Clomifen

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Strukturformel
Struktur von (E,Z)-Clomifen
Gemisch aus (E)-Isomer (oben) und (Z)-Isomer (unten)
Allgemeines
Freiname Clomifen
Andere Namen
  • (E,Z)-{2-[4-(2-Chlor-1,2-diphenylvinyl) -phenoxy]-ethyl}-diethylamin
  • (E)-{2-[4-(2-Chlor-1,2-diphenylvinyl) -phenoxy]-ethyl}-diethylamin
  • (Z)-{2-[4-(2-Chlor-1,2-diphenylvinyl) -phenoxy]-ethyl}-diethylamin
  • trans-{2-[4-(2-Chlor-1,2-diphenylvinyl) -phenoxy]-ethyl}-diethylamin
  • cis-{2-[4-(2-Chlor-1,2-diphenylvinyl) -phenoxy]-ethyl}-diethylamin
  • Latein: Clomifenum
Summenformel
  • C26H28ClNO [(E,Z)-Clomifen]
  • C26H28ClNO·C6H8O7 [(E,Z)-Clomifen·Citrat]
CAS-Nummer
  • 911-45-5 [(E,Z)-Clomifen]
  • 50-41-9 [(E,Z)-Clomifen·Citrat]
  • 15690-55-8 [cis-Clomifen·Hydrochlorid]
  • 15690-57-0 [trans-Clomifen·Hydrochlorid]
PubChem 1548955
ATC-Code

G03GB02

DrugBank DB00882
Kurzbeschreibung

Kristalle [(E,Z)-Clomifen·Citrat][1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Selektiver Estrogenrezeptormodulator

Eigenschaften
Molare Masse
  • 405,97 g·mol−1[(E,Z)-Clomifen]
  • 598,08 g·mol−1[(E,Z)-Clomifen·Citrat]
Schmelzpunkt
  • 116,5–118 °C [(E,Z)-Clomifen·Citrat][2]
  • 156,5–158 °C [cis-Clomifen·Hydrochlorid][1]
  • 149,0–150,5 °C [trans-Clomifen·Hydrochlorid][1]
Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
08 – Gesundheitsgefährdend

Achtung

H- und P-Sätze H: 361
P: 281 [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4][3]

T
Giftig
R- und S-Sätze R: 60​‐​63
S: 53​‐​36/37​‐​45
Toxikologische Daten
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Clomifen ist ein Arzneistoff zur Auslösung eines Eisprungs (Ovulation) bei Frauen mit Kinderwunsch. Die Substanz aus der Gruppe der selektiven Estrogenrezeptormodulatoren (SERM) ist ferner zur Behandlung bestimmter Formen einer ausbleibenden Regelblutung (Amenorrhoe) angezeigt.

Wirkungsmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der genaue Wirkungsmechanismus ist nicht im Detail bekannt. Die Wirkung entsteht hauptsächlich dadurch, dass den Gonadotropin erzeugenden Zellen in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ein Sexualhormonmangel vorgetäuscht wird. Man geht davon aus, dass Clomifen dazu an den Steroidrezeptor im Hypothalamus bindet und ihn für das entsprechende Steroid (Testosteron oder Estrogen) blockiert. Die Gonadotropin erzeugenden Zellen schütten infolgedessen vermehrt LH und FSH aus, um das (scheinbar zu niedrige) Niveau der Sexualhormone zu heben. Dies führt zur Anregung der Eierstock- oder Hodenfunktion. Da die Hemmung kompetitiv ist, lässt sich durch die Clomifendosis der gewünschte Sexualhormonspiegel recht genau einstellen. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist die Funktionstüchtigkeit der Keimdrüsen.

Außer im Hypothalamus entfaltet Clomifen seine estrogenagonistischen oder -antagonistischen Wirkungen auch an anderen Organen (Gebärmutterhals, Gebärmutterschleimhaut, Follikel). So soll es auch direkt die Estrogensynthese im Follikel stimulieren. Clomifen hat keine gestagenen, androgenen, antiandrogenen oder gluko- und mineralokortikoiden Effekte. Clomifen wirkt zudem als FIASMA (funktioneller Hemmer der sauren Sphingomyelinase).[6]

Missbrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sportszene wird Clomifen missbräuchlich nach dem Absetzen von Anabolika verwendet. Es kann möglicherweise auch bei Gesunden die Testosteroneigenproduktion der Hoden steigern. Gesicherte Daten dazu fehlen allerdings.[7][8]

Clomifen steht auf der Verbotsliste der World Anti-Doping Agency (WADA).[9]

Isomerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinsichtlich seiner chemischen Struktur stellt der Arzneistoff Clomifen ein Gemisch des (E)- und des (Z)-Isomers dar (cis-trans-Isomerie). Klinisch relevant ist die antiestrogene Wirkung des (E)-Isomers (Enclomifen), seine estrogene Wirkung ist nur schwach ausgeprägt. Das (Z)-Isomer (Zuclomifen) hingegen besitzt ausschließlich estrogene Aktivität.[10] Das Arzneibuch begrenzt den Gehalt an Zuclomifen im Arzneistoff auf 30–50 %.[11] Isomerenreines Enclomifen wird zur Behandlung einer Unterfunktion der Keimdrüsen beim Mann (sekundärer Hypogonadismus) und der nicht insulinabhängigen Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) entwickelt.[12]

Pharmazeutische Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arzneilich verwendet wird das Clomifencitrat. Das weiße bis hellgelbe kristalline Pulver ist lichtempfindlich und schwer löslich in Wasser.[11] Clomifencitrat ist oral wirksam und kann als Tablette eingenommen werden.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

ClomHexal (D), Serophene (CH), und weitere Generika

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals, 14. Auflage (Merck & Co., Inc.), Whitehouse Station, NJ, USA, 2006; S. 2390, ISBN 978-0-911910-00-1.
  2. a b Eintrag zu Clomifen. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  3. a b c Datenblatt Clomiphene citrate salt bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. März 2011 (PDF).
  4. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  5. Eintrag zu Clomifen in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
  6. Kornhuber J, Muehlbacher M, Trapp S, Pechmann S, Friedl A, Reichel M, Mühle C, Terfloth L, Groemer T, Spitzer G, Liedl K, Gulbins E, Tripal P: Identification of Novel Functional Inhibitors of Acid Sphingomyelinase. In: PLoS ONE. 6, Nr. 8, 2011, S. e23852. doi:10.1371/journal.pone.0023852.
  7. dopinginfo.de: Antiestrogene
  8. Katz D. J., e.a.: Outcomes of clomiphene citrate treatment in young hypogonadal men. In: BJU Int. 2012;110:573-578. doi:10.1111/j.1464-410X.2011.10702.x. PMID 22044663
  9. Verbotsliste der WADA 2012 (clomiphene) (Memento vom 12. Oktober 2011 im Internet Archive) (PDF; 112 kB), S.5.
  10. Hermann J. Roth, Christa E. Müller, Gerd Folkers: Stereochemie und Arzneistoffe, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1998, S. 111, ISBN 3-8047-1485-4.
  11. a b Datenblatt Clomifene citrate (PDF) beim EDQM, abgerufen am 11. Juni 2011.
  12. Repros Therapeutics Inc., Androxal, abgerufen am 2. Februar 2011.
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