Claus Kleber

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Claus Kleber bei den Medientagen München 2014 (Oktober 2014)

Claus-Detlev Walter Kleber[1][2] (* 2. September 1955 in Reutlingen) ist ein deutscher Jurist, Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator.

Leben[Bearbeiten]

Claus Kleber wurde in Reutlingen geboren. Die Grundschule besuchte Kleber in Vaduz (Liechtenstein) und ab 1964 in Bensberg bei Köln. Dort bestand er 1974 die Reifeprüfung am Otto-Hahn-Gymnasium. Bereits während seiner Schulzeit war Kleber 1971 bis 1976 freier Mitarbeiter einer Lokalredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers. Ab Wintersemester 1974/1975 studierte Kleber Rechtswissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, unterbrochen von zwei Auslandssemestern 1978 und 1979 in Lausanne. In Tübingen wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindung AV Guestfalia Tübingen im Cartellverband (CV). Während des Studiums war Kleber freier Mitarbeiter des Südwestfunks in Tübingen und Baden-Baden. Im Herbst 1980 legte Kleber die Erste juristische Staatsprüfung in Tübingen ab. Anschließend folgte der Referendardienst in Stuttgart. 1983 kam die Zweite juristische Staatsprüfung, anschließend ein Forschungsaufenthalt für seine Dissertation in Washington, D.C. und New York City.

Für das Studium und die Auslandsaufenthalte erhielt Kleber Stipendien der Studienstiftung des deutschen Volkes und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Nach dem zweiten Staatsexamen war Kleber als Anwalt in einer auf internationales Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht ausgerichteten Kanzlei in Stuttgart tätig. 1986 wurde er bei Thomas Oppermann[3] an der Juristischen Fakultät in Tübingen mit der Schrift Privater Rundfunk – Gestaltungsmöglichkeiten im Verfassungsrahmen zum Dr. iur. promoviert.

Tätigkeit als Journalist[Bearbeiten]

Im Januar 1985 wurde Kleber Studioleiter des Südwestfunks in Konstanz und wechselte nach Abschluss seiner Promotion ins journalistische Fach. Seit 1986 berichtete er fünfzehn Jahre lang als Korrespondent für ARD-Anstalten sowohl in Hörfunk- als auch in Fernsehbeiträgen aus den USA. Er stieg vom Hörfunkredakteur zum Studioleiter in Washington D.C. auf. Von dort berichtete Kleber live über die Terroranschläge am 11. September 2001. Vor seinem Wechsel zum ZDF war Kleber zuletzt ARD-Studioleiter in London.

Kleber ist seit Anfang 2003 Moderator des ZDF-heute-journals und war bis Februar 2009 auch dessen Leiter. Ende 2007 wurde Kleber die Position als Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel angeboten.[4] Er lehnte das Angebot jedoch ab, unter anderem mit der Begründung, dass das Fernsehen sein Medium sei.[5] Anschließend gab er beim ZDF seine Festanstellung auf und moderiert das heute-journal seitdem als freier Mitarbeiter. Dieser Status bringt ihm ein wesentlich höheres Einkommen ein: Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung bekommt Kleber für die Moderation des heute-journals 600.000 Euro im Jahr[6] und galt damit als der bestbezahlte Nachrichtenmoderator im deutschen Fernsehen (mittlerweile wird dieser Titel Peter Kloeppel zuerkannt).[7] Der Moderator ist Kuratoriumsmitglied einer Stiftung des deutsch-amerikanischen Vereins Atlantik-Brücke und der Berliner Dependance des amerikanischen Vereins Aspen-Institut.[8][9]

2009 wurde die deutsche Reportage und Dokumentation Die Bombe in drei Teilen von Kleber und der Filmemacherin und Autorin Angela Andersen gezeigt. Die Erstausstrahlung erfolgte am 2. August 2009 im ZDF.

In der deutschsprachigen Version des 2010 erschienenen Animationsfilms Ich – Einfach Unverbesserlich (Originaltitel: Despicable Me) leiht Kleber dem Nachrichtensprecher von Kanal „msnbc“ seine Stimme.

Im Februar 2015 wurde bekannt, dass Kleber zum Honorarprofessor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen ernannt worden ist. Das Institut für Medienwissenschaft gewann den 59-Jährigen für eine Zusammenarbeit, bei der der Moderator demnach künftig regelmäßig Blockseminare für Studierende der Medienwissenschaft zu Themen wie Nachrichtenberichterstattung und Dokumentarfilm anbietet.[10]

Kritik[Bearbeiten]

Nach zweijährigen Bemühungen führte Kleber am 18. März 2012 ein 45-minütiges aufgezeichnetes Interview mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, in dem Kleber Ahmadinedschad vor allem zum iranischen Atomprogramm befragte. Es hatte laut Kleber keine inhaltlichen Absprachen gegeben.[11] Ahmadinedschad griff die Fragen Klebers auf, um dessen suggestive Fragestellungen offenzulegen. Das Interview führte zu Kritik an Kleber beim Zentralrat der Juden, von Omid Nouripour und in Zeitungskommentaren.[12][13][14][15]

Im Mai 2013 gestand Kleber ein, beim Bericht über den CSU-Parteikonvent am 3. Mai 2013 die Behauptung, der in die Kritik geratene Unternehmer und Fußballfunktionär Uli Hoeneß sei aus einem CSU-Werbefilm herausgeschnitten worden, ungeprüft übernommen zu haben.[16][17] Heftige Kritik rief auch sein Verhalten während der Krimkrise in einem Gespräch im heute-journal mit Joe Kaeser hervor. Frank Schirrmacher warf Kleber "Selbstinszenierung des Journalismus" vor.[18] Jakob Augstein warf Kleber vor, Kaeser verhört zu haben.[19]

Privates[Bearbeiten]

Claus Kleber ist seit 1982 mit der Ärztin Renate Grziwok, einer Tochter des ehemaligen Fussballers Lothar Grziwok[20], verheiratet und hat zwei Töchter. Er wohnt mit seiner Familie in Wiesbaden.[21]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • 1986: Privater Rundfunk - Gestaltungsmöglichkeiten im Verfassungsrahmen. Diss. Tübingen
  • 2005: Amerikas Kreuzzüge - Was die Weltmacht treibt. Bertelsmann Verlag, München, ISBN 3-570-00834-7.
  • 2006: Nachrichten, die Geschichte machten. Von der Antike bis heute. Cbj, München, ISBN 3-570-12979-9.
  • 2008: Amerikas Kreuzzüge - Wohin treibt die Weltmacht? Pantheon, ISBN 978-3-570-55001-4.
  • 2012: Spielball Erde - Machtkämpfe im Klimawandel. C. Bertelsmann Verlag, München, ISBN 978-3-570-10134-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Claus Kleber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAtlantik Brücke/Deutsche Welle Media Conference. German Historical Institute, Washington D.C., abgerufen am 15. Dezember 2010 (englisch).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatClaus Kleber. Internet Movie Database, abgerufen am 4. Februar 2012 (englisch).
  3. Claus Kleber: Privater Rundfunk - Gestaltungsmöglichkeiten im Verfassungsrahmen. Dissertation, Universität Tübingen, 1986, S. iii.
  4. Michael Hanfeld: Mit dem Zweiten fährt man besser, FAZ.NET, 8. Dezember 2007
  5. Claus Kleber bleibt beim ZDF (Memento vom 15. November 2007 im Internet Archive), heute.de, 12. Dezember 2007
  6. http://meedia.de/2008/11/14/zdf-verdoppelt-gehalt-von-claus-kleber/
  7. Hans Leyendecker: Der Super-Kleber. In: Süddeutsche. 29. Juli 2009, abgerufen am 30. Januar 2011 (Kleber ist der bestbezahlte Moderator in der Geschichte deutscher Nachrichtensendungen und verdient mehr als der ZDF-Intendant.).
  8. Kuratoriumsmitglieder der Stiftung Atlantik-Brücke
  9. http://www.derwesten.de/thema/claus-kleber
  10. derwesten.de vom 2. Februar 2015: Claus Kleber wird Medien-Professor, abgerufen am 3. Februar 2015
  11. Ahmadinedschad spuckt im ZDF große Töne, Focus Online, 20. März 2012
  12. ZDF-Moderator Claus Kleber bezieht Prügel, Spiegel Online, 25. März 2012
  13. Stefan Buchen: Selbstdemontage eines Nachrichtenstars, Cicero Online, 21. März 2012
  14. Philipp Gessler: Unwidersprochener Judenhass, taz.de, 20. März 2012
  15. Andrea Seibel: Auf Teufel komm raus, Welt Online, 26. März 2012
  16. Michael Hanfeld: Wie kleine Tricks die Botschaft vergrößern, FAZ.NET, 13. Mai 2013
  17. Markus Ehrenberg, Sonja Pohlmann: Hat Claus Kleber schlecht recherchiert?, Der Tagesspiegel, 13. Mai 2013
  18. Frank Schirrmacher: Dr. Seltsam ist heute online. Frankfurter Allgemeine, 28. März 2014, abgerufen am 6. Mai 2015.
  19. Jakob Augstein: Die Mär vom irren Iwan. Spiegel online, 31. März 2014, abgerufen am 6. Mai 2015.
  20. Interview in der Sendung: Deutschlands Beste! im ZDF am 2. Juli 2014
  21. [1], GQ Starportrait Claus Kleber