Coccolithophorida

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Coccolithophorida
Falschfarbenbild von Gephyrocapsa oceanica(Die Länge des weißen Striches entspricht 1 Mikrometer)

Falschfarbenbild von Gephyrocapsa oceanica
(Die Länge des weißen Striches entspricht 1 Mikrometer)

Systematik
Klassifikation: Lebewesen
Domäne: Eukaryoten (Eukaryota)
incertae sedis
Haptophyta
Ordnung: Coccolithophorida
Wissenschaftlicher Name
Coccolithophorida
Lemmermann, 1908

Die Coccolithophorida (auch Coccolithales oder Coccolithophorales, deutsch: Kalkflagellaten) sind eine systematische Gruppe (Taxon) komplexer einzelliger Algen aus der übergeordneten Gruppe Haptophyta. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass der organische Zellkörper von einer Kugel aus Calciumcarbonat-Plättchen, der Coccosphäre, umschlossen ist. Die einzelnen Kalkplättchen werden Coccolithen genannt und bestehen stets aus dem Mineral Calcit. Mit einer Größe von oft weniger als 20 µm werden Kalkflagellaten zum kalkigen Nannoplankton gezählt. Aus einigen Epochen der jüngeren Erdgeschichte sind Kalksteine überliefert, die fast ausschließlich aus Coccolithen bestehen, so auch das Kreidegestein, nach dem die Kreidezeit benannt ist.

Etymologie und taxonomische Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Coccolithophorida geht zurück auf Coccolithophora Lohmann, einen heute ungültigen Gattungsnamen (Synonym von Coronosphaera[1]). Da früheren Bearbeitern noch unklar war, ob sie die Gruppe dem Pflanzenreich oder dem Tierreich (als aberrante „Flagellaten“) zuordnen sollten, wurden sie in beiden Gruppen, mit voneinander abweichenden Nomenklaturregeln, beschrieben. Dem entsprechend wurde zuerst der Name Coccolithophoridae (eine Familie, unter Anwendung des ICZN für „Tiere“), später Coccolithophoraceae unter Anwendung des ICBN, geprägt. Später wurde auf dieser Grundlage eine Ordnung Coccolithophorales aufgestellt[2], die später Coccosphaerales genannt wurde (in die Klasse Prymnesiophyceae gestellt).

Kalkflagellaten in der Erdgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

REM-Aufnahme eines Coccolithen von Discoaster surculus aus dem Paläogen

Die Kalkflagellaten traten in der Erdgeschichte gesteinsbildend auf. Sie müssen sich in diesen Zeiten extrem stark im obersten Teil der Wassersäule der Schelfmeere vermehrt haben und nach Ende ihres Lebenszyklus auf den Meeresgrund abgesunken (sedimentiert) sein. Aus dem resultierenden Sediment, dem sogenannten Coccolithenschlamm, ist nachfolgend durch Diagenese Kalkstein gebildet worden. Coccolithen bilden unter anderem einen wesentlichen Bestandteil der Kreide­felsen von Rügen, Møn und der südenglischen Kreideküste bei Dover. In einem Kubikzentimeter Kreide sind rund 800 Millionen Coccolithen enthalten. Erste sichere Funde der Coccolithophoriden stammen aus der Trias. Die größte Verbreitung und Formenvielfalt erreichten sie in der Kreide. Das große Massenaussterben am Ende dieses Zeitalters verursachte einen starken Rückgang dieser Algen. Einen neuen Höhepunkt der Formenvielfalt und Verbreitung erreichten sie vor ca. 50 Millionen Jahren im Eozän. Die rezente Gattung Braarudosphaera lässt sich bis in die Kreide zurückverfolgen.

Für die Wissenschaft sind sie von Bedeutung, da man anhand ihrer fossilen Reste in den Sedimenten sowohl auf das Alter dieser Ablagerungen als auch auf die ehemals herrschenden Umweltbedingungen schließen kann.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Reinhardt: Coccolithen. Kalkiges Plankton seit Jahrmillionen (= Die Neue Brehm Bücherei. Nr. 453). A. Ziemsen Verlag, Lutherstadt Wittenberg 1972, ISBN 978-3-7403-0214-6.
  • M. Lluïsa Cros i Miguel: Planktonic Coccolithophores of the NW Mediterranean. Doktorarbeit, Department d’Ecologia, Universitat de Barcelona, 2001 (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Calcareous Nannofossils auf MIRACLE (Microfossil Image Recovery And Circulation for Learning and Education), einer Bilderdatenbank der Abteilung für Mikropaläontologie des University College London (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Coccolithophora Lohmann, 1902 bei AlgaeBase
  2. Amos Winter, William G. Siesser: Coccolithophores. Cambridge University Press, 2006. ISBN 978-0-521-03169-1.