Claudia Bormann
Claudia Bormann (* 1956 in Treuchtlingen) ist eine deutsche bildende Künstlerin.


Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bormann wuchs in Wertheim am Zusammenfluss von Main und Tauber auf, was nach eigener Aussage ihr Interesse an Wasser als Sujet ihrer Malerei prägte.[1] Sie studierte von 1977 bis 1982 Malerei und Bühnenbild an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.[2][3] Zudem absolvierte sie ein Studium der Kunstpädagogik mit Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Stuttgart.[4][5]
Bis Ende der 1990er-Jahre war sie ausschließlich als freischaffende Künstlerin tätig.[6] Von 2000 bis 2022 unterrichtete sie im Schwerpunkt Kunst, hauptsächlich am Marion-Dönhoff-Gymnasium in Mölln.[4]
Seit Mitte der 1990er-Jahre lebt Bormann in Ratzeburg in Schleswig-Holstein.[4] Mehrmonatige Arbeitsaufenthalte verbrachte sie unter anderem in Auslandsateliers und Künstlerresidenzen in Südafrika, Island, Brasilien, Indien,[7] Simbabwe,[1] Palermo[8] und auf der Insel Java in Indonesien.[9]
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bekannt ist Bormann für großformatige Landschaftsbilder, die oftmals Wasserlandschaften wie Flüsse oder Seen zeigen und sich mitunter auch im erweiterten Sinn mit Wasser im kultischen und mythologischen Bereich befassen.[2] Der Kunsthistoriker Jens Martin Neumann schreibt: „Claudia Bormann beschäftigt sich in ihren Landschaften mit der Schnittstelle von Wirklichkeit und malerischer Fiktion. Sie entwirft im Grenzbereich zur Gegenständlichkeit imaginäre Bildräume, die in ihrer Menschenleere und sonderbar kontemplativen Zeitlosigkeit eine Bühne für Assoziationen und Erinnerungen der Betrachter liefern.“[10]
Der Museumsleiter und Kunsthistoriker Jürgen Fitschen schrieb im Katalog „Verwehte Orte“ über Bormanns Konzept der Landschaftsmalerei von einer „Brechung der romantischen deutschen Tradition der Landschaftsdarstellung seit Ludwig Richter und Caspar David Friedrich, indem das Landschaftsbild in Landschaftsform aufgelöst wird. Das geschieht (bei Bormann, Anm.) durch Herantreten an das Motiv, durch Zoomen.“[11]
Die Malereien haben zwei Lesarten; aus der Nähe nimmt man eine abstrakte Bildsprache wahr, erst mit ein paar Schritten Abstand erschließt sich ein abbildendes, sich der Realität annäherndes Werk.[12] Dabei sind häufig die Kompositionsstrukturen der Landschaften mit einigen Details erkennbar, jedoch so stark in ihren Formen reduziert, dass sich Bormanns Werke der abstrakten, gegenstandslosen Kunst annähern.[13] „Schemenhaft schält sich das Bild aus einer gestisch-freien Malerei heraus ...“, schrieb hierzu der Kunsthistoriker Jens Rönnau anlässlich der Ausstellung „Wasserlandschaften“ in den Ausstellungsräumen der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein.[14]
Die Leinwandgemälde erstellt Bormann unter anderem mit Acryl- und Dispersionsfarbe. Zudem schafft sie teils großformatige Kohle- und Kreidezeichnungen auf Papier.[1] Bevor die (Landschafts-)Malerei in ihrem Werk eine zentrale Stellung einnahm, experimentierte sie vor allem mit unterschiedlichen Genres und Techniken; u. a. entstanden wasserkinetische Objekte, Performances, Installationen und Collagen.[7][15][16] Laut der Künstlerin Elke Schweigart verbinde Bormann in ihren Werken „die freie künstlerische Geste mit einer hochentwickelten Technik impressionistischer Darstellung“.[7]
Die Bilder von Claudia Bormann waren in verschiedenen überregionalen Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen.[8] Letztere fanden u. a. im Hafenmuseum Bremen,[17] im Ostholstein-Museum Eutin,[18] im Mentzendorffhaus-Museum in Riga[3] sowie im Stadthauptmannshof und im Museum Mölln statt.[8] Bormanns Werke befinden sich in verschiedenen privaten und öffentlichen Sammlungen, beispielsweise der Kunstsammlung der Sparkassenstiftung Kiel.[2]
Ausstellungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelausstellungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2006: Paradiese, Bilder und Installationen, Kreismuseum Herzogtum Lauenburg, Ratzeburg[19]
- 2008: Seestücke, Hafenmuseum, Bremen[17]
- 2008: Wasserlandschaften, Sparkassenstiftung, Kiel
- 2009: Mimikry, Ostholstein-Museum, Eutin[18]
- 2010: Landschaften, Möllner Museum
- 2011: Verwehte Orte, Kunst&Co, Flensburg[20]
- 2017: Zeit im Fluss, Kunstkreis Preetz, Preetz[21]
- 2018: Zeit im Fluss II, Segeberger Kunstverein, Villa Flath, Bad Segeberg[1]
- 2022: Worldscapes, Stadthauptmannshof, Mölln[8]
- 2024: Streifzüge, Galerie Brennwald, Kiel[22]
Zudem nahm Bormann an vielen Gruppenausstellungen teil, darunter bei NordArt[23] oder an der Präsentation der Kunstsammlung der HSH Nordbank in Hamburg. Zur Ausstellung Verwehte Orte im Landesmuseum Schloss Gottorf schuf sie einen Zyklus großformatiger Bilder.[24]
Sie ist regelmäßig an den Landesschauen des Bundesverband Bildender Künstler Schleswig-Holstein in unterschiedlichen Museen beteiligt (z. B. Ernst-Barlach-Museum Wedel, Stadtgalerie Kiel, Kunsthalle St. Annen Lübeck, Museumsberg Flensburg).[23]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1979: 1. Preis Akademiewettbewerb, Kunstakademie Stuttgart (zusammen mit Armin Bremicker)[25][7]
- 1985: Preis Kunst am Bau, Universitätsklinikum Heidelberg[25]
- 1987–1989: Atelierstipendium des Landes Baden-Württemberg[25]
- 2017: Publikumspreis der Landesschau des Bundes Bildender Künstler Schleswig-Holstein, Stadtgalerie Kiel (für das Bild Zambesi)[25]
- 2020: Kulturpreis der Stiftung Herzogtum Lauenburg[4]
Publikationen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ausstellung Verwehte Orte, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf (Hrsg.): Verwehte Orte. Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig (2010). ISBN 978-3-00-031562-6.
- Hayo Heye, Jens Martin Neumann: Wo Kunst entsteht, Künstlerateliers in Schleswig-Holstein. Verein der Kunstfreunde (2018). ISBN 978-3-00-059203-4.
- Mecklenburgisches Künstlerhaus Schloss Plüschow (Hrsg.): on fire. Förderkreis Schloss Plüschow (2020). ISBN 978-3-935649-10-0.
- Kreismuseum Ratzeburg / Park am Domsee (LKV Hrsg.): on fire. Hyperzine Verlag, Hamburg (2020). ISBN 978-3-948127-21-3.
- Gemeinschaft Lübecker Künstler e.V. (Hrsg.): Lübeck Contemporary. Kunsthalle St. Annen, Lübeck (2022). ISBN 978-3-948127-35-0.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website von Claudia Bormann
- Claudia Bormann bei Saatchi Art
- Claudia Bormann bei Brennwald-Galerie
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Claudia Bormann zeigt Bilder von Fluss- und Seenlandschaften in der Villa Flath: Wasser ist ihr Thema. In: Segeberger Zeitung. 27. Februar 2018, S. 26.
- 1 2 3 Claudia Bormann: Ohne Titel – Kunstsammlung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein. In: Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein. Abgerufen am 18. August 2025.
- 1 2 Claudia Bormann. In: Skulptur.com. Abgerufen am 10. September 2025.
- 1 2 3 4 Kulturpreis 2020 der Stiftung Herzogtum Lauenburg an Claudia Bormann. In: Lübecker Nachrichten. 15. November 2020, abgerufen am 19. August 2025.
- ↑ Steffi Niemann: „Es war eine Revolution“. In: Lübecker Nachrichten. 10. April 2018, abgerufen am 18. August 2025.
- ↑ Stiftung Herzogtum Lauenburg zeichnet die Ratzeburgerin Claudia Bormann mit dem Kulturpreis 2020 aus. In: Herzogtum direkt. 15. November 2020, abgerufen am 19. August 2025.
- 1 2 3 4 Elke Schweigart: „Claudia Bormann weitet ihren Blick immer wieder aufs Neue“ – Kulturportal der Stiftung Herzogtum Lauenburg. In: Kulturportal Herzogtum. Abgerufen am 19. August 2025.
- 1 2 3 4 Mölln: Frühjahrsausstellung „Worldscapes“ von Claudia Bormann. In: Lübecker Nachrichten. 26. Juni 2022, abgerufen am 19. August 2025.
- ↑ Marc Nasner: Kultursommer am Kanal: Von Shakespeare bis Techno – Festival mit vielen Highlights. In: Hamburger Abendblatt. 7. Mai 2024, abgerufen am 18. August 2025.
- ↑ zitiert in: Claudia Bormann: Waterscapes. Kunstkatalog, 2012.
- ↑ Ausstellung Verwehte Orte, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf (Hrsg.): Verwehte Orte, Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig (2010). ISBN 978-3-00-031562-6. S. 20.
- ↑ Alessandra Röder: Fluss mit Farben des Dschungels. In: Lübecker Zeitung. 3. März 2017, abgerufen am 19. August 2025.
- ↑ Schätze aus der Tiefe der Erinnerung: Die Malerin Claudia Bormann zeigt in der Lörracher Galerie Artischocke ihre ganz eigenen Wasserlandschaften. In: Badische Zeitung. 29. Juni 2007.
- ↑ Jens Rönnau: Auf den Spuren der Impressionisten. In: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag. 17. Juni 2008.
- ↑ Günther Wirth: Zauberkasten für Augen und Ohren. In: Stuttgarter Zeitung. 11. Februar 1980.
- ↑ Paul Kreiner: Wasserkinetische Objekte: Kunst-Stoff Aquarium. In: Stuttgarter Zeitung. 12. August 1988.
- 1 2 Seestücke. In: Die Tageszeitung. 2. Oktober 2008, abgerufen am 19. August 2025.
- 1 2 Ostholsteinmuseum, Eutin, Ausstellung »Mimikry«. In: Claudia Bormann. Abgerufen am 19. August 2025.
- ↑ Claudia Bormann zeigt uns ihre Paradiese. In: Schweriner Volkszeitung. 14. September 2006, S. 4.
- ↑ Kunst und Co Flensburg, Verwehte Orte. In: Claudia Bormann. Abgerufen am 19. August 2025.
- ↑ Alexander Steenbeck: Vier Mal Wasser aus Künstlerhand. In: Ostholsteiner Anzeiger. 24. Mai 2017, S. 3.
- ↑ Streifzüge. In: Lauenburgischer Kunstverein. Abgerufen am 19. August 2025.
- 1 2 On Fire – Künstler. In: Lauenburgischer Kunstverein. Abgerufen am 19. August 2025.
- ↑ Julika Pohle: Gottorfer Globalisierung: Der Parcours de Paradis führt in Schleswig über neun Arbeiten junger Künstler durch Schloss Gottorf und seinen Barockgarten. In: Die Welt. 13. Juli 2010, S. 30.
- 1 2 3 4 Claudia Bormann – Gemeinschaft Lübecker Künstlerinnen und Künstler. In: Gemeinschaft Lübecker Künstler. Abgerufen am 19. August 2025.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bormann, Claudia |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche bildende Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1956 |
| GEBURTSORT | Treuchtlingen |