Claudia Cardinale

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Claudia Cardinale (1995)

Claudia Cardinale (* 15. April 1938 in Tunis, Französisches Protektorat in Tunesien; eigentlich Claude Joséphine Rose Cardinale) ist eine italienische Schauspielerin. Sie zählt zu den herausragenden Filmdiven ihres Landes und spielte Hauptrollen in Filmklassikern wie Achteinhalb (1963), Der Leopard (1963) und Spiel mir das Lied vom Tod (1968).[1]

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Claudia Cardinales Mutter war eine Nachfahrin sizilianischer Auswanderer, ihr Vater stammte ebenfalls aus Sizilien. Ihre Muttersprache ist das Sizilianische; Italienisch lernte sie erst als Jugendliche. Schon früh lernte sie tunesisches Arabisch und Französisch, die in Tunesien vorherrschenden Sprachen. Im Jahr 1957 gewann sie einen Schönheitswettbewerb („Die schönste Italienerin von Tunis“[2]) in Tunis. Der Preis, eine Reise zu den Filmfestspielen in Venedig, sollte ihr Leben komplett verändern. Sie zog nach Rom und begann ein Studium am Centro Sperimentale di Cinematografia. Noch im gleichen Jahr wurde sie vom italienischen Filmproduzenten Franco Cristaldi entdeckt. Ihr Leinwanddebüt hatte sie in dem Film Goha (1958) an der Seite von Omar Sharif. Sie spielte weitere kleinere Rollen (u. a. in Wind des Südens), bis ihr 1960 mit Bel Antonio und 1962 mit Senilità der endgültige Durchbruch gelang.

Cardinale in den Niederlanden (1964)

Vor allem in den 1960er Jahren zählte Cardinale zu den führenden internationalen Stars; neben Sophia Loren und Gina Lollobrigida galt sie als herausragende italienische Filmdiva. 1960 besetzte sie Luchino Visconti in einer Nebenrolle in dem klassischen Sozialdrama Rocco und seine Brüder. In dem Abenteuerfilm Cartouche, der Bandit (1962) spielte sie die Geliebte des von Jean-Paul Belmondo verkörperten Titelhelden. 1963 trat sie in mehreren großen Filmklassikern auf, in Achteinhalb, einer Gesellschaftsstudie (von Federico Fellini), in dem großangelegten Historienepos Der Leopard von Visconti und in der erfolgreichen Krimikomödie Der rosarote Panther unter der Regie von Blake Edwards. 1964 verbuchte sie mit der Rolle der Toni Alfredo neben John Wayne und Rita Hayworth in dem US-amerikanischen Film Circus-Welt einen internationalen Erfolg.

In Anlehnung an das Kürzel BB für das französische Sexsymbol Brigitte Bardot nannte man sie in den Medien fortan CC. Sie spielte daraufhin fast ausschließlich Hauptrollen, so auch 1968 in Sergio Leones epischem Westernklassiker Spiel mir das Lied vom Tod, der vor allem in Frankreich und Deutschland ein überragender Kassenerfolg war.

Obwohl Claudia Cardinale weiterhin regelmäßig als Filmdarstellerin beschäftigt war, konnte sie ab den 1970er Jahren nicht mehr an ihre großen Erfolge anknüpfen. In der Italowestern-Komödie Petroleummiezen war sie 1971 an der Seite von Brigitte Bardot zu sehen. Im Jahr 1982 spielte sie in Werner Herzogs Fitzcarraldo die Geliebte der exzentrischen, von Klaus Kinski verkörperten Titelfigur.

Claudia Cardinale versuchte sich auch als Sängerin und nahm ein paar Singles auf. Beachtung fanden ihre Disco-Aufnahmen Love Affair (1977) und Sun … I Love You (1978), die auch in Deutschland veröffentlicht wurden.[3]

Im Jahr 1984 wurde Claudia Cardinale bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Pasinetti-Preis für den Film Claretta ausgezeichnet. 1993 wurde ihr Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen honoriert. Auf der Berlinale 2002 erhielt Cardinale den Goldenen Ehrenbär für ihr Lebenswerk.

Im Jahr 2005 veröffentlichte sie ihre Memoiren unter dem Titel Mes étoiles (deutsch: „Meine Sterne“, 2006). 2017 war Cardinale auf dem offiziellen Plakat der 70. Internationalen Filmfestspiele von Cannes zu sehen. 2018 zierte ein Bild aus ihren Anfangsjahren ein Plakat des Filmpodiums Zürich, das ihr eine Filmreihe widmete.[4]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1966 bis 1975 unterhielt Cardinale eine Beziehung mit dem italienischen Filmproduzenten Franco Cristaldi. Von 1975 bis 1999 lebte sie mit dem Regisseur und Filmproduzenten Pasquale Squitieri zusammen, der für seine Italowestern und seine sozialkritischen Filme bekannt wurde; aus dieser Verbindung stammt ihre Tochter Claudia.[5]

Ihr Sohn Patrick (früher Patrizio), heute Schmuckdesigner in New York, entstammt einer vorehelichen Beziehung der damals 18-Jährigen in Tunis; ihren eigenen Schilderungen zufolge handelte es sich um eine Vergewaltigung.[2]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cardinale 2010 bei den 63. Filmfestspielen von Cannes
  • 1958: Goha
  • 1958: Diebe haben’s schwer (I soliti ignoti)
  • 1958: Drei Ausländerinnen in Rom (Tre straniere a Roma)
  • 1959: Die erste Nacht (La prima notte)
  • 1959: Treppauf – Treppab (Upstairs and Downstairs)
  • 1959: Il magistrato
  • 1959: Unter glatter Haut (Un maledetto imbroglio)
  • 1959: Wind des Südens (Vento del sud)
  • 1959: Diebe sind auch Menschen (Audace colpo dei soliti ignoti)
  • 1959: Goldene Ketten (Anneaux d’or) (Kurzfilm)
  • 1960: Bel Antonio (Il bell’Antonio)
  • 1960: Austerlitz – Glanz einer Kaiserkrone (Austerlitz)
  • 1960: Gefährliche Nächte (I delfini)
  • 1960: Rocco und seine Brüder (Rocco e i suoi fratelli)
  • 1961: Das Mädchen mit dem leichten Gepäck (La ragazza con la valigia)
  • 1961: Das Haus in der Via Roma (La viaccia)
  • 1961: Vor Salonlöwen wird gewarnt (Les lions sont lâchés)
  • 1962: Hörig (Senilità)
  • 1962: Cartouche, der Bandit (Cartouche)
  • 1963: Achteinhalb (8½)
  • 1963: Der Leopard (Il gattopardo)
  • 1963: Der rosarote Panther (The Pink Panther)
  • 1963: Zwei Tage und zwei Nächte (La ragazza di Bube)
  • 1964: Circus-Welt (Circus World)
  • 1964: Die Gleichgültigen (Gli indifferenti)
  • 1964: Cocü (Il magnifico cornuto)
  • 1965: Sandra – Die Triebhafte (Vaghe stelle dell’Orsa …)
  • 1965: New York Expreß (Blindfold)
  • 1966: Sie fürchten weder Tod noch Teufel (Lost Command)
  • 1966: Die gefürchteten Vier (The Professionals)
  • 1966: Die Gespielinnen (Le fate) (Segment: Fata Armenia)
  • 1966: Eine Rose für alle (Una rosa per tutti)
  • 1967: Die nackten Tatsachen (Don’t Make Waves)
  • 1968: Der Tag der Eule (Il giorno della civetta)
  • 1968: Die mit den Wölfen heulen (The Hell with Heroes)
  • 1968: Ein feines Pärchen (Ruba al prossimo tuo)
  • 1968: Spiel mir das Lied vom Tod (C’era una volta il West)
  • 1969: Im Jahre des Herrn (Nell’anno del signore)
  • 1969: Die Freundin war immer dabei (Certo, certissimo, anzi … probabile)
  • 1969: Das rote Zelt (Krasnaya palatka)
  • 1970: Die Gräfin und ihr Oberst (The Adventures of Gerard)
  • 1971: Die Hölle am Ende der Welt (Popsy Pop)
  • 1971: Die Audienz (L’udienza)
  • 1971: Petroleummiezen (Les Petroleuses)
  • 1971: Bello onesto emigrato Australia sposerebbe compaesana illibata
  • 1972: Der Mann aus Marseille (La scoumoune)
  • 1973: Russischer Sommer (Un uomo)
  • 1973: Die Rache der Camorra (I guappi)
  • 1974: Gewalt und Leidenschaft (Gruppo di famiglia in un interno)
  • 1975: Eine Laus im Pelz (A mezzanotte va la ronda del piacere)
  • 1975: Libera, amore mio!
  • 1975: Lucky Girls (Qui comincia l’avventura)
  • 1976: Il comune senso del pudore
  • 1977: Der Mann aus Stahl und Eisen (Il prefetto di ferro)
  • 1977: Jesus von Nazareth (Gesu di Nazareth) (TV-Miniserie)
  • 1978: Goodbye und Amen (Goodbye & Amen)
  • 1978: Das gefährliche Spiel von Ehrgeiz und Liebe (La part du feu)
  • 1979: L’arma
  • 1978: Der Aufstieg des Paten (Corleone)
  • 1979: Flucht nach Athena (Escape to Athena)
  • 1981: Die Haut (La pelle)
  • 1981: Kennwort – Salamander (The Salamander)
  • 1982: Fitzcarraldo
  • 1982: Ein pikantes Geschenk (Le cadeau)
  • 1983: Der Rammbock (Le Ruffian)
  • 1985: Heinrich IV. (Enrico IV)
  • 1984: Claretta
  • 1985: Die Familienpyramide (L’été prochain)
  • 1985: La donna delle meraviglie
  • 1986: La storia (TV-Miniserie)
  • 1987: Leidenschaftliche Begegnung (A Man in Love)
  • 1989: Die Französische Revolution (La Révolution française)
  • 1989: Winter 54 (Hiver 54 – l’Abbé Pierre)
  • 1990: Eine Mutter (Atto di dolore)
  • 1991: Mayrig – Heimat in der Fremde (Mayrig)
  • 1992: Mayrig – Die Straße zum Paradies (588 rue Paradis)
  • 1993: Mayrig (TV-Miniserie)
  • 1993: Der Sohn des rosaroten Panthers (Son of the Pink Panther)
  • 1994: Frauen denken nur an eines (Elles ne pensent qu’à ça)
  • 1996: Ein Sommer in La Goulette (Un été à La Goulette)
  • 1996–1997: Nostromo – Der Schatz in den Bergen (Nostromo) (TV-Miniserie)
  • 1997: Prinzessin Amina (Deserto di fuoco) (TV-Miniserie)
  • 1997: Stupor mundi
  • 1997: Sous les pieds des femmes
  • 1998: Mia, Liebe meines Lebens (TV-Miniserie)
  • 1998: Riches, belles et cruelles
  • 1999: Li chiamarono … briganti!
  • 2002: And Now … Ladies & Gentlemen
  • 2005: Le démon de midi
  • 2007: Cherche fiancé tous frais payés
  • 2009: Le Fil – Die Spur unserer Sehnsucht (Le fil)
  • 2010: Un balcon sur la mer
  • 2011: Father
  • 2012: O Gebo e a Sombra
  • 2012: Das Mädchen und der Künstler (El artista y la modelo)
  • 2013: Joy de V.
  • 2014: Der stille Berg (The Silent Mountain)
  • 2014: Ultima fermata
  • 2014: Effie Gray
  • 2015: Traummann im zweiten Anlauf (All Roads Lead to Rome)
  • 2015: Twice Upon a Time in the West
  • 2017: Nobili bugie
  • 2017: Rudy Valentino
  • 2020: Bulle (TV-Serie, sechs Folgen)
  • 2020: Banden von Marseille (Bronx) (TV-Film)

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cardinale bei den Women’s World Awards 2009 in Wien

David di Donatello

  • 1961: Spezialpreis für Das Mädchen mit dem leichten Gepäck
  • 1968: Beste Hauptdarstellerin für Der Tag der Eule
  • 1972: Beste Hauptdarstellerin für Bello onesto emigrato Australia sposerebbe compaesana illibata
  • 1988: Alitalia-Preis
  • 1997: Spezialpreis für das Lebenswerk
  • 2016: Nominierung in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für Ultima fermata

Nastro d’Argento

  • 1965: Beste Hauptdarstellerin für Zwei Tage und zwei Nächte
  • 1982: Beste Nebendarstellerin für Die Haut
  • 1985: Beste Hauptdarstellerin für Claretta
  • 1992: Nominierung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für Eine Mutter
  • 2000: Preis für ihren internationalen Erfolg

Weitere

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Claudia Cardinale – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Filmstar Claudia Cardinale wird 80. Glückwunsch, Tigerin! In: Der Spiegel, abgerufen am 15. April 2018.
  2. a b Claudia Cardinale wird 70. Umschwärmt und skandalfrei. In: Süddeutsche.de, 14. April 2008.
  3. Vgl. discogs.com
  4. filmpodium.ch: Claudia Cardinale
  5. Italienischer Regisseur Pasquale Squitieri tot. In: orf.at. 18. Februar 2017, abgerufen am 18. Februar 2017.
  6. Vgl. intervisteromane.net
  7. Vgl. quirinale.it
  8. a b Vgl. Décret du 13 juillet 2019 portant élévation à la dignité de grand officier auf legifrance.gouv.fr, 14. Juli 2019.
  9. Vgl. Décrets et arrêtés. In: Journal Officiel de la République Tunisienne, 23. Juni 2009, S. 1628. (PDF-Datei; 48,2 kB)
  10. Vgl. quirinale.it