Clemens Unterreiner

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Clemens Unterreiner (2017)

Clemens Unterreiner (* 18. März 1972 in Wien) ist ein österreichischer Opernsänger (Bariton). Er ist beruflich sowohl international tätig als auch Solist und Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper.[1] Sein Opernrepertoire reicht vom lyrischen Fach über deutsch-italienisch-französische Kavalier- und Heldenbaritonpartien bis zu Messen, Oratorien und klassischem Lied und beinhaltet auch Operette und moderne Musik.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clemens Unterreiner wuchs in Wien, Graz und Budapest auf. Im Alter von 5 Jahren erblindete er für 1 Jahr und konnte sich in den folgenden Jahren wieder langsam in ein sehendes Leben zurückkämpfen. Nach der Matura am Wiener Akademischen Gymnasium begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Erste musikalische Erfahrungen hatte er während der Schulzeit als Mitglied des Chors und der Schauspielgruppe (Alt-Griechisches Theater) des Akademischen Gymnasiums. Ab 1998 nahm er Gesangsunterricht bei Hilde Rössel-Majdan und absolvierte ein privates Gesangsstudium bei Rudolf Holtenau, Artur Korn, Gottfried Hornik, Helena Lazarska und Wicus Slabbert. Seit 2005 ist er Solist und Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper[2] sowie freiberuflicher international tätiger Opernsänger und Gesangslehrer. Seine Schwester ist die Kunsthistorikerin Katrin Unterreiner.[3]

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er begann seine Karriere mit Auftritten bei den Wiener Festwochen, Opern-, Operetten und Kirchenkonzerten. Konzertreisen unternahm er nach Bulgarien, Syrien, Italien, Spanien, Deutschland, USA und nach Asien. Er gastierte im Großen Saal des Wiener Musikvereins, im Wiener Konzerthaus, im Palau de la Música Catalana – Barcelona.

Im Jahr 2000 war er Stipendiat der Bayreuther Festspiele und nahm in den folgenden Jahren an Meisterkursen bei Bernd Weikl, Axelle Gall und Gottfried Hornik und Renate Holm teil. Er war Semifinalist beim 21. Internationalen Hans-Gabor-Belvedere-Gesangswettbewerb 2002 und wurde von dort an das Linzer Landestheater engagiert, wo er im Oktober 2002 sein Operndebüt in der Europapremiere von The Voyage von Philip Glass unter Maestro Dennis Russell Davies gab.

Als Gastsolist trat Unterreiner bei der Sommeroper Schärding, den Opernfestspielen Heidenheim, bei der Oper Klosterneuburg, beim Mozartfestival Hallstatt und bei den Opernfestspielen Steyr als Bartolo (Der Barbier von Sevilla), Don Giovanni, Don Fernando (Fidelio), Guglielmo (Così fan tutte), Papageno (Die Zauberflöte) und Konsul Sharpless (Madama Butterfly) auf. Weiters arbeitete er auch mit der Compagnia d’Opera Italiana di Milano zusammen, wo er in einer Produktion von Madama Butterfly an 21 Häusern in Europa als Konsul Sharpless auftrat, welche in der Folge von den Mitgliedern der Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen INTHEGA mit dem Musiktheater-Preis der Spielzeit 2004/05 ausgezeichnet wurde.

Unterreiner gründete 2004 die Klassik Mania,[4] einen internationalen Opern-Gesangswettbewerb für Nachwuchssänger in Wien.

Seit September 2005 ist Clemens Unterreiner als Solist und festes Ensemblemitglied an der Wiener Staatsoper engagiert, wo er in 14 Premieren und Wiederaufnahmen besetzt war. Er übernahm Rollen als Konsul Sharpless, Herr von Faninal (Der Rosenkavalier), Donner (Das Rheingold), Harlekin (Ariadne auf Naxos), Grégorio (Roméo et Juliette), Meister Ortel (Die Meistersinger von Nürnberg), Schaunard (La Bohème), Antonio (Le nozze di Figaro), Brétigny (Manon) sowie als Melot (Tristan und Isolde), Johann (Werther), Fleville (Andrea Chénier), Hortensius (La fille du régiment), Schtschelkalov (Boris Godunow), Angelotti (Tosca), Baron Douphol (La traviata).

Am 22. Oktober 2008 gab er sein Wiener-Volksopern-Debüt als Konsul Sharpless in Puccinis Madama Butterfly und war als Gastsolist in den Rollen des Papageno, Morales (Carmen), Sprecher (Die Zauberflöte) oder Dr. Falke (Die Fledermaus) an der Volksoper Wien zu hören. 2010 sang er dort in der Premiere von Rusalka.

Im Sommer 2008 wurde er aufgrund seiner langjährigen Verbundenheit und kulturellen Tätigkeit im ansässigen Kulturverein zum „Ehren-Kammersänger“ von Hohenberg ernannt. Im Oktober 2008 gastierte er auf einer Asien-Tournee mit der Wiener Staatsopernproduktion Le nozze di Figaro u. a. in Shanghai, Seoul, Taipeh, Singapur und Hong Kong. Clemens Unterreiner war von 2009–2011 Vizepräsident des Richard-Wagner-Verbandes Wien und Stipendienbeauftragter für das Bayreuth-Stipendium. Im Dezember 2010 wurde er an die Königliche Oper (Kopenhagen) eingeladen und gastierte dort als Konsul Sharpless in Madama Butterfly. 2011 war er in den Staatsopernpremieren von (La Traviata) und (Aus einem Totenhaus) tätig und sang 2012 die Rolle des Sparbüchsenbill in der Premiere von (Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny). Im April 2012 hatte er einen Gast-Auftritt an der Oper Nizza in Tristan und Isolde und als Papageno in der Zauberflöte.

2012 debütierte er bei den Salzburger Festspielen[5] in der Jubiläums-Neuproduktion Der Zauberflöte zweyter Theil. Das Labyrinth von Peter von Winter in der Rolle des Tipheus. 2013 sang er zur Eröffnung des neuen Opernhauses in Linz den Faninal in der Galavorstellung des Rosenkavalier im neuen Musiktheater Linz und feierte am 17. Mai sein Rollendebüt als Wolfram in Wagners Tannhäuser beim Richard Wagner Festival Wels.[6] 2014 hatte er sein Rollendebüt als Telramund in Wagners Lohengrin beim Richard Wagner Festival Wels.[6] 2015 feierte er sein Japan-Debüt als Herr von Faninal in Strauss’ Der Rosenkavalier am New National Theatre Tokyo.[6] und sang erstmals an der Carnegie Hall.[6] in New York.

2016 sang er als erster österreichischer Bariton nach 34 Jahren den Escamillo in Carmen an der Wiener Staatsoper.[6] und debütierte als Telramund in Wagners Lohengrin am Royal Opera House Muscat.[7]

Am 12. Mai 2016 erschien seine Autobiographie „Ein Bariton für alle Fälle“ im Amalthea Verlag.[8]

Am 7. November 2017 erschien seine erste CD „Weihnachten mit Clemens Unterreiner“ bei GRAMOLA[9]

Am 7. Juli 2018 debütierte er als Valentin in der Premiere der Oper Faust von Charles Gounod bei den Opernfestspielen Savonlinna in Finnland.[10]

Im Sommer 2018 unterrichtete er erstmals als Professor für Gesang beim „Wiener Musik Seminar“ an der Universität für Musik in Wien.[11]

Im Februar 2019 sang er im Zuge der Nordirischen Ski-WM in Seefeld /Tirol exklusiv für den König und die Königin von Schweden, König Carl Gustaf und Königin Silvia.[12]

Während der COVID-19-Pandemie 2020 und während des Lockdowns in Österreich engagierte er sich für diverse Initiativen für Musik, Kunst und Kultur und sang dabei auch im Zuge von „Wir spielen für Österreich“ diverse Konzerte und Opernvorstellungen für den ORF.[13]

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit er als Kind durch eine Augenkrankheit selbst erblindet war und erst durch langwierige Behandlungen seine Behinderung überwunden werden konnte, engagiert sich Unterreiner regelmäßig für karitative Organisationen und Projekte im In- und Ausland. Seit Dezember 2013 ist Clemens Unterreiner Präsident des Vereins HILFSTÖNE – Musik für Menschen in Not[14]. Er ist weiters Konsul des Österreichisches Rotes Kreuz[15], Botschafter des BSVÖ Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich.[16], Pate des Aktionsraums Hilfswerk Österreich[17] und unterstützt durch seine künstlerische, mediale Arbeit und Spenden unter anderem auch Volkshilfe Österreich[18], CS Hospiz Rennweg, Kinder Krebs Hilfe, Österreichischer Kinderschutzpreis[19] und viele andere karitative Organisationen. Im Zuge des Kulturlockdowns in der Corona-Krise engagierte sich Clemens Unterreiner mit seiner HILFSTÖNE-Künstlerhilfe[20] und der HILFSTÖNE-MASKE[21] für Künstlerinnen und Künstler in Not.

Repertoire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszug nur einiger der wichtigsten gesungenen Rollen:

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Clemens Unterreiner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage der Wiener Staatsoper
  2. Wiener Staatsoper: Clemens Unterreiner. Abgerufen am 14. Dezember 2020 (englisch).
  3. Interview mit Clemens Unterreiner (Memento vom 3. Januar 2017 im Internet Archive). Abgerufen am 3. Jänner 2017.
  4. http://www.klassikmania.com
  5. Homepage der Salzburger Festspiele
  6. a b c d e Website des Künstlers aufgerufen am 24. Mai 2013
  7. Clemens Unterreiner bei Operabase (Engagements und Termine), abgerufen am 3. Januar 2018.
  8. Bücher. In: www.amalthea.at. Abgerufen am 13. Mai 2016.
  9. nea Senoner KEG | Arno Senoner: Clemens Unterreiner. Abgerufen am 14. Dezember 2020 (englisch).
  10. Faust (Margarethe) – Charles Gounod – Savonlinnan Oopperajuhlat. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 19. Juli 2018; abgerufen am 18. Juli 2018.
  11. Wiener Musikseminar. Abgerufen am 18. Juli 2018 (deutsch).
  12. lisa.trompisch: Bariton Unterreiner als Rosenkavalier für Königin Silvia. 24. Februar 2019, abgerufen am 13. Dezember 2020.
  13. Kultur Heute - ORF III. Abgerufen am 13. Dezember 2020.
  14. Website des Vereins HILFSTÖNE abgerufen am 20. Februar 2014
  15. Österreichisches Rotes Kreuz: Rotes Kreuz: Staatsopernbariton Clemens Unterreiner wird Konsul des Wiener Roten Kreuzes. Abgerufen am 25. Mai 2018.
  16. Mitteilung auf der Website des BSVÖ abgerufen am 10. Juni 2014
  17. Aktionsraum des Wiener Hilfswerks
  18. Nacht gegen Armut 2013
  19. Myki 2011 (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive)
  20. HILFSTÖNE - Musik für Menschen in Not. Abgerufen am 13. Dezember 2020.
  21. Mit dieser Maske unterstützt man den Hilfstöne-Verein von Clemens Unterreiner. 20. April 2020, abgerufen am 13. Dezember 2020.
  22. „Weihnachten mit Clemens Unterreiner“ erschienen bei GRAMOLA, abgerufen am 7. November 2017
  23. „Das Städtchen Drumherum“ in der Deutschen Nationalbibliothek, abgerufen am 3. Mai 2016
  24. LEGENDARY PERFORMANCES – MASSENET, J.: Werther (Vienna State Opera, 2005) (Blu-ray) – 109140. In: www.naxos.com. Abgerufen am 13. Mai 2016.
  25. Tiziano Mancini: Die Meistersinger von Nürnberg. 7. Juni 2009, abgerufen am 13. Mai 2016.
  26. Brian Large: Gaetano Donizetti – Die Regimentstochter (La fille du régiment). 1. April 2007, abgerufen am 13. Mai 2016.
  27. Claus Viller: Moses und Aron. 11. Juni 2006, abgerufen am 13. Mai 2016.
  28. Brian Large, Christoph Eschenbach, Richard Strauss, Marco Arturo Marelli: Richard Strauss – Capriccio. C Major (Naxos Deutschland GmbH), abgerufen am 13. Mai 2016 (deutsch).
  29. Puccini: La Fanciulla del West. Sony Music Entertainment Germany, abgerufen am 13. Mai 2016 (englisch).
  30. Strauss, Richard – Arabella. Naxos Deutschland GmbH, abgerufen am 13. Mai 2016.
  31. [1]
  32. Preisträger auf lifegoeson.at, abgerufen am 14. Dezember 2017.
  33. Staatsopernbariton Clemens Unterreiner wird Konsul des Wiener Roten Kreuzes, abgerufen am 11. September 2017.
  34. Ehrenmitglieder auf ballettclub.at, abgerufen am 11. September 2017.
  35. Wiederwahl des BSVÖ Präsidenten Dr. Markus Wolf und Delegiertenversammlung am 24. Juni 2016 auf blindenverband.at, abgerufen am 11. September 2017.
  36. Wiener Hilfswerk ehrte Testimonials und Unterstützer/innen. Pressemitteilung des Hilfswerks (Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive), abgerufen am 14. Dezember 2015.