Clytus Gottwald

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Clytus Gottwald (* 20. November 1925 in Bad Salzbrunn) ist ein deutscher Komponist, Chorleiter und Musikwissenschaftler.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottwald studierte Gesang bei Gerhard Hüsch und Chorleitung bei Kurt Thomas. 1961 wurde er in Frankfurt mit einer Dissertation über den Renaissance-Komponisten Johannes Ghiselin promoviert. Als Musikwissenschaftler bearbeitete er zahlreiche wissenschaftliche Kataloge von Musikhandschriften.

Als Chorleiter war Gottwald zunächst von 1954 bis 1958 Assistent von Marcel Couraud. Von 1958 bis 1970 war er Kantor an der ev. Pauluskirche Stuttgart und leitete dort den Paulus-Chor. 1960 gründete Gottwald die Schola Cantorum Stuttgart, ein 16- bis 18-stimmiges professionelles Vokalensemble, das als Repertoire-Schwerpunkte gleichermaßen die klassische Vokalpolyphonie wie auch die Neue Musik hatte und mehr als 80 Ur- und Erstaufführungen von Chorwerken gestaltete. Er leitete das Ensemble bis zu dessen Auflösung 1990.

Als Komponist machte er besonders durch Bearbeitungen für bis zu 16-stimmigen gemischten Chor a cappella auf sich aufmerksam, in denen er die Kompositionsweise von György Ligeti auf Vokalkomposition von Alban Berg, Hector Berlioz, Claude Debussy, Franz Liszt, Gustav Mahler, Giacomo Puccini, Maurice Ravel, Richard Wagner, Anton Webern, Hugo Wolf und anderen anwendete. Insbesondere die Bearbeitung von Gustav Mahlers Rückert-Lied Ich bin der Welt abhanden gekommen (1985) gelangte durch den Einsatz des schwedischen Chorleiters Eric Ericson zu internationaler Beachtung und wurde von zahlreichen Spitzenchören nachgesungen.

2009 erhielt er den Kulturpreis Baden-Württemberg für sein Lebenswerk, 2012 in Schwäbisch Gmünd den Preis der Europäischen Kirchenmusik für seine wegweisenden Anregungen zur Schaffung und Vermittlung Geistlicher Musik.[1]

Diskographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Chorleiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Atelier Schola Cantorum. Neue Vokalmusik. Cadenza 800891–900. 10 CDs.
  • Dufay, Ockeghem, Josquin, Brumel, Isaac: Musica Mensurabilis. Bayer Records 100271–274. 4 CDs. (Wiederveröffentlichung: O Magnum Mysterium. Brilliant Claasics 94267. 4 CDs.)

Als Komponist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clytus Gottwald: Transkriptionen. SWR Vokalensemble Stuttgart, Marcus Creed. Carus 83.181.
  • Clytus Gottwald: Vokalbearbeitungen. KammerChor Saarbrücken, Georg Grün. Carus 83.182. 2005.
  • Choral Arrangements by Clytus Gottwald. The Rudolfus Choir, Ralph Allwood. Signum Classics SIGCD102. 2007.
  • Clytus Gottwald: Hymnus an das Leben. Transkriptionen für gemischten Chor a cappella KammerChor Saarbrücken, Georg Grün. Carus 83.458/00. 2013.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Ghiselin – Johannes Verbonnet: Stilkritische Untersuchung zum Problem ihrer Identität. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1962, DNB 451628403 (zugleich Diss. Univ. Frankfurt 1961).
  • Die Handschriften der Gesamthochschul-Bibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel. – 6. Manuscripta musica[2]. Kassel 1997, ISBN 3-447-03775-X.
  • „Hallelujah“ und die Theorie des kommunikativen Handelns. Ausgewählte Schriften. Klett-Cotta, Stuttgart 1998, ISBN 3-608-91923-6.
  • Rückblick auf den Fortschritt. Eine Autobiographie. Carus-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-89948-117-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ewald Liska (Hrsg.): Hommage à Clytus Gottwald : Erinnerungen, Briefe, Kompositionen zum 80. Geburtstag. Stuttgart 2005: Carus-Verlag. ISBN 3-89948-071-6
  • Artikel Gottwald, Clytus. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Neuausgabe. Personenteil, Band 7. Bärenreiter, Kassel/Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-7618-1117-9, Sp. 1409–1410.
  • Canstance DeFotis: From the Work and Writings of Clytus Gottwald, Founder and Director of the Schola Cantorum Stuttgart. Diss. Univ. Cincinnati 1988.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Preisträger des Preis der Europäischen Kirchenmusik auf schwaebisch-gmuend.de
  2. Rezension der IFB