Claudia Rusch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Claudia Rusch (* 1971 in Stralsund) ist eine deutsche Journalistin und Schriftstellerin.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Claudia Rusch wuchs auf der Insel Rügen, in Grünheide östlich von Berlin und seit 1982 in Ost-Berlin selbst auf. Ihre Mutter war mit Katja Havemann befreundet, wodurch Rusch als Kind mit oppositionellen Kreisen in der DDR in Berührung kam.[1] Dennoch konnte Rusch eine zum Abitur führende EOS in Ost-Berlin besuchen. Nach der friedlichen Revolution in der DDR und dem Abitur 1990 studierte sie Germanistik und Romanistik in Berlin und Bologna. Danach arbeitete sie unter anderem sechs Jahre lang als Redakteurin beim MDR in dessen Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt in Magdeburg.[2] Rusch lebt seit 2001 als freie Autorin in Berlin.

2003 erschien ihr erstes Buch Meine freie deutsche Jugend, gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.[3] Das Buch stand lange auf der Bestsellerliste und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.[4] Das Buch wurde in der Kategorie „Erfolgreiches Debüt“ für den Deutschen Bücherpreis 2004 des Börsenvereins und der Leipziger Messe nominiert,[5] die Auszeichnung ging dann an Yadé Kara. In dem biographisch angelegten Erzählband beschreibt Rusch die Geschichte eines Kindes, das als Außenseiter in der DDR-Gesellschaft aufwächst.[6] Von Kritikern wurde ihr Buch in eine Reihe mit teils kritischen (u. a. Mein erstes T-Shirt von Jakob Hein), teils „ostalgischen“ (u. a. Zonenkinder von Jana Hensel) Auseinandersetzungen ihrer Generation mit Kindheit und Aufwachsen in der DDR gestellt,[7] wobei sich der Rückblick auf die Zeit in der DDR und die „Wende“ schwer von einem Generationsroman (coming of age novel) trennen lässt. Entsprechend wurden unter anderem Hein, Hensel und Rusch auch als östliches Pendant zur westlichen „Generation Golf“ bezeichnet,[7] der entsprechende Begriff Generation Trabant war schon 2001 geprägt worden, also zwei Jahre vor Erscheinen von Ruschs Debüt.[8]

2009 folgte Aufbau Ost, eine autobiographisch gefärbte Reise durch die Vergangenheit und Gegenwart Ostdeutschlands. 2010 erschien Mein Rügen, ein persönlicher Reiseführer.[9] 2013 erschien ihr erster Kriminalroman mit der Figur „Zapotek“, einem Kriminalbeamten aus Hamburg mit ostdeutscher Vergangenheit, der zu seinem Elternhaus am Bodden, nahe Stralsund zurückkehrt, und dort in einen Kriminalfall verstrickt wird.[10]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Zahlmann: Autobiographische Verarbeitungen gesellschaftlichen Scheiterns. Böhlau, Köln 2009, ISBN 3412202886, S. 239–240.
  2. Klappentext / Verlagsinformation zu Meine freie deutsche Jugend
  3. Jerker Spits: Fakt und Fiktion : die Autobiographie im Spannungsfeld zwischen Theorie und Rezeption. Leiden 2008, S. 202.
  4. Übersetzungen von Meine freie deutsche Jugend (Auswahl):
    • dänisch Min frie tyske ungdom. Barylerne, Charlottenlund 2005.
    • finnisch Stasi tiskipöydän takana. WSOY, Helsinki 2006.
    • französisch La Stasi derrière l'évier. NCA, Nancy 2009.
    • italienisch La Stasi dietro il lavello. Keller, Rovereto 2009.
    • niederländisch Mijn vrije Duitse jeugd. Prometheus, Amsterdam 2004.
    • schwedisch Honeckers kanderade äpple. Kjellbergs, Malmö 2006.
  5. Börsenverein gibt Nominierungen bekannt (Memento des Originals vom 18. November 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stern.de. In: Stern Online vom 30. September 2003.
  6. Rusch auf dem Zeitzeugenportal 89/90
  7. a b Claudia Gremler: „But somehow it was only television“: West German narratives of the fall of the wall in recent novels and their screen adaptations. In: Christiane Schönfeld, Hermann Rasche (Hrsg.): Processes of transposition: German literature and film. Rodopi, Amsterdam 2007, ISBN 9042022841, S. 270.
  8. Claus Ulrich Bielefeld: Generation Trabant. In: Süddeutsche Zeitung vom 13. November 2001.
    Generation Trabant In: „Die Welt“ vom 9. November 2002.
  9. Mein Rügen (Memento des Originals vom 25. Juli 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mare.de beim mareverlag.
  10. Elmar Krekeler: Devid Striesow bringt den Bodden zum Brodeln. In: Die Welt vom 24. Februar 2013.