Codex Rohonczi

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Aufgeschlagener Kodex (Nachbildung)
Die Seiten 51v u. 51r des Codex Rohonczi
Die Seite 15r: Die Hauptfigur reitet auf einem Esel zu einem Sonnentempel, der auch mit christlichem Kreuz und mit Halbmond geschmückt ist, sowie einem unbekannten vierten Symbol. Der Weg ist mit Kreuzen bedeckt sowie mit zwei gewellten Fäden. Vor ihm steht ein sich bewegender Baum, eventuell eine Tanne. Im Inneren des Tempels findet ein Ritual statt.[1]
Die Seite 41r: Die Hauptfigur spricht mit einem König irgendwo in einem mehrdeutigen Tempel. Der Tempel ist mit zwei Lotosblumen gekrönt, die sich voneinander abwenden. Die linke weist 8 Stacheln auf, die rechte 9. Der König hält in seiner Hand ebenfalls eine Lotosblume, während ihn die Hauptfigur etwas fragt, oder segnet. Die Architektur ähnelt den Moldauklöstern aus der Zeit von 1500–1550[2]

Der Codex Rohonczi, benannt nach der ehemals westungarischen Stadt Rohonc (heute: Rechnitz, Österreich), ist ein aus 448 Seiten bestehendes Manuskript, das 87 Illustrationen enthält. Es wurde von Grafen Gusztáv Batthyány im Rahmen der Schenkung seiner Privatbibliothek 1838 an die Ungarische Akademie der Wissenschaften vermacht. Die weitere Herkunft der Handschrift ist unbekannt, ebenso wie die Schrift und die Sprache, in der sie verfasst ist. Die Anzahl der darin verwendeten Schriftzeichen ist etwa zehnmal so groß wie die Alphabete. Es wurden verschiedene Entzifferungsversuche unternommen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Codex Rohonczi ist ein gebundener Foliant bestehend aus 224 Blättern mit 448 Seiten (Verso, Recto) im Format 12 x 10 cm. Jede Seite ist mit neun bis vierzehn Zeilen beschrieben. Das Material der Blätter ist eine Papiersorte, die im frühen 16. Jahrhundert in Norditalien üblich war. Einige Seiten weisen ein Wasserzeichen in Form eines eingekreisten Ankers unter einem sechsstrahligem Stern auf. Jüngere Erkenntnisse deuten auf einen Herstellungsort in der Republik Venedig hin, was frühere Vermutungen über eine Entstehung vor dem Mittelalter entkräftet.

Die Schreibrichtung ist Objekt von Diskussionen. Die erkennbare Rechtsbündigkeit der Zeilen könnte darauf hindeuten, dass der Text von rechts nach links zu lesen ist. Ebenso könnte jede zweite Seite 'über Kopf' eingebunden worden sein (dies wird jedoch durch die Ausrichtung einiger Zeichnungen angezweifelt). Auf insgesamt 87 Seiten finden sich neben dem Text auch Miniaturzeichnungen in schwarz-weiß. Neben wiederkehrenden Figuren, die eventuell die Hauptpersonen der Handlung darstellen, sieht man Landschaften, Engel, gekrönte Könige, Priesterfiguren und häufig Kirchen oder religiöse Tempel. Diese sind mit verschiedenen religiösen Symbolen versehen, darunter Kreuze, Halbmonde und Sonnensymbole. Es scheint, dass die Miniaturen entweder eine Beschreibung einer synkretistischen Religion oder Sekte darstellen, oder die Erlebnisse der Hauptfiguren in einem multikonfessionellen Umfeld, in dem Christen, Muslime und Heiden vorkommen. Da der Text bis dato nicht entschlüsselt werden konnte, konzentrieren sich alle Deutungsversuche auf die Zeichnungen.

Der Text des Codex ist in einer unbekannten Schrift verfasst, die aus 150 bis 200 Zeichen besteht. Ob es sich dabei um eine unbekannte antike Schrift, oder eine vom Schreiber bzw. den Schreibern bewusst gewählte Geheimschrift handelt, konnte bis jetzt nicht geklärt werden. Forscher verfolgen unter anderem Ähnlichkeiten mit Ungarischen Runen, dakorumänischer oder anderen (evtl. apriorischen) Sprachen. Durch die Anzahl der verwendeten Zeichen dürfte es sich nicht um eine Buchstabenschrift handeln, sondern eher um eine Silbenschrift. Alle gängigen Konsonanten kombiniert mit den üblichen Vokalen würde eine Zahl von 150 bis 200 Zeichen ergeben. Doch dies ist nur eine der Vermutungen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rohonci-kódex – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bildbeschreibung von dacia.org: Codex Rohonczi, pag. 15a
  2. Bildbeschreibung von dacia.org: Codex Rohonczi, pag. 41a