Clemens Fuest

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Clemens Fuest (2012)

Clemens Fuest [fu:st] (* 23. August 1968 in Münster) ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium der Finanzen.[1] Fuest wurde im Juni 2015 zum Präsidenten des Ifo-Instituts ausgewählt und trat dieses Amt am 1. April 2016 an.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Gymnasium Antonianum Geseke studierte Fuest Volkswirtschaftslehre an der Universität Bochum und der Universität Mannheim, dort schloss Fuest 1991 mit dem Diplom ab. 1994 wurde er an der Universität zu Köln promoviert, 2000 habilitierte er sich an der Universität München. Von 2001 bis 2008 hatte er eine Professur für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität zu Köln inne. Danach[1] war er Professor für Unternehmensbesteuerung an der Universität Oxford[2], Forschungsdirektor des dortigen Centre for Business Taxation[3] und geschäftsführender Direktor des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts an der Universität zu Köln. Von 2013 bis April 2016 war er Präsident des Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und Professor an der Universität Mannheim.[4]

Forschungsschwerpunkte Fuests sind Wirtschafts- und Finanzpolitik, internationale Besteuerung, Steuerpolitik und Unternehmensfinanzierung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Kommunalfinanzen. Das Handelsblatt zählte Fuest 2006 in einem Ranking der forschungsstärksten jüngeren Ökonomen im deutschsprachigen Raum zu den Top 10.[5]

Er ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium der Finanzen und war dessen Vorsitzender von 2007 bis 2010, Research Fellow des CESifo und des IZA. Außerdem war er von 2004 bis Oktober 2008 und ist erneut seit 2013 Mitglied des Kronberger Kreises.[6]

Seit 2011 ist Fuest Mitglied im Hochschulrat der HBK Braunschweig.[7]

Am 11. Juni 2015 wurde bekannt, dass Fuest Nachfolger von Hans-Werner Sinn als Präsident des ifo Instituts wird.[8] Er übernahm zum April 2016 zudem den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2016 wird er in der Rangliste der einflussreichsten Ökonomen in Deutschland in den TOP 10 geführt.[9]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuest steht nach eigenen Angaben für ordoliberale Positionen und sieht in Steuererhöhungen derzeit kein Mittel zur Sanierung des Staatshaushaltes,[1] lediglich eine Umsatzsteuererhöhung als ultima ratio unterstützt Fuest, da sie alle belaste.[1] Der Staat habe eher ein Ausgaben- als ein Einnahmeproblem. Eine Finanztransaktionssteuer lehnt er ab, Studiengebühren befürwortet er,[1] da überproportional Kinder aus Oberschicht- und bürgerlichen Familien die Hochschulen bevölkern. Dänemark sei ein Beispiel für einen aktivierenden Sozialstaat. In Deutschland müssten für Eltern aus sozial benachteiligten Familien vermehrt Krippen- und Kindergartenplätze geschaffen werden, da Grundlagen für höhere Bildung schon sehr früh gelegt würden. An den Universitäten könnten in erheblichem Umfang Effizienzreserven gehoben werden.

Fuest äußerte die Befürchtung, die Flüchtlingskrise in Deutschland könne zu einer Zwei-Klassen-Bildung führen („Wir müssen aufpassen, dass wir unsere bewährten Ausbildungssysteme nicht mit einer Ausbildung Light unterminieren“). Deutschland brauche Zuwanderung: „Jeder, der qualifiziert ist, jeder, der einen Ausbildungsplatz annimmt und behält, jeder, der in der Schule Fortschritte macht, sollte das Angebot erhalten, hier zu bleiben, selbst wenn er kein Asylrecht bekommt.“ Fuest spricht sich dafür aus, die Zuwanderung stärker zu kontrollieren. „Auf Dauer kann man entweder einen Sozialstaat haben oder ungesteuerte Zuwanderung, mit Sicherheit aber nicht beides“.[10]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e inforadio, 2010: Zocker und Schuldenstaaten, Interview von Ingo Kahle, mit Foto von Clemens Fuest. Der Inhalt ist wegen Depublizierung nicht mehr verfügbar; die Zusammenfassung und Bewertung der Inhalte basiert auf der Darstellung von Benutzer:Kreuzkölln
  2. Handelsblatt, April 2008: Brain Drain in der VWL: Clemens Fuest wechselt nach Oxford
  3. Homepage des Centre
  4. Pressemitteilung des ZEW vom 27. Januar 2012
  5. Clemens Fuest: Forscher mit dem Mut zu klaren Worten. 15. Dezember 2006, abgerufen am 3. März 2013: „Dem 39-Jährigen kommt die Floskel "aus ordnungspolitischen Gründen abzulehnen" zum Beispiel nicht über die Lippen. "Wenn es eine wirtschaftspolitische Idee gibt, die gegen ordnungspolitische Grundsätze verstößt, aber positive Wirkungen hat, bin ich der Letzte, der sich dagegen ausspricht", sagt Fuest. "Schließlich wären auch 99 Prozent der Bevölkerung ordnungspolitische Bedenken in solch einem Fall ziemlich egal."“
  6. Pressemitteilung der Stiftung Marktwirtschaft vom 19. Februar 2013
  7. Pressemitteilung der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, 2011 (mit Lebenslauf)
  8. Pressemitteilung von Focus Online, 2015
  9. F.A.Z.-Ökonomenranking - Deutschlands einflussreichste Ökonomen, abgerufen am 4. September 2016
  10. Ökonom Clemens Fuest warnt vor "Ausbildung light" wegen Flüchtlingskrise, FOCUS, 22. Feb.2016
  11. Von Arabistik bis Neurologie: Bayerische Akademie der Wissenschaften wählt 20 neue Mitglieder. Bayerische Akademie der Wissenschaften, 22. März 2017, abgerufen am 11. April 2017.
  12. Das INSM-Wachstumsmanifest ist auf der Website der INSM abrufbar
  13. Gustav-Stolper-Preis, abgerufen am 11. September 2017.