Claviorganum

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Lodewijk Theeuwes: Claviorganum (London 1579)
Claviorganum von Lorenz Hauslaib, Nürnberg. ca. 1590, im Museu de la Música in Barcelona

Unter einem Claviorganum versteht man ein Tasteninstrument, das Cembalo (resp. Spinett oder Virginal) und Pfeifenorgel zugleich ist. Die Größe ist einer Truhenorgel vergleichbar.

Bauweise und Geschichte[Bearbeiten]

Die Instrumente können zwei Manuale aufweisen, wobei das Orgelwerk vom unteren Manual bedient wird, während gleichzeitig von diesem auch Register des Cembalos gespielt werden können. Es gibt jedoch Claviorgana mit nur einem Manual. Das Orgelwerk verfügt oft über in Bass und Diskant geteilte Register.

Die Existenz des Claviorganums ist ab der Mitte des 15. Jahrhunderts belegt; Ende des 18. Jahrhunderts entstand auch die seltene Kombination eines Tafelklaviers mit Kleinorgel.

Erhaltene Instrumente[Bearbeiten]

Die meisten der bis heute erhaltenen Instrumente sind nicht mehr spielbar.

Earl of Wemyss' Claviorganum

Das wohl am besten erhaltene Claviorganum, das vermutlich auch von Händel benutzt wurde, steht in Schottland, im königlichen Schloss des Earls of Wemyss. Der Cembaloteil wurde von Jacob Kirckman, der Orgelteil von Schnetzler gebaut.[1] Eine Rekonstruktion dieses Instrumentes befindet sich im Orgel Art Museum.

Das Salzburger Claviorganum

In Salzburg befindet sich ein Claviorganum, das Josua Pockh im Jahr 1591 baute. Nach einer Restaurierung in den Jahren 1972–1974 ist das Instrument wieder spielbar. Es hat einen Manualumfang von CDEFGA–f³ und verfügt über drei Register:

  • Spinett 8' (ungeteilt)
  • Regal 8' (Teilung Bass/Diskant bei d¹/dis¹, nur bis zum Ton a² ausgebaut, kurze offene Resonatoren)
  • Flöte 4' (Teilung Bass/Diskant bei d¹/dis¹, gedackt aus Ahorn)

Das Regal steht hinter einer Klappe und kann wahlweise mit geöffneter oder geschlossener Klappe gespielt werden. Die Windversorgung erfolgt durch zwei fünffältige Keilbälge, die mit Schnüren aufgezogen werden. Der Winddruck beträgt 80 mm WS. Die Stimmung ist mitteltönig mit a¹ ≈ 466 Hz.

Vom Spinett sind die Stege, der Stimmstock und die Deckenleiste erhalten, die fehlenden Teile wurden im Rahmen der Restaurierung neu gebaut, ebenso das fehlende Regal. Die Flöte ist nahezu vollständig erhalten.

Das Instrument ist im Dommuseum Salzburg ausgestellt.

Quellen[Bearbeiten]

  • Hüllentext der Langspielplatte Das Claviorganum. harmonia mundi, 1987, HM 823 A.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Claviorganum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siegbert Rampe: Händels Theaterorgeln und seine Orgelkonzerte. Gesellschaft der Orgelfreunde, S. 95, abgerufen am 29. November 2014 (PDF).