Claude Vigée

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Claude Vigée (geboren als Claude Strauss am 3. Januar 1921 in Bischwiller, Elsass; gestorben am 2. Oktober 2020 in Paris[1]) war ein französischer Dichter französischer, elsässischer und westjiddischer Sprache. Er selbst beschrieb sich als „Jude und Elsässer, also doppelt Elsässer und doppelt Jude“.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vigée stammte von einer alten Familie elsässischer Tuchhändler ab. Er verbrachte seine Jugend in Bischwiller, ging dann aufs Gymnasium in Straßburg. 1940 durch den deutschen Einmarsch aus dem Elsass vertrieben, begann er an der Universität Toulouse ein Studium der Medizin, bevor er sich der Résistance anschloss. Dort nahm er den Namen Vigée an (in Anspielung auf Vie, j’ai, also „Ich habe Leben“).

1942 veröffentlichte er seine ersten Gedichte in der Untergrundzeitschrift Poésie 42. 1943 floh er in die Vereinigten Staaten, wo er 1947 in Romanistik promovierte. Er lehrte französische Sprache und Literatur nacheinander an der Ohio State University, am Wellesley College und an der Brandeis University. Seit 1950 veröffentlichte er regelmäßig seine Gedichte in Frankreich. 1960 bis 2001 lebte er in Israel, wo er bis zu seiner Pensionierung 1983 an der Hebräischen Universität in Jerusalem lehrte. Am 18. März 2000 wurde in seiner Heimatstadt Bischwiller das Kulturzentrum Claude Vigée eingeweiht.

Vigée lebte zuletzt in Paris.

Thema von Vigées Dichtung war unter anderem die Auseinandersetzung mit dem Leiden der Juden, der Elsässer, der elsässischen Juden und der Juden im Elsass, aber auch mit der Schönheit und Vergänglichkeit des schlichten, ländlichen Erbes. Auch das Streben nach Frieden und zwischenmenschlicher Einigung ist ein immer wiederkehrendes Motiv.

Vigée war Träger zahlreicher Preise, darunter der Jacob-Burckhardt-Preis der Basler Johann-Wolfgang-von-Goethe-Stiftung (1977), der Johann-Peter-Hebel-Preis (1984), der Würth-Preis für Europäische Literatur (2002) sowie der Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis (2003).

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • La lutte avec l’ange (1950)
  • La corne du grand pardon (1954)
  • L’été indien (1957)
  • Le poème du retour (1962)
  • Le passage du vivant
  • Dans le creuset du vent
  • Danser vers l’abîme
  • Dans le silence de l’Aleph (1992)
  • Les Puits d’eau vive (1993)
  • Treize inconnus de la Bible (1996)
  • Être poète pour que les hommes vivent (2006)

Weblinks und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Literatur von und über Claude Vigée im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Claude Vigee. In: judaisme.sdv.fr. 9. März 2018; (französisch, Biografie, Bibliografie, Werkverzeichnis, Gedichte).
  • Jürg-Peter Lienhard: Claude Vigées Stunde. In: webjournal.ch. 7. November 2008;.
  • Astrid Starck-Adler: Le yidich occidental (alsacien) dans l’œuvre de Claude Vigée. In: La Terre et le Souffle. Colloque Claude VIGEE. Cerisy-la-Salle, 1988. Albin Michel 1992.
  • Paul Assall: Vigée, Claude. In: Andreas B. Kilcher (Hrsg.): Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur. Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02457-2, S. 518 f.

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Le poète est mort le 2 octobre: Claude Vigée une vigie disparaît. In: dna.fr. 3. Oktober 2020, abgerufen am 3. Oktober 2020 (französisch).
  2. Claude Vigée : Le Fond et la forme. In: ina.fr. 28. Juli 1972, abgerufen am 3. Oktober 2020 (französisch, Gespräch mit Claude Vigée).