weltanschaulichen Gründen, weil sich eine Geschichte stringenter erzählen lässt, wenn man widersprüchliche Fakten weglässt. Die Kommission hat bei ihren vielen Gesprächen mit Redakteuren, Dokumentaren und Justiziaren den Eindruck gewonnen, dass es sich hier nicht nur um gelegentliche Ausreißer handelt, sondern zum Teil um unterschiedliche Auffassungen davon, was in einem journalistischen Text noch zulässig ist und was nicht.“[133]

Die Kommission legt zusammen mit ihrem Abschlussbericht einige Veränderungsvorschläge vor. Dazu gehört, dass in Geschichten nicht nur die Fakten stimmen, sondern auch Dramaturgie und Abläufe die Wirklichkeit wiedergeben müssen.[135] Auch für die Dokumentationsabteilung des Spiegel soll es neue Regeln geben. So soll unter anderem jede Woche eine Geschichte per Zufallsprinzip ausgewählt werden, die „erweitert verifiziert“ wird. Außerdem müsse jeder Reporter „seine Recherche lückenlos dokumentieren“ und seine Unterlagen von der Dokumentationsabteilung „mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden“.[136]

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier lobte die schonungslose Kritik und bezeichnete den Bericht gleichzeitig als „verheerend“ für den Spiegel. Am furchtbarsten sei die Schilderung der Redaktionskultur im Haus, „die kaum weiter entfernt sein könnte von dem nach außen getragenen Anspruch“.[137]

In der Taz kritisierten die ehemaligen Spiegel-Redakteure Horand Knaup und Hartmut Palmer den Bericht: „Schon der Titel, ‚Der Fall Relotius‘, ist falsch. Zutreffender wäre ‚Der Fall Spiegel‘ gewesen. Der neue Report widerlegt nämlich die bis dahin verbreitete Version, das Magazin sei Opfer des raffinierten Tricksers Relotius geworden. Der Bericht ist vielmehr ein erschütterndes Dokument über das Verständnis von Journalismus in einem der führenden deutschen Medienhäuser, aber auch in den Ausbildungsstätten der Branche. So heißt es dort: ‚Die Reportage wurde zur „Königsdisziplin“ erklärt. Journalistenschüler lernten, … Widersprüchliches und Sperriges wegzulassen, schwarz-weiß zu erzählen, Grautöne zu meiden, die Wirklichkeit der Dramaturgie unterzuordnen.‘ Oder auch: ‚Die Erzählweise, die in Reportageseminaren, zum Beispiel dem des „Reporterforums“, gelehrt wurde und wird, bedient sich dabei aus dem Werkzeugkasten des Films, der Comics und der Literatur, also der Fiktion.‘ Und schließlich steht dort noch: ‚Sie [Die Reporter] erzählten dann auch aus ihren Reportagen solche Beispiele, die dann eben mal mehr und mal weniger die wahre Geschichte verfälschten. Aber Einigkeit bestand immer, dass das erlaubt sei.‘“[138]

Manipulationsversuche des Wikipedia-Artikels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2019 wurde mehrfach versucht, Relotius’ Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia, der erst nach den Manipulationsvorwürfen im Dezember 2018 erstellt worden war, zu seinen Gunsten zu manipulieren und schönzufärben. Die Manipulationsversuche wurden von mehreren neu angelegten Sockenpuppen ausgeführt.[139] Dabei wurden auch falsche und explizit gefälschte Belege eingebracht. Die Manipulationsversuche wurden von anderen Wikipedia-Autoren aufgedeckt und die Sockenpuppen-Nutzerkonten von Administratoren gesperrt. Der Fall wurde mehrfach in den Medien aufgegriffen und inklusive der von Wikipedia angewandten Mechanismen beschrieben.[139][140][141][142][143]

Umgang mit Spendengeldern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Dezember 2018 berichtete der Spiegel, dass Claas Relotius möglicherweise auch Spendengelder veruntreut habe. So sollte Relotius Lesern des Magazins, die ihn mit Spendenabsichten kontaktierten, angeboten haben, für Waisenkinder in der Türkei zu spenden, und hierfür seine privaten Kontodaten übersendet haben. Anlass war sein im Spiegel erschienener Artikel Königskinder, der sich mit zwei angeblichen syrischen Waisenkindern befasst, die in der Türkei auf der Straße leben sollen. Auch dieser Artikel ist von Erfindungen betroffen. Der Spiegel kündigte eine Strafanzeige wegen mutmaßlich veruntreuter Spendengelder an.[144] Am 27. Dezember 2018 gab eine Anwaltskanzlei in Relotius’ Namen an, dass dessen Ressortleiter über den gesamten Vorgang informiert gewesen sei, und dass Relotius im Oktober 2016 die bis dahin auf seinem Konto eingegangenen Spenden in Höhe von mehr als 7000 Euro aus privaten Mitteln auf 9000 Euro aufgestockt und anschließend für ein Projekt zur Unterstützung von kriegsgeflüchteten Kindern im Irak an die Diakonie Katastrophenhilfe weitergeleitet habe.[145][146] Die Organisation bestätigte, 2016 einen Betrag in Höhe von 9000 Euro von Relotius erhalten zu haben. Zudem schrieb die Anwaltskanzlei in der Pressemitteilung, Relotius werde allen Spendern ihr Geld vollständig zurückerstatten.[147]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Relotius erhielt 19 Preise und zwei weitere Auszeichnungen im Bereich Journalismus.[148]

2012 wurde Relotius für ein Interview mit dem umstrittenen französischen Strafverteidiger Jacques Vergès (Die größten Verbrecher sind oft die kultiviertesten Persönlichkeiten) mit dem Schweizer Medienpreis für junge Journalisten und 2013 mit dem Österreichischen Zeitschriftenpreis ausgezeichnet. Zudem erhielt er 2012 auch einen zweiten Preis beim Nachwuchsjournalisten-Wettbewerb „dpa news talent“ für seine Reportage Tödliche Tradition im Magazin Cicero[149] und den Coburger Medienpreis für eine Geschichte über eine Wohnanlage für demente Menschen in den Niederlanden.[150]

In den Jahren 2013, 2015, 2016 und 2018 erhielt er den Deutschen Reporterpreis, darunter dreimal für die beste Reportage und einmal als bester freier Journalist. 2014 zeichnete ihn CNN als Journalist of the Year aus.[9] In der Laudatio hieß es, er erzähle auf „poetische Weise“ von gesellschaftlichen Problemen, es gelinge ihm, „im Kopf des Lesers Bilder zu erzeugen, die wie ein Film ablaufen“.[151] 2017 wurde er für seine Spiegel-Reportagen über einen Jemeniten im US-amerikanischen Guantanamo-Gefängnis und über zwei syrische Flüchtlingskinder mit dem Liberty Award[152] und mit dem European Press Prize ausgezeichnet.[153] Für die, wie sich später herausstellte, manipulierte Spiegel-Reportage Königskinder erhielt er im selben Jahr auch den Katholischen Medienpreis in der Kategorie Print.[154] Den Deutschen Reporterpreis 2018 erhielt Relotius im Dezember 2018 für einen ebenfalls auf Erfindungen basierenden Text, der, so die Begründung vor Bekanntwerden der Manipulationen, „von beispielloser Leichtigkeit, Dichte und Relevanz“ sei und „nie offenlässt, auf welchen Quellen er basiert“.[155] Ebenfalls 2018 erhielt er den Peter-Scholl-Latour-Preis der Ulrich-Wickert-Stiftung.

Nach Bekanntwerden der Affäre kündigte Relotius an, wie sein Anwalt erklärte „unabhängig von der Authentizität der zugrundeliegenden Berichte“, sämtliche Journalistenpreise zurückgeben zu wollen. Auch die damit in einigen Fällen verbundenen Preisgelder wollte er nach eigenen Angaben den Stiftern erstatten.[156][157][158] Nach Bekanntwerden der Manipulationen war Relotius zuvor der Peter-Scholl-Latour-Preis aberkannt worden.[159] Auch CNN International erkannte ihm sämtliche Auszeichnungen ab.[160] Zudem erkannte die Deutsche Bischofskonferenz Relotius am 28. Dezember 2018 den Katholischen Medienpreis ab, das Preisgeld in Höhe von 5000 Euro forderte sie zurück.[161]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Claas Relotius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Doppelname als Autor einer Zeit Online-Rezension
  2. Angaben zu einem Stipendium der Heinz-Kühn-Stiftung (pdf), abgerufen am 19. Dezember 2018.
  3. a b Holger Stark: Claas Relotius. Ein Fall für die Lehrbücher. In: Zeit Online. 21. Dezember 2018, abgerufen am 17. August 2019.
  4. Juan Moreno: Claas Relotius war nie Reporter. Abgerufen am 14. November 2019.
  5. André Kroll: Hochstapler Relotius verklagt Aufdecker Moreno. Abgerufen am 14. November 2019.
  6. Kai-Hinrich Renner: Spiegel-Skandal: Wie Relotius die todkranke Schwester erfand. Abgerufen am 14. November 2019.
  7. Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge. Rowohlt, Berlin 2019, ISBN 978-3-7371-0086-1, S. 128, 29–31.
  8. Georg Löwisch: taz prüft Relotius-Texte. In: Die Tageszeitung. 20. Dezember 2018, ISSN 0931-9085, S. 2 (taz.de [abgerufen am 23. Dezember 2018]).
  9. a b CNN Journalist Awards 2014. In: CNN. 28. März 2014.
  10. Der Fall Relotius: Die Antworten auf die wichtigsten Fragen. In: Spiegel Online. 19. Dezember 2018, abgerufen am 23. Dezember 2018.
  11. Die SPIEGEL-Artikel von Claas Relotius (Jahre 2011 bis 2016), Spiegel Online, 20. Dezember 2018
  12. Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge. Rowohlt, Berlin 2019, ISBN 978-3-7371-0086-1, S. 29–31.
  13. Berliner Morgenpost: Wie Relotius die todkranke Schwester erfand, abgerufen am 20. September 2019
  14. ZEIT-Online: Ich muss keine (…) Falschbehauptungen von Juan Moreno hinnehmen, abgerufen am 26. Oktober 2019
  15. "Spiegel"-Betrug: Wie Relotius eine Stadt gegen sich aufbrachte. 20. Dezember 2018, abgerufen am 6. Januar 2019.
  16. Ullrich Fichtner: Manipulation durch Reporter: SPIEGEL legt Betrugsfall im eigenen Haus offen. In: Spiegel Online. 19. Dezember 2018 (spiegel.de [abgerufen am 6. Januar 2019]).
  17. Jan-Philipp Hein: Streitbar: Die Rolle des Journalismus: Claas Relotius und der Spiegel | svz.de. Abgerufen am 6. Januar 2019.
  18. Holger Stark: „Spiegel“ hätte Relotius wohl schon 2017 stoppen können. In: Zeit Online. 22. Dezember 2018, abgerufen am 24. Dezember 2018.
  19. Katrin Kuntz und Britta Sandberg: Fergus-Falls-Bewohner zum Fall Claas Relotius: „Zu perfekt, um wahr zu sein“. In: Spiegel Online. 21. Dezember 2018, abgerufen am 30. Dezember 2018.
  20. Christian Meier: „Die Reaktionen waren langsam und mangelhaft“. In: https://welt.de/. Die Welt, 24. Mai 2019, abgerufen am 8. November 2019.
  21. a b Betrugsfall Claas Relotius: „Spiegel“-Reporter Moreno wurde offenbar mit Rauswurf gedroht. In: FAZ. 22. Dezember 2018, abgerufen am 23. Dezember 2018.
  22. Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge: Das System Relotius und der deutsche Journalismus. Originalausgabe Auflage. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-7371-0086-1, S. 225 – 235.
  23. a b c d e f g h Ullrich Fichtner: Manipulation durch Reporter. Spiegel legt Betrugsfall im eigenen Haus offen. In: Spiegel Online. 19. Dezember 2018, abgerufen am 20. Dezember 2018.
  24. Der Spiegel says top journalist faked stories for years. In: The Guardian. 19. Dezember 2018, abgerufen am 19. Dezember 2018 (englisch).
  25. Christian Meier: „Ich fürchte, der ‚Spiegel‘ hat seinen Wesenskern verloren“, WeltN24, 14. September 2019.
  26. Acht Redaktionen haben Belege für Relotius-Fälschungen gefunden. 26. Februar 2019, abgerufen am 2. März 2019.
  27. Claas Relotius geht gegen Moreno-Buch vor. In: Süddeutsche Zeitung. 23. Oktober 2019, abgerufen am 24. Oktober 2019.
  28. Der aktuelle Stand bei Cicero. In: www.cicero.de. Res Publica Verlags GmbH, 19. Dezember 2018, abgerufen am 2. Januar 2019.
  29. Ex-„Spiegel“-Reporter Claas Relotius: Zu gut, um wahr zu sein. derStandard.at, 20. Dezember 2018, abgerufen am 3. Januar 2019.
  30. a b c WELT: In eigener Sache: Was wir über die WELT-Artikel von Claas Relotius wissen. In: DIE WELT. 21. Dezember 2018 (welt.de [abgerufen am 25. Dezember 2018]).
  31. a b Manipulierte Texte: Auch SZ Magazin, Zeit und Tagesspiegel von Betrug durch Claas Relotius betroffen. Abgerufen am 3. Januar 2019.
  32. Suchergebnisse Publikationen von Claas Relotius in der Financial Times Deutschland. In: www.genios.de. GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH, abgerufen am 27. Dezember 2018.
  33. Schädliche Neigungen von Volker Lilienthal und Journalistik-Studierenden der UHH auf dem Blog www.message-online.com vom 17. Mai 2019, zuletzt abgerufen am 24. Mai 2019.
  34. a b „Nicht meine Worte“, faz.net, 3. Februar 2019.
  35. Frei erfunden: Was wir über die Beiträge von Claas Relotius in der «NZZ am Sonntag» wissen. In: nzz.ch. 22. Dezember 2018, abgerufen am 2. Januar 2019.
  36. In eigener Sache. 20. Dezember 2018, abgerufen am 3. Januar 2019.
  37. Der Fall Claas Relotius. 20. Dezember 2018.
  38. Kommentare zu Claas Relotius auf Reportagen, zuletzt abgerufen am 12. Juli 2019
  39. a b Interviews von Claas Relotius im SZ-Magazin. 20. Dezember 2018.
  40. »Wir wollten nie Ikonen sein« Süddeutsche Zeitung Magazin 37/15 (Memento vom 2. April 2018 im Internet Archive)
  41. Auch der Tagesspiegel ist betroffen. In: tagesspiegel.de. 21. Dezember 2018, abgerufen am 2. Januar 2019.
  42. Pascal Blum, Enver Robelli: Die Kriegsveteranen haben sich nie getroffen. In: tagesanzeiger.ch. Tamedia, 23. Dezember 2018, abgerufen am 24. Dezember 2018.
  43. In eigener Sache – Der taz-Praktikant Claas Relotius. taz, 3. Januar 2019, abgerufen am 3. Januar 2019.
  44. Simon Widmer, Pascal Blum, Bernhard Odehnal, Thomas Knellwolf: Nach Fälschungsskandal: «Weltwoche» prüft Relotius-Texte. In: Tages-Anzeiger online. 23. Dezember 2018, abgerufen am 23. Dezember 2018., (frei abrufbar bei #12)
  45. Journalismus: Unser Wissensstand zu den Beiträgen von Claas Relotius. 20. Dezember 2018.
  46. Michael Hanfeld: Was Claas Relotius beim „Spiegel“ alles fälschte, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Januar 2019.
  47. a b Welche Texte gefälscht sind – und welche nicht. In: Spiegel Online. 24. Januar 2019, abgerufen am 25. Januar 2019.
  48. Fall Relotius – Die Geschichte vom guten Syrer ist wahr Der Spiegel vom 22. Dezember 2018. Abgerufen am 13. März 2019.
  49. DJV-Lexikon: Autorisierung. In: Deutscher Journalisten-Verband. Abgerufen am 24. Dezember 2018.
  50. Thomas Tuma: Aus Gerede Gedanken filtern. In: Spiegel Online. 4. Oktober 2012. Danach hat Der Spiegel es in Deutschland so „konsequent kultiviert, dass es hier zu Lande zumindest bei Interviews heute Branchenstandard ist“.
  51. Letzte Überlebende der „Weißen Rose“: Lafrenz-Interview vom Fall Relotius betroffen. In: Spiegel Online. 20. Dezember 2018, abgerufen am 20. Dezember 2018: „Sie habe auch nie aktuelle Fotos in US-Zeitungen von entsprechenden Aufmärschen in Deutschland gesehen.“
  52. Der Spiegel (Hrsg.): Der Fall Relotius – Die Original-Texte und die Ergebnisse der Überprüfung. Spiegel Verlag, 2019, S. 70–74 (spiegel.de [PDF; 16,9 MB; abgerufen am 5. Juli 2019]).
  53. Michele Anderson und Jake Krohn: Der Spiegel journalist messed with the wrong small town. In: medium.com. 19. Dezember 2018, abgerufen am 20. Dezember 2018.
  54. Warum der „Spiegel“ jetzt den ersten erfundenen Text löscht. In: WeltN24. 24. Dezember 2018.
  55. Christoph Scheuermann: Fergus Falls: In einer fantastischen Stadt. In: Spiegel Online. 23. Dezember 2018.
  56. a b Der Fall Relotius: Wie das SPIEGEL-Sicherungssystem an Grenzen stieß. Spiegel Online, 19. Dezember 2018, abgerufen am 19. Dezember 2018.
  57. Spiegel Dokumentation: Der Fall Relotius. In: SPIEGEL Verlag (Hrsg.): Der Spiegel. Nr. 23/2019. Spiegel Verlag, 12. Juni 2019, S. 102.
  58. Claas Relotius: «Blondinen färben ihr Haar dunkel». In: NZZ Folio. 1. Februar 2014, abgerufen am 21. Dezember 2018. (korrigierte Version).
  59. Der Spiegelin palkittu toimittaja kirjoitti väärennetyn jutun myös Suomesta – ”Hän valehteli täysin yhdentekevässä tekstissä”. 20. Dezember 2018, abgerufen am 4. Januar 2019 (finnisch).
  60. Weltwoche: Intern. Ausgabe 4/2019. Abgerufen am 29. Januar 2019.
  61. Dreikönigstagung 2019: Wie Schweizer Medien auf den Fall Relotius reagieren. Abgerufen am 10. Januar 2019 (englisch).
  62. Fall Relotius: «Weltwoche» informiert über den Stand der Ermittlungen. Abgerufen am 4. Juli 2019 (englisch).
  63. Urs Gehriger: Der Fall Relotius. In: Roger Köppel (Hrsg.): Die Weltwoche. Ringier, Zürich 20. Juni 2019, S. 4.
  64. Harald Neuber: Fall Relotius: Fälschungen betreffen offenbar auch Berichte über Kuba. In: amerika21. 25. Dezember 2018.
  65. Er ist der erste Steuerberater des Inselsozialismus (Memento vom 22. Dezember 2018 im Internet Archive)
  66. Juan Moreno: Es war ein Gefühl. In: Der Spiegel, Nr. 52, 2018, S. 47 f.
  67. „Der Spiegel“ macht Betrugsfall um Relotius zur Titelgeschichte. In: goettinger-tageblatt.de. 21. Dezember 2018, abgerufen am 31. Dezember 2018.
  68. a b Marc Bartl: Spiegel-Betrugsaffäre: Brigitte Fehrle, Stefan Weigel und Clemens Hoeges bilden Aufklärungsgremium. In: Kress.de. 20. Dezember 2018, abgerufen am 23. Dezember 2018.
  69. Der Fall Relotius: Kommission aus erfahrenen Journalisten soll Routinen beim SPIEGEL hinterfragen. In: Spiegel Online. 19. Dezember 2018, abgerufen am 20. Dezember 2018.
  70. „Spiegel“-Chefs lassen ihre Verträge ruhen. In: Bild.de. Abgerufen am 28. Dezember 2018.
  71. FOCUS Online: Markwort: „Hier wurde ein Fantast für Gesinnung und nicht für Fakten prämiert“. Abgerufen am 11. Januar 2019.
  72. Gabor Steingart: Die neue Spiegel-Affäre. Abgerufen am 11. Januar 2019.
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