Clomethiazol

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Strukturformel
Strukturformel Clomethiazol
Allgemeines
Freiname Clomethiazol
Andere Namen

5-(2-Chlorethyl)-4-methyl-1,3-thiazol

Summenformel C6H8ClNS
CAS-Nummer
PubChem 10783
ATC-Code

N05CM02

Kurzbeschreibung

gelbbraunes, viskoses Öl mit unangenehmem Geruch [1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Sedativum

Wirkmechanismus

Modulation des GABAA-Rezeptors

Eigenschaften
Molare Masse 161,65 g·mol−1
Siedepunkt

92 °C (933 Pa) [1]

pKs-Wert

3,2 [1]

Löslichkeit

wenig in Wasser (1,04 g·l−1 bei 25° C) [2]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
05 – Ätzend 07 – Achtung

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302​‐​317​‐​318
P: 280​‐​305+351+338 [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][3]

Xn
Gesundheits-
schädlich
R- und S-Sätze R: 22​‐​41​‐​43
S: 26​‐​36/37/39
Toxikologische Daten

2110 mg·kg−1 (LD50Mausoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Clomethiazol (Handelsnamen in Deutschland und der Schweiz: Distraneurin®, Hersteller: AstraZeneca), ist ein Thiazolderivat, ähnlich dem Thiazolanteil des Thiamin (Vitamin B1). Aufgrund seiner sedativen, hypnotischen und antikonvulsiven Eigenschaften wird es als Arzneistoff aus der Gruppe der Psychopharmaka verwendet.

Clomethiazol wird angewandt:

Clomethiazol ist neben Benzodiazepinen ein Mittel der ersten Wahl zur Behandlung des Alkoholentzugssyndroms und des Alkoholentzugsdelirs, sowohl in Fachkliniken als auch in internistischen Einrichtungen.[6] Hierbei ist zu beachten, dass die Applikation nur kurzzeitig erfolgt, da Clomethiazol ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzt. Das Medikament darf nur stationär verabreicht werden, da es unter anderem zu einer starken Dämpfung von Atmung und Kreislauf kommen kann. Zudem muss gewährleistet werden, dass kein gleichzeitiger Alkoholkonsum stattfindet, welcher zu extremen Wechselwirkungen führen kann. Wichtig ist insbesondere auch die Tatsache, dass die Dosierung kontinuierlich dem jeweiligen Patienten und den Symptomen angepasst werden muss. Da ein Alkoholentzug mit der Gefahr eines Delirs generell einen lebensbedrohlichen Zustand darstellt und somit ohnehin eine Indikation zur notfallmäßigen Klinikeinweisung darstellt, bedingt das eine das andere.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c F. v. Bruchhausen, S. Ebel, A. W. Frahm, E. Hackenthal: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Bd. 7 (Stoffe A–D), Springer-Verlag, ISBN 978-3-540-52688-9.
  2. a b Eintrag zu Clomethiazol in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  3. a b c Datenblatt Chlormethiazole hydrochloride bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. März 2011 (PDF).
  4. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  5. a b c Fachinformation aus dem Arzneimittel-Kompendium der Schweiz für Distraneurin von AstraZeneca – Stand: 23. Juli 2009.
  6. S1-Leitlinie Alkoholdelir der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). In: AWMF online (Stand 2012)
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!