Claire Heliot

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Claire Heliot. Farblithographie von Adolph Friedländer, 1903

Claire Heliot (* 9. Februar 1866 in Halle/Saale als Clara Pleßke; † 9. Juni 1953 in Stuttgart) war eine deutsche Tierbändigerin und Dompteurin.

Clara Heliot, geb. Pleßke, wurde als Tochter des Postsekretärs Friedrich Pleßke und seiner Frau Bertha geboren. Als Tierpflegerin im Leipziger Zoo kam sie erstmals mit Raubkatzen in Berührung. Geschickt im Umgang mit den Tieren, entwickelte sie im Laufe der Zeit eine Dressurnummer mit insgesamt zwölf Berberlöwen und vier Doggen und gab sich den exotischer anmutenden Namen Claire Heliot. Mit dieser Dressurnummer trat sie in diversen Zirkussen auf.

Der Höhepunkt ihrer Dressurnummer war, wenn sie zum Schluss einen der über 150 kg schweren Löwen auf die Schultern nahm und aus der Manege trug.

In den 1890er Jahren trat sie im Stuttgarter Tiergarten Nill auf. 1898 begann sie eine Tournee durch mehrere europäische Länder, Russland und die USA. Aus dieser Zeit existieren Sammelbildchen von Zigarettenschachteln, die damals berühmte Schausteller und Zirkusartisten zeigen, darunter Claire Heliot.

Nach einem Unfall in einem dänischen Zirkus in Kopenhagen, bei dem ein Löwe ihr die Hüfte durchbiss, zog sie sich aus der Manege zurück und erwarb 1907 einen Hof in der Nähe von Stuttgart, wo sie Landwirtschaft betrieb und Pferde züchtete. Die Haltestelle Rappenhof ist nach diesem Hof benannt. Sie verkaufte das Gut gewinnbringend im Jahr 1910 wieder und zog nach Stuttgart.[1]

Durch die Hyperinflation von 1923 verlor sie ihr Vermögen jedoch wieder, ihre Wohnung in der Stitzenburgstraße wurde 1944 ausgebombt. Anschließend lebte sie in ärmlichen Verhältnissen in einem Altersheim oberhalb von Beutelsbach. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Arnulf Klett verschaffte ihr später einen Platz im Hasenbergheim. Sie starb 1953 im Feuerbacher Krankenhaus.

Nach ihrem bewegten Leben resümierte sie: „Die Menschen haben mich immer wieder enttäuscht! Meine treuesten Freunde, das waren doch – meine Löwen …“

Claire Heliots Grab.

Claire Heliots Grab, das sie selbst gekauft hatte, befindet sich auf dem Waldfriedhof Stuttgart in Abteilung 16 a. Den einfachen viereckigen Grabstein, der nur ihren Namen und ihre Lebensdaten trägt, soll der Direktor des Zirkus Sarrasani für sie gestiftet haben. Eine Verehrerin stellte die Steinskulptur eines kleinen stehenden Löwen zur Erinnerung an ihren Beruf als Tierlehrerin auf. Ein liegender Löwe unbekannter Herkunft bekrönte noch 2014 den Grabstein, heute ruht er neben dem anderen Löwen am Boden.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Bazlen: Beim Nill : Erinnerungen aus dem Tiergarten. Stuttgart 1925, Seite 39–40.
  • Mustafa Haikal: Die Löwenfabrik. Lebensläufe und Legenden. Mit einem Nachwort von Jörg Junhold, Pro Leipzig, Leipzig 2006, ISBN 3-936508-15-1.
  • Stephanie Haerdle: Keine Angst haben, das ist unser Beruf! Kunstreiterinnen, Dompteusen und andere Zirkusartistinnen. AvivA Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-932338-29-8, Seite 96–105.
  • Werner Koch; Christopher Koch: Stuttgarter Friedhofsführer. Ein Wegweiser zu Gräbern bekannter Persönlichkeiten. Tübingen 2012, Seite 107–108.
  • Jörg Kurz: Miss Claire Heliot. In: Vom Affenwerner zur Wilhelma – Stuttgarts legendäre Tierschauen. Belser-Verlag, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-7630-2701-9, Seite 48–51.
  • Jörg Kurz: „Miss Heliot“ in Stuttgart. Eine weltbekannte Tierdompteuse am Beginn des 20. Jahrhunderts. In: Wolfgang Walker (Hrsg.): Schwäbischer Heimatkalender 2016. Kohlhammer, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-17-029019-8.
  • Hedwig Lohß: Miss Heliot. In: Durchs Guckfenster : Jugenderinnerungen aus dem alten Stuttgart. Illustriert nach Unterlagen aus dem Archiv der Stadt Stuttgart von Christine von Kalckreuth. Mühlacker 1972, Seite 39–46.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Claire Heliot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Glems- und Würmgauzeitung, 2. Mai 1910
  2. #Kurz 2015, Seite 51, #Koch 2016.